Hauptsache abhängig

Irgendwelche pervers-masochistischen Dispositionen eines großen Teils unserer Eliten scheinen die Grundlage von dessen Entscheidungen zu bilden.

In der gestrigen FAZ berichtete Henning Peitsmeier über ein gigantisches Energieprojekt im Magreb. Mit im Boot: die Industrie- und Finanzgruppe ONA aus Marokko, und zwar nicht, weil man ohne sie nicht an die bekanntermaßen heiß begehrten und fantastisch hoch bewerteten Grundstücke in der Sahara käme, nein, sondern weil „die Sorge wegen einer neuen Form der Kolonialisierung wuchs“. Die Orks brauchen nur die richtigen Tasten zu drücken und die Kolonialismuskarte auszuspielen, und unsere linksgestrickten Elite-Weicheier entschuldigen sich wortreich und geben den Mohammedanisten, was diese wollen, anstatt sie allein in ihrer riesigen Sandkiste spielen zu lassen.

Überhaupt: Seit Jahrzehnten sind wir vom Öl der Orks abhängig und erpressbar, das wir ihnen zu horrenden Preisen abkaufen, anstatt es uns nach dem Recht des Stärkeren, welches sie selbst doch so hoch setzen, einfach zu nehmen. Nun werden wir in die nächste Abhängigkeit geführt. Zeitgleich wurde übrigens die Kernenergie, auf die sich unser Land meisterhaft verstand, von grünen Idioten diskreditiert und marginalisiert. Hauptsache in Abhängigkeit von den Orks leben, scheint das Motto zu sein.

Was die technischen Aspekte betrifft, bin ich begeistert. Die Kühnheit westlicher Ingenieure ist beispiellos.

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Strom aus der Wüste

Im Jahr 2050 soll ein Teil des europäischen Energiebedarfs aus Nordafrika kommen. Doch noch steckt das Desertec-Projekt in den Kinderschuhen.

Das spektakulärste und teuerste Energie- und Infrastrukturprojekt aller Zeiten ist in diesen Tagen abgetaucht. Viel findet hinter verschlossenen Türen statt, in Gesprächen mit Botschaftern und Ministern. Der Niederländer Paul van Son leitet seit Oktober die Desertec-Gesellschaft DII und hat seither einen Reiseplan wie der Bundesaußenminister: Marokko, Algerien, Frankreich, Spanien. Und wenn der tunesische Minister für Entwicklung und internationale Zusammenarbeit, Mohamed Nouri Jouini, wie vor wenigen Wochen in Berlin weilt, dann trifft van Son ihn eben dort. Van Son muss bei vielen Regierungen für das 400 Milliarden Euro teure Vorhaben werben, in den Wüsten Nordafrikas klimafreundlich Strom zu erzeugen. Denn Desertec ist auch ein politisches Projekt.

Van Son freut sich darüber, dass man „Desertec überall sehr positiv“ begegnet. Doch noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen. Es ist ein Lern-, Erfahrungs- und Findungsprozess in der Endlosschleife. Drei Jahre will sich die im Oktober 2009 gegründete Desertec Industrial Initiative (DII) Zeit nehmen, um Pläne für das ehrgeizige Wüstenstromprojekt zu entwerfen, Investoren zu finden und erste Referenzkraftwerke anzustoßen. In den ersten Wochen nach Gründung sollte vor allem der Kreis der 13 Gründungsgesellschafter erweitert werden: „Schwerpunkt unserer Arbeit musste es zunächst sein, die anfangs deutschlastige Initiative auf eine breitere internationale Basis zu stellen“, sagt Bernd Utz, Leiter des Gesamtprojektes bei Siemens, einem der Gründungsmitglieder.

Zum Gründerkreis gehört die Desertec Foundation, die Stiftung des Physikers und „Sonnenenergie-Pioniers“ Gerhard Knies. Der heute 72 Jahre alte Knies hatte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl mit seinen Solarforschungen begonnen und fand rasch Unterstützung im Club of Rome. Heute stehen Weltkonzerne hinter Knies‘ Idee. Siemens baut Solarkraftwerke, die Munich Re und die Deutsche Bank geben Geld, und schnell hatten sich der DII überwiegend deutsche Industrieunternehmen wie RWE, Eon oder MAN Solar Millennium angeschlossen.

Inzwischen gehören auch Enel aus Italien, St. Gobain aus Frankreich und die beiden spanischen Unternehmen Abengoa Solar und Red Electric zu den Gesellschaftern. Und als in einigen nordafrikanischen Ländern, die als Standorte für die Solar- und Windkraftprojekte in Frage kommen, die Sorge wegen einer neuen Form der Kolonialisierung wuchs, war es ein gutes Signal, die Industrie- und Finanzgruppe ONA aus Marokko einbinden zu können. „Marokko ist sicher als Standort für das erste Referenzprojekt favorisiert, weil es dort schon eine Hochspannungsverbindung nach Spanien gibt“, sagt ein DII-Sprecher. Aber auch andere Standorte und Gesellschafter sind gefragt. Mit Unternehmen aus Algerien und Tunesien wird derzeit ebenfalls verhandelt. Damit kann sich der Kreis um das Mittelmeer schließen. Ägypten hat ebenso starkes Interesse, doch sind dort die Solarpläne – anders als in den Maghreb-Staaten – noch weit entfernt von einer Konkretisierung. Aus 13 Gründungsmitgliedern sind so bis heute 17 Gesellschafter geworden.

Technisch scheint alles im grünen Bereich zu sein. „Die Umsetzung des Projektes ist weniger ein Thema von Forschung und Entwicklung, da wir uns ja technisch gesehen bereits in einem Reifeprozess befinden“, sagt Siemens-Manager Utz. „Vielmehr geht es um die Industrialisierung der Solartechnik.“ Das Zusammenspiel aller Beteiligten muss organisiert werden, von der Stromerzeugung über den Transport bis hin zur Abnahme durch die Kunden, sei es in Afrika und Arabien, sei es in Europa.

Selbst wenn solche Modelle erst bis Ende 2012 gereift sein sollen, zeichnet sich schon heute ein Szenario ab, wie bis zum Jahr 2050 tatsächlich der Wüstenstrom 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs deckt: Die erste Stufe sieht den Aufbau von Solaranlagen vor, deren erzeugter Strom in der Region abgesetzt wird – für Meerwasserentsalzungsanlagen ebenso wie für den wachsenden Strombedarf aufgrund der Industrialisierung in den Ländern. Der Transport erfolgt über eine bestehende, allerdings noch zu modernisierende Infrastruktur. In weiteren Stufen wird überschüssig produzierter Strom in benachbarte Länder exportiert werden, begleitet vom Aufbau von Hochspannungsleitungen. Erst in der Endausbaustufe erwarten Fachleute dann tatsächlich den eigentlich geplanten Transport nach Europa über Stromautobahnen.

Im Gegensatz zu Desertec ist das erst vor wenigen Wochen gegründete französische Projekt „Transgreen“ wesentlich schneller zu realisieren. Ein Konsortium aus den französischen Energieunternehmen EDF, RTE, Alstom und Nexans hat sich zum Ziel gesetzt, Strom aus Nordafrika nach Europa zu transportieren. Im Zuge der Mittelmeer-Union von EU-, Nahost-Ländern sowie nordafrikanischen Staaten ist ein Solarplan entwickelt worden, um rund 20 Gigawatt (das entspricht etwa der Leistung von 15 Kernkraftwerken) aus Sonnenkraft bis 2020 zu erzeugen.

Transgreen will ein Viertel davon nach Europa transportieren. Gleich mit Bekanntgabe der Gründung sahen manche in Transgreen eine Konkurrenzveranstaltung zu Desertec. Wenn es nach DII-Chef van Son und nach Siemens-Manager Utz geht, ist das Gegenteil der Fall: „Wir begrüßen Initiativen wie Transgreen, da sie uns schneller zum Ziel bringen können“, sagt van Son. „Wir arbeiten bereits mit Transgreen eng zusammen und stimmen uns ab, sie ist Teil der Agenda von Desertec“, sagt Utz. Um die Kooperation zu untermauern, steigt der deutsche Konzern ein. „Siemens wird sich an Transgreen beteiligen“, kündigt Utz an.

Desertec steht vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung für die riesigen in der Wüste entstehenden Solaranlagen und damit für die Stromerzeugung. Transgreen ist als Stromtransporteur, als Netzbetreiber ausgelegt. Und es besteht noch ein Unterschied: Die Transgreen-Initiative ist eine politische, vorangetrieben von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy; die Initialzündung für Desertec kam dagegen aus der Wirtschaft.

Das ist deshalb von Bedeutung, weil das Milliarden-Projekt auf privaten Finanzierungen basiert. Gleichwohl wird genauso von den Staaten ein Beitrag erwartet: „Wenn es um Förderung geht, darf es sich lediglich um eine Anschubfinanzierung handeln“, sagt Siemens-Manager Utz. „Desertec wird keine Dauersubventionsveranstaltung sein.“

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Time am 22. Juni 2010

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