Joseph Kröterich

Den Panik-Paddel Pahners sind die geneigten Leser der FAZ nun zwar demnächst endlich los (1), im Biotop des Feuilletons von Deutschlands bester Zeitung tummelt sich aber immer noch ein ziemlich garstiges Ungetüm: Der Judenhasser Joseph „Kröterich“ Croitoru. Immer wenn aus dem Pfuhl übelriechende Blasen aufsteigen, steht sein Auftauchen kurz bevor, und heute hatte er wieder die Gelegenheit, seinen pro-palarabischen Schleim auszuwälzen.

Das Schöne an Kröterichs Texten ist, dass man einfach nur straight alles umdrehen muss, so wie das meist bei Äußerungen der Orks notwendig ist, und dann hat man ein einigermaßen passables Ergebnis.

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Sie haben angegriffen, sie haben verloren

Mit immer schärferen Worten und kruderen Thesen leugnet Israels Rechte das Leid, das die Palästinenser erlitten haben. Jetzt kursiert eine Kampfschrift, die im Land gleichermaßen für Begeisterung  und Entsetzen sorgt.

Das Wort „Nakba“, mit dem die Palästinenser ihre Vertreibung aus dem früheren britischen Mandatsgebiet nach der Gründung des Staates Israel 1948 bezeichnen, dürfte in den nächsten Monaten immer stärker in die Schlagzeilen geraten, je näher der für September angekündigte Termin für die Ausrufung eines Palästinenserstaates rückt. In Israel steigt schon seit Wochen die Spannung, dramatisierend sprach jüngst Ministerpräsident Netanjahu von einem drohenden „Tsunami“. Gestern drohte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman in Jerusalem in einem Gespräch mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, im Falle der Proklamierung eines palästinensischen Staates würde sich Israel nicht mehr an die Osloer Friedensverträge gebunden sehen. Auch publizistisch macht Israels Rechte gegen die palästinensische Seite mobil. Aus ihren Kreisen ist unlängst eine aufsehenerregende Kampfschrift in Umlauf gebracht worden, die verspricht, die palästinensische Katastrophe von 1948 als boshafte Erfindung der Palästinenser zu entlarven. Entsprechend lautet denn auch ihr programmatischer Titel „Nakba kharta“ (Nakba-Bluff). Mit dem siebzig Seiten umfassenden „Büchlein, das um die Wahrheit kämpf“ – so der Untertitel – wollen die Autoren Ariel Segal und Erez Tadmor dafür sorgen, dass die palästinensische „Nakba-Lüge“ nicht weiter Verbreitung finde. Auch sie machen von der Tsunami-Metapher in diesem Zusammenhang gern Gebrauch.

Tadmor und Segal sind angesehene Kolumnisten der konservativen, aber nicht radikalen Tageszeitung „Maariv“. Tadmor ist einer der Wortführer der rechten außerparlamentarischen Bewegung „Im Tirzu“. Ihr Name bedeutet auf Hebräisch „Wenn ihr wollt“ und bezieht sich auf den Ausspruch Theodor Herzls, „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen“; gemeint war damit der Judenstaat. Die Organisation hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit lautstarken Angriffen auf linksorientierte israelische Universitätsdozenten die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, denen sie vorwarf, propalästinensische und antizionistische Positionen zu vertreten. Zuletzt beschuldigte sie israelische Menschenrechtsorganisationen, das Ergebnis des Goldstone-Berichts der Vereinten Nationen über den Gaza-Krieg durch tendenziöse Angaben negativ beeinflusst zu haben, und forderte vom Staat Konsequenzen. Tatsächlich haben derartige Kampagnen von „Im Tirzu“ wiederholt bis ins israelische Parlament gewirkt. Sein Erziehungsausschuss setzte die Vorwürfe gegen die Hochschullehrer auf die Tagesordnung.

Das Pamphlet „Nakba kharta“ erschien Mitte Mai im Rahmen einer koordinierten Aktion, die sich als Gegenveranstaltung zu den palästinensischen Nakba-Demonstrationen verstand. Ein die Kampagne begleitendes Poster zeigt eine mit einem Palästinensertuch vermummte finstere Gestalt. Sie trägt ein Stirnband, auf dem „Nakba kharta“ prangt. Der darunter plazierte Text fasst schlagwortartig einige der Hauptthesen dieses Machwerks zusammen: „Sie (die arabischen Staaten und die Palästinenser) haben angegriffen. Sie sind selbst gegangen. Sie haben vertrieben. Sie haben verloren.“ Mit solchen Parolen erklären die Autoren die „zionistische“ Geschichtsversion vom israelisch-arabischen Krieg von 1948 zur ultimativen historischen Wahrheit, die die angebliche Fiktion und Propaganda der Gegenseite nun endlich aus der Welt schaffen soll.

Ihre Argumentation sieht die Israelis ausschließlich als Opfer arabischer Aggression und Manipulation: Mit dem „Nakba-Mythos“ täuschten die arabischen Täter immer dreister vor, Opfer zu sein. Die israelischen Soldaten, die ihr Volk damals vor einem Massaker durch die Araber bewahrt hätten, habe man zu Kriegsverbrechern gestempelt und „Blutlegenden“ in Umlauf gebracht, denen zufolge Israel das Verbrechen einer ethnischen Säuberung begangen habe. Die patriotischen Gefühle der Leser werden in der Einleitung mobilisiert: Sie sollen sich gleichsam als „Soldaten“ im publizistischen Kampf um den Fortbestand des jüdischen Staates engagieren.

Was nun folgt, ist reine Geschichtsklitterung, wie man sie bislang selbst von Israels konservativsten Historikern nicht gekannt hat. Wie von Letzteren wird auch hier das Ziel verfolgt, die Israelis von jeder Verantwortung für das Schicksal der Palästinenser zu entlasten. So wird die längst bewiesene These, dass 1948 auch gezielte Vertreibungen der palästinensischen Bevölkerung stattfanden, als eine Lüge diffamiert und die systematische Zerstörung palästinensischer Ortschaften ignoriert. Stattdessen verweist ein ganzes Kapitel darauf, dass die arabischen Staaten diejenigen waren, die zum Mittel der Vertreibung gegriffen und ihre jüdischen Bürger ausgewiesen hätten. Den als grausam und dumm abqualifizierten Arabern unterstellen die Verfasser Vernichtungsabsichten und stilisieren den palästinensischen Großmufti Hadsch Amin al-Husseini, einen Verbündeten der Nationalsozialisten, gar zu einem wichtigen Akteur bei der Judenvernichtung. Die Araber, wird gebetsmühlenartig wiederholt, hätten den Krieg begonnen, sich dabei überschätzt und ihn deshalb verloren. Für seine Folgen trügen allein sie die Verantwortung.

Während das Pamphlet in rechten Kreisen begeistert aufgenommen wird, hat die linksliberale Zeitung „Haaretz“ Ende Mai die Kriegsereignisse in Haifa auch unter Einbeziehung jüdischer und palästinensischer Zeitzeugen nachrecherchiert. Tatsächlich bombardierte die jüdische Hagana – sie hatte in der Nacht zum 22. April 1948 schon fast die gesamte Stadt erobert – damals gezielt den städtischen Marktplatz, auf dem sich gerade zahlreiche palästinensische Zivilisten versammelt hatten, um über ihre Lage zu beraten. Die jüdischen Kampfeinheiten feuerten in jenen Stunden praktisch auf alles, das sich im arabischen Stadtteil bewegte. Unter den zahlreichen Todesopfern waren vor allem Kinder und Frauen. Verzweifelt suchten viele Palästinenser Zuflucht auf dem Hafengelände, das noch unter britischer Kontrolle stand. So gelang einem Teil von ihnen auf dem Seeweg die Flucht in den Libanon.

Allein im Internet meldeten sich auf den „Haaretz“-Beitrag vierhundert meist wütende Leser zu Wort, von denen nicht wenige bedauerten, dass man damals nicht alle Palästinenser aus dem Land gejagt hatte. Von rechter Seite muss auf die Zeitung massiver Druck ausgeübt worden sein, denn nur wenige Tage später veröffentlichte sie einen Artikel mit dem Titel „Die jüdische Nakba“. Darin warb nun Zvi Gabai, früherer Botschafter und Vize-Direktor des israelischen Außenministeriums, für die These, dass die Juden in den arabischen Ländern eine noch weit größere Katastrophe erlitten hätten als die Palästinenser durch die Israelis. Von ihrer Nakba rede die ganze Welt, während die der arabischen Juden weiterhin vergessen bleibe.

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Dr. Gudrun Eussner hat für „hagalil“ exzellente Texte zum Thema verfasst (2). Bei ihnen kann man sich natürlich die Mühe des „gegenteiligen Lesens“ sparen.

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Time am 18. Juni 2011

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/06/16/flucht-nach-new-york/
2) http://www.zionismus.info/antizionismus/arabisch.htm

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Eine Antwort to “Joseph Kröterich”

  1. Fröschli Says:

    Oder du kaufst dir die DVD „Seven Deadly Myths“ — eine israelische Produktion –, auf der die Teilnehmer der Vertreibungen zu Wort kommen. Haganah-, Stern-Gang- und Irgun-Täter sprechen über ihre Taten und sehen sehr unglücklich dabei aus. Palmach-Mitglieder singen wie die Kanarianvögel … Späte Reue. Oder du besorgst dir mal UN Dokument A/648 vom 16.9.1948. Darin findet du die Proteste des UN-Vermittlers angesichts der Verbrechen gegen die Palästinenser. Oder du greifst dir die Einlassung des ersten Hochkommissars für Palästina, Viscount Samuel, in der Oberhausdebatte vom 23.4.1947 (!). Der Mann war selbst Zionist und Jude:

    „The Jewish people have always taken pride in the good deeds performed and the distinctions won by their members; in the number of scientists, writers, musicians, philosophers and statesmen, who have come from the Jewish ranks . . . Today these same people have given birth to a set of assassins, who, disguised in false uniforms, waylay soldiers and policemen, hurl bombs promiscuously, blow up trains . . . I feel bound to say . . . that the Jewish population of Palestine and the Jewish Agency are blameworthy for not having . . . extirpated this curse which has brought shame upon all members of the Jewish community. (Zit. in: Henry Cattan: „The Palestine Question“, p. 61; und nein, der Autor ist keine Kröte, der Autor war Rechtsprofessor an der Jerusalem Law School — wenn dein kaum versteckter Antisemitismus solche Menschen zu Wort kommen läßt.)

    Greif dir doch bei deinen tollen Verbindungen eine Kopie der Hadashot vom 11.1.1985. Darin berichtet der Stabschef von 1948, Yigael Yadin, über den Plan Dalet, den es, geht es nach Leuten deines politischen (Hirn-)Schlags, angeblich nicht oder nicht so oder jedenfalls ganz bestimmt ganz anders gemeint gegeben hat. Die Folgen, die ethnischen Säuberungen von Tiberias (19.4.1948), Haifa (22.4.1948), Jaffa (28.4.1948), der arabischen Viertel in West-Jerusalem (30.4.1948), Beisan (8.5.1948), Safad (10.5.1948) und Acre (14.5.1948) ereigneten sich bereits vor der Staatsgründung. Na ja, und Deir Yassin vom 9.4.1948 wollen wir ja wohl auch nicht vergessen, auch wenn in Dawaymeh wesentlich grausamer und rücksichtsloser und „erfolgreicher“ gemetzelt wurde.

    Dagegen wurde öffentlich gewarnt. Dagegen wäre militärisches Eingreifen der Weltgemeinschaft an der Tagesordnung gewesen: als kollektive Notwehr gegen Verbrechen.

    Zudem kennen wir „Operation Magic Carpet“ oder, wenn wir dem Mitglied des irakischen zionistischen Untergrunds, Naemi Giladi, glauben wollen, bombastische Einlagen.

    Viel Spaß beim Löschen, armer Wicht.

    P.S.: Wer „Mufti“ sagt, muß „Stern-Gang“ aushalten. Die hatten gemeinsame Favoriten. (grins)

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    Meine Antwort ist hier:

    https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/06/21/warum-wir-anonym-bloggen/

    Time

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