Mehr wissen als sie

Dass der Mohammedanismus auf lange Sicht keine Zukunft auf der Erde hat, ist für mich sonnenklar. Ebenso klar ist für mich, dass sich alle anständigen Menschen mit aller Kraft für seine Eliminierung einsetzen müssen. In den counterjihadischen Blogs wird auf hohem Niveau ebenso der Feind analysiert wie Abwehr-Methoden diskutiert und erarbeitet werden. Wie Geert Wilders treffend sagt, geht es dabei nicht um den Kampf gegen Mohammedanisten, sondern um den Kampf gegen eine menschenverachtende, faschistische Ideologie. Ein kleines Kopftuchmädchen ist wohl Soldat der Orkarmee, aber ein Kindersoldat ist ganz sicher auch Opfer, und sollte m.E. auch, sofern wir nicht unmittelbar bedroht werden, mitleidig als solches betrachtet werden.

Es muss ja leider auch festgestellt werden, dass die entschlossenste und wirksamste Maßnahme, die Illegalisierung des Mohammedanismus, zur Zeit im Westen keine Mehrheit findet. Vielleicht gibt es diese Mehrheit bereits, jedenfalls stelle ich in Gesprächen mit Mitbürgern fast immer einen erstaunlichen Kenntnisreichtum ebenso wie eine entschlossene Ablehnung des Mohammedanismus fest. Aber dies in Wahlen oder außerparlamentarischer Opposition zu manifestieren, dazu ist der Leidensdruck wohl noch nicht groß genug.

Wenn wir aber das Gelände nicht kontrollieren, müssen wir uns langsam und vorsichtig vorarbeiten. Aufklärung ist dabei entscheidend für den Erfolg. Wir müssen Gegebenheiten verstehen und nutzen.

Gegenüber Al Kaida und den Taliban gelten ja sehr viele Ork-Organisationen „moderat“. Das sind sie nicht wirklich, aber eben gegenüber ihrer Avantgarde. Und gegen die kann man sie vielleicht in Stellung bringen. Ich hatte von der Begeisterung berichtet, die unsere Dimmies der angeblich moderaten Gülen-Bewegung entgegen bringen (1). Natürlich ist deren Ziel die Einführung der Scharia, natürlich ist das eine 5. Kolonne. Jedoch die Notwendigkeit, sich als moderat zu tarnen, macht es für sie auch notwendig, sich mit unseren Philosophien, Vorstellungen, Methoden und Zielen auseinanderzusetzen.

Ich glaube an die Kraft unserer Ideen, unserer Religion, unserer Philosophien. Ich glaube, wenn sie auch nur ein bißchen von dem zulassen, wird dies sie verwandeln. Darum der vernichtende Terror der Taliban-Super-Nazis gegen alles und jeden, gegen schwangere Frauen und Augenärzte. Sie haben Recht: Wir werden sie unweigerlich beseitigen! Wir sind ihre Antithese! Die Welt gehört Jahwe, nicht Satan. Wenn sie nur das Sandkorn eines unser Gedanken übrig lassen, wird es sich in das Gebirge verwandeln, welches diesen widerwärtigen Abschaum unter sich begraben wird. Dabei gilt: Den größten Nutzen von einem Verbot des Mohammedanismus haben die Mohammedanisten.

Deshalb ist es richtig, solche Kollegen morgens freundlich zu grüßen, sie leiden an schwerer Krankheit, sind quasi behindert. Es ist wichtig, genau hinzusehen und ruhig zu bleiben, anstatt gleich sofort dagegen zu sein. Wir haben noch nicht die Mittel, sie alle rauszuschmeißen, aber auf jeden Fall können wir sie beobachten und studieren. In diesem Sinne bitte ich den folgenden Artikel von Susanne Schröter aus der FAZ vom 11. August über die Milli Görüs zu verstehen.

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Pflichtlektüre für den Verfassungsschutz

Werner Schiffauer, der Pionier der kulturanthropologischen Forschung über Türken  in Deutschland, hat für sein neues Buch die Islamische  Gemeinschaft Milli Görüs  beobachtet.

Ereilt islamistische Eiferer das gleiche Schicksal wie säkulare Revoluzzer, die beim langen Marsch durch die feindlichen Institutionen von diesen aufgesogen, umgeformt und zurechtgestutzt wurden und ihre umstürzlerische Rhetorik schließlich in ein wachsweiches Reformprogramm verwandelten? Der Migrationsforscher Werner Schiffauer, Professor für Kulturanthropologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), vertritt diese These in seinem neuesten Buch, das den sprechenden Titel „Nach dem Islamismus“ trägt.

Schiffauer skizziert vor dem Hintergrund einer kenntnisreichen historischen Analyse den weiten Weg der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs von einer an der Türkei orientierten antiwestlichen Organisation mit kruder islamistischer Ideologie zu einer in der Demokratie angekommenen pragmatischen Interessenvertretung deutsch-türkischer Muslime. Diese Entwicklung sei vornehmlich die Sache junger Intellektueller, die in Deutschland geboren, aufgewachsen und sowohl mit der deutschen Sprache als auch der herrschenden politischen Kultur bestens vertraut seien. Schiffauers Protagonisten sind zwar nach wie religiöse Muslime, schätzen jedoch das politische System der Bundesrepublik oder behaupten sogar, in Demokratie und sozialer Marktwirtschaft das islamische Ideal von Gerechtigkeit entdeckt zu haben. So redet jedenfalls Oguz Ücuncü, der smarte Generalsekretär, der die Schiffauersche Theorie in seiner Person perfekt verkörpert. „Postislamisten“ nennt Schiffauer die jungen Kader von Milli Görüs, die er gleichsam als muslimische Version der Jungen Union porträtiert, und er suggeriert mit der Nacherzählung ihrer Geschichte, dass der Islamismus sich im Kontakt mit der Demokratie selbst überwindet.

Dass Schiffauers Theorie keine ungeteilte Zustimmung erfährt, kann man sich denken. Milli Görüs ist in der Vergangenheit immer wieder ins Visier von Polizei, Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz geraten und wird noch immer islamistischer und krimineller Umtriebe bezichtigt, darunter der Unterstützung der palästinensischen Hamas. Im bayerischen Streit um das Vorzeigeprojekt der Moschee in Penzberg geht es um angebliche Kontakte des Imams zu Milli Görus. Bundesinnenminister de Maizière hat darauf verzichtet, den von Milli Görus dominierten Islamrat für Deutschland weiterhin an der von seinem Vorgänger ins Leben gerufenen Deutschen Islamkonferenz zu beteiligen. Schiffauer, der stets zu größerer Gelassenheit im Umgang mit Milli Görüs aufgerufen hat, ist vorgeworfen worden, es mangele ihm an kritischer Distanz zu seinem Forschungsgegenstand. Er habe sich vereinnahmen lassen und sei zu einem Sprachrohr der Islamisten geworden, sei ihren Verschleierungstaktiken auf den Leim gegangen und unfähig, die Wölfe im Schafspelz zu erkennen.

Diese Kritik ist wenig überzeugend. Wissenschaftlich betrachtet, ist nämlich weder an Schiffauers Methoden noch an den Schlussfolgerungen aus seinen empirischen Daten etwas auszusetzen. Im Gegenteil: Der Autor hat im besten ethnologischen Sinne langjährige teilnehmende Beobachtungen bei Milli Görüs durchgeführt und ist in einen Verstehensprozess eingetreten, der ihm Erkenntnisse eröffnet hat, die bei großer Distanz nicht möglich gewesen wären. Diese Beobachtungen und Erfahrungen hat er historisch und sozialwissenschaftlich auseinandergelegt und eingeordnet. All dies ist solide kulturanthropologische Arbeit. Dass er seinen eigenen Standpunkt nicht verheimlicht und den Leser an seiner Entdeckungsreise in die unbekannte Welt der Milli Görüs teilhaben lässt, statt mit quantitativen Daten eine scheinobjektive Gewissheit zu erzeugen, entspricht der bewährten Praxis in seiner Disziplin.

Schiffauers Ansatz ist, im Lichte der internationalen Islamismusforschung betrachtet, übrigens keineswegs spektakulär. Wissenschaftler wie Gilles Kepel, Olivier Roy oder Nilüfer Göle haben bereits vor Jahren das Scheitern des politischen Islamismus festgestellt. Wie Schiffauer sehen sie junge, gut ausgebildete Unternehmer, Intellektuelle und Kulturschaffende, die den Spagat zwischen islamischen Werten und einer säkularen Moderne erfolgreich bewältigen, als Erben der fehlgeschlagenen islamistischen Revolutionen.

Ist die Aufregung um Milli Görüs übertrieben oder vielleicht sogar Ausdruck einer islamfeindlichen Haltung, die einige Migrationsforscher mit dem irreführenden Begriff „Islamophobie“ bezeichnen? Schiffauer ist an dieser Stelle differenzierter, als seine Kritiker einräumen.

Er gesteht zu, dass ungewiss sei, wie groß der Einfluss der jungen Demokraten wirklich ist und in Zukunft sein wird. In der heutigen Milli Görüs unterscheidet er drei Milieus: ein konservatives Gemeindemilieu, in dem ländlich-türkische Wertvorstellungen gepflegt werden, ein Jugendmilieu, dessen Protagonisten sowohl in der Gemeinde als auch in der Mehrheitsgesellschaft aktiv sind, aber einen wenig flexiblen Oppositionsgeist pflegen, und schließlich ein postislamistisches Milieu mit reflektierten Intellektuellen, die sich für den Kontakt mit dem Wissenschaftler anboten, da sie den „Dialog mit Geisteswissenschaftlern“ suchen. Da die Postislamisten, so Schiffauer, ihren Einfluss vor allem auf der Ebene regionaler und überregionaler Arbeitskreise geltend machen, prägen sie auch die Außendarstellung der Organisation. An der Basis und in den Gemeinden dominieren jedoch die beiden anderen Milieus.

Problematisch ist auch das kulturelle Programm, für das Milli Görüs eintritt. Schiffauer räumt ein, dass es ein „Missverständnis wäre, zu glauben, dass das postislamistische Projekt in einen ,liberalen‘ Euro-Islam münden wird. Vielmehr hat man den Eindruck, dass das postislamistische Projekt seine Überzeugungskraft etwa gegenüber Kritikern aus der islamischen Welt gerade daraus ableitet, dass es einen streng rechtgeleiteten, das heißt an der Scharia orientierten Islam vertritt.“Das muss bedenklich stimmen, vor allem, wenn man internationale Vergleichsfälle heranzieht, um sich die Konsequenzen einer kulturislamistischen Strategie vor Augen zu führen. Überall dort, wo sich der kulturelle Islamismus durchsetzte, hat er die Gesellschaften nachhaltig verändert. Von Ägypten bis nach Indonesien nimmt der Normierungsdruck für Muslime zu, werden Handlungsspielräume von Frauen eingeschränkt und rigide Verhaltenskodizes erlassen. In Deutschland versuchen Aktivisten von Milli Görüs, muslimische Mädchen vom Schwimmunterricht und von Klassenfahrten zu „befreien“, und haben damit nicht selten sogar Erfolg. Dass solche Angriffe auf die in der Verfassung garantierte Gleichheit von Männern und Frauen Alarmglocken läuten lassen, ist verständlich. Kulturrelativistisch inspiriertes Gewährenlassen muss Grenzen haben, die religiöse Akteure gleich welcher Couleur respektieren müssen.

Da die Geschlechterfrage in der Integrationsdebatte seine Schlüsselfunktion hat, ist es nur natürlich, Milli Görüs auch in dieser Hinsicht genau zu inspizieren. Anstelle einfacher Antworten findet man auch hier eine irritierende Vielschichtigkeit der Ebenen. Schiffauer hat bereits in früheren Schriften darauf hingewiesen, dass das Bildungs- und Beratungsprogramm von Milli Görüs durchaus geeignet sei, positive Veränderungen in Familien anzustoßen, die noch von absolut frauenverachtenden ländlich-patriarchalischen Vorstellungen geprägt sind. Wenn ein Mann beispielsweise seiner Frau mit religiösen Begründungen verbietet, ohne ihn die Wohnung zu verlassen, diese aber von Milli Görüs dahingehend beraten wird, dass es durchaus mit dem Islam vereinbar sei, bekleidet mit dem Kopftuch selbständig Angelegenheiten außerhalb des Hauses zu erledigen, dann muss das wohl als „Empowerment“ bezeichnet werden. Wer sich allein über das Kopftuch echauffiert, hat vieles nicht verstanden.

Werner Schiffauer hat es zu seinem Programm erklärt, soziale Realitäten in ihrer Komplexität zu erkennen und diese Einsichten den Lesern seiner Bücher zu vermitteln. Mit seiner neusten Monographie ist ihm dies in bewundernswerter Weise gelungen. Man muss seinen Schussfolgerungen nicht in jedem Punkt zustimmen – dass seine Darstellung von Milli Görüs die Diskussion um den Islam und die Integration ungemein bereichert und bestens geeignet ist, Schwarzweißmalereien zu korrigieren, kann kaum bestritten werden.

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Time am 14. August 2010

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Werner Schiffauer: „Nach dem Islamismus“. Eine Ethnographie der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs. Suhrkamp Verlag, Berlin 2010. 391 S., br., 15,- Euro.

1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/08/05/turken-turken/

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Eine Antwort to “Mehr wissen als sie”

  1. quer Says:

    Auf jeden Fall ein der Einschläferung dienender Artikel, dessen Ergebnis für Hoffnungsfrohe nur lauten kann: Alles nur halb so schlimm. Sowohl der Autor, als auch Frau Schröter, leigen explizit auf der Welle Bassam Tibi’s, der ebenfalls von einem zu reformierenden „Euro-Islam“ träumt. Den Unbedarften weiter nette Träume. Die Chancen auf einen Super-Lottogewinn sind ungleich höher: Nur 1:140.000.000 !

    Lasset aber alle Hoffnung und Träume fahren und bereitet Euch stattdessen auf die finale Auseinandersetzung vor, gegen die Nordirland als ein harmloses Sandkastenspiel unter Kindern sein wird. Zeit für diese Vorbereitung für Körper und Seele sind noch ca. 10 Jahre. Längstens!

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