Kolonialismus reloaded

Ich habe im Januar folgendes Zitat des Kommentators „Traveller“ vom „Brussels Journal“ gebracht, welches mich beeindruckt hatte: „My Pakistani friends have following to say about your forefathers: When we were under British rule it took 20.000 English gentlemen to rule the country peacefully, a whole continent of approx. 500 million people. Today we have 40.000 policemen in Karachi and cannot run that city peacefully.“ (1)

Ganz so einfach ist die Angelegenheit denn aber doch nicht, wie aus einem m.E. interessanten Aufsatz des amerikanischen Historikers Frederick Cooper hervorgeht, den die gestrige FAZ gestern brachte. Cooper ist mit seiner „Gatekeeper-Theorie“ bekannt geworden (2), die besagt, dass die afrikanischen Staaten nicht „durchkolonisiert“ wurden, sondern lediglich insofern, als dass Aufstände niedergeschlagen wurden und die Verbindungen zwischen National- und Weltwirtschaft (Bodenschätze) kontrolliert und offen gehalten wurden („systematically conquered but not so systematically ruled“). Dies System sei nach dem Ende des Kolonialismus von den nationalen Eliten aka Warlords fortgesetzt worden. Andreas Eckert hatte am 22. 8. 2005 in einer Buchrezension in der FAZ über Cooper geschrieben (3):

„(…) Überdies setzt sich zunehmend die Einsicht durch, daß das koloniale Projekt keine Einbahnstraße war und nicht nur die Kolonisierten, sondern ebenso die Kolonisierenden prägte und veränderte. Folglich geraten die Rückwirkungen der kolonialen Erfahrungen auf die ‚Metropolen‘ verstärkt in das Blickfeld der Forschung. Eine Geschichte Europas unter Ausblendung von Imperialismus und Kolonialismus zu schreiben muß heute als antiquiert gelten. Die gegenwärtig prominenten ‚zentrumsorientierten‘ Studien zur Kolonialgeschichte interessieren sich allerdings wenig für die Gegebenheiten in den Kolonien selbst und schon gar nicht für die Kolonisierten. Auf der anderen Seite zeichnen viele Studien etwa zur afrikanischen oder asiatischen Geschichte immer noch ein recht plakatives Bild von den europäischen Kolonialherren.

In einem zusammen mit Ann Laura Stoler verfaßten programmatischen Aufsatz hat Frederick Cooper vor einigen Jahren hingegen betont, die Geschichte von Kolonisierten und Kolonisierenden müsse in ein gemeinsames analytisches Feld integriert werden. Dieser Aufruf ist in der Folge immer wieder zustimmend zitiert, bisher jedoch nur recht selten empirisch eingelöst worden. Auch Cooper, hervorgetreten durch zahlreiche innovative Studien etwa zur Sklaverei und zur Dekolonisation in Afrika, geht es in seinem neuen Buch weniger um eine empirisch belastbare Darstellung der Wechselwirkungen der kolonialen Begegnung. Die Essaysammlung ‚Colonialism in Question‘ ist vielmehr eine ebenso originelle wie anspruchsvolle tour d’horizon, auf der grundlegende theoretische, methodische und epistemologische Fragen und Probleme bei der Beschäftigung mit dem Thema Kolonialismus diskutiert werden.

Die Auseinandersetzung mit Fragen des Kolonialismus fungiert in diesem Buch überdies gleichsam als Auslöser, um generell den Konformitätsdruck in den Sozial- und Kulturwissenschaften durch akademische Hierarchien, vermeintlich „unbedingt erforderliche“ Methodologien und theoretischen Konservatismus zu beklagen. Einst provokative Konstrukte, konstatiert Cooper, haben sich nicht nur in der Kolonialismusforschung allzu oft in Klischees verwandelt. (…)“

In diesem Sinne verfolgt Cooper die Idee, die Hoheit der Wirtschaftswissenschaften über die Entwicklungspolitik aufzulösen ebenso wie das Infragestellen plumpen linken, „antiimperialistischen“ Denkens. Fast wehmütig schreibt er: „Für einen kurzen Moment nach dem Zweiten Weltkrieg bedeutete das imperiale ‚Wir‘ – mit all dem Paternalismus, der Hierarchie und mitunter auch Gewalt, die es implizierte -, dass den Kolonisierten eine andere Sprache zur Verfügung stand: eine Sprache von Rechten und Ansprüchen.“

Nicht nur das, meine ich. Wie er selbst berichtet, verabschiedete Großbritannien bereits 1940 das „Gesetz über koloniale Entwicklung und Wohlfahrt“ und vor allem, das Projekt lief, und es lief zum Nutzen der Menschen stetig aufwärts.

Insofern mag ein neuer „Paternalismus“, der nicht nur militärisch sondern auch vertraglich mit den Subjekten selbst abgesichert werden sollte, zielführender sein als die Entwicklungspolitik der letzten 40 Jahre. Lesen Sie jetzt jedoch Coopers Aufsatz in der Übersetzung von Felix Kurz.

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„Entwicklung“ – die Geschichte einer sozialen Idee

Noch bestimmen Ökonomen darüber, welche Länder als entwickelt anzusehen sind und welche nicht. Die Geschichte der Entwicklungspolitik gibt Anlass, das in Frage zu stellen.

In den Wirtschaftswissenschaften hat sich der Entwicklungsgedanke zäh gegen etliche Versuche seiner Abschaffung behaupten können. Orthodoxe Ökonomen behaupteten anfangs, dass es keine Entwicklungsökonomie geben könne – man könne Märkte zwar beschreiben, nicht aber in sie eingreifen. Doch Ökonomen wie William Arthur Lewis vermochten es, der neuen Subdisziplin in den vierziger und frühen fünfziger Jahren eine solide Grundlage zu verschaffen. Bis in die achtziger Jahre wiederum schien der Entwicklungsgedanke im Namen der Marktorthodoxie vollständig aus den höheren Rängen der wirtschaftswissenschaftlichen Disziplin verbannt worden zu sein.

Doch das Ende der Entwicklung hatte man voreilig ausgerufen. Angesehene Ökonomen wie Jeffrey Sachs wandten sich von der Position ab, dass die Entwicklungsländer der Marktdisziplin zu unterwerfen seien, und wurden zu Befürwortern kostspieliger Armutsbekämpfungsprogramme von Staaten und internationalen Organisationen. Der Markt, so hieß es nun, vollbringe keine Wunder. Um die Grundbedürfnisse der Armen zu befriedigen und ganzen Gruppen von Menschen Zugang zu dem Wissen, den Technologien und Wahlfreiheiten zu verschaffen, die einem Großteil der Weltbevölkerung heute zugutekommen, müsse er politisch flankiert werden.

Nicht nur Marktliberale, auch Teile der Linken stellten die Legitimität der Ideen von Entwicklung in Frage. Sie wurden als Verschwörung zur weltweiten Absicherung des Kapitalismus dargestellt, als eigennütziges Bündnis lokaler Eliten und ausländischer Unternehmen zur Ausbeutung der Bauern und als einträgliches Geschäft für westliche Experten, die mit ihrem Wissen hausieren gehen. Einige Linke sehen im Entwicklungsdiskurs weniger ein Programm zur Verbesserung des Lebens der Armen als ein Mittel, die globale Hierarchie zu zementieren: die Spaltung in entwickelte und unterentwickelte Länder, in der die frühere Unterscheidung zwischen Kultur und Barbarei einen Nachhall finde. Der westliche Mitarbeiter einer NGO möge zwar der Meinung sein, dass er anderen Menschen zu einer besseren Ernährung verhilft, doch in Wirklichkeit trage er dazu bei, die westliche Moderne in anderen Regionen einzuführen, der Welt also einen alternativlosen Weg zu einem besseren Leben vorzuschreiben, an dem sich auch zu orientieren hat, wer wenig Aussicht besitzt, je am Ziel anzugelangen.

Doch auch diese Angriffe hat der Entwicklungsgedanke überlebt, und zwar aus einem einfachen Grund. So viel Treffendes die Kritik an eigennützigen Institutionen und Ideologien der Entwicklung auch enthält, sie versorgt keinen Bedürftigen mit Trinkwasser, sie mildert nicht das Joch von Frauen, die zwischen ländlichem Patriarchat und städtischer Ausbeutung gefangen sind, sie verteilt keine Medikamente gegen Malaria und Diarrhö bei Kindern.

Eine dynamische Betrachtung der Geschichte der Entwicklung muss mit der Ära des Kolonialismus beginnen, und zwar mit der neuen Konstellation von Kolonialismus und Entwicklung in den vierziger Jahren. Zwar investierten schon zuvor Kolonialregierungen in Eisenbahnen und bauten Schulen und Krankenhäuser, doch in den zwanziger und dreißiger Jahren waren sie noch keineswegs gewillt, mit Steuermitteln aus den Metropolen ein umfassendes Programm zur Verbesserung des Lebensstandards der Kolonisierten zu verfolgen. Nachdem es von 1935 bis 1939 in Westindien und Afrika zu einer Serie von Streiks und Unruhen gekommen war, begannen britische Verantwortliche schließlich, Armut als ein Problem des Empire und Entwicklung als probates Gegenmittel zu sehen. Das Gesetz über koloniale Entwicklung und Wohlfahrt von 1940 setzte sich zum Ziel, den eingeborenen Bevölkerungen – insbesondere den Lohnarbeitern – zu einem höheren Lebensstandard zu verhelfen. Es sah Mittel für Wohnungsbau, Bildung und andere Sozialleistungen sowie für Forschung vor. Frankreich legte 1946 seinen eigenen Entwicklungsplan vor.

Diese Initiativen begründeten eine Konzeption, die sich als ungemein langlebig erwies: Staatliche Projekte sollten Ressourcen in andere Kanäle lenken, als der Markt es tut. Doch in einem solchen Rahmen bringt Entwicklung unweigerlich Machtbeziehungen mit sich – sie erfordert und honoriert das Wissen von Experten und setzt Ungleichheit und Hierarchien voraus, auch wenn sie die Kluft zwischen verschiedenen Lebensstandards zu verringern beansprucht. Der Gedanke an Entwicklung beförderte in Afrika wie Indien bestimmte Ansprüche der Bevölkerung, und selbst seine technischsten Aspekte wurden schließlich in ihren politischen Dimensionen erkennbar.

Die Entwicklungspolitik war Teil eines umfassenden Versuchs der Kolonialmächte, statt pseudo-traditionalistischer Führer neue Modernisierungseliten zu Teilhabern ihrer sich wandelnden imperialen Regime zu machen. Doch weder Großbritannien noch Frankreich vermochten die Konsequenzen dieser politischen Verschiebung vorauszusehen: Binnen kurzer Zeit stellte sich heraus, dass ein beweglicherer Kolonialismus auch wesentlich angreifbarer war, als es frühere, konservativere Kolonialregime gewesen waren. Beide Kolonialmächte standen vor dem Dilemma, dass ein Scheitern ihres Versuchs, die gärende Unruhe in den Kolonien einzudämmen, zur Revolution zu führen drohte, während sein Erfolg die Verpflichtung mit sich bringen würde, den Lebensstandard der Bürger in den Kolonien auf ein europäisches Niveau anzuheben.

Seit die Kolonialregierungen ihre Entwicklungsinitiativen auf den Weg gebracht haben, sind fast siebzig Jahre vergangen. Die meisten afrikanischen Länder sind seit fünfzig Jahren unabhängig, eine Reihe asiatischer Staaten noch länger. Einige ehemals kolonisierte Länder, etwa Malaysia und Südkorea, sind mittlerweile zu Industrienationen geworden. In den sechziger und siebziger Jahren erlebten die meisten afrikanischen Länder ein signifikantes, wenngleich bescheidenes Wirtschaftswachstum, und wichtiger noch war, dass die Lebenserwartung stieg, die Kindersterblichkeit zurückging und sich der Zugang zu Bildung verbesserte. Staatliches Handeln hatte erheblichen Anteil an der Transformation asiatischer und afrikanischer Ökonomien und Gesellschaften.

Eine Zeitlang konnten Afrikaner, die Kakao anbauten oder in Kupferbergwerken arbeiteten, die begründete Erwartung hegen, durch ihre Arbeit zu bescheidenem Wohlstand zu gelangen und als Bürger staatliche Leistungen zu empfangen. Bildung genoss eine hohe Wertschätzung, da Afrikaner erwarteten, mit ihren Qualifikationen zur Entwicklung beizutragen und dafür angemessen bezahlt zu werden.

Mit den Ölschocks und der weltweiten Rezession der siebziger Jahre änderte sich dies grundlegend. Die Strukturanpassungsprogramme der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds untergruben in den achtziger Jahren ebenjene sozialpolitischen Maßnahmen, die vielen Menschen Hoffnung gegeben und neue Möglichkeiten eröffnet hatten, während die versprochenen Wunderwirkungen des Marktes ausblieben. Die Politik der Entwicklung wurde zur Politik der Abschreibungen, und die Schuld dafür wurde nicht bei globalen Strukturen gesucht, sondern schlechten Regierungen zugeschrieben. Fiel die Bilanz der Entwicklungspolitik bis in die siebziger Jahre noch gemischt aus, so hatten die marktorientierten Strategien im Afrika der achtziger und neunziger Jahre durchweg negative Resultate. Den Bemühungen, Demokratie und Bürgerrechte zu stärken, stand die Tatsache entgegen, dass Staatsbürgerschaft kaum mehr mit staatlichen Leistungen oder Aufstiegschancen verbunden war. Die Kürzung der Entwicklungshilfe sowie der Abbau staatlicher Regulierung und Bürokratie sollten die Eigeninitiative der lokalen Bevölkerung beflügeln, die jedoch häufig nur darin bestand, dass Warlords Armeen oder unterbezahlte Staatsangestellte illegale Geschäfte organisierten und sich insgesamt der Klientelismus verfestigte. Eigeninitiative und Improvisation hatten nicht immer erfreuliche Ergebnisse.

Die endlose Debatte darüber, ob Entwicklungshilfe gut oder schlecht sei, bekommt eine andere Wendung, wenn die Frage historisch gestellt wird. Hilfe und erst recht Entwicklungshilfe setzt eine Unterscheidung zwischen „uns“ und „ihnen“ voraus, die sie zugleich verstärkt: Die Wohlhabenden geben den Armen. Doch die Grenze zwischen „uns“ und „ihnen“ hat eine Geschichte. Für einen kurzen Moment nach dem Zweiten Weltkrieg bedeutete das imperiale „Wir“ – mit all dem Paternalismus, der Hierarchie und mitunter auch Gewalt, die es implizierte -, dass den Kolonisierten eine andere Sprache zur Verfügung stand: eine Sprache von Rechten und Ansprüchen.

Zeitweilig zeichneten sich am Horizont Gestalten eines „Wir“ ab, die eine Alternative zu imperialer Einverleibung wie nationaler Trennung versprachen: die Verwandlung des Imperiums in eine Konföderation oder ein Commonwealth, mit gleichberechtigter Partizipation der ehemaligen Kolonien und Metropolen an gemeinsamen Regierungsfunktionen bei gleichzeitiger Autonomie in territorialen Angelegenheiten; oder ein geschlossen handelnder Dritte-Welt-Block, der die ehemaligen Kolonialmächte umgehen würde; oder die Schaffung eines kommunistischen Blocks durch internationale Revolution oder der Gedanke einer globalen Staatsbürgerschaft, der die im Begriff der staatlichen Souveränität implizierte Abschottung zurückweist und darauf besteht, dass allen Menschen schon durch ihre Zugehörigkeit zum Menschengeschlecht das Recht auf Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse zukommt.

Diese scheinbar allerutopischste Ansicht existiert latent bereits seit dem Niedergang der Kolonialreiche und tritt immer wieder in öffentlichen Mobilisierungen wie der Kampagne für das Schuldenerlassjahr 2000 deutlich zutage: Das grundlegendste Motiv für grenzüberschreitende Entwicklungsprogramme besteht darin, dass „wir“ und „sie“ letztlich gar nicht so sehr voneinander getrennt sind.

Je mehr kleine, ökonomisch schwache Staaten entstanden, umso stärker waren ihre Regierungen mit Blick auf den eigenen Machterhalt vor allem daran interessiert, als Klientenstaat Beziehungen zu Schutzmächten, will sagen: reichen Ländern, Konzernen oder internationalen Finanzinstitutionen zu pflegen, und weniger daran, ihre Wirtschaftsbeziehungen zu anderen armen Ländern auszubauen. Demokratische Politik, Gewerkschaften, Bauernverbände und andere Organisationen wurden von den Führern der neuen Staaten in der Regel gefürchtet, denn es schien fraglich, ob ihre Regierungen die Ansprüche einer Bürgerschaft erfüllen könnten, die bereits wirtschaftlich starke Kolonialreiche erschüttert hatte. Stattdessen waren sie darauf aus, ihre Kontrolle über die Schnittstelle zwischen nationaler und internationaler Wirtschaft dazu zu nutzen, die Ressourcen in ihren eigenen Händen zu behalten. So wurden ihre Staaten zu „Gatekeepern“.

Auf dieses historische Muster gehen auch die gravierendsten Mängel der heutigen Entwicklungspolitik zurück: Kapital, Know-how und internationale Beziehungen werden zu einer Ressource im Besitz der regierenden Elite; anstatt den Zugang zu Ressourcen zu verbessern, werden sie in wenigen Händen konzentriert; und die Eliten der reichen und der armen Länder bilden klientelistische Netzwerke, die keiner demokratischen Kontrolle unterliegen. Die Fiktion der Souveränität dient den Regierungen der entwickelten wie der unterentwickelten Länder dazu, ihre asymmetrische Beziehung ohne klare Verantwortlichkeiten aufrechtzuerhalten: Souveränität kann die Entwicklungsländer vor unangenehmen Fragen bewahren.

Der am wenigsten überzeugende, weil unhistorischste Aspekt mancher Kritik der Entwicklungspolitik ist die Gegenüberstellung „guter“ indigener Praktiken und „schlechter“ Entwicklung. Der Mythos der Gemeinschaft kann einer herrschenden Clique ebenso dienlich sein, wie es der Mythos des „modernen“ Know-how für internationale Finanzinstitutionen ist. Indigene Gemeinschaften mögen wertvolles Wissen über die Nutzung lokaler Ressourcen besitzen und weitergeben, aber ihre Führer haben nicht weniger blinde Flecken und eigennützige Interessen als außenstehende Experten.

Die wichtigste unbeabsichtigte Folge, die der Einzug des Entwicklungsgedankens in die koloniale und später postkoloniale Politik hatte, besteht darin, ein Thema geschaffen zu haben, das auf der ganzen Welt in schmerzlich konkreter Weise diskutiert werden kann. Es gibt keinen zwingenden Grund dafür, dass die Situation halbverhungerter Kinder in einem Flüchtlingslager im Tschad Gegenstand von Kontroversen in Genf oder London sein sollte. Dass sie es ist, mag zu bestimmten Bildern von „ihnen“ als den Armen und Verelendeten beitragen, aber es unterstreicht zugleich den Anteil, den „wir“ an der Vergangenheit und Zukunft aller Menschen haben. In den „unterentwickelten Ländern“ implizierte der Entwicklungsgedanke, dass Staaten ihre Bevölkerung „entwickeln“ sollten, die Bevölkerung darüber mitbestimmen sollte, wie dieser Prozess vonstattengeht. Und dass mit der Regierung an Ort und Stelle sowie den globalen Institutionen etwas nicht stimmen kann, wenn ein solcher Prozess nicht den Betroffenen zugutekommt.

Die Geschichte der Entwicklung spricht dafür, dass dies für die Zukunft ebenso gilt wie für große Teile der Vergangenheit; die Konsequenzen eines bestimmten Handelns können nicht durch Verallgemeinerungen über „die Moderne“ oder „Entwicklung“ beurteilt werden, weder von Befürwortern noch von Kritikern von Entwicklungsinitiativen. Es gibt keine Alternative zur Untersuchung der Frage, wem Programme für wirtschaftlichen Wandel helfen und wem sie schaden, für wen sie unerwartete Möglichkeiten oder auch Einschränkungen bedeuten. Wenn wir mit Blick auf die Vergangenheit nachzeichnen können, welche positiven und negativen, beabsichtigten und unbeabsichtigten Konsequenzen ein bestimmtes Handeln hatte, müssen wir mit Blick auf die Zukunft die Frage nach der Verantwortung stellen. Die Geschichte der Entwicklung ist vor allem eine Geschichte sich verändernder Erwartungen.

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Außerordentlich interessant finde ich diese Passage: „Eine Zeitlang konnten Afrikaner, die Kakao anbauten oder in Kupferbergwerken arbeiteten, die begründete Erwartung hegen, durch ihre Arbeit zu bescheidenem Wohlstand zu gelangen und als Bürger staatliche Leistungen zu empfangen. Bildung genoss eine hohe Wertschätzung, da Afrikaner erwarteten, mit ihren Qualifikationen zur Entwicklung beizutragen und dafür angemessen bezahlt zu werden. Mit den Ölschocks und der weltweiten Rezession der siebziger Jahre änderte sich dies grundlegend.“

Dies bedeutet nichts anderes, als dass die Mohammedanisten von Cooper für das Scheitern der westlichen Entwicklungspolitik verantwortlich gemacht werden, die bis dahin relativ erfolgreich gewesen sei. Mit „Ölschock“ ist natürlich die „erste Ölkrise“ (4) gemeint, die von den mohammedanistischen Staaten Iran, Algerien, Irak, Katar, Kuwait, Libyen, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgelöst wurde, indem diese bewusst die Ölförderung drosselten. Ziel sollte es sein, die westlichen Länder von ihrer Unterstützung Israels abzubringen, das am 6. Oktober 1973 ohne Kriegserklärung am wichtigsten jüdischen Feiertag „Jom Kippur“ von Ägypten und Syrien angegriffen worden war (5), im den Orks „heiligen“ Monat Ramadan, versteht sich. Die hinterhältigen Großmäuler verloren auch ihren dritten Krieg gegen Israel. Dieser und der ihn unterstützende Wirtschaftskrieg gegen den Westen sollten m.E. unbedingt als Jihad gesehen werden. Insofern müsste der Ausbruch des „modernen“ Jihad nicht erst mit Klomeinis Machtergreifung angesetzt werden, sondern schon gut fünf Jahre früher. Insgesamt liegen die Daten eng zusammen, und man meint ein Anschwellen des Jihad gleich des Schwarmverhaltens wie z.B. bei Insektenvölkern zu erkennen, bis zur heutigen Situation, da die Mohammedanisten uns im Auenland (6) täglich mit Nachrichten über ihre grausamen Taten erschrecken. Ich glaube jedoch, SIE sind dabei, den Bogen mächtig zu überspannen, er wird zerbrechen oder IHNEN um die Ohren fliegen.

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Time am 22. April 2010

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1) http://www.brusselsjournal.com/node/2749
2) http://en.wikipedia.org/wiki/Gatekeeper_state
3) http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~ECD5EEC3BE4E247ECBBD4F306AB3CFE25~ATpl~Ecommon~Scontent.html
4) http://de.wikipedia.org/wiki/Ölkrise
5) http://de.wikipedia.org/wiki/Jom-Kippur-Krieg
6) http://de.wikipedia.org/wiki/Hobbit

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PS.: Heute feiert dieses Blog einjähriges Bestehen! Bleiben Sie mir gewogen – ich grüße Sie!

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