Broken Road To Nowhere


Die heutige FAZ brachte einen Leserbrief von Dr. Barthold C. Witte zum Thema Laizismus in der Türkei.

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Die Türkei – wirklich laizistisch?

Der Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung für Necla Kelek, die mutige Streiterin für Frauenrechte und einen moderneren Islam: Eine gute Tat. Die Reden von Alice Schwarzer und der Preisträgerin aus diesem Anlass (s. Links unten, T.): bewegende Dokumente. In einem Punkt indessen ist Widerspruch nötig, nämlich zum angeblich laizistischen Charakter der türkischen Verfassung, wie ihn Alice Schwarzer – nebst vielen anderen – behauptet, sogar mit einem indirekten Lob für das türkische Militär und die von diesem erzwungene, nach wie vor geltende „laizistische“ Verfassung von 1982. Sie habe, heißt es oft, die Trennung von Religion und Staat in der Türkei bestätigt, wie sie vom Staatsgründer Atatürk eingeführt wurde. Vorbild sei dabei Frankreich gewesen, das 1905 diese Trennung vollzog.

Bei näherem Zusehen erweist sich jedoch, was Atatürk tatsächlich durchsetzte: Seither wird zwar nicht mehr der Staat durch die Religion kontrolliert, aber umgekehrt die Religion durch den Staat. Instrument dieser Kontrolle ist das Amt für religiöse Angelegenheiten, das unmittelbar dem Ministerpräsidenten untersteht. Es beruft und bezahlt die Geistlichen und Moscheevorsteher, so auch für die türkischen Gemeinden in Deutschland. Auch das Eigentum der Gemeinden, traditionell in religiösen Stiftungen organisiert, steht unter solcher Kontrolle. Zwar ist der Islam als Staatsreligion formell abgeschafft und Religionsfreiheit versprochen, aber tatsächlich erkennt der türkische Staat nur die sunnitische Version des Islam an. Der von der Schia abgeleiteten Glaubensgemeinschaft der Aleviten, zu welcher etwa jeder fünfte Türke zählt, wird diese Anerkennung verweigert, den christlichen Kirchen ohnehin.

Wo bleibt da die Freiheit jedes Bürgers, nicht nur seine Religion zu wählen, sondern sich auch zu autonomen, staatsfreien Glaubensgemeinschaften zusammenzuschließen? Bundespräsident Wulff hatte völlig recht, in Ankara diese Freiheit einzufordern. Ja, es stimmt, was auch die Europäische Kommission erst jüngst feststellte: Die Türkei hat noch einen weiten Weg in die Gemeinschaft der westlichen Demokratien vor sich.
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Ich stimme Dr. Witte in allem zu bis auf eines: Der Weg der mohammedanistischen Türkei in die Gemeinschaft der westlichen Demokratien ist nicht nur weit, er ist ungangbar.

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Time am 12. November 2010

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Kelek: http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~ECA34B76019A043AD9DB78D697F62CEAF~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Schwarzer: http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~E56AB11F93EF64353BABFE041A2E720B4~ATpl~Ecommon~Scontent.html

 

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