Have You Seen Dignity?

Mit der Würde ist das so eine Sache, wie auch Bob Dylan 1991 (1) mit seinem Song „Dignity“ befand. Zu einem unsäglichen Artikel des Özkan-Verehrers Georg Paul Hefty (2), der am 5. Mai in der FAZ der CDU vorgeschlagen hatte, das „demokratisch“ und das „christlich“ aus dem Namen zu streichen, und sich statt dessen mehr auf die „Menschenwürde“ zu konzentrieren, um für das fundamentalistische Fünftel der 0,875% der Turkdeutschen attraktiv zu werden, brachte die heutige FAZ einen Leserbrief von Dr. Rainer Grauf, der die unterschiedlichen Inhalte des Begriffes „Menschenwürde“ skizziert.

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Würde und Gottesebenbildlichkeit

Der Leitartikel „Christlich-muslimische Plattform“ von Georg Paul Hefty (3) legt die Folgerung nahe: Wir einigen uns darauf, vom „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ und von „Menschenwürde“ als Grundlagen unseres politisch-gesellschaftlichen Handelns zu sprechen, und dann funktioniert eine christlich-muslimische Zusammenarbeit auf dem Boden und im Sinne des Grundgesetzes. Funktioniert es wirklich, auf Dauer? Meinen wir wenigstens in wesentlichen Schnittmengen das Gleiche, wenn wir die Begriffe „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ und Menschenwürde verwenden?

Das in den westlichen Kulturen herausgebildete Verständnis von der bedingungslosen Würde des Menschen beruht nicht nur auf dem philosophisch-theologischen Lehrsatz von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, sondern, in noch höherem Maß, auf der Geschichte von der Selbsterniedrigung des trinitarischen Gottes in Jesus Christus, hin zu denen, die ihre Gottesebenbildlichkeit und Würde schuldhaft verdorben und verspielt haben, also: hin zu denen, die wissen, dass sie alle Bedingungen verfehlt und einen Anspruch auf Würde verdorben haben. Nehmen wir die Verwurzelung des Würde-Begriffs in dieser Geschichte der Selbsterniedrigung Gottes weg, dann entsteht, oft unbeabsichtigt, aber doch wirksam, ein Gefälle hin zu einem bedingten Verständnis von Menschenwürde: Ja, der Mensch hat Würde – und im Kleingedruckten steht: außer, wenn…

Illustrationen zu diesem „außer“ finden wir bei den Ideologien des 20. Jahrhunderts. Leider ist auch in Gesellschaften mit islamischer Prägung zu beobachten, dass der Begriff Menschenwürde als bedingt verstanden wird. Die Praxis ist: Dem Einzelnen wird Würde zugestanden, wenn er nicht bestimmte Bedingungen verletzt. Andernfalls tritt für den Betreffenden Schutzlosigkeit ein.

Das zeigt, dass wir den Begriff Menschenwürde nicht von seinen geschichtlichen Wurzeln trennen und dann davon ausgehen können, dass es trotz unterschiedlicher Wurzeln eine wesenhafte Übereinstimmung gibt. Deshalb wird muslimischen Mitbürgern, die nach Wort und Geist des Grundgesetzes an gesellschaftlicher Gestaltung mitwirken wollen, wesentlich mehr abverlangt, als Formeln auszusprechen, die doch mit sehr unterschiedlichen Inhalten gefüllt werden können und tatsächlich auch gefüllt werden.

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Hier der Song von Bob (4) als Cover von HeavyJ:

Hier eine Hörprobe vom Meister selbst auf Amazon:

Hier der Text:

Dignity

Fat man lookin’ in a blade of steel
Thin man lookin’ at his last meal
Hollow man lookin’ in a cottonfield
For dignity

Wise man lookin’ in a blade of grass
Young man lookin’ in the shadows that pass
Poor man lookin’ through painted glass
For dignity

Somebody got murdered on New Year’s Eve
Somebody said dignity was the first to leave
I went into the city, went into the town
Went into the land of the midnight sun

Searchin’ high, searchin’ low
Searchin’ everywhere I know
Askin’ the cops wherever I go
Have you seen dignity?

Blind man breakin’ out of a trance
Puts both his hands in the pockets of chance
Hopin’ to find one circumstance
Of dignity

I went to the wedding of Mary Lou
She said, “I don’t want nobody see me talkin’ to you”
Said she could get killed if she told me what she knew
About dignity

I went down where the vultures feed
I would’ve gone deeper, but there wasn’t any need
Heard the tongues of angels and the tongues of men
Wasn’t any difference to me

Chilly wind sharp as a razor blade
House on fire, debts unpaid
Gonna stand at the window, gonna ask the maid
Have you seen dignity?

Drinkin’ man listens to the voice he hears
In a crowded room full of covered-up mirrors
Lookin’ into the lost forgotten years
For dignity

Met Prince Phillip at the home of the blues
Said he’d give me information if his name wasn’t used
He wanted money up front, said he was abused
By dignity

Footprints runnin’ ’cross the silver sand
Steps goin’ down into tattoo land
I met the sons of darkness and the sons of light
In the bordertowns of despair

Got no place to fade, got no coat
I’m on the rollin’ river in a jerkin’ boat
Tryin’ to read a note somebody wrote
About dignity

Sick man lookin’ for the doctor’s cure
Lookin’ at his hands for the lines that were
And into every masterpiece of literature
For dignity

Englishman stranded in the blackheart wind
Combin’ his hair back, his future looks thin
Bites the bullet and he looks within
For dignity

Someone showed me a picture and I just laughed
Dignity never been photographed
I went into the red, went into the black
Into the valley of dry bone dreams

So many roads, so much at stake
So many dead ends, I’m at the edge of the lake
Sometimes I wonder what it’s gonna take
To find dignity

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Time am 17. Mai 2010

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1) http://www.bobdylan.com/#/songs/dignity (ebenfalls mit Hörprobe)
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/05/05/neue-schneckenart-entdeckt/
3) http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E56CDD4F34B294F82AEF5D3762D3B13B2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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