Was ist denn ein Kanacke?

Wortreich beklagt in der heutigen FAZ Leserin Zerrin Konyalioglu-Busch im Namen ihrer Gemeinschaft das „Versagen“ der bisher in Deutschland angewandten Sprachlehrmethoden und verleiht ihrer Hoffnung auf türkische Schulen auf subtile Weise Ausdruck. Sie tut so, als ob es allgemein für Ausländer schwer in Deutschland sei und unterschlägt in demagogischer Absicht, dass eigentlich nur EINE Gruppe in Deutschland versagt, und das sind die Mohammedanisten bzw. die Türken als ihre bei uns größte Untergruppe. PI heute (1):

„Ausländer integrieren sich gut in Deutschland – bis auf Türken. Dieses ‚überraschende‘ Ergebnis brachte eine Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zu Tage. Polen, Griechen, Italiener und mit einigen Abstrichen auch Migranten aus dem früheren Jugoslawien würden sich demnach gut integrieren. Polen beispielsweise kämen her, um zu arbeiten. Hätten sie keine, würden sie wieder gehen. Türken dagegen blieben. Auch die Schulabschlüsse der Türken seien mangelhaft. Fast zwei Drittel der hier lebenden Polen und 60 Prozent der Griechen hätten mittlere oder hohe Schulbildung, Italiener und Migranten aus dem früheren Jugoslawien zu rund 44 Prozent. Unter den Türken hätten lediglich 41 Prozent einen solchen Bildungsstand.“

It’s Fieslahm, baby, it’s Aggressivität und Selbstmitleid – aber was bitte ist ein Kanacke (2)?

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Man verständigt sich auf „Kanackendeutsch“

Zum Leitartikel „Erst die Landessprache“ von Uta Rasche (F.A.Z. vom 8. April – 3): Die meisten Kinder von türkischen Einwandererfamilien werden in Deutschland geboren und durchlaufen von Anfang an deutsche Schulen. Trotzdem sind ihre Deutschkenntnisse schlecht. Aufgrund ihrer mangelnden Deutschkompetenz schaffen nur 13 Prozent das Abitur. 35 Prozent von ihnen erreichen den Hauptschulabschluss, 13 Prozent besitzen nicht einmal den.

Um des Sprachproblems AUSLÄNDISCHER Schüler Herr zu werden, wurden mehrere Maßnahmen ergriffen. Die Deutschförderstunden in Schulen wurden aufgestockt, der muttersprachliche Unterricht, der zum Teil in Schulen angeboten wurde, wurde massiv zurückgefahren, die Eltern wurden angehalten, mit ihren Kindern Deutsch zu sprechen und sie möglichst frühzeitig in den Kindergarten zu schicken. Zumindest die Sprachwissenschaftler sind sich einig, dass die Beherrschung der Muttersprache die Voraussetzung für den Zweitsprachen-Erwerb ist, dass Eltern mit schlechten Deutschkenntnissen auch schlechte Sprachvorbilder sind, dass Kinder, die sich in der Sprachentwicklung befinden, durch den Kindergarten nicht nur positiv, sondern auch negativ beeinflusst werden können je nachdem, ob sie einen Multi-Kulti-Kindergarten besuchen oder eine deutschsprachige Kita.

Inzwischen haben diese Kinder auch Probleme mit ihrer eigenen Muttersprache. In der Praxis äußert sich das so, dass betroffene Kinder nicht imstande sind, eine längere Konversation in einer der beiden Sprachen durchgängig zu führen. Sie vermischen beide Sprachen, kennen oftmals die Bedeutung eines Wortes nur in einer Sprache, haben einen eingeschränkten Wortschatz und häufig Wortfindungsschwierigkeiten. Da sie die Orthographie weder in der Muttersprache noch in der Zweitsprache (Deutsch) richtig beherrschen, sind sie auch nicht imstande, unbekannte Wörter in der einen oder anderen Sprache nachzuschlagen. Sie sprechen inzwischen eine andere Sprache, ein Mix aus beiden Sprachen, quasi die deutsch-türkische Antwort auf verpasste Chancen: Kanackendeutsch.

Dass zwischen Muttersprache und der zu erlernenden Fremd- beziehungsweise Zweitsprache eine Korrelation besteht, ist wissenschaftlich belegt. Es ist auch nachgewiesen, dass der Entwicklungsstand in der Muttersprache entsprechende Auswirkungen auf den Zweitsprachen-Erwerb hat. In einer „Ghettoschule“ Deutsch zu lernen ist aus mehreren Gründen problematisch. Zum einen mangelt es an „Sprachvorbildern“, das heißt an Schülern, die über eine hohe Deutschkompetenz verfügen und somit eine sprachliche Vorbildfunktion hätten. Die Klassen sind multinational und multilingual. Jeder Schüler trägt seine – von der Muttersprache zusätzlich beeinflusste – Sprachbiographie und Sprachkompetenz in die Klassengemeinschaft hinein und beeinflusst wiederum das Sprachniveau seiner Klasse. Zum anderen sind es die Lehrer, die nicht ausreichend auf ihre bilinguale Schülerschaft vorbereitet wurden. Hinzu kommt, dass die meisten Eltern dieser Schüler nicht zum Bildungsbürgertum gehören.

Inwieweit türkische Privatschulen des Sprachproblems Herr werden, wird sich zeigen. Fakt ist, auch für staatliche Schulen brauchen wir Konzepte zur Förderung der Deutschkompetenz, denn die bisherigen Sprachmethoden haben versagt.

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Time am 17. April 2010

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1) http://www.pi-news.net/2010/04/probleme-vor-allem-mit-tuerken/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Kanake
3) http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~EBB51B9167CC944D083C27BBD7BBF6548~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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