Sogar 85% der Orks wollen: Ruhe vor A’loch

„Fördert der organisierte Islam die Integration?“ fragte die Monatszeitschrift der linken Lehrergewerkschaft GEW („Erziehung und Wissenschaft“/5) die Soziologin und Publizistin Necla Kelek. Hier ihre Antwort:

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Kein Staat zu machen

Der Islam ist eine Religion der Migration. Die meisten Muslime sind durch Zuwanderung nach Deutschland gekommen, deshalb ist Islampolltik auch Integrationspolltik.

Die Muslime berufen sich auf ihre Glaubensvielfalt, allein in Deutschland gibt es über 70 verschiedene Glaubensrichtungen und Sekten, die sich als islamisch bezeichnen. Selbst die großen Islamverbände vertreten nur zehn bis 15 Prozent der zu den Muslimen gerechneten 4,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger und sie sprechen auch nur einen Teil der Moscheegänger an. Auch untereinander stehen die Verbände im Widerspruch, wie ihre Haltung zur Islamkonferenz im Mal zeigt. Die säkularen Muslime, also die, die sich nicht zuerst religiös definieren und sich nicht durch die Verbände vertreten lassen wollen, stellen die Mehrheit dar. Keine Organisation kann aber für „den Islam“, die Verbände können auch nicht für „die“ Muslime sprechen.

Der Zentralrat, dessen Generalsekretär Aiman Mazyek ist, hat angeblich 15.000 Mitglieder, eine Zahl, die nicht dafür spricht, dass der Zentralrat repräsentativ für die Muslime in Deutschland auftreten kann. Aber gegen Interessenvertretung ist nichts einzuwenden. Nur, die muslimischen Organisationen müssen sich, wenn sie ernst genommen werden wollen, öffentliche Fragen gefallen lassen: Was sie in ihren Moscheen und Koranschulen predigen, zu ihrer demokratischen Legitimation, zu ihren Zielen, ihrer Finanzierung, was sie lehren und welche Folgen für die Gesellschaft damit verbunden sind? Zu fragen ist auch: Fördern sie ihre Mitglieder so, dass diese Teil der demokratischen Gesellschaft werden oder betreiben sie deren Abgrenzung? Sie sind m.E. Glaubenspartelen, die mit ihrer Politik auf religiösen Einfluss zielen, auf Rechtsprechung, Religionsunterricht, Imamausbildung, die vom Staat finanziert, aber nur von ihnen selbst inhaltlich bestimmt und kontrolliert werden soll. Für mich sind solche Organisationen politische Kontrahenten im Integrationsprozess, auch weil sie inhaltlich einen Scharia-Islam vertreten.

Leisten die Verbände einen positiven Beitrag zur Integration? Ein Großteil der Integrationshemmnisse ist erst mit dem Aufkommen der Moscheevereine entstanden. Die Segregation der Muslime hat sich seit Mitte der 1980er-Jahre unter dem Einfluss der Moscheevereine und ihrer Verbände entwickelt. Diese haben den Islam zur Identität der Migranten stilisiert und diese Identität politisiert. Ihre Politik, beispielsweise was das Kopftuch betrifft, hat immer auf eine muslimisch-türkische Identität als Abgrenzungsmerkmal gezielt.

Im Rahmen der Islamkonferenz habe ich im März 2008 gemeinsam mit Verbandsvertretern eine Schule im Berliner Stadtteil Wedding mit 92 Prozent muslimisch-migrantischer Schülerschaft besucht. Das Kollegium berichtete in großer Offenheit über die Verweigerungshaltung der muslimisch geprägten Schüler- und Elternschaft gegenüber dem öffentlichen Bildungsauftrag. Die Berichte waren dramatisch und reichten von der Ablehnung, Englisch zu lernen über den Elternprotest gegen Sexualkunde-Unterricht bis zum Mobbing Andersgläubiger. Den Vertretern der Islamverbände waren die Sorgen der Pädagogen nur Belehrungen wert. Die Lehrkräfte seien „in religiösen Fragen sehr unsensibel“ und es fehle ihnen wohl an „gutem Willen.“ Das schrieb der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Axel Ayyub Köhler. Köhler meinte, dass sich „die Tendenz bemerkbar macht, die Rellgionsfreiheit einer wie auch immer verstandenen Integration unterzuordnen. Dieser Tendenz ist unbedingt Einhalt zu gebieten!“ Eine offene Absage an Integration. Rellgionsfreiheit bedeutet für die Verbände das Recht, im Namen des Islam zu sprechen. Die Verbandsvertreter führen sich auf wie Stammesführer, die die Muslime als ihre Mündel betrachten und Kritik mit Rassismus gleichsetzen. Mit diesen Organisationen ist kein Staat und keine Integration zu machen, sie sind Lobbyisten eines anderen Gesellschaftsmodells.

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Time am 10. Mai 2010

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Necla Keleks aktuelles Buch: „Himmelsreise. Mein Streit mit den Wächtern des Islam“, Kiepenheuer & Witsch 2010, 272 Seiten, 18,95 Euro.

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https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/05/09/80-der-orks-wollen-ruhe-vor-allah/

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