Je früher desto besser

Wenn die deutschstämmige Mehrheit in unserem Land nicht gewillt ist, die Mohammedanisten in ihre gelobten Scharia-Länder zu verabschieden, sollte sie sich angesichts der schamlosen Vermehrungsraten der Orks Gedanken vielleicht verstärkt darüber machen, wie deren unglückliche Kinder aus der Macht ihrer Eltern und Mullas zu befreien und auf unsere Seite zu ziehen sind.

Deutschland ist zwar Erfinder des „Kindergartens“ (1), und der englische Terminus ist eben derselbe wie der deutsche („the kindergarten“), beispielhaft in den letzten Jahrzehnten sind jedoch auch in Bezug auf diese Institution die USA, wie Christine Brinck in der heutigen FAZ berichtet.

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Früher gemeinsam lernen

Die zwei Jahre vorverlegen: Wir brauchen eine erstklassige Vorschule. Programme für Kinder aus Risikogruppen rechnen sich

Alles ist kumulativ, pflegte Jürgen Baumert, der Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin, zu sagen. Will sagen: Alles wird unten angerührt. Was Hänschen oder Cemchen nicht gelernt haben, lernen Hans oder Cem sehr viel schwerer oder gar nicht mehr. Fast jeder fünfte Berliner Drittklässler, dessen Muttersprache nicht deutsch ist, gehört zur Gruppe, der Studien „Kein hinreichender Nachweis für grundlegende Fähigkeiten im Lesen“ bescheinigt. Bei Schülern mit deutschem Hintergrund ist es fast jeder Zehnte. Und viele Fünfzehnjährige, die in den laut Pisa größten Risikogruppen in Hamburg und Bremen verortet werden, können nicht mit Verstand lesen und bestenfalls auf Grundschulniveau rechnen.

Kompensatorische Maßnahmen für die eingefleischten Schul- und Sprachprobleme der Kinder aus Risikogruppen gibt es zuhauf und sie bringen offenbar nicht viel. Vorbeugende Maßnahmen für diese Kinder gibt es indes viel zu wenig, obwohl ihr Erfolg ganz gut erforscht ist.

Bei uns haben wir gerade die Krippenschlacht hinter uns, in anderen Ländern gibt es längst eine breite Diskussion über Bildung im Vorschulalter. Und sei es nur, weil die Investition in die frühen Jahre der Kinder von vielen Ökonomen als „weise“ bezeichnet wird.

Von der „Bild“-Zeitung gefragt, was er von der angestrebten sechsjährigen Hamburger Primarschule halte, antwortete der neue Präsident der Universität Hamburg, Dieter Lenzen, ein Erziehungswissenschaftler: „Ein Lösungsansatz wäre gewesen, die Grundschule mit der Vorschule zusammenzuführen. Dann würden Kinder vom vierten bis zum zehnten Lebensjahr gemeinsam lernen. Zugleich bliebe der bisherige Übergang nach der jetzigen fünften Klasse erhalten.“ Lenzen lieferte auch gleich noch die Begründung dazu: Die Intelligenzentwicklung setze massiv mit dem Spracherwerb ein. „Anders gesagt: Ein vierjähriges Kind ist sehr viel aufnahmefähiger als ein zwölfjähriges Kind.“ Deshalb müsse die Förderung früh ansetzen, und zwar nicht nur für Sprache, sondern auch für Mathematik und Naturwissenschaften.

Nicht nur in der Hamburger Reformdebatte, auch im wieder rot-grünen Nordrhein-Westfalen wird gern vom längeren gemeinsamen Lernen gesprochen und davon, wie förderlich es sei. Doch denken alle dabei nur daran, nach der vierten Klasse zwei weitere gemeinsame Klassen anzuhängen, niemals an deren Vorverlegung. Als die Hamburger Schulsenatorin Christa Goetsch mit dem Vorschlag Lenzens konfrontiert wurde, winkte sie ab: das würde man nie durchbringen. Warum sechs gemeinsame Jahre zwischen sechs und zwölf besser sein sollen als sechs gemeinsame Jahre zwischen vier und zehn, bleibt das Geheimnis der Reformideologen. Berlin etwa ist Ungerechtigkeitssieger bei Pisa und hat eine sechsjährige Grundschule!

Dagegen gibt es Erfahrungen, dass vorschulische Erziehung, insbesondere für Kinder aus Risikogruppen, nachhaltige Schul- und Lebenserfolge nach sich ziehen kann. Die Vorstellung, dass die Drei-, Vier- und Fünfjährigen aus bildungsfernen Familien täglich einige Stunden mit guten Lehrern auf die Schule vorbereitet werden und daraus sprachlichen Gewinn ziehen, ist nahe liegend. Es gibt indes keinerlei Anlass zu glauben, dass Drittklässler, die nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen können, es in Zukunft besser können werden, weil sie mit elf und zwölf Jahren noch mit den leistungsstärkeren Kindern in der Klasse sitzen.

Andernorts hat man das Thema Vorschulbildung schon lange entdeckt. Die Franzosen schulen ohnehin mit fünf ein, die Engländer gar mit vier und die Amerikaner haben längst eine obligatorische Vorklasse, die „K“ (für Kindergarten) heißt. Die Mutter aller Einwanderungsländer hatte schon im Zuge der Bürgerrechtsgesetzgebung den Nutzen der Vorschule gerade für benachteiligte Kinder entdeckt. Der Staat rief 1964 unter Präsident Johnson das „Headstart“ (Vorsprung) genannte Programm für benachteiligte Vorschulkinder ins Leben. Heute kommen etwa 800 000 Vorschulkinder in den Genuss dieses föderalen Programms, das armen Kindern helfen soll, halbwegs gleichberechtigt mit ihren Altersgenossen, die mehr Glück hatten, an den Schulstart zu gehen.

Wenn auch die langfristigen Ergebnisse derjenigen, die durch „Headstart“ gefördert wurden, nicht immer eindeutig sind, es auch unter den Geförderten immer wieder Rückfälle gibt, die Intelligenzgewinne der frühen Jahre sich wieder verringern, so kommen doch die meisten Kontrollgruppenstudien zu dem Ergebnis, das die Kinder, die das Programm durchlaufen, durchweg im Leben besser abschneiden als diejenigen, die nicht gefördert werden. So landeten zum Beispiel weit weniger Teilnehmer an Vorschulprogrammen später in Sonderschulen oder mussten ein Schuljahr wiederholen.

Die berühmteste Vorschulstudie, die auch in Deutschland immer wieder gern in Sonntagsreden zitiert wird, die so genannte Perry Studie der High/Scope Education Research Foundation in Michigan, beobachtet seit Jahrzehnten die Effektivität von Vorschulerziehung. Die Studie will herausfinden, ob hochwertige Vorschulerziehung kurz- und langfristige Vorzüge für Kinder hat, die in Armut leben und stets in Gefahr sind, in der Schule zu versagen.

Seit den sechziger Jahren wurden 123 Probanden aus afroamerikanischen Familien, die in der Nachbarschaft der Perry Grundschule in Ypsilanti lebten und für das Projekt ausgesucht worden waren, regelmäßig auf bestimmte Fähigkeiten, Einstellungen, Charakteristika und Handlungsweisen getestet. Zwischen dem 3. und 11. Lebensjahr geschah das jährlich, dann mit 14 und 15 Jahren, mit 19 Jahren und schließlich mit 27 Jahren. Die Vorschulkinder wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen geteilt. Die einen erhielten ein hochqualitatives Vorschulprogramm mit aktiven Lerneinheiten, die anderen nahmen nicht an einem Vorschulprogramm teil.

Als die ehemaligen Vorschüler 27 Jahre alt waren, zeigte sich, dass sie häufiger höhere Monatseinkommen hatten als diejenigen, die keine Vorschulerziehung genossen hatten. 29 Prozent verdienten mehr als 2000 Dollar im Monat, während aus der benachteiligten Kontrollgruppe das nur sieben Prozent gelang. Eine ähnliche Kluft tat sich auf bei Hausbesitz (36 zu 13 Prozent), bei Zweitwagenbesitz (30 zu 13 Prozent) oder beim Schulabschluss (71 zu 54 Prozent).

Im sozialen Bereich waren die Auswirkungen ebenso messbar. Nur 12 Prozent der Männer, die an dem Programm teilgenommen hatten, wurden mehr als fünf Mal festgenommen, verglichen mit 49 Prozent der Nichtteilnehmer. Nur sieben Prozent wurden je wegen Drogenhandels festgenommen, in der Vergleichsgruppe waren es ein Viertel. Bedeutend weniger Teilnehmer waren auch auf Sozialfürsorge angewiesen (59 Prozent) als bei den Nichtteilnehmern (80 Prozent). Selbst auf das Familienglück schlug die Vorschulerziehung noch durch: 40 Prozent der Frauen, die teilgenommen hatten waren mit 27 verheiratet, aber nur acht Prozent der anderen Gruppe, auch die Rate der außerehelichen Geburten (57 zu 83 Prozent) war deutlich geringer.

Was bedeuten diese Daten für die benachteiligten Kinder aus bildungsfernen Familien in den Risikostadtteilen von Berlin, Bremen oder Hamburg, die laut jüngster Schultests wieder abgeschlagen als zukünftige Hartz-IV-Empfänger diagnostiziert wurden? Die Perry-Ergebnisse zeigen, dass man kein Sozialträumer sein muss, um Vorschulerziehung für die Ärmsten einzurichten. Eine kalte Kosten-Nutzen-Analyse des Perry Projekts hat ergeben, dass die hohen Investitionen in die Kinder über zwei Vorschuljahre sich bestens ausgezahlt haben. Weil sie weniger Sonderschulplätze brauchten, weil sie seltener im Knast landeten, seltener drogenabhängig waren, weil mehr von ihnen verheiratet waren und sie weniger Transferleistungen beanspruchten. Sie verdienten mehr Geld, zahlten also auch mehr Steuern. Die Teilnehmer am Projekt schufen so einen geradezu Heuschrecken verdächtigen Gewinn: 7,16 Dollar auf jeden investierten Dollar.

Berlin allein gibt jährlich mehr als fünfzig Millionen Euro nur für Sprachförderung aus, doch nicht präventiv im Vorschulalter, sondern als Reparatur, wenn die Kinder sprachlich und bildungsmäßig bereits im Abseits stehen. Freilich gibt es die recht guten Langzeitergebnisse nicht umsonst. Es müssen für die benachteiligten Drei- und Vierjährigen hochqualitative Programme mit bestens ausgebildeten Vorschullehrern eingerichtet werden. Das Perry-Programm kostete pro Kind und Jahr 7252 Dollar, auch darum, weil es einen Lehrer für fünf Kinder bereitstellte. Einen so luxuriösen Personalschlüssel schaffen die meisten deutschen Länder noch nicht einmal für Krippen, wo er theoretisch 1 zu 2,5 lauten sollte.

Die Verantwortlichen müssen sich also fragen, ob sie in nachschulische „Maßnahmen“ weiterhin Milliarden versenken wollen, die die Schulabbrecher, die Versager und Unvermittelbaren trotzdem nicht vor der Hartz-IV Karriere schützen, oder ob sie sehr punktuell erstklassige Vorschule betreiben wollen und dabei auch noch gesellschaftlich wie ökonomisch Gewinn einfahren. Jeder weiß es vom Zahnarzt: Vorsorge ist besser, billiger und weniger schmerzhaft als Reparatur.

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Time am 18. Juli 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Kindergarten

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