Cui bono „NSU“? (#6)

DerPate

Leo „Bulldog“ Brux arbeitet mit einem Kommentator namens Fantomas007 zusammen. Dieses Ork ist mutmaßlich Kurde und schrieb unlängst (1):

„Es sind ja nur Türken gestorben (Info: die meisten, ich glaube sogar alle Ermordeten sind Kurden – abgesehen vom Griechen – aber das ist ja genauso gut für diese menschenverachtenden Spinner).“

Das ist eine interessante Hypothese, dass die meisten oder alle der Ermordeten Kurden gewesen seien, denn hier fällt der Drang zur prokurdischen Propaganda dem zur antideutschen Propaganda, die die angeblichen Mordtaten des angeblichen NSU als ein Resultat der angeblich im Kern faschistischen Gesinnung der Deutschen hinstellen möchte, in die Zügel.

Ist es nicht seltsam, dass eine ausländerfeindliche und rassistische Terrorzelle ausschließlich Menschen aus der Torkei ermordet, nicht aber einen der vielen Drogendealer afrikanischer Herkunft, die uns täglich auf den Straßen unserer Städte belästigen? Oder einen Paki? Oder einen Pallie? Und warum nun sollte eine nationalsozialistische Terrorzelle es speziell nur auf Kurden abgesehen haben?

Tatsächlich war zunächst von zwei kurdischen Opfern die Rede, dann wurden es drei, vier, fünf und schließlich sechs (2). Ich bringe eine Liste (die ausnahmsweise diakritische Zeichen der Torks enthält):

2000 der Kurde Enver Şimşek,
2001 der Kurde Abdurrahim Özüdoğru,
2001 der Türke Süleyman Taşköprü,
2001 der Türke  Habil Kılıç,
2004 der Kurde Yunus Turgut,
2005 der Kurde İsmail Yaşar (3),
2005 der Grieche Theodoros Boulgarides,
2006 der Kurde Mehmet Kubaşık,
2006 der mutmaßliche Kurde Halit Yozgat (4),
2007 die deutsche Polizistin Michele Kieswetter (die in den meisten Listen gar nicht erwähnt wird).

Der Kommentator Bruno Degendorf schrieb an Jürgen Elsässer, den Chef des nationalbolschewistischen Magazins „Compact“ (5):

„Warum sollte eine Organisation, die sich als Fortführung der NSDAP sieht, eine aktuelle Deutschlandkarte verwenden. Und nicht wie üblich eine von 1914 + Deutschösterreich? (6) Zusätzlich habe ich gerade einen interessanten Leserkommentar in der SZ gefunden, der das Konstrukt NSU aus einem mir bisher unbekannten Winkel beleuchtet, nämlich dem eines türkisch, kurdischen Konflikts. Falls dieser bald gelöscht wird, gebe ich Ihnen zum Link auch noch das vollständige Zitat:

,Die BAO Bosporus hat schon richtig ermittelt. Ich bin gespannt wann dieses Lügenkonstrukt des NSU-Märchens in sich zusammen fällt. Nur in der Annahme, dass es sich ,nur‘ um neun Dönermorde handelt, liegen sie daneben. Es sind dreizehn.

1999 Laichlingen, Schwiegervater und Schwiegersohn, beide Kurden, wurden in der Türkei ermordet und später in einem Massengrab entdeckt. Die beiden wollten den Blumenladen von Enver Simsek (1. offizielles Opfer/Nürnberg) vor der Tat kaufen bzw. übernehmen. (…)

4. Oktober 2011 Mühettin L., Kurde, in Laichlingen Nachfolger des Blumenladens von Mord Nr. 1

01. November 2011, Name unbekannt, in Döbeln (Er hieß Jamal al Mortada, 7. In den meisten Berichten wird der mutmaßliche Mörder als „Iraker“ bezeichnet. Er ist jedoch offenbar irakischer Kurde, 8, T.)

Komischerweise sehr viele Kurden. Die Kölner Keupstraße, Tatort des Nagelbombenanschlages, ist ebenfalls ein Viertel, in dem überwiegend Kurden leben. Also mir kommt es eher so vor, als ob es da zwischen Türken und Kurden um die Wurst ging, als um diese lächerliche Terrorzelle. Andreas T. soll zudem V-Mann-Führer im Ausländerextremismus-Referat, Stichwort Graue Wölfe, gewesen sein.’“

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Time am 25. Oktober 2013

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1) http://blog.initiativgruppe.de/2013/10/23/nsu-neues-indiz-im-fall-des-verfassungsschutzers-andreas-temme/#comment-34839
2) http://www.deutsch-werden.de/opfer-von-neonazi-terror-4-kurden-4-tuerken-1-grieche-und-1-deutsche-polizistin
3) http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-09/nsu-prozess-ismail-yasar
und http://www.dengekurdistan.nu/details.aspx?an=2029
4) http://www.kurdica.com/News-sid-Die-Kurden-in-Yozgat-284.html
–  http://en.wikipedia.org/wiki/Kurds_of_Central_Anatolia
5) https://www.compact-magazin.com/nsu-prozess-richter-musste-sich-mit-compact-befassen/
6) http://www.publikative.org/wp-content/uploads/2011/11/nsu-screenshot_14.png
7) http://www.doebeln.net/wiki/Mord_an_Jamal_Al_Mortada
8) http://www.nordbayern.de/ressorts/schlagzeilenseite/prozess-um-mord-in-dobeln-hat-begonnen-1.2317437

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Eine Antwort to “Cui bono „NSU“? (#6)”

  1. Jakobiner Says:

    Ich glaube schon, dass die NSU diese Verbrechen beging. Ein wenig seltsam ist allerdings, dass alle Kurden waren.Dass es türkisch-kurdische Annäherung gibt, die von nationalistischen Kräften (Grauen Wölfen, u.a.) torpediert wird, dürfte wohl stimmen. Dazu auch noch ein artvewandter Fall:

    Morde an PKKlerinnen in Paris: Störmanöver gegen eine türkisch-kurdische Annäherung ?

    Die Ermordung dreier führender PKK-Mitglieder in Paris wirft einen Schatten auf die sich gerade entwickelnden türkisch-kurdischen Beziehungen und sind wohl als Störmanöver nationalistischer Kräfte zu betrachten, die diese Annäherung zu unterminieren trachten. Schon zuvor fiel es auf, dass der türkische Generalstaatsanwalt Mitglieder des türkischen Geheimdienstes MIT anklagte, weil sie Kontakte zu PKKlern unterhielten und scheinbar Gespräche mit ihnen führten. Nun ist nicht davon auszugehen, dass die agierenden MITler ohne Regierungsanweisung handelten, so dass man eher davon ausgehen muss, dass die Gespräche mit der PKK von regierungsoberster Stelle, ja Erdogan selbst abgesegnet waren. Wie dem auch sei: Erdogan sendet neuerdings neue Gesprächsbereitschaft an die PKK aus und es finden inzwischen Verhandlungen mit dem im Gefängnis sitzenden PKK-Vorsitzenden Öcalan statt.

    Der Zeitpunkt korrelliert mit einigen Entwicklungen in Nahost:

    Irak

    Zum einen ist der kurdische Führer Talibani im Irak gestorben und sunnitische und schiitische religiöse Fundamentalisten (vor allem Muktadar el-Sadr) machen nun offen Front gegen den schiitisch-moderat muslimisch-säkularen Staatschef Maliki. Eine Staatskrise scheint sich anzubahnen und Maliki hat auch schon mit dem Einsatz von Gewalt gedroht, sollten sich die Demonstranten nicht zügeln.Die bedrohliche Aussicht einer Staatskrise ermutigt die irakischen Kurden über die Gründung eines eigenen Staates im Nordirak intensiver nachzudenken. Ein Referendum über die Erdölstadt Kirkuk ist geplant, die dadurch unter kurdische Kontrolle kommen soll, also nicht mehr unter die Kontrolle des irakischen Zentralstaats.Das Referendum um Kirkuk könnte der Startschuss für die Etablierung eines eigenständigen kurdischen Staats im Irak werden.Hinzu kommt, dass der US-Botschafter im Irak laut Süddeutscher Zeitung erklärt haben soll, dass eine Unabhängigkeit eines kurdischen Staates im nächsten Jahrzehnt möglich sei. Es sieht also so aus, dass sich in US-Kreisen über diese Option Gedanken gemacht wird und solch ein Kurdistan auch ein Verbündeter der USA werden könnte im Falle eines Staatenzerfalls des Irak. Die Türkei hat wiederum recht gute Beziehungen mit den Führern der irakischen Kurden, plant Pipelines vom Nordirak in die Türkei, investiert zumal in dieses Gebiet.

    Syrien

    In Syrien gibt es ebenfalls Ansätze für einen Kurdenstaat, hier jedoch unter der Kontrolle der stalinistischen PKK.In den kurdischen Gebieten haben sich sowohl Assads Truppen wie auch die Truppen der Freien Syrischen Armee zurückgezogen. Das Gebiet wird ausschliesslich von PKK-Kämpfern regiert und ist neben Nordirak auch zum Operationsgebiet für PKK-Aktionen gegen die Türkei geworden.

    Erdogan könnte also versuchen, den Kurdenkonflikt zu befrieden, indem er den türkischen Kurden mehr Autonomie zugesteht, wie auch die Türkei als Schutzmacht der Kurden und vor allem eines kurdischen Staats im Nordirak etabliert. Die Frage wird aber sein, inwieweit sich auch die Interessen der PKK und Öcalans damit decken. Will Öcalan nur Autonomie oder sieht er nicht die goldene Gelegenheit, jetzt den Kampf zu intensivieren, um einem unabhängigen Kurdenstaat näher zu kommen? Aber hätte er für dieses Ziel überhaupt die Unterstützung der nordirakischen Kurdenführer Talibani und Barzani, die ja alles anderes als einen marxistisch, kurdischen Staat in der Türkei oder Syrien wollen.Öcalans Isolierung und Einhegung durch die nordirakischen Kurdenführer wird also existentielle Vorbedingung sein zu einem kurdisch-türkischen Kompromiss zu kommen.

    Es ist also noch viel zu früh zu sagen, ob die Verhandlungen zwischen Erdogan und Öcalan von Erfolg gekrönt sein werden, wie auch mit Störmanövern nationalistischer Kräfte auf beiden Seiten zu rechnen ist.Schnelle Erfolge wird es wahrscheinlich nicht geben, aber ein Anfang für eine Annäherung könnte gemacht werden. Jedenfalls scheinen die Morde an den PKKLerinnen in Paris nur das Oberflächenphänomen einer tiefer liegenderen politischen Entwicklung, ja sind wahrscheinlich als Störmanöver gegen eine türkisch-kurdischen Annäherung zu betrachten

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