Gunnar, der Kampf geht weiter

Vor etwas über zwei Jahren hatte ich einen FAZ-Artikel von Matthias Hannemann über den norwegischen, antifaschistischen Widerstandskämpfer Gunnar Sønsteby gebracht. Hier ein Auszug (1):

“’Es ist wichtig, über die Lager zu reden’, sagt Sønsteby, ‚aber was kann die junge Generation in Deutschland dafür? Diese Touren sollten mal aufhören.’ Überhaupt, klagt er, diese Unfähigkeit vieler Zeitgenossen, endlich nach vorn zu schauen, auch in Deutschland: ‚Einmal muss doch Schluss sein. Eines Tages muss dieser Krieg doch mal zu Ende sein. Die Demokratie hat längst andere Feinde.’ Womit wir offenbar beim Thema wären. Vor Jahren erzählte Sønsteby schon dem Autor Ari Behn: ‚Wenn ich zwanzig wäre, hätte ich Bin Ladin mit einem meiner Männer gefunden.’ Das sagt er diesmal nicht; auch Sønsteby wird älter. Über die Muslime aber, über den fortwährend notwendigen ‚Einsatz für die Demokratie’, spricht er trotzdem, wenn auch leise.

Gunnar Sønsteby ist vorgestern im Alter von 94 Jahren gestorben.

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Gunnar Sønsteby gestorben

Er habe neun Leben gelebt, hieß es über Gunnar Sønsteby schon vor Jahrzehnten. Als er gerade 22 Jahre alt war, besetzten deutsche Truppen seine Heimat. Er habe ihrem Marsch über die Hauptstraße von Oslo zugesehen und nicht gewusst, was er tun solle, berichtete Sønsteby später. Das währte nicht lange: Er schloss sich dem Widerstand an. Die erste spektakuläre Sabotageaktion gelang zwei Jahre später, nachdem er als Agent des britischen Geheimdienstes den Decknamen „Nr. 24“ angenommen hatte: Zusammen mit anderen Mitgliedern der „Oslobande“ stahl er Druckplatten für Banknoten aus der Zentralbank. Er verübte Anschläge auf Einrichtungen der Besatzungsmacht. In der Schlussphase des Kriegs sicherte die „Oslobande“ Archivmaterial für Prozessen gegen Kollaborateure. Dass diese Prozesse rechtsstaatlich abliefen, war Sønsteby genauso ein Anliegen wie die Aussöhnung mit Deutschland. Nach dem Krieg studierte er Wirtschaftswissenschaften; er war ein erfolgreicher Unternehmer. Das Ehrenkreuz der norwegischen Streitkräfte, das ihm vor zwei Wochen verliehen wurde, war die letzte von vielen Auszeichnungen für den bekanntesten Kriegshelden des Landes. Am Donnerstag ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

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Time am 12. Mai 2012

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/02/27/die-nazis-seid-ihr/

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2 Antworten to “Gunnar, der Kampf geht weiter”

  1. Erzkonservativer Says:

    Ich finde solche Menschen und das was sie geleistet haben ja absolut beeindruckend. Auch Sie, Time, sind für mich ein „kleiner“ Widerstandskämpfer, der notwendig ist in dieser Zeit. Der Kampf geht weiter, da haben Sie recht.

  2. Time Says:

    Hallo EK,

    „klein“ ist absolut angemessen: Herr Sønsteby hat sein Leben riskiert, ich riskiere hier nur ’ne „dicke Lippe“.

    Trotzdem ist Ihr nettes Lob vielleicht insofern ein ganz klein wenig annehmbar, als dass ich mit großer Stetigkeit schon seit Jahren gegen den Nazislahm blogge.

    Und ich werde das fortsetzen, solange er nicht als gesellschaftlich relevante Macht vollständig verschwunden ist.

    Mit freundlichen Grüßen

    von Time

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