Christen in die IDF!

Nazareth

 In Nazareth gibt es nur noch wenige Christen

Israel leistet sich den Luxus einer atheistischen und staatsfeindlichen kommunistischen Partei.

Deren Abgeordneter Ghattas hat ausgerechnet den Papst gebeten, gegen die Möglichkeit zu intervenieren, dass arabische Christen in die IDF eintreten können.

Hans Christian Rössler berichtet heute auf „FAZ.net“ (1).

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Arabische Christen in Israel

Bedrängte Verbündete

Arabische Christen, die in Israels Armee Wehrdienst leisten, werden von anderen Arabern angefeindet und als Verräter beschimpft. Am Wochenende erhalten sie Unterstützung: Der Papst kommt ins Heilige Land.

Im Internet ist schon ein Kopfgeld ausgesetzt. Es kursieren Fotos von Gabriel Nadaf. Aber der griechisch-orthodoxe Priester lässt sich nicht einschüchtern. „Für uns ist das ein heiliger Kampf. Wir müssen unsere Heimat zusammen mit den Juden verteidigen. Wir haben kein anderes Land“, sagt der Geistliche aus Nazareth. Deshalb fordert Nadaf alle jungen arabischen Christen auf, wie ihre jüdischen Altersgenossen Wehrdienst zu leisten – in der israelischen Armee, die die Palästinensergebiete kontrolliert und im Ernstfall gegen die arabischen Nachbarstaaten in den Krieg zieht. Mit seinem Appell hat der Priester aus Galiläa kurz vor dem Besuch von Papst Franziskus im Heiligen Land eine heftige Debatte entfacht.

Die arabische Minderheit in Israel, die 20 Prozent der Bevölkerung ausmacht, ist vom Wehrdienst freigestellt. Trotzdem steigt die Zahl der arabischen Christen, die sich freiwillig melden und dafür von anderen Arabern als „Verräter“ beschimpft werden. Der Streit nahm noch einmal an Schärfe zu, als das israelische Verteidigungsministerium ankündigte, bald Briefe an junge Christen im wehrpflichtigen Alter zu schreiben. Dabei handelt es sich um keine Einberufung, sondern um die freundliche Einladung, sich über die Möglichkeiten zu informieren, die der Armeedienst bietet.

„Briefe der Armee sofort verbrennen“

Priester Gabriel Nadaf steht unter Polizeischutz. Sein Sohn wurde schon zusammengeschlagen, weil er israelischer Soldat werden will. 66 Jahre nach der Gründung Israels sucht die kleine christliche Minderheit, die nur zwei Prozent aller Israelis ausmacht, immer noch ihren Platz in dem Land und neben ihren muslimischen Mitbürgern: In Nazareth, wo die arabischen Christen früher 60 Prozent der Einwohner stellten, sind sie zur Minderheit geworden.

„Es war der Wunsch der Kirche, die sich als ein Teil Israels versteht. Wenn mehr junge Christen mehr über die Armee wissen, werden sich mehr von ihnen melden“, sagt Oberst Gil Ben Schaul, der im israelischen Verteidigungsministerium für die Rekrutierung zuständig ist. Er meint damit nicht die Amtskirche, sondern das „Forum der israelischen Christen für die Einberufung“, das vor zwei Jahren in Nazareth gegründet wurde und an dessen Spitze Gabriel Nadaf steht. Die Gruppe ist klein, die Reaktion auf ihre Aktivitäten war umso größer. Alle Christen sollten sofort die Briefe der Armee verbrennen, forderte empört der arabische Knesset-Abgeordnete Basel Ghattas. Die Regierung wolle die christlichen Araber von der restlichen arabischen Minderheit „abspalten“. Bald werde sie die Wehrpflicht für alle Christen einführen.

Mehr Rechte durch Staatsdienst?

Obwohl Ghattas der kommunistischen Hadasch-Partei angehört, hat er einen Brief an den Papst geschrieben und ihn gebeten einzugreifen, um das zu verhindern. Der größte Dachverband arabischer Organisationen warnte vor einem israelischen Versuch, junge Christen in den „Sumpf der Besatzung zu stürzen und Streit unter Arabern zu säen“. Aber die israelischen Araber würden ihre Identität sicherlich nicht für ein paar Schekel verkaufen, hieß es in einer Erklärung.

Schadi Khalul, Sprecher des „Forums der israelischen Christen für die Einberufung“, aramäischer Christ und Reserveoffizier in der israelischen Armee, wird wütend, wenn er das hört. „Wir sind doch keine Dhimmis, sondern israelische Bürger“, sagt er und spielt damit auf die Schutzbefohlenen an, die früher als Bürger zweiter Klasse in islamischen Staaten lebten. Auch auf ihn wurde im Internet ein Kopfgeld ausgesetzt. Er ist stolz darauf, dass er als israelischer Soldat im Libanon und im Westjordanland im Einsatz war. „Ich möchte als Christ nicht in Syrien, Gaza oder Hebron leben“, sagt er. Khalul und den anderen Mitgliedern des Forums genügt ein Blick nach Syrien oder auf andere arabische Staaten, wo Christen nur wegen ihrer Religion getötet werden. In Israel, sagen er und seine Mitstreiter, würden die Christen geschützt.

Schon der Name von Khaluls Organisation macht deutlich, wo sie sich zu Hause fühlen. Sie haben sich bewusst „Forum der israelischen Christen für die Einberufung“ genannt – von Arabern ist nicht die Rede. Nach Angaben der Organisation meldeten sich bis vor zwei Jahren im Durchschnitt 35 Christen pro Jahrgang freiwillig für den Militärdienst. Mittlerweile hat sich die Zahl der christlichen Freiwilligen auf hundert pro Jahrgang verdreifacht. Schadi Khalul hält das erst für den Anfang: „Jedes Jahr kommen mehr als 1800 arabische Christen ins wehrpflichtige Alter.“ Aus eigener Erfahrung weiß er, dass der Wehrdienst in Israel im späteren Berufsleben wichtige Türen öffnet. „Wir haben Rechte, aber wenn wir etwas für den Staat tun, erhalten wir noch mehr Rechte“, sagt er.

Wenn Christen freiwillig dienen sollen, dann auch Araber

Über den richtigen Umgang mit der christlichen Minderheit gibt es jedoch Streit unter der jüdischen Mehrheit in Israel. „Diese Politik muss gestoppt werden“, verlangte die linksliberale Zeitung „Haaretz“ unlängst in einem Leitartikel. Der Staat dürfe die nichtjüdische Minderheit nicht nach religiösen Kriterien auseinanderdividieren. Wenn die Armee so dringend Freiwillige brauche, müsse sie sich an alle Araber wenden, nicht nur die Christen. Zurzeit dienen 400 Muslime freiwillig in der Armee, die meisten von ihnen sind Beduinen. Die Angehörigen der drusischen Minderheit unterliegen in Israel der Wehrpflicht.

Die israelische Rechte hält nur die Christen für potentielle Partner. Zu Jahresbeginn schaffte die Regierung für Christen eine eigene Vertretung im offiziellen Beratergremium, das für mehr Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt sorgen soll. „Wir und die Christen haben viel gemeinsam. Sie sind unsere natürlichen Verbündeten, ein Gegengewicht gegen die Muslime, die den Staat von innen heraus zerstören wollen“, sagt etwa der Likud-Abgeordnete Jariv Levin.

Anfang Mai fuhr der stellvertretende Verteidigungsminister Danny Danon, der ebenfalls dem Likud angehört, nach Nazareth, um dort dem christlichen Forum seine Aufwartung zu machen. Dessen Gegner treiben die Kampagne gegen den Priester Gabriel voran. Sie wollen erreichen, dass der griechisch-orthodoxe Patriarch den Priester Gabriel Nadaf entlässt.

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Time am 23. Mai 2014

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/arabische-christen-in-israel-bedraengte-verbuendete-12949054-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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