(Mal wieder) entlarvt!

„Fetih 1453“: Die türkische Presse phantasiert den torkischen Holzschnitt-Film als gleichauf mit Hollywood. Jedoch sieht ein Blinder mit Krückstock hier nur erheblich weniger als „Arpad der Zigeuner“ minus „Bad Segeberg“ minus „Angriff der Killertomaten“ minus „Wim Wenders“. 

Immer wieder gibt es Momente, in denen sich die überwältigende Mehrheit der Orks und Torks als barbarisch, pervers, sadistisch, dressiert und strunzdumm offenbart. Wenn -zig Menschen abgeschlachtet werden, weil ein Bündel Texte gebrannt haben soll, die angeblich heilig sind, die persönlich aber niemand lesen kann. Weil von einem Mann, der angeblich ein Perverser, Räuber und Mörder war, der aber gleichwohl als der „beste Mensch aller Zeiten“ verehrt wird, eine witzige Karikatur gezeichnet wurde. Weil, weil, weil…

Aktuelles „Test- und Spürgerät“ ist ein torkischer Film, wie er widerwärtiger kaum sein könnte. Er ist verlogen, sadistisch, machistisch, platt, abgeschmackt und ein gigantischer Erfolg unter den Torks, die uns damit zeigen, wes Geistes Kind sie sind, und was wir von ihnen zu erwarten haben.

Lesen Sie einen exzellenten Aufsatz über das jihadistische Propaganda-Machwerk „Fetih 1453“, welches die Eroberung Konstantinopels durch den von den Torks hochverehrten Schlächter Sultan Fetih (= Mehmed/Mohammed II.) thematisiert.

Die Filmkritik stammt von der durch den Counterjihad erleuchteten Karen Krüger aus der FAZ vom 4. März.

Es folgt abschließend ein Bericht des zeitgenössischen Schreibers Phrantzes, referiert von Oriana Fallaci.

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Das große Gemetzel

Der Film „Fetih 1453“ zeigt nicht nur den Fall von Konstantinopel, sondern auch, wie Erdogans AKP sich die Welt wünscht. Er ist schon jetzt ein großer Kassenerfolg

Es war nur eine Frage der Zeit, wann sich wieder jemand dieses Stoffs annehmen würde: Die Eroberung von Konstantinopel, das hat das Zeug zum Action-Kino, zu großen Schlachtszenen nach „Herr der Ringe“-Manier, in denen garantiert auch eine Nische für eine Liebesgeschichte zu finden ist, es verspricht bildgewaltige Dekorationen, herrliche Kostüme. Die Kontrahenten müssen nicht erfunden werden: Da ist der christliche Kaiser Konstantin XI., Herrscher von By­zanz, und da ist Sultan Mehmed II., genannt der Eroberer. In einer Zeit, in der Muslime und Christen weltweit um Vormachtstellung ringen und sich dabei immer weiter radikalisieren, könnte es eigentlich keinen besseren Stoff geben, wenn man die Kasse so richtig klingeln lassen will.

Die filmische Interpretation von Gesclhichte zeigt immer, wes Geistes Kind jemand ist. Würde ein Radikalchrist wie Mel Gibson einen Film über den Fall von Byzanz drehen, dann wären am Ende wohl trotz historisch belegter Niederlage die Christen die Sieger – wenn vielleicht auch nur moralisch. Nun aber hat sich der türkische Regisseur Faruk Aksoy des Stoffes angenommen. Schon der Trailer von „Fetih 1453“ sorgte vor dem offiziellen Filmstart für enorme Aufregung: Die griechische Zeitung „To Proto Thema“ nannte ihn „Eroberungspropaganda der Türken“, eine Kölner Evangelikalen-Truppe namens „Via Dolorosa“ rief zum Boykott des Films auf und verteilte Flugblätter – bessere Werbung kann sich ein Produzent nicht wünschen. Als dann auch noch Hacker (türkische Facebook-Nutzer vermuten Griechen als Attentäter) die Internetseite des Verleihers lahmlegten, war der Start perfekt.

Vor zwei Wochen ist „Fetih 1453“ in der Türkei und in Deutschland angelaufen. 17 Millionen Euro hat die Produktion verschlungen, sie ist der teuerste, aber auch schon jetzt der erfolgreichste türkische Film überhaupt. Allein am ersten Wochenende sahen ihn in der Türkei eineinhalb Millionen Menschen. Auch in Deutschland waren die Vorstellungen ausverkauf – und es ist anzunehmen, dass der Film in der arabischen Welt auf eine ähnliche Begeisterung stoßen wird. Das lässt einen schaudern: „Fetih 1453“, ist ein Film, der an Verherrlichung des Dschihad kaum zu überbieten ist. Und er hat einen Subtext, spiegelt er doch die Großmachtphantasien und das gesellschaftliche Idealbild der neuen muslimisch-konservativen türkischen Elite wider, deren Gallionsfigur der türkische Ministerpräsident ist. Die Vermischung von türkischer Politik und Film ist dabei kein Zufall: Die von der Regierungspartei AKP geführte Istanbuler Stadtverwaltung hat „Fetih 1453“ mitfinanziert. Türkische Zeitungen haben berichtet, dass Aksoy dem gerade von einer Operation genesenden Ministerpräsidenten eine Kopie des Films nach Hause lieferte. Erdogan soll begeistert gewesen sein.

Der Plot ist schnell zusammengefasst, und worum es in dem Film ansonsten geht, macht der Vorspann klar, der aus einer der Hadithen des Propheten Mohammed zitiert: „Wahrhaftig, ihr werdet Konstantinopel erobern! Welch wunderbarer Führer wird euch führen, und welch wunderbare Armee wird das sein!“ Im Zeitraffer wird uns erst die Jugend Mehmed II. vorgeführt, der mit zwölf Jahren erstmals den Thron bestieg, wieder abgesetzt wurde und erst sechs Jahre später, nach dem Tod seines Vaters, Sultan Murad II., zurückkehrte. Nach dieser Schmach will er nun erst recht beweisen, dass er das Zeug zum Herrscher hat, und zu Ende führen, woran der Vater scheiterte: Die Eroberung von Konstantinopel, nur sie kann aus dem Osmanischen Reich wieder ein geographisch zusammenhängendes Imperium machen. Bis das nach 160 Minuten endlich gelungen ist, gibt es einen Vater-Sohn-Konflikt, es wird geliebt, gezweifelt, intrigiert, gebrüllt, sehr, sehr viel gebetet und mit so viel Kunstblut herumgespritzt, dass einem übel wird. Es ist ein großes Gemetzel mit Abmurksen in den Variationen, mit Schwert, Säbel oder Speer, durch Abhacken oder Durchbohren dieser oder jener Körperteile – Hauptsache, es geschieht in Zeitlupe. Hier haben sich deutsch-türkische Zuschauer allen Ernstes darüber beschwert, dass ihre Kinder nicht mit ins Kino dürfen. In der Türkei läuft der Film ohne Altersbegrenzung. Erdogan hat kürzlich gesagt, die Türkei müsse „devote Generationen heranziehen, die unsere historischen Werte verinnerlicht haben“. Doch welche Werte sind dies, wenn man den Film zum Maßstab nimmt?

Muslime sind gutherzig, mutig und ehrenwert, die Christen hingegen untereinander zerstritten und in jeder Hinsicht verkommen. An manchen Stellen ist das so plump gemacht, dass man laut auflachen muss, ein wenn der Berater Konstantins noch gierig seinen Wein herunterldppt, bevor ihn die Leute von Mehmed II. abführen oder wenn byzandnische Christinnen beim Einkaufen auf dem Markt flittchenhaft mit dem Hintern wackeln und Blusen tragen, deren tiefe Dekolletés man eher auf dem Münchner Oktoberfest vermuten würde als in Konstantinopel. Sultan Mehmed II., gespielt von Devrim Evin, ist ein gebildeter, tiefgläubiger Denker, der seiner Gattin vor dem Abschied noch Liebesschwüre schreibt. Das Wohl seines Volkes und der Sieg des Islam gehen ihm über alles. Mit den Worten „Konstantinopel wird entweder die Hauptstadt der muslimischen oder der christlichen Welt“ zieht er in die Schlacht. Ganz anders kommt Kaiser Konstantin daher – ein diabolischer Typ, ein Fürst der Dunkelheit, der die Zeichen der Zeit nicht erkennen will. Seine Gottesfürchtigkeit beschränkt sich darauf, aus goldenen Becherlein zu trinken, auf denen ein Kreuz abgebildet ist. Von ihm und seinen comicartig dargesteflten Beratern ist über die Türken nur Abfälliges wie „Teufel“, „Ungläubige“ zu hören (das ist der Augenblick, in dem in deutschen Kinos ein entrüstetes Raunen unter den türkischen Zuschauern einsetzt). Während der Sultan sich mit seinen Wesiren berät, planscht Kaiser Konstantin mit drei halbnackten Schönheiten in Rosenblütenwasser. Während Mehmed über Angriffsplänen brütet, fressen und saufen Konstantin und dessen Gefolge, und vor der reichgedecken Tafel tanzen leichtbekleidete Mädchen herum.

Die Frauen am Kaiserhof sind nur willige, namenlos bleibende Gespielinnen und als solche Sinnbilder einer orientalischen Männerphantasie, die in westlichen Frauen Katalysatoren zum Ausleben unterdrückter Triebe sieht. Auf Seiten der Osmanen gibt es zwei Hauptdarstellerinnen, Dilek Serbest als Era, die mutige und kämpferische Ziehtochter des Kanonenbaumeisters Urban, und Sahika Koldemir als Sultansgattin. Ihrem Mann treu ergeben, trägt sie auch noch in dessen Abwesenheit sein Liebfingsparfum. Era verliebt sich. Die auf Rache sinnende Tochter einer Familie, die von Kreuzrittern grausam niedergemetzelt wurde, besteht darauf, gegen die Christen mit ins Feld zu ziehen. In Hasan, einer Art Schwerttrainer von Mehmed II., findet sie den Seelenpartner: Sein Vater starb auf dem Amselfeld (ausgerechnet dort!).

Wie es in türkischen Fernsehserien seit Beginn der Erdogan-Ära üblich ist, tauschen die beiden nur keusche Küsschen aus (Zungenküsse sieht man im Fernsehen nur bei Schlampen). Anfangs trägt Era, die in Byzanz aufgewachsen ist, noch die aufreizende Kleidung der Christinnen und wird von niemandem richtig ernst genommen. Erst als sie ihre Brust abbindet, einen hochgeschlossenen Mantel trägt und das Haar unter einem Tuch verbirgt, wie es heute konservative Musliminnen tun, gewinnt sie für die große Sache an Bedeutung: Sie feuert die Kanone ab, durch welche die Mauern der „Hure Byzanz“ einstürzen werden. Und natürlich ist sie, wie es sich für eine gute Türkin gehört, zu diesem Zeitpunkt schwanger (Erdogan hat gesagt, er erwarte von jeder Türkin mindestens drei Kinder). Sie wird ein Kind bekommen von Hasan, der beim Hissen der Sultansflagge getötet wird. Minutenlang, es ist eine unglaublich pathetische Szene, widersteht er dem Pfeilhagel der Griechen. Am Ende sieht er aus wie der Heilige Sebastian, aber mit christlicher Ikonographie kennt sich der Regisseur offenbar nicht aus. Ihm kommt es auf Bilder an, die das Märtyrertum und den Kampf im Namen Allahs verherrlichen. Es gibt sie zuhauf. Sie rufen Erinnerungen an Bilder wach, die man aus ganz anderen Zusammenhängen kennt: von Propagandavideos muslimischer Fundamentalisten, von Bekennervideos von Terroristen und von Filmen, in denen Selbstmordattentäter sich von der Welt verabschieden, bevor es zur Tat geht.

Da ist jene Szene, in der sich die Arbeiter beim Bau der Kanone versammeln und „Allahu Akbar“ rufen, als das flüssige Eisen in die Form gegossen wird (im Osmanischen Reich waren Waffenschmiede in Wirklichkeit vor allem Christen). Gleiches rufen die Männer, die sich und einen Trupp christlicher Soldaten in die Luft sprengen, weil es vor ihnen kein Entkommen gibt: „Wir werden nicht umsonst sterben“, sagt einer noch und ein anderer: „Wir vergessen unsere Märtyrer niemals.“ Und da ist der Tunnelbauer, der zwischen Tonnen mit Dynamit steht und diese als Selbstrnordattentäter unter dem Palast des Kaisers zünden wird. Zuvor spricht er ein Gebet.

In der Türkei wird der Film gefeiert. Die nationalreligiösen Historiker loben ihn in den höchsten Tönen, obwohl sie wissen, dass er erhebliche faktische Mängel hat. Die türkische Presse sieht das türkische Kino wegen der Spezialeffekte nun auf einer Höhe mit Hollywood. Selbst die liberale Zeitung „Radikal“ bescheinigte ihm „relativ erfolgreiche optische Effekte“, ätzte aber, dass alle Helden dauernd sprechen, „als würden sie eine Rede halten“. Der einzige vernichtende Kommentar kam von der regierungstreuen (!, T.) „Today’s Zaman“. Neben Jubelarien druckte di’e Zeitung einen Artikel der renonimmierten Kritikerin Emine Yildirim. Sie empörte sich über den im Guss einer Riesenkanone gipfelnden Machismo von „Fetih 1453“. „Wie das Portrait der Perser als barbarische Monster in „300“ viele Menschen aufbrachte, so wird auch die Darstellung des Papsttums und der griechisch-byzantinischen Orthodoxie in „Fetih 1453“ viele Menschen ärgern. Wenn wir uns aufregen über erniedrigende und orientalische Darstellungen in westlichen Blockbustern, sollten wir wenigstens so anständig sein, nicht die gleichen Fehler zu begehen“, schreibt sie.

„Fetih 1453“ zeichnet eine Welt, in der das Wahre und Gute nur dann bestehen können, wenn der Islam regiert. Um das zu erreichen, ist jedes Mittel erlaubt. Andere Religionen müssen sich dem unterordnen, ansonsten werden sie vernichtet. Am Ende des Films tritt Mehmed II. in die Hagia Sophia, in die sich orthodoxe Christen geflüchtet haben: „Habt keine Angst. Ihr habt euer Recht, euren Glauben frei zu leben“, sagt er. Die dreitägige Plünderung der Stadt durch sein Heer verschweigt der Film. Und Glaubensfreiheit gibt es bis heute nicht in der Türkei.

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Lesen Sie nun, was die unvergessene Oriana Fallaci über die Eroberung Konstantinopels schrieb:

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1453 belagerten sie erneut Konstantinopel, das am 29. Mai Mohammed II. in die Hände fiel. Einem blutrünstigen Unmenschen, der kraft des islamischen Brudermord-Gesetzes (dieses Gesetz ermächtigte einen Sultan, aus dynastischen Gründen seine nächsten Angehörigen zu ermorden) den Thron bestiegen hatte, indem er sein dreijähriges Brüderchen erdrosselte.

Und apropos: Kennst du die Schilderung des Falls von Konstantinopel, die uns der Schreiber Phrantzes hinterlassen hat? Vielleicht nicht. In einem Europa, das nur um Muslime weint, nie um Christen oder Juden oder Buddhisten oder Hinduisten, wäre es nicht politically correct, etwas über die Einzelheiten des Falls von Konstantinopel zu wissen.

(…) Die Bewohner, die sich bei Einbruch der Nacht, während Mohammed II. die von Theodosius errichteten Mauern mit Kanonen beschießt, in die Kathedrale Hagia Sophia flüchten und dort anfangen, Psalmen zu singen, um Gottes Barmherzigkeit zu erflehen. Der Patriarch, der im Kerzenschein die letzte Messe liest und den Ängstlichsten als Ermutigung zuruft: „Fürchtet euch nicht! Morgen werdet ihr im Himmelreich sein, und eure Namen werden bis ans Ende aller Zeiten überdauern!“ Die weinenden Kinder, die Mütter, die schluchzen: „Still, mein Kind, still! Wir sterben für unseren Glauben in Jesus Christus! Wir sterben für unseren Kaiser Konstantin XI., für unser Vaterland!“

Die osmanischen Truppen, die trommelschlagend durch die Breschen in den einstürzenden Mauern eindringen, die genuesischen, venezianischen und spanischen Verteidiger überrennen, sie samt und sonders mit Säbelhieben niedermetzeln, dann in die Kathedrale stürmen und sogar die Säuglinge köpfen. Die Köpfchen nehmen sie zum Kerzenlöschen. (…) Es dauerte vom Morgengrauen bis zum Nachmittag, das Blutbad. Es verebbte erst in dem Augenblick, in dem der Großwesir auf die Kanzel der Hagia Sophia stieg und zu den Schlächtern sagte: „Ruht euch aus. Dieser Tempel gehört jetzt Allah.“

Unterdessen brannte die Stadt. Die Soldateska kreuzigte und pfählte. Die Janitscharen vergewaltigten die Nonnen und schnitten ihnen dann die Kehle durch (viertausend in wenigen Stunden) oder ketteten die Überlebenden aneinander, um sie auf dem Markt in Ankara zu verkaufen. Und die Höflinge rüsteten zum Siegesbankett.

Zu jenem Bankett, bei dem sich Mohammed II. (dem Propheten zum Trotz) mit zypriotischem Wein betrank, und da er eine Schwäche für junge Knaben hatte, ließ er sich den Erstgeborenen des griechisch-orthodoxen Großherzogs Notaras bringen. Einen für seine Schönheit bekannten Vierzehnjährigen. Vor allen vergewaltigte er ihn, und nachdem er ihn vergewaltigt hatte, ließ er die anderen Notaras herbeiholen. Die Eltern, die Großeltern, die Onkel, die Cousins des Jungen. Vor seinen Augen enthauptete er sie. Einen nach dem anderen. Er ließ auch alle Altäre zerstören, alle Glocken einschmelzen, alle Kirchen in Moscheen oder Basare verwandeln. Oh ja. So wurde Konstantinopel zu Istanbul…

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Time am 6. März 2012

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