Eine Counterjihad-Maschine

Syrien

Gestern brachte „FAZ.net“ einen Bericht über deutsche Jihadisten, die nach Syrien reisen (1).

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Dschihad in Syrien

Verbotene Islamistengruppe in Deutschland weiter aktiv

Immer mehr Dschihadisten ziehen von Deutschland nach Syrien. Recherchen von F.A.Z. und „Report München“ belegen, dass in der Bundesrepublik verbotene Gruppen nicht zerschlagen wurden – sondern verstärkt Kämpfer in das Bürgerkriegsland vermitteln.

Die Zahl der Dschihadisten, die aus Deutschland nach Syrien ziehen, um dort zu kämpfen, nimmt immer weiter zu. Bei der Rekrutierung können sie sich zudem auf Netzwerke stützen, die verboten, aber offenbar nicht zerschlagen wurden. Das haben gemeinsame Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und des ARD-Magazins „Report München“ in Nordrhein-Westfalen und Bayern ergeben. Einer der Schwerpunkte der Syrien-Dschihadisten ist Dinslaken in Nordrhein-Westfalen.

Die dortigen Extremisten können auf das Netzwerk der 2012 verboten Gruppe „Millatu Ibrahim“ zurückgreifen, dessen Führer noch immer zu den maßgeblichen Figuren der deutschen Dschihad-Szene zählen. Aus dem Dinslakener Umfeld gab es nach Angaben aus den Sicherheitsbehörden auch Kontakte zu den Terroristen der Sauerland-Gruppe. Verfassungsschutzpräsident Fromm warnte damals davor, dass durch ein Verbot die Aktivitäten der Truppe „nicht zum Erliegen“ kommen. „Aber der Verein ist nicht mehr so aktionsfähig wie bisher. Jedenfalls für eine Weile.“

Bislang ist von 270 Kämpfern die Rede, die aus Deutschland nach Syrien gezogen sind. Inoffizielle Schätzungen liegen deutlich höher. Wie von verschiedenen Stellen in der Polizei zu hören ist, erhöht sich die Zahl von Woche zu Woche. Die Zahl der Rückkehrer ist dagegen gering.

Innenministerium weist Kritik zurück

Kritik an der nordrhein-westfälischen Terrorbekämpfung wies das Innenministerium in Düsseldorf zurück. Es sei gemeinsame Linie aller Bundesländer, die Dschihadisten an der Ausreise zu hindern. Das gelte auch für Nordrhein-Westfalen. Es sei nicht Absicht der Polizei und des Staatsschutzes, die Dschihadisten nur zu beobachten, um weitere Erkenntnisse zu sammeln, sagte ein Sprecher dieser Zeitung.

Die Kritik an den Sicherheitsbehörden bezieht sich unter anderem auf einen Vorfall aus dem Jahr 2013. Dabei geht es um die Mutter zweier von der Polizei als „relevante Personen“ eingestufter islamistischer Extremisten, die 2008 in Köln einen Polizisten angegriffen hatten, um ihn zu entwaffnen. Die Frau wurde Ende 2013 am Flughafen Köln/Bonn einer Ausreisekontrolle unterzogen. In ihrem Gepäck wurden Dutzende Magazine für Sturmgewehre des Typs AK47 gefunden. Weder wurde die Frau an der Weiterreise in die Türkei gehindert, noch wurden die Magazine einbehalten.

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Zwar ist es wirklich unglaublich, dass Mütter von Terroristen mit scharfer Munition unbehelligt durch Deutschland reisen und ausreisen dürfen, während jeden Fahrradfahrer ohne Licht die volle Härte des Gesetzes trifft. Erfreulich ist jedoch natürlich folgende Passage:

„Die Zahl der Rückkehrer ist dagegen gering.“

So erweist sich Syrien als eine wahrhafte Counterjihad-Area und Assad als Counterjihadi ersten Ranges, sei er es nun freiwillig oder unfreiwillig. Und zusammen gibt das eine perfekte Counterjihad-Maschine.

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Time am 18. Februar 2014

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/dschihad-in-syrien-verbotene-islamistengruppe-in-deutschland-weiter-aktiv-12806490.html

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2 Antworten to “Eine Counterjihad-Maschine”

  1. Sophist X Says:

    Ein (leeres) Magazin ist, wie ich und ein Juristenblog vermuten, kein wesentlicher Bestandteil einer Waffe und damit nicht erlaubnispflichtig. Mama wollte eben, dass es dem Buben an nichts fehlt, wenn er ins Kreuzfeuer rennt, und hat zwischen frische Shorts und Socken ein paar Ersatzmagazine gelegt. Rührend.
    Der positiven Einschätzung der Wirkung auf die einheimische Jihadistenpopulation muss ich mich vorbehaltlos anschließen.

    h ttp://www.juraforum.de/forum/waffenrecht/nicht-wesentliche-teile-einer-schusswaffe-422391

  2. Time Says:

    Sie haben Recht, Sophist, die Magazine waren leer:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/islamismus-immer-mehr-extremisten-reisen-nach-syrien-12816845.html

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