Faul und unwitzig

Die heutige FAZ gehört zu denjenigen Ausgaben, die mal wieder zum Mohammedanismus pendeln. Markus Bickel zeigt, dass er vom Gegenstand seines Textes nur sehr wenig verstanden hat. Seine schlampige und beschönigende Sprache halte ich weniger für bewußte Verschleierung als für ein Resultat des bei deutschen Journalisten häufig anzutreffenden Hochmutes. Sie gerieren sich gern als „Vierte Gewalt“, haben aber nach dem Abitur nur noch Comics und Kochbücher gelesen.

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Geschlossene Lebenskonzepte

Selbsternannte Gotteskrieger aus und in Deutschland („Gottes“-Krieger, damit sind Allakrieger gemeint. Bickel offenbart sich als Nicht-Christ, denn Christen werden durch die Wortwahl angegriffen, T.)

Über Monate hinweg saßen Rolf Clement und Paul Elmar Jöris in der ersten Reihe, direkt hinter der Glaswand. Im Oberlandesgericht Düsseldorf verfolgten die Hörfunkkorrespondenten den Prozess gegen den Kofferbomber Yussif al Hajj Dib und das Verfahren gegen die Sauerland-Gruppe. Die oft abstrakt erscheinende Gefahr des islamistischen Terrors hatte hier ein Gesicht – das des deutschen Konvertiten Fritz Gelowicz etwa oder das des nie in Deutschland integrierten libanesischen Studenten al Hajj Dib. Über ihre Einblicke vor Gericht – in den von Richter Ottmar Breidling geführten 6. Staatsschutzsenat – haben die beiden Journalisten nun ein Buch geschrieben, angereichert durch Recherchen in Sicherheitskreisen und aus dem Umfeld der selbsternannten Dschihadisten (Schon wieder „Selbsternannt“, selbsternannt oder nicht, Mörder werden dadurch nicht „niedlicher“. Überdies sind sie alle durch den Kloran zum Jihad verpflichtet. T.). Das Fazit der Lebensläufe von mehr als einem halben Dutzend Glaubenskämpfer (Sie sind keine „Glaubenskämpfer“ sondern Unglaubenskämpfer und Mörder, T.) lautet: „Zum einen muss ein junger Mann den Halt verlieren. Dann muss ihm jemand ein geschlossenes Konzept für sein künftiges Leben anbieten.“

Zu zeigen, dass die von den Medien oft verzerrt als geborene Fanatiker dargestellten (So eine unsinnige, konstruierte Behauptung, keine Zeitung hat doch sowas geschrieben, T.) militanten Glaubenskämpfer („militante Glaubenskämpfer“? Sie sind Massenmörder, Sadisten und Terroristen! T.) meist ähnlich aufwachsen wie große Teile der Bevölkerung, ist das große Verdienst dieses Buches. Nicht eine theoretische Bedrohung zeichnen Clement und Jöris nach, sondern Lebensläufe wütender (grundlos wütender, T.) junger Männer, denen der innere Kompass irgendwann zwischen Pubertät und Schulschluss abhandengekommen ist – oder die glaubten, ihn in gewaltsamen Islam-Interpretationen zu finden (Wenn er doch einmal in den Kloran hineinschauen würde, der faule Herr Bickel. T.).

Dass man da bisweilen nicht weit suchen muss, zeigt der Fall der Tochter eines der Autoren: Als die gemeinsam mit einer Klassenkameradin im Wohnzimmer in alten Fotoalben blättert, fragt sie nach dem Verbleib ihres früheren Kumpels aus dem Kindergarten und der Grundschule, Yassin Chouka. „Der ruft im Internet zum Heiligen Krieg auf“, sagt die Freundin (Anstatt in Isolationshaft zu sitzen, T.). Ob im Klassenzimmer oder in einem Ferienhaus im sauerländischen Oberschledorn-Medebach, wo die vier Mitglieder der Sauerland-Gruppe 2007 Anschläge auf amerikanische Einrichtungen vorbereiteten: Viele der selbsternannten (Sie sind immer selbsternannt und durch den Kloran ermächtigt, T.) Gotteskrieger (Allakrieger, T.) aus Deutschland, die sich in den vergangenen Jahren in Terrorlager in Pakistan absetzten, wohnen tatsächlich nebenan. Zunächst mögen sie noch wie der später in der Al-Muhsinin-Moschee in Bonn-Beuel radikalisierte Chouka der Mannschaftsclown im Fußballverein und Klassensprecher gewesen sein. „Weder Yassin noch seine Brüder fielen dadurch auf, dass sie wegen ihres Glaubens etwas nicht mitmachen durften. Die Familie schien keine Probleme damit zu haben, als gläubige Muslime in einer christlichen Umgebung zu leben und verankert zu sein“, schreiben die Autoren.

Doch irgendwann beginnt die Absonderung; die Erinnerung an die gemeinsamen Streiche im Unterricht oder die erfolgreichen Spiele mit dem Fußballverein verblasst. Eine Pilgerreise nach Mekka mag den Anfang bilden, andere Möchtegernterroristen (Sie sind keine Möchtegerterroristen sondern Terroristen, die am versuchten Massenmord gehindert wurden. T.) geraten gleich in die Fänge örtlicher Islamisten. Kritik an den hohlen Werten  der europäischen und amerikanischen Gesellschaften (Diese Werte sind vielleicht für Herrn Bickel hohl, ich glaube an sie und schütze sie, T.) sowie der Doppelzüngigkeit des Westens angesichts der Kriege im Irak oder in Afghanistan nach den Anschlägen des 11. September 2001 (Herr Bickel als Sprachrohr von Al Kaida! Quo vadis, FAZ? T.) stoßen bei den jungen Muslimen auf fruchtbaren Boden. Denn Studien zeigen, dass sich zwar vier von fünf gut integriert fühlen – doch nur elf Prozent glauben, die Deutschen würden sie als Landsleute anerkennen, wenn sie deutsche Staatsbürger würden. Kurzum: Im Alltag fühlen sie sich immer wieder gedemütigt (Wodurch? Werden sie angepöbelt? Vergewaltigt? Ausgeraubt? Zusammengeschlagen? Abgestochen? Passiert ihnen so etwas massenhaft? Werden Moscheen verbrannt? T.). Jöris und Clement betten diese Einzelschicksale (Mir kommen die Tränen, T.) in die aktuellen Entwicklungen deutscher Sicherheitsbehörden ein. In klarer Sprache zeichnen sie die Wege jener vier Terroristen nach, die sich nach ihrer Ausbildung in pakistanischen Terrorlagern 2006 zur Sauerland-Gruppe zusammenschlossen, um dann einen Überblick zu liefern über die Gegenmaßnahmen von Geheimdiensten und Bundeskriminalamt.

Hier setzt auch das Buch von Guido Steinberg an. Wie Jöris und Clement war der frühere Terrorismusreferent im Bundeskanzleramt bei den Düsseldorfer Terrorprozessen der vergangenen Jahre präsent – wenn auch auf der anderen Seite der Glaswand, als Gutachter des Gerichts. „Das Ziel der deutschen Politik sollte sein, eine kurzfristig effektive mit einer langfristig wirksamen Terrorismusbekämpfung zu verbinden“, schreibt er. „Die Gewalttäter müssen nicht nur konsequent bekämpft, sondern gleichzeitig von ihren Unterstützern und Sympathisanten isoliert werden.“ Nur über die Integration junger Muslime, da sind sich Steinbach sowie Jöris und Clement einig, lasse sich das Problem des militanten Islams bändigen. Daher, schreibt Steinberg, sei die „Trennung von Integrationsdebatte und Terrorismusbekämpfung dringend geboten“. Und noch eines wünscht er sich von der Bundesregierung: Sie möge ihr Verhältnis zu den arabischen Staaten, Pakistan und Afghanistan auf eine neue Grundlage stellen (Das geht erst, wenn wir auf das Öl verzichten können oder bereit sind, es mit Waffengewalt zu erobern. Was aber gemeint ist, ist, dass wir Israel fallen lassen sollen und unsere Grenzen komplett öffnen. T.). Denn nur eine international abgestimmte Politik könne auf Dauer verhindern, dass sich wegen der ungelösten Probleme der Region eine Generation nach der anderen radikalisiere (Vor allem sollten wir die ungelösten Probleme der Region nicht bei uns importieren, T.).

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Aha, erst wird lang und breit dargelegt, wie normal und integriert die Verbrecher waren, dann wird als Gegenmaßnahme die Integration gefordert. Integration aber soll natürlich heißen, dass die Orks mit Geld zugeschmissen werden, dass man ihnen jeden Wunsch von den Augen abliest, dass man jede kleine Krise in ihrem Leben vermeidet und ausräumt. Aber ich sage Ihnen was: Die würden trotzdem nach Mekka fahren. Das ist nämlich religiöse Pflicht. Und auch der grausame Krieg gegen alle Nicht-Mohammedanisten ist Pflicht. So steht es nicht in der Bibel, die von Gott spricht, sondern im Kloran, der von Alla stammt, dem Alter-Ego des schizophrenen Wüstenräubers Klo H. Metzel. Wer vorgeschlagen hätte, den Kommunismus, den Faschismus, die Mafia oder das Hochwasser durch möglichst gute Integration zu bekämpfen, wäre zu Recht ausgelacht worden. Aber deutsche Journalisten muten ihrem Publikum so einen Stuss zu. Harry Hirsch war wenigstens lustig (1).

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Time am 2. August 2010

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1) http://www.youtube.com/watch?v=6MBgqMSwoLU
Rolf Clement/Paul Elmar Jöris: Die Terroristen von nebenan. Gotteskrieger aus Deutschland. Piper Verlag, München 2010. 294 S., 16,95 (Euro).
Guido Steinberg: Im Visier von Al-Qaida. Deutschland braucht eine Anti-Terror-Strategie. Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2009. 105 S., 10,- (Euro).

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