„Oman ist anders!“ – „Aha?“

Nicht alle Ork-Staaten sind gleich schrecklich. Wenn man Rainer Hermann glauben darf, ist der Oman eine positive Ausnahme, nicht zuletzt durch das Engagement seines aufgeklärten Herrschers Sultan Qabus Bin Said Al Said (1). Mit einer Mischung aus kommunistischer Planwirtschaft und freiem Kapitalismus versucht er, sein Land in einen Industriestaat zu verwandeln, wobei ihm u.a. die deutsche „Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit“ (GTZ) helfen soll. Lesen Sie den Bericht von Rainer Hermann aus der heutigen FAZ.

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Oman bereitet sich auf die Zeit nach dem Öl vor

Das Land will bis 2020 eines mit Industrien sein, die Arbeitsplätze schaffen. Dazu muss die eigene Bevölkerung qualifiziert werden.

Mit deutscher Hilfe erweitert Oman die Grundlage seiner Volkswirtschaft und bereitet die Zeit nach dem Erdöl vor. Öl und Gas steuern noch 53 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt von 54 Milliarden Dollar bei. Die Förderung von Rohöl nimmt seit dem Förderhoch von 956.000 Barrel am Tag im Jahr 2001 jedoch ab und liegt bei nur noch 850.000 Barrel. Das ermöglicht Oman ein Einkommen je Einwohner, das über jenem der Tschechischen Republik und Saudi-Arabiens liegt.

Da die Bevölkerung von 3 Millionen Einwohnern – von ihnen sind zwei Drittel Omaner – jedes Jahr um 3,5 Prozent wächst und die Ölindustrie nur wenige Arbeitsplätze schafft, hat die Regierung die deutsche „Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit“ (GTZ) beauftragt, ein Programm zur Integration der jungen omanischen Bevölkerung in die Wirtschaft zu entwickeln. Oman will bis zum Jahr 2020 ein industrialisiertes Land mit Industriezweigen sein, die Arbeitsplätze schaffen.

So ist in Rusayl westlich der Hauptstadt Maskat ein Industriegebiet mit zweihundert Unternehmen entstanden, die für den lokalen Markt produzieren, zum Beispiel Kabel, Fliesen und Verpackungsgüter. In der Hafenstadt Sohar im Norden des Landes sind weniger arbeitsintensive Schwerindustrien angesiedelt worden. Dort werden Aluminium und petrochemische Produkte hergestellt, zum Beispiel mit einer von der Ferrostaal AG gebauten Methanolanlage, und der brasilianische Minenkonzern Vale verarbeitet Eisenerz zu Pellets. Die einheimische Gasförderung reicht aber nicht für den Bedarf der Schwerindustrie.

Das ägyptische Tourismusunternehmen Orascom entwickelt 80 Kilometer nördlich von Maskat in Sifah und im Süden des Landes nahe der Hafenstadt Salalah entlang von jeweils fünf Kilometern Küste Urlaubsresorts. In der klimatisch günstig gelegenen Stadt Salalah sind der Containerhafen, den die Regierung zu einem der größten Asiens ausbauen will, und die größte Hühnerfarm der Arabischen Halbinsel wichtige Arbeitgeber. Industrie soll in Duqm angesiedelt werden, zwischen Maskat und Salalah. Neben einem Flughafen und Industrieansiedlungen sind dort ein Trockendock und ein Kraftwerk geplant.

Um in den kommenden zehn Jahren ein industrialisiertes Land zu werden, benötige Oman jedes Jahr mindestens 35.000 zusätzliche Facharbeiter, rechnet Antonius Jax von der GTZ vor, der im „Ministerium für Arbeitskräfte“ das „Zentrum für die Entwicklung von Ausbildungsstandards und Prüfungen“ leitet. Denn die Unternehmen fänden keine gutqualifizierten Facharbeiter im Land. Daher sollen er und andere Experten der GTZ die Voraussetzungen für eine qualifizierte Ausbildung der Omaner schaffen. Jedes Jahr schließen 60.000 junge Omaner eine allgemeinbildende Schule ab.

In einem ersten Schritt haben sie sechzig Berufe bestimmt, die Oman benötigt und die sich für eine Beschäftigung von Omanern eignen. Dazu gehören Berufe in der verarbeitenden Industrie sowie in den Medien und der Informationstechnologie, aber auch traditionelle Beschäftigungen in der Fischerei, Landwirtschaft und der Schneiderei. In diesen Bereichen sind bereits Nichtomaner beschäftigt, überwiegend vom indischen Subkontinent, oft allerdings ohne ausreichende Ausbildung.

In einem zweiten Schritt dokumentieren sie die Anforderungen der Unternehmen, erstellen Berufsprofile und entwickeln in enger Abstimmung mit den Unternehmen standardisierte Prüfungen. Denn das duale Ausbildungssystem Deutschlands könne nicht „eins zu eins“ exportiert werden. In jedem Land müssten Lösungen gefunden werden, die die kulturellen Besonderheiten berücksichtigten, sagt Jax. In einem weiteren Schritt ist vorgesehen, in enger Abstimmung mit der Industrie die sechs staatlichen Berufsbildungszentren, die gegenwärtig jeweils rund 1000 Jugendliche ausbilden, auszubauen und weitere Ausbildungsprogramme anzubieten.

„Teil der Ausbildung ist die Arbeitsethik“, sagt Jax. Noch seien die Omaner oft nicht produktiv genug. Seien sie aber einmal ausgebildet, dann seien sie genauso leistungswillig wie die Ausländer, die ein Drittel der Bevölkerung stellten, sagt Jax. Bei weniger anspruchsvollen Tätigkeiten seien staatliche Stellen wegen der hohen Gehälter und kürzeren Arbeitszeiten für die Omaner gegenwärtig aber noch attraktiver als Tätigkeiten in der Privatwirtschaft.

Der Tourismus gilt als Branche mit einem hohen Potential zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Er erwirtschaftet erst 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, stellt aber 3 Prozent aller Erwerbstätigen. Bis 2012 soll der Flughafen Muskat auf eine Kapazität von 12 Millionen Passagieren verdoppelt werden. Erhöht wird auch die Zahl der Hotelbetten. Fachkreise schätzen, dass allein in Maskat 2000 Betten fehlen. Gegenwärtig addieren sich die Betten der Fünfsternehotels in Maskat auf ebenfalls 2000. Im ganzen Land sollen in den kommenden Jahren 20 neue Hotels gebaut werden.

„Die Ausbildung von Hotelfachkräften erfolgt schneller als der Bau neuer Hotels“, sagt Hans Morokutti, der seit sechs Jahren im Oman Tourism College für die praktischen Fächer verantwortlich ist. Aufgrund ihrer ausgeprägten Gastfreundschaft seien die Omaner für den Fremdenverkehr prädestiniert, meint der Österreicher. Gegenwärtig besuchen 675 Omaner – zwei Drittel sind Frauen – das College, das mit der Tourismusfachschule im österreichischen Krems zusammenarbeitet und dessen Unterrichtssprache Englisch ist. Die ersten Absolventen graduierten 2004. Einige sind bereits in Luxushotels in hohe Positionen aufgestiegen.

Die Studenten werden zu Köchen und Kellnern ausgebildet, zu Managern und Reiseführern. Morokutti steht in der Lehrküche, in der in einer Grundausbildung jeder Schüler zwölf Menüs mit jeweils drei Gängen lernen muss. In der benachbarten Massenküche werden jeden Tag bis zu 1.500 Essen gekocht, und in den Seminarräumen werden die Studenten in Managementmethoden und theoretischen Fächern unterrichtet. Eine Studentin will später im Flughafen arbeiten, eine andere ein Tourismusunternehmen gründen.

Die Eltern der meisten Schülerinnen und Schüler waren noch Analphabeten. Denn 1970 hatte Oman erst drei Schulen für Jungen. Fahd kommt aus einem Dorf in den Bergen und hatte dort eine Schule besucht. Nun will er den Tourismus in seine entlegene Heimat bringen. Ali hingegen will einen Massentourismus verhindern, wie ihn heute Dubai prägt. Den Tourismus in Dubai vergleicht er mit einem Ballon, der unkontrolliert aufgeblasen worden sei. Doch auch Oman wächst. So wurde der Staatshaushalt 2010 auf der Grundlage eines erwarteten Wirtschaftswachstums von 6,1 Prozent erstellt. Auch 2009 war die Wirtschaft um 2,7 Prozent gewachsen

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Im Oman scheint übrigens eine Form der Frauenverschleierung Sitte zu sein, die doch sehr an eine Pferdekandare (2) erinnert und damit den eigentlichen Sinn der Verschleierung der Mohammedanistinnen auf zugespitzte Weise (ungewollt) persifliert und verdeutlicht. Das Titelbild zeigt die Haupstadt Maskat.

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Time am 16. April 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/09/alle-wege-fuhren-nach-rom/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Kandare

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PS.: Lesenswert, „Amerikas Militär befürchtet Ölknappheit“, in der heutigen FAZ unter:
http://www.faz.net/s/Rub58BA8E456DE64F1890E34F4803239F4D/Doc~E66CD737F33634CC7BFFBEC1AE45E7A67~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

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