Hallo! Hhhaaalllooo!!!

Schön wär’s…

Mit einem Artikel von Rolf Schieder, Professor für Praktische Theologie und Religionspädagogik an der Berliner Humboldt-Universität, in der heutigen FAZ, erhielt der geneigte Leser ein weiteres Mal die Botschaft, dass den Bewohnern des Elfenbeinturms der Rest der Welt am A*sch vorbeigeht. Im Zusammenhang mit der Machtübernahme ganzer Stadtviertel, die ja deutlich sichtbar wird an der Machtübernahme in den Schulen, kritisiert er die Berliner Rechtsprechung zugunsten des Laizismus und fordert vielmehr „religiöse Bildung“.

Glaubt er denn wirklich, dass in 10 Jahren genug Personal bereitstehen wird, um den Mohammedanismus „qualifiziert“ (d.h. als etwas Konstruktives, Menschenfreundliches) zu lehren? Glaubt er denn wirklich, dass die Unzahl von debilen Jihadisten, die dann bereitstehen werden, sich durch deutsche Mohammedanismus-Professoren beeindrucken lassen werden? Glaubt er denn wirklich, dass es einen Mohammedanismus ohne Kloran, einen Kloran ohne Jihad und einen Jihad ohne Gewalt gibt?

Alles, was Professor Rolf Unrat zum Besten gibt beruht auf der Prämisse, dass er es ist, der immer und allzeitig Recht hat – warum? Weil er es ist, der Studenten anerkennen oder durchfallen lassen kann – er, er allein, ungeprüft. Er braucht nicht lesen und forschen – Er ist ja der Setzer, der Themensetzer, der Wahrheitensetzer, der Prämissensetzer. Seine Einbildungen haben weit weniger Bezug zur Realität als ein „Age-of-Empires“-Match. Ich wünschte, eine Horde Ork-Raptosaurier würde ihm mal die Wirklichkeit zeigen.

_____

Jeder Schüler ist  ein Religionsschüler

Der vernünftige Umgang mit religiöser Vielfalt ist nicht mit Verboten, sondern im Unterricht zu erreichen: Konsequenzen des Berliner Gebetsurteils.

Pädagogische Probleme löst man tunlichst auf pädagogische Weise. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat in seinem Gebetsverbotsurteil vom 27. Mai der Schulleitung der Diesterweg-Schule in Berlin-Wedding bestätigt, dass sie dazu nicht mehr in der Lage ist. Wörtlich heißt es in der seit kurzem vorliegenden schriftlichen Urteilsbegründung: „Die aufgeführten Beispiele religiös motivierter Übergriffe, Beleidigungen und Ausgrenzungen zeigen eindrücklich, dass erzieherische Mittel allein nicht genügen, den zu erwartenden erheblichen Konflikten ausreichend zu begegnen und den für die Erfüllung des Unterrichts- und Erziehungsauftrags unabdingbaren Schulfrieden zu wahren.“

Zweifellos ist der vom Gericht beschriebene Zustand der Schul- und Kommunikationskultur an der Diesterweg-Schule inakzeptabel. Die Vorfälle sprechen den Erziehungszielen der Toleranz, des Dialoges und der Akzeptanz von kultureller und religiöser Differenz Hohn. Muslime, die die Mehrheit an einer Schule bilden, an der 59 Nationalitäten und alle Weltreligionen vertreten sind, beschimpfen Christen als „Schweinefleischfresser“, pflegen einen ausgeprägten Antisemitismus und setzen andere muslimische Mitschülerinnen und Mitschüler unter Druck, wenn diese eine weniger strikte Frömmigkeitspraxis pflegen. Man wäre ein realitätsblinder Romantiker, würde man die Herausforderungen, vor die sich die Diesterweg-Schule gestellt sieht, unterschätzen.

Man muss dem Gericht vielmehr dankbar dafür sein, dass es die Realitäten an dieser Schule schonungslos offenlegt. Allerdings bleiben die Richter den Beweis dafür schuldig, dass die Übergriffe, Beleidigungen und Ausgrenzungen tatsächlich „religiös“ motiviert sind. Die Ausführungen des Urteils zu den an Schulen unweigerlich ablaufenden „gruppendynamischen Prozessen“ verweisen auf die Unentwirrbarkeit von schulischer Kommunikation, kulturellen Mentalitäten und religiösen Prägungen. Liegt also nicht vielmehr ein ganzes Bündel von Motiven vor? Bei den der Schulleitung offenbar hinreichend bekannten Schülern muss man davon ausgehen, dass sie ihre Religion instrumentalisieren. Ist dann die Formulierung „religiös motivierte Übergriffe, Beleidigungen und Ausgrenzungen“ nicht zu pauschal? Stehen damit nicht alle Religionen unter dem Verdacht, zu sozialem Fehlverhalten zu motivieren?

Ferner stellt sich die Frage, ob das Oberverwaltungsgericht den römischen Rechtssatz „Abusus non tollit usum“ („Der Missbrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf.“) hinreichend beachtet hat. Die pädagogische Herausforderung an der Diesterweg-Schule besteht darin, dem Missbrauch und der politischen Instrumentalisierung von Religion zu begegnen und zugleich die religiöse Pluralität an der Schule als Chance für ein Lernen in der Begegnung zu nutzen. Da das Gericht nur das Konfliktpotential, nicht aber das Konfliktlösungspotential von Religionen im Blick hat, erhebt es den Missbrauch zur Regel und den Ausnahmezustand zum Normalfall. In der angelsächsischen Rechtswissenschaft kennt man den Satz: „Hard cases make bad law.“

Die Diesterweg-Schule ist zweifellos ein harter Fall. Sie präsentierte sich vor Gericht geradezu als eine „gescheiterte Schule“, die sich nicht mehr in der Lage sieht, den Missbrauch des Grundrechts auf Religionsfreiheit mit pädagogischen Mitteln zu unterbinden. Das Gericht belohnte dieses Bekenntnis pädagogischer Unfähigkeit durch die präemptive Maßnahme des Gebetsverbots. Dass eine Schule für ihr Versagen nicht nur belohnt wird, sondern nun sogar zum Modell avanciert, ist eine der problematischen Folgen des Urteils.

Das Oberverwaltungsgericht führt in die religionsrechtliche Diskussion die neue Unterscheidung zwischen einer privaten und einer öffentlichen Praxis von Religion ein. Damit folgt es der Argumentation der Schulleitung, die zwar ein „stilles Gebet“ akzeptieren würde, nicht aber ein öffentliches. Die öffentliche Religionsausübung fordere zur Nachahmung auf. Davor müssten zumal religionsunmündige Schüler geschützt werden. Folgt man dieser Argumentationslinie, dann können künftig Schulordnungen ohne weiteres ein Kopftuchverbot für Schülerinnen aussprechen, denn auch ein Kopftuch, zumal wenn es von mehreren Schülerinnen getragen wird, kann als Aufforderung zur Nachahmung verstanden werden. Damit ist die Tür zu einer laizistischen Religionspolitik an den Schulen geöffnet.

Genau an dieser Stelle aber ist die pädagogische Debatte zu führen. Soll eine Schule ihre Schüler tatsächlich vor der Konfrontation mit religiöser Pluralität bewahren? Oder soll sie interreligiöse Lernprozesse anregen und begleiten und alles dafür tun, damit die Schülerinnen und Schüler im rechten Gebrauch ihrer Religionsfreiheit unterwiesen werden?

Die Diesterweg-Schule steckt in der Säkularismusfalle. In ihrer Schulordnung findet sich zwischen einem Handyverbot und Vorschriften zum Schutz der Umwelt unter der Ziffer 16 folgende Regelung: „Die Diesterweg-Schule ist in weltanschaulicher und religiöser Hinsicht dem Neutralitätsgebot des Staates verpflichtet. Die Ausübung religiöser Riten erfolgt im Rahmen des Religionsunterrichts.“ Der Religionsunterricht ist offensichtlich nicht in das Schulprofil integriert. Vielmehr ist er ein Ort, an dem ansonsten verbotene religiöse Rituale vollzogen werden – ein Missverständnis, das in Berlin weit verbreitet ist, weil hier der Religionsunterricht kein ordentliches Lehrfach ist.

Selbst wenn es aber in Berlin keinen Religionsunterricht in dem Sinn gibt, könnte eine Schule wie die Diesterweg-Schule dem interreligiösen Lernen in ihrem Profil einen hohen Rang einräumen – und den Senat um Unterstützung bitten. Gewinnen können dabei alle – Schüler, Eltern und sogar Lehrkräfte. Islamisten träfen dann auf religiös gebildete Muslime, Christen und sogar Atheisten. Ihrer Berufung auf den Koran könnten andere Interpretationen gegenübergestellt werden. Islamistischen Einschüchterungsversuchen würden Schülerinnen und Schüler selbständig und souverän begegnen.

Religiöse Bildung ist die Alternative zu einem staatlichen Paternalismus, der verbietet, was unbedingt erlernt und eingeübt werden müsste: der verantwortungsvolle Umgang mit dem Recht auf Religionsfreiheit in einer pluralen Gesellschaft. Möglicherweise hat das Gericht zu schnell der Schulleitung Glauben geschenkt, als diese das Bekenntnis religionspädagogischer Unfähigkeit ablegte. Denn allemal ist der Erziehung zum verantwortlichen Gebrauch der positiven Religionsfreiheit der Vorrang vor einem staatlichen Eingreifen im Namen einer negativen Religionsfreiheit zu geben. Dies umso mehr, als nicht selten die sogenannte negative Religionsfreiheit als ein Recht nichtreligiöser Bürger auf staatlichen Schutz vor der Zumutung anderer Religionen und Weltanschauungen missverstanden wird. Auch Atheisten machen von ihrer positiven Religions- und Weltanschauungsfreiheit Gebrauch, wenn sie sich öffentlich zu ihrem Atheismus bekennen.

Das Oberverwaltungsgericht hält die Einschränkung der positiven Religionsfreiheit des gebetswilligen Schülers für verhältnismäßig, weil sowohl der „staatliche Unterrichts- und Erziehungsauftrag als auch die religiös-weltanschauliche Neutralitätspflicht des Staates als auch die negative Religionsfreiheit anders- oder nichtgläubiger Schülerinnen und Schüler“ ebenfalls „Verfassungsrang“ besäßen. Im Grundgesetz ist freilich von einem „staatlichen Unterrichts- und Erziehungsauftrag“ nicht die Rede. Dort heißt es lediglich, dass das gesamte Schulwesen unter der „Aufsicht des Staates“ steht. Dass aus dieser eher passiven, auf Subsidiarität setzenden Formulierung in den letzten Jahren eine Selbstbeauftragung des Staates wurde, sagt viel über deutsche Staatsfrömmigkeit. Im Berliner Schulgesetz ist noch die Rede vom „Erziehungsauftrag der Schule“, nicht des Staates. Die Unterscheidung zwischen einer staatlichen Aufsicht und dem von jeder öffentlichen Schule in Eigenverantwortung zu formulierenden Erziehungszielen sichert die Selbständigkeit des Pädagogischen gegenüber staatlichen Interessen. Es scheint aber ein zivilreligiöser Konsens zu sein, dass der Staat selbst der beste Erzieher ist, der notfalls die Kinder und Jugendlichen vor den schädlichen Einflüssen der Religionen zu schützen habe.

Und so ist es dem Oberverwaltungsgericht gar nicht in den Sinn gekommen, die Diesterweg-Schule durchaus kritisch zu befragen, ob sie tatsächlich ihr gesamtes pädagogisches Potential ausgeschöpft hat. Stattdessen sprang das Gericht als eine staatliche Institution der Schule als einer anderen staatlichen Institution zur Seite – auch auf die Gefahr hin, dass sich die pädagogischen Probleme dadurch noch vermehren werden. Nichts ist islamistischen Jugendlichen willkommener als die vermeintliche Produktion von Opfern staatlicher Unterdrückung. Sie können sich fast wie Märtyrer fühlen. Hingegen ist mit dem Gebetsverbot das Problem der katastrophal schlechten Kommunikationskultur an der Diesterweg-Schule nicht gelöst.

Aus pädagogischer Sicht ist ihr dringend zu empfehlen, die Integration religiöser und interreligiöser Bildung in das Schulprofil voranzutreiben. Ihrem Namenspatron würde sie damit jedenfalls alle Ehre machen. Denn sosehr der Pädagoge Friedrich Adolph Wilhelm Diesterweg ein vehementer Gegner religiöser Indoktrination war, so hoch war seine Achtung vor echter und gebildeter Frömmigkeit. Und so lautet seine Forderung im Titel eines seiner bekannten Essays: „Jeder Lehrer ein Religionslehrer!“

_____

Time am 16. August 2010

_____

Schlagwörter:

Eine Antwort to “Hallo! Hhhaaalllooo!!!”

  1. quer Says:

    “ Allerdings bleiben die Richter den Beweis dafür schuldig, dass die Übergriffe, Beleidigungen und Ausgrenzungen tatsächlich „religiös“ motiviert sind….“

    Spätestens nach diesem Satz lohnt ein Weiterlesen nicht mehr. Weil ich es dennoch getan habe, wurde meine spontane Auffassung bestätigt. Ein weiterer hoffnungsloser Fall der Hybris, eine Ideologogie und „Religion“ umstrukturieren zu können. Ein weiterer Beitrag im Sinne des Einschläferns. Des Professors Erwachen wird brutal sein. Mein Bedauern darüber hält sich in engen Grenzen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: