Besonders charakteristisch für die Wüste

Sand

… ist der Sand.

Unsere Dimmies sind sich für keine Idiotie zu schade, um den Mohammedanismus zu preisen, und ganz besonders viele treiben sich im Mediensektor herum. Gleich wird ein besonders peinliches Machwerk der Sandverherrlichung im Ersten ausgestrahlt werden. Heike Hupertz kommentierte in der heutigen FAZ.

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Heiße Küsse vom Scheich

Binsenweisheiten auf der Wanderdüne: Esther Schweins steckt als „Wüstenärztin“ den Kopf in den Sand

Der Sendeplatz am Freitagabend ist im Ersten für die leichtere Unterhaltung gebucht. Man kann auch sagen, für den Kitsch, der sich ohne größere Anstrengung mal eben so weggucken lässt. Üblicherweise stammen die Freitagabendfilme von der ARD-Produktionsgesellschaft Degeto (hier in Koproduktion mit dem ORF). Das heißt nicht, dass sie alle über einen Kamm zu scheren sind. Ihr Zielpublikum mag zwar das von Programmplanern konstruierte Wesen, die Frau Fünfzigplus sein, die von abenteuerlichen Liebschaften in exotischen Kulissen träumt und dann doch lieber beim Schnarcher neben sich bleibt. Gelegentlich aber finden sich auch unter diesen Filmen welche mit Witz und Charme. Die großen Sinnfragen bleiben tunlichst außen vor.

Bisher. Denn mit „Die Wüstenärztin“ hat der Freitagabendfilm eine neue Spielwiese gefunden. Den Weisheitskitsch. Das Gleichnis als Grundprinzip der Dialoge, ja des Films überhaupt. Wer die Lebensweisheiten-Bestseller des Brasilianers Paulo Coelho gern liest, wird „Die Wüstenärztin“ lieben. Zumal eine gewisse Sexiness dem Film nicht abzusprechen ist. Bei all dem Gerede um tieferen Sinn frage man allerdings nicht nach tieferem Sinn. Der besteht bestenfalls in einer allgemein gehaltenen Zivilisationskritik. Dass man dafür in der „Wüstenärztin“ nach Dubai und in die Wüste zu den Beduinen reist, sorgt sicher für Freude bei den zuständigen Tourismusfachleuten. Und dass Männer auf Araberpferden einfach schneidig aussehen, besonders wenn sie holde Wiener Maiden retten, musste einem in der gegenwärtig ausufernden Sexismus-Debatte vielleicht auch wieder einmal jemand zeigen. In „Die Wüstenärztin“ kommt der echte Mann jedenfalls als natürliche Quadratur des Kreises daher. Mit kernig gerecktem Kinn und samtbraunen Augen, friedliebend und verteidigungsbereit, hart und zart, weltoffen und traditionsbewusst, kultiviert, galant, großzügig und stolz über die Maßen. Als die selbstbewusste Ärztin Sina Kersten (Esther Schweins) diese Wundergestalt in Dubai zum ersten Mal trifft, ist sie nur interessiert. Sobald jener Mann, Sheik Khalid (Mido Hamada), in der Wüste aber in sein natürliches Habitat eintaucht, schmilzt sie, die nur angereist war, um den Vater ihrer Freundin Reissa (Asli Bayram), die wiederum Khalids Schwester ist, zu retten, wie Butter in der Sonne.

Der Vater stirbt (oder „kehrt in den Wüstensand“ zurück, wie es hier heißt), Sina aber kann einer Schwangeren helfen, im Beduinenzelt ein Kind zur Welt zu bringen. Die Gleichnishuberei nimmt kein Ende. Der Stein, mit dem die Städte gebaut sind, wird zu Staub zerfallen, aber der Sand der Wüste ist „ewiglich“, erfährt man. Die hochragenden Silhouetten Dubais erinnern an die Sünde des Turmbaus zu Babel. Auch Sina, sagt sie, ist auf dem Land groß geworden, entdeckt in der Wüste folglich ihren Sinn für das Authentische und das einfache Leben neu, in dem Geburt und Tod die Richtung weisen. Und die Liebe, selbstverständlich.

Und immer wieder Sand. Sand auf unserer Haut. Sand als Symbol und Metapher. Sand als Bildnerin der erhabenen Dünen, Sand als gefährlicher Treibsand. Der erste leidenschaftliche Kuss von Sina und dem Scheich auf dem Gipfel einer Düne, von ihrem Fuß aus himmelwärts gefilmt, sein Spielbein den Reitstiefel dekorativ in den Mittelpunkt rückend. Bleiben will die Ärztin, eine mobile „Medical Unit“ zur Versorgung der Nichtsesshaften aufbauen. Und in Wien? Sitzt der verflossene Lebensgefährte Marco (Hannes Jaenicke), denkt über die Prioritäten seines Lebens als Krankenhausarzt und den Primat des Verwaltungstechnischen nach, bis er den Mann in sich wiederfindet. Den Mann, der um seine Gefährtin kämpft. Der folglich mit dem Kollegen Gerd (Hans Sigl) in die Wüste aufbricht, um Sina zurückzugewinnen. Mehrere Sand-Gleichnisse später kommt auch Marcos große Chance als männlicher Beschützer. Sina, der Gefahr nicht bewusst, droht im Treibsand zu versinken. Womit wieder Rettung nahen muss. Samt weiterer Sand-Symbolik.

Die Regie von Jörg Grünler und die Kamera von Daniel Koppelkamm immerhin bieten allerhand optische Reize; das Buch von Martin Rauhaus bleibt konsequent innerhalb seiner Vorgaben. Nur die Musik (Lothar Scherpe und Yull-Win Mak) kann sich nicht so recht zwischen sparsamen orientalischen Klängen und klebrigem Hollywood-Sound entscheiden. Was wiederum symptomatisch für den gesamten Film ist.

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Time am 8. März 2013

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PS, kennen Sie den?

„In der Sahara wird der Sozialismus eingeführt. Fünf Jahre lang passiert gar nichts – dann wird der Sand knapp.“

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3 Antworten to “Besonders charakteristisch für die Wüste”

  1. Jakobiner Says:

    Ich habe mal den Film „Die Weisse Massai“ (mit Nina Hoss, die ebenso in exotischen Ländern nach Wunschännern sucht) gesehen, der recht klare Sprache in Sachen Multikulturalität spricht.Wahrscheinlich würde aber ein Film, der dies in Bezug auf die islamische Kutur bringt unter den Vorbehalt „Islamophobie“gestellt. Kommisar Bade–ermitteln Sie!!!

  2. Time Says:

    Für mich ist die Hölle ein eiskalter Platz!

    T.

  3. Jakobiner Says:

    Zu Time:
    1)Sehr mysteriöses Statement, das sich mir nicht erschliesst.

    2)Naja, der Film scheint ja den „Ork“-Mann auch als gefährlichen und vergänglichen Treibsand darzustellen und die weisse Frau Plus50 sucht sich dann doch lieber wieder den biodeutschen Schnarcher an ihrer Seite.Vielleicht schaue ich mir den Qutasch auch nochmal an, um mitreden zu können….

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