Vom Vorhof der Hölle

IS(IS)

Die grausamen Clowns vom IS(IS)

Auf „FAZ.net.“ berichtet Fridtjof Küchemann von einer mehrteiligen Video-Reportage des Journalisten Medyan Dairieh aus dem vom IS(IS) kontrollierten Gebiet (1). Sie kann bei „Vice News“ angesehen werden (2).

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Video-Reportage aus Raqqa

Du weißt doch, was mit den Ungläubigen geschieht

Wenn Kinder von Kalashnikovs schwärmen und Männer drohen, notfalls auch Istanbul zu „befreien“: Eine Video-Reportage berichtet vom Leben im Islamischen Staat. Und gerät prompt unter Propagandaverdacht.

Die Kamera schwenkt über eine Gruppe von Kindern, die in einem Fluss planschen. Dies sei die Generation des Kalifats, erklärt einer der anwesenden Männer zufrieden: „Der richtige Glauben ist diesen Kindern eingepflanzt worden.“ Ein Junge nach dem anderen wird vor die Kamera geholt und erklärt stolz, dass er für den Islamischen Staat kämpfen will. Ein neun Jahre alter Junge berichtet, dass er nach dem Ramadan in einem Trainingscamp den Umgang mit der Kalashnikov lernen wird. Ein etwas jüngerer sagt auf, was er über die Ungläubigen weiß, über ihre Verbrechen und ihre Strafe. Er soll laut und deutlich sprechen, fordert ihn sein Vater auf. Dann darf sich der Kleine aussuchen, ob er lieber Gotteskrieger oder Selbstmordattentäter werden will. Er entscheidet sich für Dschihadist.

Drei Wochen lang hat der Journalist Medyan Dairieh in den Gebieten Syriens filmen können, die von der Terrororganisation Islamischer Staat kontrolliert werden. Seine Reportage erscheint in diesen Tagen in fünf Teilen bei „Vice News“. Sie zeigt Straßenszenen, abendliche Kundgebungen, Gespräche mit den Bewaffneten, die den Reporter durch die Stadt Raqqa führen und die Szenen auswählen, die er filmen und zeigen darf. Und sie erklären ihm auch, warum es für sie nichts Wichtigeres gibt als den Heiligen Krieg und sie notfalls auch Istanbul „befreien“ werden.

Für die Szene am Euphrat bestellt der Presseoffizier noch rasch einen zum Kundgebungswagen umgebauten Camper. Mit ihm ist ein aus Belgien stammender Kämpfer unterwegs ist, der seinen eigenen Sohn als Beispiel der richtigen Gesinnung vorführen und von den Schadtaten der Ungläubigen und der Antwort der Muslime predigen kann, bis ihm gerührt die Stimme bricht.

Die Terroristen entscheiden, was Dairieh zu sehen bekommt. Sie haben in der Hand, was er zeigen kann. Kein Wunder, schließlich haben sie in den Tagen in Raqqa auch sein Leben in der Hand. Ist die Reportage dadurch selbst schon Propaganda, wie ihr in manchen Kommentaren im Internet, bei Youtube oder auf Twitter vorgeworfen wird? Sie ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, ein doppeltes Spiel. Sie bezieht ihre journalistische Berechtigung aus dem Abstand zu den zahlreichen Selbstbeschwörungen und Gewaltdokumentationen, die der Islamische Staat selbst im Internet veröffentlicht.

So kalkuliert die Phrasen, Posen und Szenen auch sein mögen, die Dairieh filmen darf: Sie zeichnen doch nicht nur das Bild, das die Terroristen von sich zeigen wollen. Sondern in jedem Zögern vor einer Antwort, jeder Verlegenheitsgeste, jedem Beifallsgeschrei, das zuerst nicht laut genug erhoben wurde, vor allem aber in den hilfesuchenden Blicken der Kinder, wenn sie vor der Kamera ihre Parolen aufsagen, dass der Terror dieses radikalen Islamismus auch nach innen wirkt.

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Time am 12. August 2014

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/wie-der-islamische-staat-die-kinder-indoktriniert-13093791.html
2) https://news.vice.com/show/the-islamic-state

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