Radikale Islamisten für Polio

Polio

Ich hatte Ihnen im Juni einen Aufsatz von Daniel Pipes vorgelegt (1), in dem dieser darlegt, inwiefern sich durch die demagogische Kampagne des nigerianischen „Arztes“ Ibrahim Datti Ahmed die Kinderlähmung, die schon kurz vor der weltweiten Ausrottung stand, seit 2003 insbesondere in der Orksphäre wieder rasant ausbreitet.

Vor zwei Tagen brachte „FAZ.net“ nun einen Artikel von Friederike Böge (2), die aus Pakistan berichtet, dass dort viele Impfhelfer von der mohammedanistischen Avantgarde getötet werden, bei der es sich allerdings nicht um „Islamisten“ sondern „radikale Islamisten“ handelt, so Frau Böge („Islamisten“ – also „nicht radikale Islamisten – sind für sie offenbar die afghanischen Taliban, welche Impfungen zulassen).

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Kinderlähmung

Rückzugsgebiet einer Seuche

In Pakistan haben die Taliban alle Impfhelfer zu Verrätern erklärt – und viele schon ermordet. Wer das Wort Polio auch nur in den Mund nimmt, ist in Lebensgefahr. Das alles hat mit der Tötung Usama Bin Ladins zu tun.

Vor ein paar Jahren lief eine Impfkampagne gegen Kinderlähmung im Nordwesten Pakistans noch so ab: Die Helfer riefen die Bevölkerung über den Lautsprecher der örtlichen Moschee dazu auf, ihre Kleinkinder zu bringen, damit sie gegen die heimtückische Krankheit geschützt werden könnten. Impfgegner, die es in der konservativen paschtunischen Stammesgesellschaft im Nordwesten stets gegeben hat, wurden mit Drohungen zum Umdenken bewegt: „Wir sagten einfach, wenn ihr wollt, dass eure Kinder gelähmt sind, dann bleibt weg‘“, sagt Afzal Khan. „Viele Frauen brachten daraufhin sogar gegen die Anordnung ihrer Männer ihre Kinder zu uns.“

Damals trug der Mitarbeiter einer Hilfsorganisation in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa stets ein T-Shirt, das ihn in großen Buchstaben als Impfhelfer identifizierte. Das wäre heute undenkbar. Das Wort Polio ist in dieser Gegend zum Unwort geworden, wer es in den Mund nimmt, dem droht der Tod. Mehr als 30 Impfhelferinnen und Polizisten, die eingesetzt wurden, um sie gegen Angriffe zu schützen, sind in den vergangenen eineinhalb Jahren von radikalen Islamisten getötet worden.

Seit der Tötung Usama Bin Ladins im Mai 2011 durch eine amerikanische Spezialeinheit sind Polio-Impfhelfer in Pakistan in Verruf geraten. Der pakistanische Arzt Shakil Afridi soll damals dem amerikanischen Geheimdienst CIA unter dem Deckmantel einer Impfkampagne bei der Suche nach dem Al-Qaida-Gründer geholfen haben. Die pakistanischen Behörden warfen ihm Hochverrat vor, er wurde unter fadenscheinigen Begründungen zunächst zu 33 und später zu acht Jahren Haft verurteilt. In den Vereinigten Staaten gilt Afridi dagegen als Held, die Regierung in Washington setzt sich für seine Freilassung ein.

Karte

Die pakistanischen Taliban haben daraufhin alle Polio-Impfhelfer zu Verrätern erklärt und im Juli 2012 ein Verbot entsprechender Kampagnen verfügt. Mit verheerenden Folgen: Die Zahl der Neuerkrankungen an Kinderlähmung ist in Pakistan von 58 im Jahr 2012 auf 72 in diesem Jahr gestiegen. Das klingt nach wenig – doch dahinter verbergen sich 200 Mal höhere Zahlen von Personen, die das hoch ansteckende Poliovirus in sich tragen und weitergeben. Die Zuwachsraten in Pakistan sind ein großer Rückschlag im weltweiten Kampf gegen die Ausrottung der Kinderlähmung. Nach ursprünglichen Planungen der Weltgesundheitsorganisation WHO hätte das längst erreicht sein sollen, inzwischen lautet das Ziel, es bis 2018 zu schaffen. Pakistan ist eines von nur noch drei Ländern auf der Welt, neben Afghanistan und Nigeria, in denen Polio noch endemisch ist.

Impfnachweis für Mekka-Pilger

„Abottabad hat uns sehr geschadet“, sagt der WHO-Landesdirektor in Islamabad, Nima Saeed Abid, unter Verweis auf die Stadt, in der Usama Bin Ladin getötet wurde. Bis heute beginne jedes seiner Treffen mit Mullahs mit der Frage nach dem inhaftierten Arzt Afridi. „Dabei haben wir mit ihm gar nichts zu tun.“ Abid steht in seinem Büro vor einer Pakistan-Karte, in die rote Nadeln gesteckt sind. Jede steht für einen Fall von Kinderlähmung, der in diesem Jahr registriert wurde. Fast alle roten Punkte konzentrieren sich auf zwei Gebiete an der Grenze zu Afghanistan: Nordwasiristan und die nordwestliche Provinz Khyber Pakhtunkhwa. In Nordwasiristan, einer Hochburg der pakistanischen Taliban, hat seit Juli 2012 gar keine Impfkampagne mehr stattgefunden. In Khyber Pakhtunkhwa werden die Helfer von Polizisten begleitet. Erst am vergangenen Wochenende wurde in der Provinzhauptstadt Peshawar wieder eine Helferin getötet. Zwei vermummte Männer hatten von einem Motorrad aus ein Krankenhaus beschossen, in dem die Impfungen stattfanden. „Khyber und Nordwasiristan sind die Schüssel für eine weltweite Ausrottung der Krankheit“, sagt Abid.

Doch Fortschritte sind vorerst nicht zu erwarten. Die pakistanischen Taliban haben ein Ende ihres Impfverbots an die Forderung geknüpft, dass die Vereinigten Staaten ihre Drohnenangriffe einstellen, bei denen in den vergangenen Monaten zahlreiche ranghohe Kommandeure der Extremisten getötet wurden. „Der einzige Ausweg wäre, dass die Bevölkerung die Impfung einfordert. Denn selbst die Taliban sind an einem guten Image interessiert“, sagt Abid. Das zeigt etwa das Beispiel des Nachbarlands Afghanistan: Dort unterstützen die Taliban explizit die Impfkampagnen und machen die WHO sogar darauf aufmerksam, wenn Wohnviertel ausgelassen wurden.

Umso brisanter ist die Angelegenheit für die pakistanische Regierung. Denn einerseits hat sie es vermieden, die Extremisten allzu scharf für ihre todbringende Verweigerungshaltung zu kritisieren. Andererseits droht dem Land die internationale Ächtung. So verlangt etwa Saudi-Arabien inzwischen von Pakistanis, die nach Mekka pilgern oder in dem Land arbeiten wollen, einen Polio-Impfnachweis – eine Demütigung für das ohnehin von Minderwertigkeitskomplexen geplagte Land.

Extremisten fordern Impfkampagnen ohne Frauenbeteiligung

In den betroffenen Gebieten, in denen die Gesundheitsversorgung generell schlecht ist, sieht die Bevölkerung Kinderlähmung aber bislang als sekundäres Problem an. Die WHO, die nach der erfolgreichen Ausrottung der Pocken den Sieg gegen eine weitere Krankheit in greifbarer Nähe sieht, investiert dagegen einen Großteil ihrer für Impfkampagnen bereitgestellten Mittel in den Kampf gegen Polio. Das verstärkt das Misstrauen der Bevölkerung noch. „Warum versuchen sie uns erst mit Drohnen zu töten, um uns dann auf der anderen Seite vor Krankheiten zu bewahren?“ Diese Frage bekommt Afzal Khan, der für eine vom Rotary-Club finanzierte Impfkampagne arbeitet, häufig zu hören. Um Vertrauen zu gewinnen, setzt seine Hilfsorganisation deshalb auf neue Methoden. Das Wort Polio verwendet er in der Öffentlichkeit gar nicht mehr. Stattdessen spricht er über Hygiene, Prävention und den Nutzen von Impfungen allgemein. Bei sogenannten Gesundheitscamps werden neben dem Impfstoff auch andere Medikamente verteilt und kostenlose ärztliche Untersuchungen angeboten.

Eine weitere Strategie ist der Einsatz von Geburtshelferinnen, die im Zuge einer Entbindung die Mütter überzeugen, ihre anderen Kinder impfen zu lassen. Auf diese Weise hat etwa die Geburtshelferin Lal Burhan Impfverweigerer überzeugt, die sich sechs Jahre lang gesperrt hatten. Die alte Frau, die kaum noch Zähne hat, hebt den Zeigefinger und sagt: „Ich bin alt, wenn ich etwas sage, kann mir niemand widersprechen, auch kein Mann.“ Die Männer im Raum, Stammesälteste mit langen Bärten kichern. „Lacht nicht“, herrscht Burhan sie an und berichtet, dass sie häufig auf Männer treffe, die glaubten, dass der Westen die Fruchtbarkeit der Muslime mit Hilfe der Impfungen verringern wolle. Diese Verschwörungstheorie wurde 2003 von dem nigerianischen Arzt und damaligen Leiter des Obersten Shariarats des afrikanischen Landes, Ibrahim Datti Ahmed, verbreitet und hat auch in Pakistan viel Unheil angerichtet.

Von den Taliban wollen sich die alte Frau und die anderen Impfhelfer nicht einschüchtern lassen. „Wenn sie uns wieder einmal drohen, verlassen wir einige Tage nicht das Büro“, sagt Afzal Khan. „Damit zeigen wir ihnen, dass wir ihre Drohungen ernst nehmen.“ Dabei sind die lokalen Zeitungen voll mit Einlassungen der Extremisten zu Polio. An diesem Tag etwa hat die Al Qaida nahestehende Extremistengruppe Jundallah der Lokalzeitung von Nowshera erklärt, dass sie die Impfungen zulassen werde, wenn keine Frauen mehr an den Kampagnen beteiligt würden – was unmöglich ist, da nur sie Zugang zu den Familien haben.

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Time am 2. Januar 2014

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2013/06/09/mohammedanismus-verbreitet-polio/
2) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/kinderlaehmung-rueckzugsgebiet-einer-seuche-12732322.html

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Eine Antwort to “Radikale Islamisten für Polio”

  1. Sophist X Says:

    Der Impfnachweis, den die Saudis von ihren noch schwerer gestörten Glaubensbrüdern haben wollen, ist eine „Demütigung“, nicht etwa eine dringend notwendige Maßnahme gegen die Ausbreitung von Polio?

    „Abottabad hat uns sehr geschadet.“? Nicht etwa der Massenmord, den bin Laden angestiftet hat, nicht die alltäglichen Massaker und Greuel der moslemischen Mordbanden?

    Böge ist in einigen Punkten nichts anderes als eine Verteilstation für Propaganda aus dem moslemischen Irrenhaus.

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