Drei Kröten

Mal ein bißchen für den Counterjihad, mal ein bißchen dagegen, das ist das Motto von Deutschlands bester Tageszeitung, der FAZ. Abhängig vom Wind kann 1+1 da schon mal drei oder vier aber auch zwei sein.

Den Auftakt zu einem antiisraelischen Krötenreigen gab gestern Dr. Tamar Amar-Dahl, eine sephardische Jüdin des Jahrgangs ’68 aus Israel, die sich 2006 in Deutschland einbürgern ließ und als Dissertation eine Hetzschrift gegen Staatspräsident Simon Peres vorlegte (1). Die Arbeit, „die sich“, so Rezensent Rolf Steininger „- eher ungewöhnlich – ausschließlich auf veröffentlichtes Material stützt“, intendiert die Demontage von Simon Peres (2) als „Friedenspolitiker“, diskreditiert Israel und ist daher in Deutschland bei vielen, nicht jedoch Herrn Steininger und mir, hochwillkommen. Einmal mehr macht übrigens die Humbold-Universität Berlin, an der Amar-Dahl leert, durch Dimmi-Professoren auf sich aufmerksam (vergl. gestrigen Beitrag).

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Militärisch

Israel und Shimon Peres

„Der den Frieden in seinen Himmelshöhen stiftet, stifte Frieden unter uns und ganz Israel.“ Mit dem Kaddisch-Gebet begann Staatspräsident Peres seine historische Rede am 27. Januar 2010 im Deutschen Bundestag (3). Das entsprach ganz dem Bild vom Friedenspolitiker, das man insbesondere in Deutschland vom 86 jährigen, dienstältesten Politiker Israels hat. Tamar Amar-Dahl will nun dieses Bild zerstören. Das hat wohl auch etwas mit ihrer Vita zu tun: 1968 als Tochter eines aus Marokko eingewanderten Rabbiners in Israel geboren, dort sozialisiert, mit zwei Jahren Wehrdienst et cetera. Als sephardische – orientalische – Jüdin konnte sie mit dem Holocaust als israelisches Staatsverständnis wenig anfangen, ging 1996 in das Land der „Täter“, erhielt einen deutschen Pass und gab 2006 ihren israelischen ab. Ihr missfällt die Politik Israels vom ersten Tag der Existenz dieses Staates. Mitverantwortlich und an vorderster Front Shimon Peres – mit dem die Autorin allerdings nicht gesprochen hat.

Was war Peres nicht alles? 1923 im damaligen Ost-Polen geboren, seit 1935 in Palästina, „rechte Hand“ von „Gründungsvater“ Ben Gurion, 1953 bis 1959 Generaldirektor im Verteidigungsministerium, mehrmals Minister, dreimal Ministerpräsident, langjähriger Vorsitzender der Arbeiterpartei, von 1959 bis 2007 Mitglied des israelischen Parlaments, seither Staatspräsident. Das Buch von Frau Amar-Dahl ist eine Dissertation, die sich – eher ungewöhnlich – ausschließlich auf veröffentlichtes Material stützt. Es ist auch eine Geschichte des Nahost Konflikts, deren „harte Realität“ Peres mitgestaltet hat durch – wie die Autorin betont – „Landeroberung, Landenteignung und Besiedlung“. Peres habe den „maximalistisch-separatistischen Zionismus verinnerlicht“. Wer von der „umfassenden Feindseligkeit der arabischen Welt Israel gegenüber“ spreche (so Peres 1978), der habe ein Konfliktverständnis, das „Annäherungsversuche schlechterdings unmöglich macht“. Wobei die Autorin nicht die Frage nach der konkret vorhandenen „Feindseligkeit“ stellt.

Als ob es die nicht gegeben habe beziehungsweise nicht gebe! Die Palästinenser wurden demnach von Peres lange Zeit als Feinde und als Sicherheitsproblem gesehen. In manchen Punkten hat Frau Amar-Dahl natürlich recht. Israels Politik ist kein Sonntagsspaziergang, die Gesellschaft ist vielfach militärisch, vielleicht sogar militaristisch orientiert. Aber war die politische Führung 1967 etwa wirklich „trostlos, unfähig und dazu auch unverantwortlich“, wie die Autorin behauptet?

Sie lässt jedenfalls an ihrem „Helden“, dem Architekten des Oslo-Friedensprozesses 1993, kein gutes Haar. Für sie ist er kein Friedenspolitiker, sondern ein Nationalist. Im Falle Israel heißt das ein extremer Zionist, ein Mann von „Undurchsichtigkeit und Unnahbarkeit“, mit der Tendenz, „sich jeder beliebigen Koalition anzuschließen“, der nicht hinter der Zwei-Staaten-Lösung steht, der die Siedlungspolitik unterstützt und ganz Palästina als das Land des jüdischen Volkes sieht. Ein Urteil, das durch wirkliche Quellenarbeit wohl erst noch überprüft werden muss.

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Derart sachliche Berichterstattung kann man von Joseph Croitoru natürlich nicht erwarten. In der heutigen FAZ sieht er einmal mehr die freie Meinungsäußerung bzw. dementsprechend die Demokratie in der einzigen Demokratie im Nahen und Mittleren Osten bedroht.

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Bissiger Wachhund

Medienkritisches Portal in Israel steht vor dem Aus

Der Triumphzug der von dem amerikanisch-jüdischen Milliardär Sheldon Adelson subventionierten rechtsgerichteten Gratiszeitung „Israel Hayom“ (F.A.Z. vom 11. August) ist nicht die einzige bedenkliche Entwicklung innerhalb der israelischen Presselandschaft. Gerade auch ob des verschärften Konkurrenzkampfs zwischen Adelsons aggressivem Gratisblatt und den etablierten israelischen Zeitungen „Jediot Achronot“, „Maariv“ und „Haaretz“ ist die Arbeit des nichtkommerziellen Jerusalemer medienanalytischen Internetportals „The 7th Eye“ immer wichtiger geworden – und nun steckt auch dieses in Schwierigkeiten.

Vor vierzehn Jahren von dem unabhängigen und durch private Spenden finanzierten Demokratie-Institut in Jerusalem gegründet, lieferte die Publikation – zunächst als Print-, seit einigen Jahren nur noch als Internetzeitschrift – kompetente kritische Analysen zur israelischen Medienlandschaft. Sie reflektierte die zunehmende Konzentration im israelischen Medienmarkt, den sich bis zum Start der von Adelson finanzierten „Israel Hayom“ hauptsächlich vier Verlegergruppen teilten. Die genannten hebräischen Blätter befinden sich in der Hand der drei Verlegerfamilien Mozes, Nimrodi und Shocken; hinzu kommt die vierte Mediengruppe der Unternehmer Eli Azur und David Weisman, die neben der englischsprachigen „Jerusalem Post“ und dem hebräischsprachigen Gratisblatt „Israel Post“ auch große Einzelhandelsketten und ein Tankstellennetz besitzt – dort wird „Israel Post“ kostenlos verteilt.

In dieser von kommerziellen wie politischen Interessen stark beherrschten Medienszene hat sich vor allem die Presseschau, die „The 7th Eye“ seit zweieinhalb Jahren wochentags veröffentlicht, den Ruf einer ebenso neutralen wie bissigen Instanz erworben. Die tägliche Kritik wird auch deshalb gefürchtet, weil aufgrund des häufigen Personalwechsels zwischen den Redaktionen ehemalige Mitarbeiter gern anonym Interna ausplaudern. So nahm sich „The 7th Eye“ vor einigen Tagen die linksliberale „Haaretz“ vor, die seit dem Einstieg der DuMont-Gruppe 2006 ihren Redaktionsstamm nahezu vollständig ausgewechselt hat.

Die Jerusalemer Medien-Wachhunde machten jetzt auf eine neue und bedenkliche Praxis im Hause „Haaretz“ aufmerksam. Die Redakteure seien neuerdings angewiesen, Agenturberichte möglichst nicht mehr als solche zu kennzeichnen, sondern als eigene Beiträge auszugeben und ihren vollen Namen darunter zu setzen. Wie lange „The 7th Eye“ seine Arbeit noch fortsetzen kann, ist allerdings fraglich. Denn die Leitung des Demokratie-Instituts hat vor kurzem den Etat des Projekts um ein Drittel gekürzt, was schon zu einer erheblichen Reduzierung des Angebots geführt hat.

Dagegen protestieren jetzt über hundert israelische Journalisten mit einer Petition im Internet, in der sie die Institutsleitung auffordern, ihre Entscheidung zu überdenken: sie bedeute eine Schwächung der demokratischen Medienkultur im Land. Unter den Signataren befinden sich sogar zwei Autoren der Kulturredaktion von Adelsons Gratisblatt „Israel Hayom“, dessen Netanjahu-freundliche Berichterstattung „The 7th Eye“ in aller Regelmäßigkeit als journalistisch zweifelhaft geißelt.

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Was bei mir als Verbraucherschutz daherkommt, nämlich die Verantwortlichkeit der Journalisten für die Texte zu erhöhen, die sie abliefern, und welche aus etwas mehr als abgeschriebenen Agenturberichten bestehen sollten, erscheint bei Herrn Croitoru als Angriff auf die Pressefreiheit. Klar, das spielt sich ja auch in Israel ab (einem Land mit beispielloser Presselandschaft). Und ein gutes Haar an Netanjahu zu lassen, das geht nun wirklich nicht.

All dies wurde jedoch leider noch getoppt von Reinhard Müller, der seinen Senf zum Thema Brodsky dazugab und als bewiesene Gewissheiten ausgab, was arabische Dienste propagandistisch nur mutmaßen. Müller verhöhnt nicht nur Israel, die Juden und die Holocaustopfer, er geißelt auch das europäische westliche System als angeblich verlogen. Nur nach Iran oder Syrien will er denn doch nicht übersiedeln, genauso wenig wie die dummschwätzigen und feigen Kommunisten in der Bundesrepublik ihrerzeit, die sie in Grund und Boden verdammten, ohne sich jemals in die heißgeliebte „DDR“ aufzumachen.

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Schlechter Krimi

So läuft das – nicht nur im Krimi, sondern auch in der wirklichen Welt: Es gibt gute und schlechte Killer. Wer im Auftrag des israelischen Geheimdienstes einen Hamas-Führer betäubt und erstickt, ist in seiner Welt ein guter. Und gute Mörder kommen nicht ins Gefängnis, sondern überallhin. Ein einziger der zahlreichen mutmaßlichen Mossad-Agenten, die an dem Mord in Dubai beteiligt waren, lief aufgrund eines europäischen Haftbefehls in Warschau ins Netz des europäischen Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts. Er soll einem der Killer einen deutschen Pass besorgt haben. Das war nicht schwer: Der Geheimdienstmann berief sich darauf, dass dessen Eltern von den Nationalsozialisten verfolgt worden seien. Wegen eines Urkundendelikts wurde „Brodsky“ nach Deutschland ausgeliefert, jetzt durfte er wieder in die Heimat zurück. Kein Zweifel: Ein weiterhin gutes Verhältnis zu Israel ist auch ein Wert. Doch beim nächsten Mal sollte die Bundesregierung gleich diskreter vorgehen. Und auf Protest gegen Morde, die man gar nicht aufklären will, ganz verzichten.

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Mit Verlaub, Herr Müller, Sie sind ein A*schl*ch!

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Time am 17. August 2010

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1) Tamar Amar-Dahl: Shimon Peres. Friedenspolitiker und Nationalist. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2010. 471 S., 39,90 [Euro].
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/23/im-interview-schimon-peres/
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/28/die-rede-des-prasidenten-des-staates-israel/
langes Interview mit Amar-Dahl unter http://www.tvb.de/newsmeldung/datum/2010/05/05/standort-berlin-mit-tamar-amar-dahl.html

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5 Antworten to “Drei Kröten”

  1. quer Says:

    „Mit Verlaub, Herr Müller, Sie sind ein A*schl*ch!“

    Falsch! Es muß heißen: Ohne Verlaub Herr Müller, Sie sind ein überdimensional großes Riesenarschloch. Wegen Leuten wie Ihnen kündigen geistig klare Mensche das Abonnement.

    „Es gibt gute und schlechte Killer.“ Natürlich Herr Müller! In den Augen der Nazis war v. Stauffenberg ein schlechter Killer. Sie Arsch mit Ohren.

  2. quer Says:

    Ach noch eins, Herr Müller: Meine harsche Ausdrucksweise müssen Sie schon entschuldigen. Im Kampf gegen Rechts bin ich nämlich gnadenlos…..

  3. Time Says:

    Quer,

    diesmal gebe ich Ihnen, hihihi, zu 100,000% Recht! Aber Sie verstehen, die Methode „Good Cop – Bad Cop“ ist eine Methode – erreichen wollen wir dasselbe. Also bitte: weitermachen!

    Ihr Time

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    PS.: A*sch mit Ohren kann man schmoren – A*schgesicht leider nicht- A*schloch aber doch!

  4. Aufruf zur Antikriegsdemonstration zum Qudstag am Samstag, den 4. September 2010 Says:

    Aufruf zur Antikriegsdemonstration zum Qudstag
    am Samstag, den 4. September 2010

    Treffpunkt: 14.30 Uhr am Adenauerplatz
    Wegstrecke ab 15.00 Uhr: über Kudamm, Joachimstaler Strasse, Kantstrasse bis Savigny-Platz (Abschlusskundgebung)

    Der Weltkrieg ist voll im Gange, was nun?

    den neuen Teil des dritten Weltkrieges gegen den Iran verhindern und die laufenden Teilkriege beenden!
    Terror und Gewalt stoppen, Vertrauen und Frieden verbreiten!
    Hass und Feindschaft bekämpfen, Vernunft sprechen lassen!
    Die kriegstreibenden Politiker/innen abwählen. Die Demokratie retten!
    Vor allem Millionen Menschenleben retten!

    Die Antikriegsdemonstration am Qudstag ist der Marsch für den Frieden. Die „Herren der Welt“ suchen anscheinend, nach alten Rezepten aus denm 20. Jahrhundert, den Ausweg aus der selbstverschuldeten Krise in dem Krieg. Die Vernunft sagt uns, dass die Wirtschaft dem Wohlstand und das Militär der Sicherheit für die Menschen dienen soll. Aber wenige tausend unter uns 6,5 Miliarden Menschen verfügen unberechtigter Weise über den größten Teil der materiellen Macht.
    Seien es Politiker, Staatsmänner u. Staatsfrauen oder die Mächtigen der Wirtschaft. Sie scheinen fest entschlossen, schrittweise einen dritten Weltkrieg mit Millionen von Toten und weiteren verheerenden Folgen zu führen.
    Ein Krieg, der schon 2001 begann und ettapenweise fortgeführt wird. Afghanistan, Irak, Libanon, Palästina, Pakistan, Jemen, Sudan und nun Iran.
    Was für ein Zufall, dass alle Teilkriege vom Westen, also von den „freiheitlich demokratischen“ Staaten und ihrem Vorposten in der islamischen Welt, nämlich von Israel, ausgehen. Wiederum rein zufällig wird Krieg gegen die islamischen Länder geführt! Sind wir schon bei der Inszinierung der „Clash of civilizations“?
    Oder befinden wir uns bereits mitten in den neuen, modernen Kreuzzügen? Dabei ist eins sicher: der erste Verlierer des dritten Weltkrieges ist die Demokratie, die dem blutigen Wahnsinn der Mächtigen geopfert wird.
    Wir dürfen unser eigenes Schicksal und das der gesamten Menschheit nicht den bösen Kriegstreibern überlassen!
    Aus diesem Grunde appelieren wir an alle Buergerinnen, sofern sie noch bei gesundem Menschenverstand sind und nicht von den Medien verzaubert wurden,
    an der diesjährigen Qudsdemonstrationen in Berlin teilzunehmen

  5. quer Says:

    „….der erste Verlierer des dritten Weltkrieges ist die Demokratie, die dem blutigen Wahnsinn der Mächtigen geopfert wird.“

    „….ist eins sicher: der erste Verlierer des dritten Weltkrieges ist die Demokratie, die dem blutigen Wahnsinn der Mächtigen geopfert wird.“

    Sagen wir’s mal so:

    …der endgültige Verlierer des dritten Weltkrieges und ganz besonders des kommenden europäischen Bürgerkrieges wird der Totalitarismus sein. Egal, ob er sich als Religion tarnt wie der Islam, oder weltlich daherkommt. Das wird allerdings einen gewissen Blutzoll erfordern.

    Gewinner werden die Menschen sein, die in Eigenverantwortung und Selbstbestimmung an der Fortentwicklung der westlichen freiheitlichen Traditionen und ihrer Innovationskraft mitwirken wollen.

    „Wir dürfen unser eigenes Schicksal und das der gesamten Menschheit nicht den bösen Kriegstreibern überlassen!“

    Besser formuliert:

    Wir dürfen unser eigenes Schicksal und das der westlichen Welt mit ihren unveräußerlichen Werten nicht den bösen Totalitaristen in Gestalt des Islam überlassen.

    So wird ein Schuh daraus. Gelle?

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