Auch Kinder sterben

NTV_190714

Auf „FAZ.NET“ machte sich Reinhard Müller Gedanken über neue Formen der Kriegsführung (1).

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Neue Kriege

Kamerad Talib

Soldaten kämpfen heute gegen einen unsichtbaren Feind. Zwar ist der gut organisiert und teils auch ebenso bewaffnet. Aber er trägt zivil und taucht im Alltag unter. Nur so hat er Chancen – und die nutzt er.

Der Fall des von den Taliban entführten amerikanischen Soldaten Bowe Bergdahl hat großes Aufsehen erregt. Dabei mischte sich unter die Freude über seine Freilassung die Sorge, er sei womöglich desertiert. Doch bemerkenswert war vor allem die von den Taliban gefilmte Übergabe des Gefangenen: Die mit dem Hubschrauber gelandeten amerikanischen Spezialkräfte in „Räuberzivil“ schüttelten den Taliban die Hände, klatschten sie geradezu ab: Zum Abschied winkte man einander zu, fast wie unter Freunden.

So sieht Krieg heute aus. Allenfalls noch auf einer Seite stehen Soldaten, die als solche gekennzeichnet sind. Die Nato-Truppen in Afghanistan wie auch die israelischen Verbände in Nahost kämpfen gegen einen unsichtbaren Feind. Zwar ist der gut organisiert und teils auch ebenso bewaffnet. Aber er trägt zivil und taucht im Alltag unter. Nur so hat er Chancen – und die nutzt er. Dieser Feind ist kaum zu bekämpfen, ohne dass Unbeteiligte zu Schaden kommen. Nur wenn es viele unschuldige Opfer gibt, kann er mächtige Armeen in die Knie zwingen. Denn die regulären Soldaten sind dazu verpflichtet, zivile Opfer zu vermeiden – nicht nur rechtlich, sondern auch moralisch, weil sie sich in ihrer Heimat nicht „Kindermörder“ schimpfen lassen wollen. Zwar gibt es bemerkenswerte internationale Bemühungen, das Kriegsrecht fortzuentwickeln, damit Aufständische besser bekämpft werden können. Aber es ist offenkundig, dass der Krieg unter bewusster Inkaufnahme ziviler Opfer unter der eigenen Bevölkerung – oder gar mit deren gezielter Tötung – der Krieg der Zukunft ist. Denn er ist erfolgreich.

Zwar haben die Vereinigten Staaten den Begriff „illegaler Kämpfer“ erfunden, und noch immer sitzen Gefangene im Sonderlager Guantánamo. Aber nicht ohne Grund nennt Amerika die Taliban nicht Terroristen, sondern Aufständische. Daraus spricht eine gewisse Anerkennung, die sich eben auch bei der Freilassung Bowe Bergdahls zeigte. Die Taliban zeigten am Ende ihres Propaganda-Videos den Spruch: „Kommt nicht nach Afghanistan zurück.“ So wird es sein. Der amerikanische Respekt vor den Taliban ist der vor den Quasi-Siegern auch diese Afghanistan-Krieges.

Der neue Krieg ist total

Natürlich werden auch heute noch Gebiete mit Hilfe von Panzern annektiert; Putin hat das auf der Krim gezeigt. Doch selbst dort handelten Spezialeinheiten ohne Hoheitszeichen. Und Panzer feuern kaum noch auf Panzer. Die Konflikte von heute und morgen werden von Nachrichtendiensten, elektronischer Aufklärung, präzisen Schlägen aus der Luft und von Spezialkräften entschieden.

Doch von all dem will man hierzulande nichts wissen. Auf humanitäre Gründe sollte man sich dabei aber nicht berufen. Denn die Bomben und Granaten im konventionellen Krieg töten kaum zielgenau. Warum soll es humaner sein, ein Artilleriegeschoss über dreißig Kilometer mit recht großer Streubreite abzufeuern als vor dem Bildschirm ein Ziel ganz genau auszumachen? Entscheidend ist, was Menschen aus dieser Technik machen: So ist es verständlich, dass für Israel, das sich gegen die Raketenangriffe wehrt, die Urheber solcher Angriffe legitime Ziele sind. Wer freilich das Haus eines Hamas-Führers gezielt zerstört und dabei auch seine Familie tötet, der verstößt gegen grundlegende menschenrechtliche Prinzipien. Dass Israels Feinde das ständig tun, muss immer wieder erwähnt werden, macht die eigene Tat aber nicht besser.

Denn der neue Krieg ist insofern total, als eine überwältigende Technik zur Verfügung steht. Das kann aber nicht bedeuten, dass jeder ein potentielles Opfer ist. Mehr als je zuvor muss der Einzelne geschützt werden, müssen die Rechte von Verdächtigen gewahrt werden. Aber auch die Rechtsstaaten müssen denjenigen nachgehen, die sich verdächtig machen. Bestimmte Merkmale können da Anlass sein, sich jemanden genauer anzuschauen: Reisen ins syrische Kriegsgebiet, Aufrufe radikaler Seiten im Netz, Mitgliedschaft in islamistischen Vereinigungen. Mit Totalüberwachung hat das nichts zu tun. Es ist im Gegenteil merkwürdig, wenn etwa der deutsche Justizminister nichts dabei findet, mehr und mehr anstößige Bilder im Internet unter Strafe zu stellen, gleichzeitig aber die Vorratsdatenspeicherung für tot erklärt. Da kann sich der Rechtsstaat gleich tot stellen. Es geht darum, Bedrohungen Herr zu werden, um Opfer zu vermeiden.

Große Kriege drohen freilich nicht unmittelbar: Regierungen werden es sich sehr gut überlegen, ob sie nach den Erfahrungen im Irak und in Afghanistan mit regulären Truppen in halbzerfallene Staaten einmarschieren. Die Konsequenz ist dann freilich, dass unter Umständen Unrechtsregime geduldet werden müssen; die Forderung nach wirksamer globaler Durchsetzung der Menschenrechte wird dann eine Floskel bleiben. Interveniert wird nur noch kurz und gezielt, wenn eigene Interessen betroffen sind, etwa Ausbildungslager für Terroristen, die den Westen bedrohen. Ansonsten wird man Gruppen wie den Taliban ihren „Gottesstaat“ zugestehen, der für uns überhaupt nicht göttlich ist. Und sie als Krieger und sogar als Kameraden behandeln.

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Hamas

Der Lader flieht links aus dem Bild, der Zünder rechts hält eine Gruppe von mindestens 11 Kindern beim Granatwerfer. Das ist Hamas, das ist der Nazislahm!

Ich meine, dass Reinhard Müller seine Betrachtungen auf einem grundlegenden Fehler aufbaut. Dieser besteht darin, Kriege im Kern als Sport, Männlichkeitsritual oder vielleicht auch Krankheit zu werten. Kriege brechen aber nicht aus wie Infektionen.

Tatsächlich sind sie m.E. immer das Produkt einer Gruppe mächtiger analytischer Denker, die zu dem Schluss kommen, dass ohne Krieg bestimmte Interessen bzw. Inhalte nicht mehr verfolgt werden können. Deshalb muss gefragt werden, welche die Interessen bzw. Inhalte sind.

Beim aktuellen Konflikt zwischen der demokratischen Bürgergesellschaft Israels mit der faschistischen Diktatur der Hamas in Gaza beispielsweise haben wir auf der einen Seite das Interesse, einen diktatorisch-oligarchischen Sklavenhalterstaat zu errichten, dessen Rechtsprechung die Scharia ist, in dem eine extreme Geschlechtersegregation besteht, in dem Minderheiten unterdrückt bzw. ausgerottet werden, der permanent territorial expansiv ausgerichtet wird, und dessen Staatsmythos die Vernichtung der Juden und ihres Staates Israel ist.

Auf der anderen Seite haben wir einen demokratischen Rechtsstaat, in dem die Geschlechter und Rassen gleichberechtigt sind, in dem die Minderheiten geschützt werden, und der permanent Territorium für scheinheilige Friedenszusagen abgibt.

Welchem Interesse bzw. Inhalt er sich zuordnet, muss jeder Mitbürger selbst bestimmen. Die Frage der Anzahl in der Auseinandersetzung um die Realisierung des jeweiligen Interesses getöteten „Kinder“ ist aber nicht relevant, sondern wird nur von den aus Katar bezahlten Ork-Lakaien von N-TV ins Spiel gebracht (2).

Es ist nachweislich die Hamas, die die Kinder vom Kindergartenalter an auf Jihad, Ich-Bombe und Judenhass drillt. Sie stellt die Kinder um die Granatenwerfer auf (3). Die Kinder sind den Paten der Hamas schei*egal. Natürlich sind die Kinder unschuldig, und sie sollten uns, auch wenn sie bald tüchtige Jihadisten sein werden, die Ihnen oder Ihren Freunden mit einem Lächeln im Gesicht den Kopf abschneiden können, nicht egal sein. Aber sie sollten uns auch nicht so wahnsinnig wichtig sein. Es geht um die Inhalte, um den Sinn des Krieges.

Wenn bei der Errichtung einer Gesellschaft, in der Kinder frei von Indoktrination, Gewalt, Missbrauch und Unterdrückung aufwachsen können, auch 70 Kinder ihr Leben lassen müssen, ist das unendlich traurig. Aber es gibt keinen Kompromiss zwischen Leben und Tod. Es gibt keinen Kompromiss zwischen einer lebenslustigen, freiheitlichen und fortschreitenden Gesellschaft und einer todessehnsüchtigen, diktatorischen und rückwärtsgewandten.

Ich finde, die ständigen Verweise auf die kollateralen Schäden und „die Kinder“ sollten zurücktreten gegenüber dem Ziel, um das es geht. Unser Ziel ist eine globale, freie, rechtsstaatliche Bürgergesellschaft, in der jedes Kind als Offenbahrung Ja*wes gewürdigt und gefördert wird.

Aber auf dem Weg dorthin sterben leider auch viele Kinder viel zu früh.

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Time am 19. Juli 2014
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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/neue-kriege-kamerad-talib-13049524.html
2) http://www.n-tv.de/politik/Israel-baut-sich-eine-Pufferzone-article13242771.html
3) http://www.barenakedislam.com/2014/07/18/any-doubt-as-to-why-children-get-killed-in-gaza/

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Eine Antwort to “Auch Kinder sterben”

  1. Silverstar Says:

    Erstens haben die Gaza-Palästinenser volldemokratisch die Hamas und damit den Krieg gewählt. Das ist genauso, dass die Deutschen Hitler demokratisch und damit den Krieg und den Holocaust wählten und sich dann über Alliertengegenbombardments von Dresden und Hamburg als Gegenreaktion von Goebels „totalen Krieg“ , V-2 und „Wir müssen ihre Städte ausradieren“beschweren.
    Falls es nochmals demokratische Wahlen im gaza geben sollte, können die Gazapalästinenser ja die PLO wählen und die Hamas abwählen–nur die Hamas hat eben eine islamofaschistische Diktatur errichtet.Da müsste man sich schon selbst von dem mit Waffengewalt befreien, was man sich selbst gewählt hat.Dazu scheint nur noch Israel in der Lage.
    Zweitens: Wie wäre es denn mal mit der Parole „Hamas-Kindermörder“?Schließlich nutzt die Hamas Kinder als Schutzschilder für ihre Militärbasen und ist mir nicht bekannt, dass die Israelis israelsiche Kinder als Schutzschilder verwenden.

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