Neues von den Sklavinnenhaltern

„Auf dem Sklavenmarkt“ von Luigi Crosio (1835–1915)

Über das mutige Engagement einiger Frauen in Bagdad berichtete heute in der FAZ Rainer Hermann. Absurd: „Die gläubige Schiitin Kubashi sagt, die Scharia gewähre den Frauen viele Rechte, die die Traditionen der Männergesellschaft im Laufe der Geschichte wieder eingeschränkt hätten.“

Weiß sie denn gar nicht, dass Klo H. Metzel Sklavenjäger und -Händler war? Dass er eine Neunjährige missbraucht hat?

Der Mohammedanismus ist nicht nur eine schwere Geisteskrankheit, er ist auch eine Sucht, schlimmer als die zu Heroin (1). Wie ein Insekt spießt er die Menschen auf eine Nadel und läßt sie sich fortwährend um ihn drehen, in ständiger Bewegung – ohne dass sie auch nur einen Millimeter weiter kommen (2).

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Bis die Männer sich abregen

In Sadr City haben zwei Irakerinnen ein Zentrum für Frauen gegründet. Es leistet juristischen Beistand und kämpft für ihre Rechte.

Von einem Routinefall im Gericht kehrt Widad al Abbudi ins Frauenzentrum zurück. Gerade zwanzig Jahre alt war an diesem Vormittag ihre letzte Mandantin. „Ich bin von dir geschieden“, hatte ihr Mann ausgerufen. Dann verließ er seine Frau und auch die gemeinsame Tochter. Verzweifelt pilgerte die junge Frau an das Grab des siebten Imams Musa Ibn Dschaafar al Kadhim im Norden Bagdads. Als sie sich dort ausweinte, riet ihr eine Frau, sich doch an das Zentrum „Fortschritt für die Sache der Frauen“ im Stadtteil Sadr City zu wenden.

Die Anwältin Abbudi hat an diesem Vormittag im Gericht durchgesetzt, was der geschiedenen Frau von Rechts wegen zusteht. Der Qadi verpflichtete den Mann, seiner geschiedenen Frau den Lebensunterhalt für ein Jahr auszuzahlen. Auch muss er mit seinem Personalausweis erscheinen, damit die Tochter bei den Behörden endlich angemeldet werden kann. „Ein Routinefall und keine Probleme“, sagt die Anwältin. Ihr Haupthaar verhüllt sie mit einem dünnen weißen Tuch, und ihre Unterarme stecken in grellen gelben Ärmeln, die unter dem strengen schwarzen Kleid hervorlugen.

Vor drei Jahren hatten Suad al Lami und Amal Kubashi das Frauenzentrum gegründet. Die beiden Frauen stammen aus Sadr City, wo jeder dritte Einwohner Bagdads lebt. Nahezu alle sind Schiiten. Den Befehl zur Gründung des Viertels hatte 1959 der General und Ministerpräsident Abdulkarim Qasim gegeben. Nach einer verheerenden Flut waren hier im Osten Bagdads die obdachlos gewordenen Einwohner der südirakischen Stadt Amara angesiedelt worden. Erst hieß der Flecken „Stadt der Revolution“, dann „Saddam City“. In „Sadr City“, wie das Armenhaus Bagdads seit 2003 heißt, sind die Werte der traditionellen Stammesgesellschaft noch weit prägender als in allen anderen Teilen der Hauptstadt.

Mit Mitteln amerikanischer und japanischer Entwicklungshilfeorganisationen bietet das Frauenzentrum Rechtsbeistand an, auch medizinische Hilfe und Fortbildungskurse, teilweise für Mädchen und Jungen in gemischten Klassen. „Damit die Jungen die Mädchen verstehen und sie dann als Frauen besser behandeln“, sagt Amal Kubashi, die stellvertretende Direktorin. Früher hatte sie als Biologielehrerin gearbeitet. Heute sitzt sie im Parlament des Stadtteils und sagt von sich, es sei besser, nicht verheiratet zu sein. Weitere Frauenzentren hat sie im sunnitischen Stadtteil Adhamiyya gegründet. „Denn wir wollen auch Sunniten und Schiiten einander näherbringen.“ Die meisten Frauen suchen das unscheinbare Zentrum auf, um Rechtsbeistand zu bekommen. Zwei Anwältinnen und drei Angestellte für Gerichtsverfahren sind hier beschäftigt. Sie arbeiten gebührenfrei. „Das Gesetz beschützt die Rechte von uns Frauen“, insistiert Amal Kubashi. So erlege es dem Mann Pflichten auf, wenn er die Scheidung ausspreche. Die aber müsse man eben häufig einklagen. Freiwillig würden viele Männer nicht die im Heiratsvertrag vereinbarte Entschädigung an die Frau auszahlen. Immer wieder rasten sie aus, wenn die Frauen ihre Rechte einfordern. „Dann bleiben wir ganz ruhig und sorgen dafür, dass sich die Männer abregen“, sagt die Anwältin Abbudi selbstbewusst.

Ständig ist sie im Einsatz. Denn die Zahl der Scheidungen nimmt zu. Ein Grund ist der tägliche Existenzkampf im Leben der einfachen Iraker, ein zweiter, dass die Männer eine zweite und jüngere Frau ehelichen, wenn sie aufsteigen und mehr verdienen. In Sadr City lebt jeder dritte erwachsene Mann mit zwei Frauen. „So ist das in der Stammesgesellschaft des Südiraks“, sagt Amal Kubashi zur Erklärung. Ein geflügeltes Wort in Sadr City lautet: „Hast du zusätzliches Geld, kauf dir eine Zweitfrau oder einen Revolver.“ Doch auch Frauen können Scheidungen beantragen, selbst wenn sie offiziell bloß „rechtliche Trennung“ heißen.

Das noch gültige Personenstandsrecht stammt aus dem Jahr 1959, dem Jahr, in dem Sadr City gegründet wurde. Grundlage des Gesetzes ist die Scharia. Die gläubige Schiitin Kubashi sagt, die Scharia gewähre den Frauen viele Rechte, die die Traditionen der Männergesellschaft im Laufe der Geschichte wieder eingeschränkt hätten. Einige Fortschritte gebe es in jüngerer Zeit, sagt sie zufrieden. Frauen könnten für Ämter kandidieren, würden in Parlamente gewählt und in die Exekutive berufen. Da in den Kriegen seit 1980 viele Männer hätten sterben müssen, stellten die Frauen heute einen großen Teil an den Erwerbstätigen, selbst wenn ihre Einkommen oft nicht reichten, um die Familien zu ernähren. Immerhin könnten viele ihre Wohnungen verlassen. Der Obhut ihrer nächsten männlichen Verwandten sind sie aber weiter unterstellt.

Amal Kubashi wünscht sich ein Gesetz, das Frauen vor häuslicher Gewalt schützt und das moderne Formen der Sklaverei unter Strafe stellt. Denn der Handel mit minderjährigen irakischen Mädchen nehme zu, sagt sie. Sie werden als „Tänzerinnen“ oder gleich als Prostituierte in benachbarte arabische Staaten verkauft. Nicht wenige werden an reiche Araber oder Iraner für die Dauer von einem Jahr „verheiratet“. Das Menschenrechtsministerium hat einen Gesetzentwurf gegen den Menschenhandel ausgearbeitet. „Nun liegt er im Parlament, und nichts geschieht“, kritisiert Amal Kubashi.

Die Malerin Esraa Ali drücken andere Sorgen. Ihr Mann, ebenfalls ein Maler, hat sich nach Schweden abgesetzt. Er nahm seine erste Frau dorthin mit, von der er sich einmal hatte scheiden lassen. Zurück ließ er Esraa und die gemeinsame Tochter. Offiziell ist sie weiter verheiratet. „Denn wer in dieser Gesellschaft geschieden ist, wird zum Lustobjekt“, klagt sie bitter. Also lebt sie bei ihren Eltern, ohne eigenes Zimmer, ohne Privatsphäre. Wenn es Nacht wird und alle schlafen gehen, legt sie sich auf die Couch des Wohnzimmers.

Jeden Tag muss sie sich zu Hause anhören, dass es sich für eine Frau nicht geziemt zu malen. Amal Kubashi erfuhr von ihrem Fall, lud sie in das Frauenzentrum ein und öffnete ihr ein klein wenig das Tor zu etwas Freiheit. Jeden Tag kommt sie nun in das Frauenzentrum, um aus der Enge auszubrechen und wieder zu malen. „Wie soll ich denn als Künstlerin mit meinen freiheitlichen Ideen über diese Wirklichkeit hinausgehen?“, fragt sie mit einem bohrenden Blick. Nach Freiheit strebe sie, und am liebsten würde sie auswandern. In dieser Gesellschaft könne sie nicht leben. „Ich fühle mich hier wie ein Tier.“

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Time am 17. Juni 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/03/einzige-hoffnung-totaler-entzug/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/12/13/die-nadel-rausziehen/

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PS, ein sehr lesenswerter Bericht aus Afghanistan von Friederike Böge unter:
http://www.faz.net/s/Rub0CCA23BC3D3C4C78914F85BED3B53F3C/Doc~E4768C16FAFFB4DC591E728E204D08142~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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