Sie verteidigen ihre Karte, wollen nützen

Noch können die grinsenden Jihadpiratenkiller
ihre Schaluppen
durch Aerobic vor der Versenkung schützen

Das Weblog „Sicherheitspolitik“ geht in einem aktuellen Beitrag auf die Jihad-Piraten von Somalia ein (1).

Man weist die romantischen Entschuldigungen „gutmenschlicher“ (= selbstgerechter) Akademiker zurück und verneint einen Zusammenhang zwischen Piraterie und Überfischung: „Die Piraterie am Horn von Afrika wird nicht von frustrierten Fischern betrieben, sondern von Banden der organisierten Kriminalität.“

Das Weblog macht den einzig richtigen Vorschlag: „Im Zusammenhang mit diesen Forderungen fällt häufig der Begriff der ‚Ursachenbekämpfung‘.  Die reale Ursache des Piratenproblems ist jedoch die Wahrnehmung, dass Piraterie maximale Profite bei geringem Risiko verspricht. Ein naheliegender Weg, das Problem der Piraterie zu erledigen, ist daher die Erhöhung des Risikos für Leib, Leben, Freiheit und Eigentum der Piraten. Ist das Risiko hoch genug, ändert sich die Entscheidungsgrundlage und Piraterie wird eingestellt.“

Was mir dabei fehlt, ist der Zusammenhang zwischen Kriminalität und Mohammedanismus. Die gesamte Umma ist aus ihrer Geschichte aufgrund ihrer ideologischen Grundlagen und in ihrer tatsächlichen Verfasstheit eine gigantische kriminelle Organisation. Sicher gibt es Orks, die ihr ganzes Leben kein Gesetz ihres Landes brechen, aber diese gehören immerhin zur sogenannten Unterstützerszene. Völlig zu Recht wurde gegen diese im Fall des kommunistischen Terrorismus der RAF mit aller Härte vorgegangen – auch Wandschmierereien wurden seinerzeit z.B. mit Gefängnisstrafen belegt. Wie sehr sich die Mitglieder dieser Bande gegen den Rest der Welt aufeinander eingeschworen haben, wird wieder und wieder deutlich, sei es durch den netten orientalischen Bekannten, der auf einmal auf der Seite Saddams stand oder aktuell durch den unaufhaltsamen Marsch der Türkei nach Teheran. Mohammedanismus = Jihad = Verbrechen.

Die Eingebundenheit von Piraterie und Piraten in die Orkreligion und die Verklärung des Verbrechens als heilige Handlung könnten daher mehr und weitreichendere Maßnahmen als nur die Erhöhung des Risikos nötig machen. Ich denke, man sollte überlegen, ob es nicht möglich wäre, in dieser Gegend eine Situation zu erzeugen, die Piraterie prinzipiell unmöglich macht, z.B. indem gezielt so viel Schiffe wie möglich versenkt oder Häfen zerstört werden usw.

Ich selbst habe in Bezug auf die Piratenpest übrigens schon früh jedwede romantische Vorstellung abgelegt (Gegenüber den Federfritzen hat das länger gedauert). Grund dafür war eine Novelle des Kommunisten Bertolt Brecht (2) von 1921, dessen Dramen ich immer unerträglich fand, dessen Lyrik und Prosa m.E. jedoch oft witzig und pointiert sind. Die Geschichte heißt „Bargan läßt es sein“ (3) und machte Brecht damals in Deutschland bekannt. Sie zeigt nicht nur anschaulich die Gewalttätigkeit und latente Homoerotik reiner Männergesellschaften, der fulminante Schluss mag auch gleichnishafte Erklärung für das unverständliche selbstmörderische Verhalten so vieler unserer Mitbürger und Führungspersönlichkeiten sein.

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Bargan läßt es sein

Eine Flibustiergeschichte

Um Mitternacht seilten wir das Schiff in einer Bucht fest, die unter dicken und fettlaubigen Bäumen schlief, steckten Zwieback und gedörrte Datteln zu uns und drangen, indem wir vorsichtig, wie auf Eiern, liefen, durch das Dickicht gegen Westen vor. Bargan, der uns führte wie eine Schar Kinder und wir Flibustier glichen sonst nicht eben den Säuglingen. Bargan verstand es mit den Sternen, was die Orientierung betrifft, wie der liebe Gott. Wir gelangten richtig durch den ungeheuren Wald, der verwickelter war als ein Garnknäuel, auf die Blöße, und in mildem Licht lag die Stadt vor uns, die wir suchten wie unsere Heimat, bevor es Tag wurde.

In aller Stille fingen wir unser scheußliches Geschäft an; zunächst störte uns keiner von ihnen, aber dann wurden sie böse, die aus dem Schlaf geweckt wurden durch Würgengel, und es gab einen gemeinen Kampf in den Häusern. Wir liefen immer alle zusammen in ein Haus, balgten uns mit den Männern, die im Hemd mit Tischen und Türen zuschlugen, und verteidigten uns gegen die Weiber, die wie Hyänen vorgingen. Ihr Schreien füllte die Luft wie ein eisiger Nebel, als wir Schritt für Schritt gegen die Zitadelle vordrangen, die an einem kahlen Berg lehnte und aus hölzernen Bauwerken bestand. Ein Teil von uns, darunter ich selbst, drängte sich noch durch ein geöffnetes Holztür, dicht hinter Fliehenden, das Tor ging zu, und die Weiber, die im Hemd auf den Mauern und Gerüsten standen, warfen Steine und Holzdinge auf unsere Köpfe, so daß wir uns in unserer Haut nicht wohl fühlten. Als wir schon blutige Köpfe hatten und furchtbar pfiffen, damit Bargan uns höre, kam er schon mit einigen Leuten von hinten.

Er war allen voraus in dem kleinen reißenden Fluß unter dem Fachwerk in die Zitadelle eingeschwommen, wobei ein Fisch sich den Bauch an den spitzigen Steinen zerfleischt hätte, aber Bargan konnte keinen von uns allen sterben sehen. Von da ab ging es schneller, um so mehr als Bargan einen seiner unglaublichen Einfälle hatte. Die zähesten von den Feinden hatten sich nämlich in dem höchstgelegenen Holzhaus verbarrikadiert, in das man nicht gelangen konnte außer mit Flügeln. Dorthin liefen von allen Seiten die noch nicht Erschlagenen zusammen, wodurch dieses Haus bald sehr stark wurde und, wenn es in dieser Weise weitere Feinde verschluckte (die sich im Innern bewaffnen konnten), leicht zu einer verdammten Rattenfalle werden konnte, denn wir Flibustier waren über die ganze Niederlassung zerstreut und viele hatten schon begonnen, die Weiber zu befriedigen, und Schildkröten kann man von Kindern schlachten lassen. Deshalb ließ Bargan eine Anzahl von Frauen auf einen Haufen zusammenkoppeln, und nun fingen einige von uns an, in guter Sichtweite von dem Blockhaus die Frauen zu vergewaltigen, was sehr gut aussah und auf die Holzwürmer solchen Eindruck machte, daß sie gegen alle Regeln des Gefechtsverkehrs wie junge Stiere aus dem sicheren Holz brachen und abgeschlachtet wurden wie junge Lämmer, zitternd und hilflos, einer nach dem anderen, oder zu zehn und zehn.

Damit war die Stadt durch Bargans Weisheit und Menschenkenntnis erobert, und als die guten Häuser aufwachten, rumorten wir in ihnen herum und bewunderten unsere neuen Besitztümer. Es war ein guter Streich, aber wenn wir den Haken daran gesehen hätten, scharf und gekrürnmt und mörderisch, so wie heut und fünf Wochen nachher, dann hätten wir alle lieber das höllische Fegfeuer erobert als die schöne Stadt, die mit brauchbaren Dingen zum Platzen überfüllt war. Die Gefangenen, von denen es etwa siebzig gab – die anderen schliefen in ihren Häusern weiter bis zum jüngsten Tag, es regnet nicht auf sie – trieben wir in einem Hof des Rathauses zusammen, wo sie auf den Steinen sitzen konnten und ausruhen. Niemand hatte in den ersten Stunden des Siegesrausches Zeit, sich mit ihnen abzugeben, erst gegen Mittag kam Bargan zum Appellblasen und da ging er auch zu ihnen hinein, um die Frauen anzuschauen. Sie erhoben sich und standen zitternd vor Kälte irn Hof herum, denn sie hatten meist nur Hemden an, es war so verflucht rasch gegangen, daß Gott sein Gesicht von ihnen abwandte, um die Ernte in Brasilien zu besehen. Übrigens steckten einige hübsche Frauen darunter, das heißt sie waren im Hemd und zitterten, und wir hatten seit sieben Wochen keine junge Haut mehr gesehen. Ein Haifisch würde geglaubt haben, daß wir darauf aus waren wie Gott auf einen bekehrten Sünder, und Bargan machte gleich den Anfang, indem er ein junges Weib zeichnete, das in sein Zelt kommen sollte. Wir sahen sie nicht deutlich an zuerst, Bargan hatte nicht den besten Geschmack, er lag bei allerlei Gelichter und es hieß nicht umsonst, daß er die amerikanische Krankheit hatte, die einen Christenmenschen stückweis verfaulen läßt. Aber da erhob sich ein Zank zwischen Bargan und seinem Freund Croze, dem „Klumpfuß von St. Marie“, und es handelte sich um das junge Weib, das beide haben wollten. Jeden anderen hätte Bargan sofort niedergeschlagen, denn um Branntwein oder Geld, auch um Ehre nicht, schlugen wir uns unter Freunden nie, sondern nur um Weiber, aber der Teufel weiß, warum Bargan an dem fetten Burschen einen Narren gefressen hatte, der wie ein Hund, den niemand will, auf der Straße gelegen hatte, bevor Bargan ihn an seinen Busen nahm. Aber nun war er geschwollen wie ein vergifteter Hund, soff überall herum, spielte mit Bargans Goldstücken, an denen von uns allen, ausgenommen ihm selbst, guter Schweiß klebte, und stritt nun mit Bargan selbst vor unser aller Augen um ein Weib, das Bargan so sicher gehörte wie sein eigener Fuß. Wir fingen bald alle zu schreien an, daß Bargan, der keineswegs sicher war, ob ihm sein eigener Fuß gehörte, das Weib schließlich nehmen mußte, worauf er wie gewöhnlich Appell abhielt, bei dem der Klumpfuß von St. Marie hinter ihm drein die Front abstampfte. Dabei sahen wir ihm in die Augen, und ich kann euch sagen und konnte es damals schon, es lag Verrat auf ihrem Grund, Schleim und verfaulte Fische.

Den ganzen Tag verbrachten wir mit Trinken und mit den Weibern, wir hielten es mit dem Bettler, der ein altes verlaustes Hemd über den Zaun warf und sagte: Leben und leben lassen! Nur Bargan arbeitete im Zelt – er zog nie in ein Haus, meinte immer, die Decke könne herabfallen – so ziemlich den ganzen Tag, unter anderem an der Verteilung der Beute, soweit sie aus reinem Gold bestand. Er sah das junge Weib nicht einmal, und am Abend schüttelten wir schon alle die schweren Köpfe darüber, daß Croze das Weib hatte, Bargan selbst hatte sie hinüber führen lassen in das Haus, wo der Klumpfuß von St. Marie den ganzen Nachmittag mit einem anderen Mensch gelegen hatte. Wir sagten später, seine Feindschaft gegen Bargan, der ihn wie ein Kind liebte, sei dadurch entstanden, daß Croze am Abend, als er das Weib bekam, schon nicht mehr konnte, und das ärgerte ihn. Jedenfalls fanden einige von uns noch in derselben Nacht das junge Weib mit durchschnittener Kehle in Crozes Zimmer auf, der aber hatte sich, nachdem er sie wie ein Huhn abgeschlachtet hatte, bei Nacht und Nebel aus dem Staub gemacht. Mit ihm noch sieben bis acht Burschen, die Bargan nicht grün waren, weil sie dereinst eine schäbige Seele abbekommen hatten. Als wir es Bargan in der Frühe sagten, ließ er sich nichts merken, aber danach trank er und stierte immer in ein Loch hinein, mitten in unserem Siegesjubel, der noch drei Tage dauerte. Am Abend des dritten Tages, als die Weiber aufgebraucht waren und der Schnaps bitter wurde, kam der fette Croze zurück, aber allein, und tat, als sei er im Gebüsch beim Verrichten seiner Notdurft gewesen, und sah uns allen fragend ins Gesicht. Und obgleich wir ihm gern die dicke Haut über die knorpeligen Ohren gezogen hätten, taten wir, als hätten wir ihn nicht vermißt und auch das Huhn nicht gefunden, nur weil Bargan gar nichts tat, um seine Freude über seine Rückkehr zu verdecken, die ihm keine Ehre machte. Und in den darauffolgenden Tagen, wo wir den Abmarsch in Gang brachten, lebten die beiden zusammen wie früher, wie Brüder, die zusammen einen Mord begangen haben.

Wir luden das Beste von all dem Zeug, von dem wir noch das Gute zurücklassen mußten, auf die Ochsenwagen, suchten die Gäule aus und machten alles fertig, denn wir hatten für unseren Ausflug drei bis vier Tage in Aussicht genommen und jetzt war es eine Woche geworden. Aber als wir aufbrachen, fehlte die Munition. Es war massig Pulver dagewesen, wir hatten noch dazu erbeutet, jetzt war alles verschwunden, ohne einen Laut in die Luft geflogen. Die Wachen hatten nichts gehört, vielleicht hatten sie ihren Rausch ausgeschlafen; merkwürdig war freilich, daß die Kisten oben droben die alten waren, nur war Sand drinnen und statt der Fässer unter ihnen lagen Kisten und Heringstonnen, allerlei altes Gerümpel. Wir suchten wie Spürhunde und verschoben den Abmarsch. Am andern Tag stießen wir in einem Weiher auf die guten Pulverfässer, man hätte drauf schlafen können. Es war ein tüchtig Stück Arbeit gewesen, sie dahin zu bringen, ohne daß sich fremde Leute drum bekümmerten, niemand hatte die Ahnung eines Beweises aber niemand im Lager zweifelte daran, daß Croze mit der üblen Sache zusammenhing, wie die Mutter mit dem Nabel des Kindes. Die Nabelschnur war abgebissen, aber von nun an hatten wir ein Auge auf den Klumpfuß von St. Marie, der zwischen den leeren Heringsfässern herumharpfte wie ein Kürschner, dem die Felle weggeschwommen sind, nachdem er sie schon verkauft hatte, und auch auf die Burschen, die der Wald verschluckt hatte.

Unsere Kolonne hatte einen geschwollenen Bauch, was den Haufen Wagen und Zugochsen betrifft, und eine lahme Faust, was die leeren Pulvertonnen anlangt, wir watschelten gemütlich durch das Holz, das wir mit Äxten niederlegen mußten, und in die Erdrisse mußten wir Zeug stopfen, daß wir hinüberkamen. Das war langweilige Arbeit. Da bekamen wir Unterhaltung, mehr als uns lieb war und bekam.

Wir zwängten uns am zweiten Tag unseres Marsches gerade durch eine malerische Felsgegend, mit hübschen Wänden rechts und links, da begann es Steine zu regnen in der Größe von Straußeneiern, oder noch bedeutender. Wir steckten zwischen Ochsen und Fahrzeugen, die in verschiedener Richtung auseinanderwollten, weil die Steine härter schienen als wir, und konnten uns nur unter die Räder verkriechen und warten, bis der Himmel ein Einsehen oder keine Steine mehr hatte. Unter anderen Umständen hätten wir hinaufgeschossen, dann wären außer den Steinen noch ein paar dürre Engel heruntergekommen, aber mit Heringen konnte auch Bargan nicht feuern. Wir hätten uns langsam oder schnell begraben lassen müssen, und dann hätten die Burschen oben, die es regnen ließen, den Anblick eines Feldes gehabt, auf dem zuerst nützliches Zeug wuchs, aber nach dem Hagel nur noch Steine liegen, auf denen kein Namen steht – aber da kam einem von uns eine Erleuchtung und er nahm, unter Lebensgefahr, den Klumpfüßigen von St. Marie am Kragen und zerrte ihn aus seinem Wagen heraus, in dem er sicher hockte wie der Dotter im Ei. Und die oben mußten gut sehen und seinen Wagen in dankbarer Erinnerung haben, denn der Regen hörte sofort auf und wir konnten weiter.

Es war ein deutliches Zeichen des Himmels, und wäre Bargan nur blind gewesen, hätte er es gesehen. Aber er liebte den fetten Croze und sagte zu uns: Es gäbe keinen Beweis und wir sollten uns schämen. Da gab ihm Croze, der dabei stand und auf die Sonne guckte, die Hand vor unsern Augen. Da machten wir aus, daß immer einer von uns auf Croze aufpassen sollte, bei Tag und bei Nacht, denn Bargan tat es nicht, er schloß seine Augen, er lebte mit Croze wie zwei Freunde im finstern Gehölz, die sonst niemand haben. Also mußten wir die Augen aufmachen, denn Bargan war so, daß wir lieber mit ihm alle zum Teufel gehen wollten als ihm ein Leids tun.

Es kam aber dann die Sache mit der Windrichtung.

Wir mußten irgendwie irr gegangen sein. Der liebe Gott täuschte sich mit den Sternen. Früher hatte Bargan nachts einen Blick auf den Himmel geworfen und wir konnten auf einen Pflock im Urwald zumarschieren danach. Jetzt stand er stundenlang vor seinem Zelt und rechnete, wie unsere Wachen sagten, manchmal stritt er auch dazwischen drin mit Croze herum, der immer frecher wurde. Und dann irrte er sich auch noch und wir mußten uns zusammenreißen, daß wirs ihn nicht merken ließen. Später klappte auch sonst ab und zu etwas nicht mehr mit seinen Anordnungen, das fing mit der Sternensache an.

Wir dachten, er habe Kummer mit Croze, auf den er sich nun einmal verlegt hatte, es ging ihm wohl so wie einem Mann, der lieber fünfmal eine Ankerkette flickt, als daß er eine neue anschafft, wiewohl es Stürme gibt. Kurz, wir sahens ihm nach, auch die üble Sache mit Jammes, den Croze beschuldigte, er habe ihm sein Messer gestohlen, und den Bargan auspeitschen ließ, obwohl wir alle wußten, daß Jammes das Messer gehörte und Bargan wissen mußte, daß Croze das Messer nicht gehörte. Croze stand da und fand es nicht einmal nötig, irgendeinen Beweis zu erlügen. Er starrte nur seinen Freund an, als wolle er ihn erproben, Nachher lief sogar das Gerücht um, der Klumpfuß von St. Marie habe zu Bargan gesagt, das Messer erkenne er genau als das seine, weil es dasjenige gewesen sei, mit dem er dem Weibe, das ihm Bargan schenkte, den Hals abgeschnitten habe. Das war der Gipfelpunkt. Er sah Croze ähnlich.

Der Irrtum mit der Richtung wurde sehr peinlich. Wir kamen viel zu weit unterhalb der Buchtstelle an, wo das Schiff lag. Da entschloß sich Bargan nach all dem noch, Croze vorauszuschicken, um die Mannschaft des Schiffes von unserer Ankunft in Kenntnis zu setzen. Wir waren alle dagegen, es half jedoch nichts. Der Klumpfuß von St. Marie setzte seinen Willen durch und ritt uns allen voraus. Wir sahen ihm nach, wie er, dich und gallig, auf seinem Gaul durchs Gehölz fortsprengte. Wir hatten alle einen Krebs im Hals.

Wir marschierten kaum zwei Stunden, da kam der Mann, der mit Croze geritten war, mit der Botschaft zurück, jener und die ganze Schiffsmannschaft würden uns in einem ausgetrockneten Wasserlauf, der in die Bucht führte, entgegenkommen, wir sollten also dort marschieren. Wir witterten Unrat, jedoch dirigierte uns Bargan wirklich in das Flußbett hinüber, und wenn wir auch heraus hatten, daß der Teufel sieh der Sache annehmen würde, wußten wir doch nicht, was er vorhabe, und darum und Bargans wegen gehorchten wir. Unter kühlem Wind setzten wir auf den dichten Steinen des Flußbettes unsern Marsch in den Abend hinein fort. Das Flußbett verbreiterte sieh sehr stark, schließlich verloren wir die Ufer aus den Augen und schworen, das Bett sei vollends ausgetrocknet, oder wir hätten es schon verlassen. Bargan auf seinem dunklen Hengst hatte die Richtung im Kopf wie seine Augen. In dem milden Licht der ersten Sterne, die aus dem dunkler werdenden Himmel quollen und an die ich mich aus bestimmten Gründen deutlicher erinnere als an die irgend einer anderen Nacht, in guter Ordnung vorwärtsgedrungen, spürten wir bei zunehmender Dunkelheit plötzlich Wasser in den Schuhen und merkten bald mit wenig Freude, daß es stetig und nicht zu langsam stieg. Auch hatten die Wellen seichten Wassers eine bestimmte Richtung, die gegen uns lief, so daß uns auf die Idee geholfen wurde, daß wir unser Flußbett so wenig wie unsere Schuhe unter den Füßen verloren hatten, daß es aber kein Flußbett, sondern eine Meeresbucht war und daß die Flut ernstliche Anstrengung machte, uns alle, Mann und Roß und Wagen vor dem ersten Hahnenschrei zu ersäufen. Anfangs gestattete uns die Dunkelheit noch freundlich, einander anzuglotzen, aber dann verhüllten weiche und ekelhaft weißliche Nebel die wenigen Sterne, und das Wasser um unsere Knöchel stieg mit dein Ernst einer Erscheinung, die ihr Handwerk versteht. Die Erwerbung unsrer Beute hatte uns und ihren früheren Besitzer viel Schweiß und Blut gekostet, aber nun mußten wir sie den kalten Wassern lassen, die ganz mit sinnlosem Steigen beschäftigt, sich um uns nicht mehr kümmerten als um trockene Steine. Der Fluß sah aus wie ein Auge, das aus irgendwelchen Gründen dunkler und dunkler wird, wie es in der Liebe geschieht, wenn die Berauschtheit herannaht. Als die Wasser hoch genug geworden waren, um auch dann peinlich zu werden, wenn sie still gewesen wären, begannen sie sich mit Leben zu füllen und gerieten in die Aufregungen eines Strudels. Schon blieben die Karren stechen, und wir schwangen uns auf die Stiere. Aber dann fingen auch die Stiere an, die Sache schwierig zu finden, und es mochte nach unserem Gefühl etwas über Mitternacht sein, als der erste Stier wortlos in der Flut versank und irgendwohin hinunterschwamm. Um diese Zeit mußten wir uns aufs Schwimmen verlegen und taten es brüderlich mit hölzernen Planken zusammen. Wir konnten uns noch zusammenhalten, freilich nicht alle, einige schwammen auf lange Zeit fort, ich habe sie bis jetzt nicht wiedergesehen. Aber Bargan blieb in unserer Mitte.

Etwa zwei Stunden nach Mitternacht spürten wir festen Boden unter den Klumpen, die an unseren Knien hingen, und klommen, Bargan voran, auf eine kleine steinige Insel, wo wir, ohne Feuer und Decken, hungernd und in nassen Kleidern in unterhaltender Besorgnis, daß das Wasser nachkommen könnte, den Morgen erwarteten, wie der Sünder am Tag des Gerichts auf Gottes Stimme wartet mit der Erlaubnis, daß er durch die Tür rechts in die berühmte Seligkeit eingehen kann.

Bargan ließ all diese Stunden über kein einziges Wort fallen, obwohl wir alle an die siebenzig Männer und Weiber dachten, die Bargan vor unserem Abmarsch hatte schlachten lassen auf Crozes Bitten.

Gegen Morgen verlief sich das Wasser und wir konnten weiter, unser Schiff suchen, ohne Beute und sogar ärmer um Dinge, die wir mit in den Wald genommen hatten, sowie um viele Kameraden, nachdem der eiskalte Wind der Frühe unsere Kleider getrocknet hatte. Und erst gegen Mittag fanden wir die Bucht. Es war uns nicht sehr gut gegangen, wir hatten in kalten Wassern und unter dem Regen von Steinen gestanden und gefroren wie Hunde, die nachts auf eine Läufige warten, aber es mußten noch unsere Augen sein, die wir im Kopf hatten, und es war auch die Bucht, wir erkannten sie wie unsere Mutter an dem fetten Laub der Bäume. Nur von unserm Schiff, das doch zwei Segel aufgesteckt hatte und an diesen fettlaubigen Bäumen angeseilt war, konnten wir mit unseren geschwächten Augen nichts sehen. Nicht einmal der Strick hing noch irgendwo. Aber zwischen den Bäumen heraus harpfte der Klumpfuß von St. Marie, bleich und etwas verlotst im Gewand, und schwenkte den Steiß, als sei alles gut aufgehoben. Dann sagte er zu Bargan, wo er denn gesteckt habe, er warte seit Stunden mit Schmerzen, es sei niernand da und ob man ihn allein unter den wilden Tieren lassen wolle? Bargan sah ihn nur an und fragte nicht einmal nach dem Schiff, sondern ging von uns weg und an Croze vorbei in die Stämme hinein, als suche er was, was man von weitem nicht so gut sieht. Uns aber sagte Croze nur schnell über die Achsel, das Schiff sei fortgewesen, als er gekommen sei, es sei voll von Schuften gewesen oder der Wind und die Flut habe die Seile zerrissen. Dann hinkte er seinem Freund nach, wohl weil er unsre Gesichter richtig beurteilte.

Wir standen zwischen den Bäumen herum mit schwachen Knien und schauten uns die Augen aus dem Kopf; aber wenn einer seine Brille verloren hat, kann er nichts mehr sehen und seine Brille auch nicht mehr finden; aus demselben Grund. Er bleibt für alle Ewigkeit blind, wenn ihm keiner hilft. Also konnten auch wir unser Schiff nicht mehr einholen, wenn uns nicht Flügel wuchsen, und dazu hätten wir vorher zumindest krepieren müssen. Dennoch wollten wir nicht die Flinte wegwerfen, für die wir kein Pulver mehr hatten, wenn nur Bargan wieder gesund gewesen wäre. Wir schichten also einige Leute zu ihm und sie fanden ihn auf einer Wurzel sitzend, den Arm um Crozes Schulter. Da sagten sie ihm in dürren Worten, er sei schuld an der Hinschlachtung der siebenzig, an den sieben Toten im Steinbruch, daran, daß viele von uns in unbekannter Richtung fortgeschwommen seien und daß das Schiff in den Himmel gefahren sei; daran sei er, Bargan, schuld, nicht etwa der Klumpfuß von St. Marie, denn den hätten sie beim erstenmal wie einen fetten Hund ersäuft. Jedoch wollten sie ihn, Bargan, bitten, sie jetzt weiter zu führen, denn er sei alles wert. Aber Croze wollten sie schnell niederlegen und nicht unter sieben Schuh tief eingraben. Sie wollten lieber vor Ekel eine Warze abbeißen, als daß sie den ganzen Mann wegwarfen. Dieses hörte Bargan mit großer Ruhe an. Und als sie ausgeredet hatten, fragte er sie: Was sie zu tun gedächten, wenn er seinen Freund nicht im Stiche ließe, auf einige Verdachtsgründe hin, die nicht stichhaltig seien. Da fingen sie an, ihm alles vorzurechnen und fügten Beweis auf Beweis, wie Croze zuletzt noch den Mann weggeschickt habe, von dem er wußte, daß er ihm auf die Finger sehen würde mit der Botschaft, die ihn und alle andern ins Wasser tauchen sollte, während er selber das Schiff besorgte. Und während ihnen beim Reden nur noch alles durchsichtiger wurde, saß der Klumpfuß von St. Marie grinsend auf seinem Baumstumpf und fuhr mit der gespreizten Hand durch das schwarze Haar, das er lang zurückgekämmt trug und das vor Schmutz in glatten Strähnen zusammenklebte. Aber Bargan fragte, was sie also zu tun gedächten, wenn er nun einmal nicht wolle. Da ging den Unsern ein Licht auf, was es für eine Bewandtnis mit Bargan habe, daß er alles selber wußte, besser wie sie, und doch den fetten Hund nicht aufgeben wollte, Gott weiß warum. Sie kehrten also wortlos um und sagten uns alles.

Wir wurden nun sehr traurig, denn wir merkten es alle, daß dem Bargan jetzt eben etwas zustieß, was diesem Mann nicht an seiner Wiege noch an den Särgen seiner Feinde gesungen worden war und was jeden von uns treffen kann: Daß wir in der hellen Sonne mit vollen Segeln verunglücken. Das geschah aber mit Bargan, als er allein mit dem Klumpfuß von St. Marie im Gehölz saß und einen dicken Kopf machte. Wir schwatzten nicht lang, weil der beste Mann von uns einen Krebs gekriegt hatte, sondern machten das Kreuzzeichen in der Luft und einen scharfen Schnitt zwischen ihm und uns. Einige wollten ein Säcklein Datteln dalassen für ihn, der nichts hatte als den Freund, der ihn verriet, aber wir waren alle dagegen, daß man einen Leichnam mit Speisen vollstopft, wenn die Lebendigen leere Magen haben. Also gingen wir weg, ohne daß wir Bargan noch einmal sahen, der uns sehr lieb gewesen war, an einem warmen Tag im Sommer und in dem Gehölz an der Marienbucht in Chile.

Zwei Tage lang fahndeten wir auf das Schiff mit dem Gefühl im Leib, daß ein Krebs keinen Windhund einholen kann, aber dann fanden wir auf der Bucht einen Kasten schwanken mit zwei Segeln, der stark wie St. Patriks Weihnachtskrippe aussah, wie ein Zwillingsbruder von unserm Schiff.

Der Zwillingsbruder schwamm mitten in voller Mittagssonne. Wenn wir bis zur milden Abenddämmerung hätten warten können, wäre es eine kleine Spazierfahrt mit Eiern und Weinpullen gewesen, St. Patriks Weihnachtskrippe mit unserm Besuch zu beehren; denn ein hübsches Floß war schneller gebaut als wir einstens unsere liebe Schale erworben hatten. Jedoch schien die liebe Schale ihre Fracht bereits innen zu haben, denn sie mißbrauchte mit allen Tüchern den Wind, obgleich er, der die Sachlage wohl witterte, sich reichlich bitten ließ und sie so schlecht segelten, als seien sie frisch aus der Steuermannssehule auf einen modernen Zweimaster losgelassen worden. Immerhin mußten wir uns beeilen und so sprangen wir aufs Floß und ruderten mit gewaltiger Behaglichkeit auf unsern fetten Fisch zu. Er vertrödelte seine kostbare Zeit, bis wir in Schußweite lagen, mit höchst possierlichen Tanzübungen, und wir lagen in den Riemen wie bei eines anderen Mannes Weib und als hätten wir das Floß gestohlen. Dann pfiffen die ersten Kugeln über uns weg zum Willkommsalut. Einer von uns, der seinen Pulverbeutel am Hals gerettet hatte, schoß auch, der Ehre wegen, aber da geschah etwas, was uns sehr über die Rücken hinunterlief. Auf unsern ersten Schuß erschien an der Reling aufrecht eine gute Zielscheibe, die wir gut kannten und die mit Namen Bargan hieß. Wir waren nicht erfreut, daß der Mann Bargan hieß, der unsere Schale so schnell als möglich auf die hohe See hinausbringen wollte, ohne daß wir dabei waren. Und jetzt verließ er sich so fest auf unser weiches Herz, daß er alle seine neuen Schiffsmannschaften deckte gegen unsere Schüsse! Wir wußten noch nicht, daß wir ihm unrecht taten, als wir nicht mehr schossen, weil er es war.

Als wir auf das Schiff kletterten – Bargan selbst ließ ein Seil herunter – war es dort still wie in der Kirche und nichts zu sehen. Bargan selber war keine Sehenswürdigkeit mehr, er hatte ein schlechtes Kleid an, das ihm wohl sein Freund Croze geschenkt hatte, und er hätte besser getan, wenn er eine Maske aufgesetzt hätte, so wenig konnte er mit seinem neuen Gesicht Staat machen. Aber er sah wohl so aus, weil er ein so schlechtes Kleid anhatte. Guten Tag, sagten wir, auf St. Patriks Weihnachtskrippe, du hast wohl auf uns gewartet? Nein, sagte er. So bist du wohl sehr allein, fragten wir und schielten nach den Treppen. Nein, sagte er. Da sahen wir, daß er nicht mehr herausbringen konnte als ein Wort, und weil das wenig ist für einen Mann wie es Bargan gewesen war, schämten wir uns unseres ungerechten Zorns und fragten ganz mild: Du hast wohl das Schiff wieder gefunden? Sie waren uns wohl entgegengefahren und dann kamen sie wieder zurück? Damit wollten wir ihm draufhelfen, weil er wie ein Kind dastand und wir es nicht ertrugen. Aber er brachte seinen Mund auf und sagte: Nein, es sei nicht so. Da sahen wir, daß er nicht lügen konnte, das hatte er nicht gelernt. Und wir ließen ihn stehen und stiegen ins Schiff hinab und er blieb stehen am gleichen Platze unbeweglich, als sei er ein Gefangener.

Unten im Schiff fanden wir denn auch die lieben Burschen, die seinerzeit aus der Stadt ausgewandert waren und sich mit Regnen beschäftigten und Pulver mit schwerer Mühe in Brunnen wälzten und zuletzt zur Erholung eine kleine Partie auf St. Patriks Weihnachtskrippe für nicht zu viel hielten. Sie hockten an den Wänden herum und unterhielten sich mit Zittern. Mitten drin saß auf einer Seilrolle ihr lieber Gott, der Klumpfuß von St. Marie, fett und schamlos und schaute uns entgegen wie seinen Hochzeitsgästen; nur sein Schädel zitterte etwas und seine Vorderansicht war etwas bleich beim Grinsen. Wir erlaubten uns die ergebenste Frage, was er momentan glaube, nach seiner Religion, seinen geschäftlichen Erwartungen, der Zukunft seiner ungeborenen Kinder und was er von einem Leben nach dem Tode halte. Dann stellte einer die Frage, warum sie so sündhaft gesteuert hätten, wo doch Bargan bei ihnen sei?

Da kam es heraus, daß Bargani dazu angestellt sei, das Verdeck zu wischen, so wollte es der Klumpfuß, und sie hatten ihn mit Messern an den Waschtisch geschleift; denn er sollte sich seine Mahlzeit auf Crozes Schiff redlich verdienen. Wir waren eben dabei, dem lieblichen Scheusal eines in die Zähne zu geben, da kam Bargan die Treppe herunter und bat uns, wir sollten Croze in Ruhe lassen und uns an ihn halten. Dabei machte er nicht viele Worte. Da sahen wir uns an und einer warf, nur um was zu sagen, eine kleine Frage in die schwarzen Abwässer, die lautete: Wißt ihr vielleicht etwas, wo die guten Jungen sind, die das Schiff gegen Feinde verteidigen sollten, während wir die Stadt eroberten und so große Beute machten? Aber es kam keine Antwort aus dem Schlund des Untiers, der schwarz war und verfaulte Zahnstumpen hatte, man erstickte drinnen. Da verstanden wir, daß die armen Jungen fortgeschwommen waren, um uns zu benachrichtigen, daß St. Patriks Weibnachtskrippe in die See stechen sollte und wir sollten uns beeilen, wenn wir mitwollten. Und zwei von uns nahmen Bargan ohne ein Wort zwischen sich und gingen mit ihm die Treppe wieder hinauf, während wir andern in der halben Dunkelheit unsre Hände der Erinnerung an unsre lieben Brüder hingaben. Nur Croze ließen wir seinen Hals dick, denn der ging hinter seinem Freund hinauf und wir wollten ihn aufsparen.

Als wir hinaufkamen, sperrten wir den Klumpfuß von St. Marie in einen Holzkäfig, in dem ein Affe gesessen hatte. Bargan ließen wir herumlaufen, denn was nützt es mit einem Mann zu reden, der eine Krankheit hat und über die Sterne nachdenkt? Wir setzten die Segel auf und liefen aus der Bucht.

Am Abend feierten wir die Wiederkunft sowie das Andenken an unsere lieben Leichname, die jetzt, wie einer schön sagte, unter dem milden Sternenlicht aufwärts schwammen, mit dem Gesicht nach oben, irgendwohin mit einem Ziel, das man vergessen hat und wie einer, der keine Heimat hat, aber wohl Heimweh, mit einigen tüchtigen Schlucken Schnaps. Bargan ließ sich nicht sehen, erst ganz am Schluß, als die meisten schliefen, kam er zu mir her, der vor dem Holzkasten saß und wachte, und sagte: Willst du mich nicht in den Kasten hineinlassen oder hast du etwas dagegen?

Er stand im Sternenlicht, ich sehe ihn noch heute und höre ihn auch noch und jetzt ist er doch schon lange abgehalst oder auch nicht, was weiß ich. Und zu der Frage brauchte er eine große Anstrengung. Man sah nicht in den Käfig hinein, aber drin saß der Klumpfüßige und hörte jedes Wort. Darum sagte ich und ließ in nichts von der Ehrfurcht nach, die ich immer vor ihm hatte, denn er war der beste Flibustierkapitän weit und breit bis nach Ecuador hinauf gewesen: Willst du nicht lieber in deine Kajüte gehen? Er besann sich und sagte: Hältst du etwas von dem Schiff? Ich sagte: Ich gäbe einiges darum. Da besann er sieh wieder und sagte: Ich liebe den da drinnen. Da verstand ich ihn und konnte mich doch nicht recht halten und sagte: Und du gibst wohl nicht viel auf das Schiff? Das verstand nun er nicht, drum sagte er nach einer Weile: Aber ich bitte dich, laß uns fort! Ich muß sagen, daß ich etwas Branntwein in mir hatte, aber das griff mir doch ans Herz, daß er von dem Schiff fortwollte und davon gar nicht sprechen konnte und nur „aber“ sagte, worin alles lag, was er vorbringen konnte, und das alles las er sicherlich in meinem Gesicht, denn er fuhr fort: Wenn ich euch das Schiff lasse und ihr laßt mir den da, dann sind wir wohl quitt, ich meine, was mich betrifft, denn ich habe nicht viel mehr, was ich für ihn geben könnte. Ich überlegte mirs und er sagte noch: Freilich wärs auch eine Gnade; welches Wort ein Stich mit einem guten Messer in meine Krokodilshaut war. Ich überlegte mirs lang, und während der ganzen Zeit, wo wir unter leichtem Wind übers Wasser schaukelten, das man hörte, stand er ruhig da und ich konnte sein Gesicht nicht sehen, das im Dunkeln lag. Und obgleich wir mit jedem Windhauch tiefer in die See und weiter weg vom Land kamen, wo er hinwollte, sagte er nichts, um meine Entscheidung zu beeilen.

Ich aber dachte an sein ganzes Schicksal in dieser Nacht und alles lag klar vor mir wie eine Wiese in vollem Morgenlicht, die von einem Wald langsam gefressen wird und nur vorerst noch da ist. Dieser da hatte sein Geld auf eine Karte gesetzt und nun verteidigte er sie. Aber die Karte war eine Niete, und je mehr er draufsetzte, desto mehr flog auf, das sah er selber ganz genau, aber er wollte wohl sein Geld los haben, er konnte nicht mehr anders. So ging es ihm, der ein großer Mann war, eine Anstrengung Gottes, so konnte es jedem von uns gehen, mitten im Licht wurde man überfallen, so unsicher sind wir alle auf diesem Stern.

Und dann sperrte ich den Käfig auf und trug den fetten Croze mit eigenen Händen in das kleine Boot, und Bargan ging hinter mir her. Er sah nicht nach rechts noch nach links, als er ins Boot stieg, und es war doch sein Schiff, auf dem er zehn Jahre lang nicht immer Gutes getan hatte, wiewohl Gutes darunter war, aber doch gelebt hatte und viel gearbeitet und gerecht gewesen war und ein Ansehen hatte, er sah es nicht an, als er zu seinem Freund ins kleine Boot stieg, und er redete auch nichts.

Und in der Nacht, als er langsam fortruderte und ich ihm nachsah, dann sah ich ihn niemals wieder, hörte auch nichts von ihm, noch von dem Klumpfuß, fiel mir manches ein über das Leben auf diesem Stern, und ich kam Gott näher als in vielen Gefahren, in denen ich selber war.

Denn ich verstand mit einem Male Gott, der wegen einem so räudigen, fetten Hund, der kein Messer wert war, den man nicht schlachten, sondern verhungern hätte lassen sollen, einen solchen Mann wie Bargan hingab, für den es keinen Vergleich gibt, der ganz und gar dafür geschaffen wurde, den Himmel zu erobern. Und der nun, nur weil er etwas haben wollte, dem er nützen konnte, sich an diesen Aussatz gehängt hatte und alles sein ließ für ihn und wohl noch froh war, daß es kein guter Mann war, den er liebte, sondern ein böses gefräßiges Kind, das ihn ausschlürfte wie ein rohes Ei, mit einem einzigen Zug. Denn ich will mich vierteilen lassen, wenn er nicht noch Genuß daran hatte, an dem kleinen Hund, auf den er sein Auge geworfen hatte, mit allem, was sein war, zu Grunde zu gehen und drum alles sonst sein ließ.

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Time am 31. Juli 2010

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1) http://weblog-sicherheitspolitik.info/2010/07/30/horn-von-afrika-pirateriebekampfung-durch-bekampfung-illegaler-fischerei/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Bertolt_Brecht
3) aus: „Geschichten“, Suhrkamp 1962, S.8-25

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Eine Antwort to “Sie verteidigen ihre Karte, wollen nützen”

  1. quer Says:

    „Ich denke, man sollte überlegen, ob es nicht möglich wäre, in dieser Gegend eine Situation zu erzeugen, die Piraterie prinzipiell unmöglich macht, z.B. indem gezielt so viel Schiffe wie möglich versenkt oder Häfen zerstört werden usw.“

    Es wäre jederzeit möglich – praktisch sofort – das internationale Seerecht zu exekutieren und Piratenjäger in Marsch zu setzen. Mit der ausdrücklichen Order versehen, jeden Piraten ohne jeden Pardon auf den Grund der Meere zu schicken. Keine Macht der Welt könnte dies verhindern oder gar beklagen, ohne sich selbst als Förderer der Seeräuberei zu entlarven.

    Da es aber Piraterie immer noch – oder schon wieder – gibt, bleibt nur der Schluß, daß sie gewünscht ist. Aus welchen Gründen auch immer. Und daß die „Verfolgung“ lediglich dazu dient, dem staunenden Publikum Sand in die Augen zu streuen und von etwas Wesentlichem abzulenken.

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