Der Haupttäter entkam

Anders als sein Freund, der Verräter Adam Neuser, der zum Mohammedanismus konvertierte, konnte der Antitrinitarier Johannes Sylvanus nicht fliehen. Er wurde 1572 in Heidelberg hingerichtet.

Martin Mulsow ist Direktor des Forschungszentrums Gotha der Universität Erfurt und bereitet eine Edition der Materialien zum Fall Neuser vor. Neuser war ein prominenter Orkfreund und Verräter im 16. Jahrhundert. In der gestrigen FAZ legte Mulsow den Fall dar.

_____

Ein Fall religiöser Doppelspionage und Koranverehrung

Der Sultan soll sich ganz Europa nehmen, die Christen verdienten es nicht anders. So schrieb ein deutscher Theologe am Ende des 16. Jahrhunderts an das Oberhaupt des Osmanischen Reichs. Seitdem wird gerätselt, was in Adam Neuser gefahren war. In Gotha ist nun die lateinische Fassung seines Briefes entdeckt worden, die zwar auch nicht das Original ist, aber das Rätsel Neuser zu lösen erlaubt.

Im März 1570 setzt ein deutscher Theologe in Heidelberg einen Brief an den Sultan von Konstantinopel auf. Er schreibt ihm, er halte den Islam für besser als das Christentum, und der Sultan, Selim II., solle ruhig Europa erobern, dann würden die Christen schon sehen, wohin sie mit ihrer Götzendienerei und ihrer Zwietracht gekommen sind. Adam Neuser, der Verfasser des aberwitzigen Briefes, spielte mit dem Feuer. Er wusste, dass ihm eine Anklage wegen politischen Hochverrats drohte, sollte der Brief je in die Hände der Behörden fallen. Zu dieser Zeit beherrschten die Türken den ganzen Balkan. Die Grenze verlief durch Ungarn und Siebenbürgen zum Schwarzen Meer, und der Islam war eine stete Bedrohung für den Westen.

Der Fall Neuser ist einer der großen Skandale des sechzehnten Jahrhunderts. Über die Jahrhunderte haben sich Lessing und viele andere Gelehrte an ihm abgearbeitet; dennoch ist er nie restlos aufgeklärt worden. Warum in aller Welt hat Neuser diesen verhängnisvollen Brief geschrieben? Auch wenn er ihn nicht abgeschickt hat, so ist der Text doch bei einer Hausdurchsuchung an den Pfälzer Kurfürsten gekommen, Neuser wurde zum Tod verurteilt, konnte fliehen, versuchte sich nach Siebenbürgen durchzuschlagen, musste umkehren, wurde ergriffen und verhört. Er floh ein zweites Mal, versuchte es in London und Paris, wandte sich dann aber wieder Richtung Osten. Von Polen und Ungarn aus landete er schließlich – Ironie der Geschichte – als Gefangener im Osmanischen Reich. Er konvertierte zum Islam, kam dadurch frei und fristete danach sein Leben noch einige Jahre mit Dolmetscherarbeiten am Hof in Istanbul.

Warum also hat er den Brief geschrieben? Neuser war wütend. Er war in Heidelberg kaltgestellt worden, weil er der falschen Partei angehörte, zu denen, die die Züricher Variante des Reformiertentums bevorzugten und nicht die strenge Kirchenzucht nach Genfer Vorbild, die in Heidelberg durchgesetzt werden sollte. Das hat ihn radikalisiert. Er freundete sich mit antitrinitarischen Ideen an, also solchen, die das Dogma der Trinitätslehre ablehnten und Jesus nicht für einen Gott erachteten. Daher der Abscheu vor der „Götzendienerei“ seiner Mitbürger. Irgendwann muss Neuser die Koranausgabe in die Hände gefallen sein, die Bibliander 1543 veröffentlicht hatte, und er hat fasziniert angefangen, die Nähe zwischen Judentum, Christentum und Islam zu sehen, wenn man denn nur von einem puren Monotheismus ausging. Es gab Schriften, die der Koranausgabe beigebunden waren – etwa die „Cribratio Alcorani“ von Nikolaus von Kues -, die eher die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede der Religionen betonten.

Doch all das hätte nicht gereicht, Neuser dazu zu bewegen, den Sultan einzuladen, ganz Europa zu erobern. Dazu war noch die Gewissheit nötig, geschichtlich auf der richtigen Seite zu stehen. Liest man den Brief an den Sultan, so fällt ein Bezug zu Daniel 2 und 7 auf, also zur politisch so einflussreichen Vier-Reiche-Prophetie. Neuser deutet die vierte und endgültige verheißene Monarchie nicht auf das Heilige Römische Reich, sondern auf die Osmanen: „und wann die Christen verstehen, daß Ew. Majestät Reich eben diß sey, (wie es in der Wahrheit ist) davon Daniel im 2. und 7. Capitel sagt, welches die gantze Welt einnehmen, über alle Kayser und Könige herrschen soll, werden sie sich nicht mehr ungehorsam erweisen, sondern gutwillig ergeben“.

Kurz zuvor, 1566, hatte es einen markanten Einschnitt in den Debatten um die Danielsprophetie gegeben. Jean Bodin hatte in seiner Schrift „Methodus ad facilem historiarum cognitionem“ einen Angriff auf die deutsche Reichsideologie lanciert und massive Zweifel angemeldet, ob denn mit dem vierten Reich wirklich das gegenwärtige Heilige Römische Reich Deutscher Nation gemeint sei; es gäbe doch auch andere große Reiche, besonders das derzeitige türkische. Diese ketzerische Anfrage ist nicht ohne Wirkung geblieben, auch nicht in Heidelberg. Dass man aus ihr aber solche Konsequenzen ziehen konnte wie Neuser es tat, war unerhört.

Um Neusers Motivation wirklich zu erhellen, ist es nötig, auf die Einzelheiten des Briefes an den Sultan einzugehen. Doch dieser Brief ist ein Mysterium. Man kannte bisher nur eine deutsche Übersetzung, obwohl er ursprünglich auf Latein geschrieben war. Die deutsche Fassung wurde von Jakob Beyrlin in seinen „Antiquitates Palatinae“ mitgeteilt, einem Text aus dem frühen 17. Jahrhundert, der aber erst 1701 gedruckt wurde. Das Original ist niemals gefunden worden, seit mehr als vierhundert Jahren hat es niemand gesehen. Lessing war der Erste, der daran zweifelte, dass alles in dem deutschen Text den ursprünglichen Worten Neusers entspräche. Einiges könnte aufgebauscht worden sein, um die harte Strafe an Neusers Freund Johannes Sylvanus, der geköpft wurde, zu rechtfertigen.

Nun aber ist der lateinische Text aufgetaucht. Er liegt in der Forschungsbibliothek Gotha. Daniel Gehrt hat ihn bei Katalogisierungsarbeiten an einem Briefkonvolut von Stephan Gerlach gefunden, einem Gesandtschaftsprediger, der Neuser in Istanbul kennengelernt hatte. Und es zeigt sich, dass die authentische, mit Neusers Hand geschriebene Gothaer Version nicht identisch ist mit der bisher bekannten deutschen Fassung. Diese fängt so an: „Ich Adam Neuser, ein gebohrner Christ in Teutschland, und verordneter Lehrer und Prediger des gemeinen Volcks zu Heydelberg, (an welchem Ort jetztmahls die Gelehrtesten des ganzen teutschen Landes sich unterhalten) fliehe zu Seiner Majestät gantz unterthänigst, um Gottes und eures Propheten willen (über welchen sey der Friede GOttes), bittend, Seine Majestät wolle mich in die Zahl der Gott-Gläubigen eures Volcks, und für einen Unterthanen aufnehmen.“

Die Gothaer Version aber, übersetzt man sie aus dem Lateinischen, beginnt so: „Ich, Adam Neuser, Heidelbergischer Prediger und zum Doktor promoviert in der Universität Heidelberg beim pfälzischen Fürsten, der den zweiten Rang im Reich nach dem Kaiser hat, habe die prophetischen und apostolischen Schriften gelesen, mit den besten Interpretationen aller alten Kirchenväter und modernen Ausleger. Durch Beiwohnung des allmächtigen Gottes habe ich gesehen, dass alle Christen in ihrer Idolatrie verfangen sind, dass sie selbst nicht richtig über die Grundsätze ihrer Religion urteilen, ja der Religion überhaupt.“ Es handelt sich also um einen ganz anderen Text, der nur gelegentlich mit der bisher bekannten Version übereinstimmt.

Wie lässt sich das erklären? Meine These: Die lateinische Version ist nicht derjenige Text, der in Neusers Haus konfisziert wurde und dann in die Hände des Kurfürsten gelangte. Dieser Originaltext ist möglicherweise für immer verschwunden. Nein, die Gothaer Version ist der Versuch Neusers, den Wortlaut seines Briefes aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren. Wie anders sollte es auch möglich sein, dass Stephan Gerlach diese Blätter aus dem Besitz des toten Neuser erhalten hat? Neuser konnte ja unmöglich von seinem Exil in Istanbul aus an das im Heidelberger Schloss verwahrte Dokument gekommen sein. Und dass Gerlach bei seinen Nachforschungen über Neuser nach seiner Rückkehr aus Istanbul 1578 die Heidelberger Behörden hat dazu bewegen können, ihm den Originalbrief auszuhändigen, ist äußerst unwahrscheinlich. In diesem Falle müsste der Text, der der deutschen Übersetzung zugrunde liegt, gefälscht oder erfunden sein, was auch aus textlichen Gründen unplausibel ist. Vielmehr scheint Neuser auf seiner langen Flucht das Bedürfnis gehabt zu haben, sich den Brief, der die Grundlage seiner ganzen Kalamität war, möglichst genau zu vergegenwärtigen. „Soweit das, was ich an Argumenten in aller Eile aufgreifen kann (,possum arripere‘)“, notiert er sich hinter seine Rekonstruktion.

Und es spricht für meine Hypothese noch ein anderer Umstand. Die beiden lateinischen Fassungen des Sultan-Briefes sind nicht die einzigen Blätter, die von Neuser im Gothaer Konvolut enthalten sind. Sie werden umrahmt von einigen weiteren Blättern Neusers, auf denen er zum einen Einzelheiten seines Verhörs in Heidelberg und der Argumente darstellt, die er damals vorgebracht hat, und zum anderen seine Gründe für die Ablehnung der Trinität als solche anführt.

Alles in allem scheint es sich bei den sehr unvollständig erhaltenen Texten um Materialien für eine autobiographisch gehaltene Rechtfertigungsschrift zu handeln. Man weiß, dass Neuser sich während seiner Siebenbürger Zeit rechtfertigen und den üppig ins Kraut schießenden Spekulationen und Denunziationen über seine Flucht mit einer Apologie begegnen wollte. Ferenc Dávid, der ungarische Antitrinitarier und Freund, riet ihm dringend dazu. Die Apologie hat offenbar die Form einer Mischung aus Dokumentation (insbesondere des Sultanbriefes), Bericht über seine Reisen und theologischem Traktat angenommen.

In Siebenbürgen hielt sich Neuser auf, weil dort (wie sonst kaum in Europa, von einigen Teilen Polens abgesehen) der Antitrinitarismus eine geduldete Religion war. Von Heidelberg aus hatte der schlecht informierte Neuser noch gedacht, sein Glaube wäre dort sogar Staatsreligion. Nun musste er erfahren, dass es selbst in dieser Randzone des christlichen Europa noch schwierig war, den Häschern des Kaisers und des Kurfürsten zu entkommen. Wenn er seine Apologie drucken lassen wollte, musste er sich auf türkisch kontrolliertes Territorium wagen.

Das tat Neuser dann auch, denn dort – in Símand – gab es eine fahrbare provisorische Druckerei von „Herrn Paul“ Karádi, von der er gehört hatte. Doch auf der Suche nach dieser Druckerei wurde er in Temesvár gefangen genommen und nach Istanbul abtransportiert. Auf seiner Irrfahrt, noch in Siebenbürgen oder schon im Osmanischen Reich, scheint er in ziemlicher Eile die Fragmente für die Apologie aufs Papier gebracht zu haben.

In Istanbul angekommen, hat Neuser seine Materialien bei sich behalten und wohl weiter an ihnen gearbeitet. Zugleich machte er sich Gedanken, wie er den Hochverratsvorwurf abschwächen könne. Als er im April 1574 an seinen Freund Caspar Baumann in Deutschland schreibt, weist er ihn daher auf eine Marginalie hin, die er am Ende des Originalbriefes gemacht hatte und die er auch in seinem Gedächtnisprotokoll an gleicher Stelle notiert: ein „Hoc potest omitti“ („Das kann weggelassen werden“). Er erkärt Baumann, dass er sich die Klausel aus Vorsicht ausgedacht hatte, kurz nachdem er den Brief im März 1570 verfasst hatte: „Ich gedachte bey mir selbst, ,wenn vielleicht aus sonderm Unglück deine Mißgönner diesen Brief sollten überkommen, so möchten sie dich in groß Unglücke bringen; es wird dirs keiner glauben, daß du in proposito et fine, nehmlich die Wahrheit zu erfahren, geschrieben hattest; was willst du anfangen, gedacht ich, so viel dich bemühen der Religion halben, in weite unbekannte Lande dich zu begeben? Beschloß diese ganze Sache ruhen zu lassen, nichts anzuheben, und zu einem Zeugniß deß schrieb ich neben an den Brief an die Seite, ,Hoc potest omitti‘; das ist, diß mein Vornehmen, dieser Brief, dieses Geschäft mag wohl unterlassen werden: und diß sind die letzten gewesen, die ich an diesen Brief geschrieben habe, nachdem ich ihn überlesen habe.“

Dass die Klausel den ganzen Brief ungültig machen sollte, halte ich für zweifelhaft. Sie war neben die letzten Zeilen gesetzt und kann lediglich den Absatz gemeint haben, in dem es – in Neusers rekonstruierter Fassung – heißt: „Ich komme nicht als Schurke, ich komme nicht als Bandit, ich werde wie gesagt nicht gezwungen: Ich tue nicht wenig, um zur Vermehrung Deines Reiches beizutragen – ich würde nämlich meine Kinder, meine Frau und meine Eltern hintansetzen. Ich bitte also darum, daß Du mich mit meiner Frau und den Kindern gnädig aufnimmst und verteidigst.“ Neuser wollte also die Absicht aufgeben, in das Osmanische Reich zu übersiedeln, er wollte nur noch seine Glaubensüberzeugung ausdrücken.

Tatsache ist aber, dass es Neuser im April 1574 offenbar noch ausreichend schien, auf die Auslassungsklausel als sein Hauptargument zur Verteidigung zu bauen – wie wir gesehen haben, ein recht windiges Argument. Nun gibt es aber noch eine zweite Fassung des Briefes im Gothaer Material. Diese unterscheidet sich im Text in einigen Varianten und in einem längeren Einschub über weitere Suren, der in der ersten Rekonstruktion noch fehlt. Dass diese Fassung etwas später auf der Grundlage der ersten hergestellt wurde, ist aus dem Umstand zu erschließen, dass sie umfangreicher ist und Wörter ausbuchstabiert, die in der ersten Fassung nur abgekürzt waren. Am Rand ist sie sorgfältig durchkommentiert, durchaus auch mit etwas kritischen Akzenten. So korrigiert sich Neuser in dem Satz, der darin schwelgt, dass die Lehre Mohammeds in allen Punkten mit der übereinstimme, die er für sich selbst entwickelt hatte. „Nein“, sagt Neuser am Rand, nicht in allen.

Aber etliche dieser Kommentare sind nicht auf den ersten Blick entzifferbar. Immer wieder stechen dem Leser unsinnige Buchstabenfolgen ins Auge. Der Grund: Neuser hat eine Geheimschrift ersonnen, um seine Bemerkungen für einen ungebetenen Leser unverständlich zu machen. Mit Geheimschriften hatte er in seiner täglichen Arbeit am Hof Erfahrung, denn er war als Dolmetscher angestellt worden. Er wusste, wie man Buchstaben vertauschte und in anderer Reihenfolge einfügte.

Das Schlüsselwort, das hier zu entziffern ist, lautet „labudge“, richtig entziffert: „zopirus“. Zopyrus war ein vornehmer Perser in Diensten von König Darius, der sich selbst verstümmelte, um dadurch das Vertrauen der gegen die Perserherrschaft aufständischen Babylonier zu gewinnen. Er erzählte ihnen, er sei von Darius bestraft worden und wolle zu ihnen ins Exil gehen. Auf diese Weise wurde er bei den Babyloniern der Kommandierende der Streitkräfte, und es gelang ihm, die Armee so zu schwächen, dass Darius Babylon wieder erobern konnte. Neuser will also suggerieren, dass seine Konversion zum Islam und seine Übersiedlung nach Konstantinopel ein Trick gewesen sei, sich bei den Türken einzuschleichen, um von dort aus Informationen an die Christen geben zu können. So wie Zopyrus sich Nase und Ohr selbst abgeschnitten hatte, so hat sich Neuser, das möchte der Vergleich sagen, selbst der Tortur der Beschneidung unterzogen, gleichsam im Dienste der kaiserlichen Majestät.

Warum musste Neuser diese Passagen in Geheimschrift notieren? Offenbar doch wohl, weil sonst lateinkundige Männer am Sultanshof hätten erkennen können, was er in seiner Apologie erklärte: dass er nämlich dissimuliere und in Wirklichkeit für die christliche Seite arbeite. Als Neuser in den Jahren um 1575 als Doppelagent abgefangene Briefe der kaiserlichen Seite, die er für den Sultan entziffern sollte, heimlich den Deutschen gab, auf dass sie sie gegen unverfängliche Schreiben eintauschen konnten, war es sinnvoll, die eigene Apologie so zu gestalten. Er betrieb die Spionage, um eine Chance auf straffreie Rückkehr in die Heimat zu erhalten, wo seine Frau wartete, aber auch deshalb, um seinen in Wien gefangengehaltenen Sohn freizubekommen.

Neuser hat seine Apologie nie vollendet. Der Kuhhandel mit der Kaiserlichen Delegation – Spionage gegen Rückkehr – ging nicht auf; man hat ihn ausgenutzt und dann fallengelassen. Neuser ist in der Fremde zum Alkoholiker geworden. In seinen aktiven Phasen aber suchte er weiterhin nach frühchristlichen Manuskripten, in denen er das ursprüngliche, noch nicht von der Trinitätstheologie bestimmte Christentum finden wollte. Antitrinitarier sind aus dieser Motivation zu Vorläufern der kritischen Bibelphilologie geworden. In Istanbul gab es Klöster und andere Orte, an denen man uralte Texte ergattern konnte. Einige Funde schickte Neuser an Freunde nach Polen und Siebenbürgen. Er schrieb fieberhaft dogmatische Überlegungen in sein Koranexemplar. Als Neusers Freund Jakob Palaeologus ihn im Sommer 1573 besucht, kritisiert Neuser die Koranübersetzung Biblianders und lässt durchblicken, wenn man den Koran so adäquat übersetze, wie er selbst es jetzt könne, wäre er noch sehr viel überzeugender. Er ist also weit davon entfernt, nur den Muslim zu simulieren, vielmehr ist er weiterhin begeistert vom Islam und versucht, den antitrinitarischen Freund zur Konversion zu überreden. Nebenbei beschäftigen ihn chemische und technische Gedanken, er hat die Idee, eine Art Automobil zu bauen. Er habe „angefangen einen Wagen zu machen / der geschwind und selbsten für sich lauffe“, schreibt Gerlach über Neuser in sein Tagebuch. Vielleicht hatte sich Neuser schon in Heidelberg zu solchen waghalsigen technischen Spekulationen anregen lassen, denn dort gab es etliche Paracelsisten, die sich ursprünglich um den Pfalzgrafen Ottheinrich geschart hatten. So hat Adam von Bodenstein 1560 den Dogen von Venedig damit gelockt, er wisse „durch natürliche Magie Instrumente herzustellen, die mittels himmlischer und elementarer Kräfte in dauernder Bewegung kreisen und herumgetrieben werden.“

Dann aber ist Neuser an der Roten Ruhr erkrankt und im Oktober 1576 unter erheblichen Qualen gestorben. Für die Bestattung wollte er kein Geld reservieren, denn er glaubte nicht an die Unsterblichkeit der Seele. Er kaufte sich davon Alkohol, um seine Schmerzen zu ertränken.

_____

Time am 28. April 2011
_____

http://en.wikipedia.org/wiki/Adam_Neuser
– http://en.wikipedia.org/wiki/Johann_Sylvan
http://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Neuser
_
____

Eine Dimi-Referenz auf mich unter
schnutzel.blog.de/2011/05/05/adam-neuser-frueher-deutscher-islamkonvertit-11104054/

Schlagwörter: , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: