Ein betrübliches Rätsel

Christen

Christen in der israelischen Armee

Ulrich J. Becker hat einen Artikel von Dr. Harold Goldmeier von „Israel HaYom“ veröffentlicht, der sich mit einem anti-israelischen Aufsatz von Antony Lerman in der „New York Times“ auseinandersetzt (1).

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Israels Geduld ist nicht endlos

Ein jüngst veröffentlichter Leitartikel der New York Times warnte, dass Amerikas Juden zunehmend Ablehnung gegen Israel empfinden würden, weil Israel sich auf die politische Rechte zubewegt; weil Israel bei Verhandlungen wegen einer Zwei-Staaten-Lösung eine harte Linie verfolgt; weil Israel zunehmend intolerant gegenüber den Raketenangriffen aus Gaza reagiert, und weil Palästinenser für Terrorangriffe gegen Juden einen höheren Preis wegen nächtlicher Razzien zu zahlen haben.

Antony Lerman stellte in einem Op-ed Artikel der Times im vergangenen Monat seine Beurteilung des modernen Israel vor. Der in Britannien lebende unermüdliche Kritiker Israels sagte, dass der liberale Zionismus seinem Ende nahe sei. Er klagte, dieser werde durch einen “Schrecken und Furcht verbreitenden Militarismus” und durch einen religiösen Extremismus ersetzt. Ich stimme mit Lerman und der Times überein, aber nicht weil Israel böse und blutrünstig wäre, sondern aus einem anderen Grund, dem Lerman und die Linken keine Beachtung schenken.

Die Wendung hin zur Rechten ist eine natürliche Reaktion auf die beständigen Existenzbedrohungen, auf das wiederholte höhnische im Stich gelassen werden durch einstige Freunde, auf Jahrzehnte des Kriegs, der Terrorangriffe, auf Raketen und Granatwerfer, auf die Leugnung und Herabsetzung der jüdischen Geschichte.

Lerman, und was von der Linken noch übrig ist, vermissen das gestrige Israel: Die Kibbutzniks, die in Shorts und dem typischen israelischen Kibbutz-Hut Hora tanzen; die von den Briten ausgerüstete arabische Armeen und palästinensische Plünderer mittels eingeschmuggelter tschechischer Gewehre, Töpfe und Pfannen abwehren. Zum Löschen des Durstes in der Wüstenhitze gab es nur die süßschmeckende Sabra – die Kaktusfrucht – die aus Kübeln mit Eiswasser an Straßenständen verkauft wurde. Politik und Regierung waren damals in den Händen der Sozialisten, Liberalen und antireligiösen Entscheidungsträger. Die Freiheit von religiösen Bindungen, die dem Untergang geweiht galten, wurde zum Eckstein der utopischen sozialistischen Zionisten, die das Judentum ersetzten.

Die 50er und 60er Jahre wären aufregende Zeiten gewesen. Der Dienst in der IDF sei spannend und romantisch gewesen. Dagegen bestehe die neue Machtelite aus Neokonservativen und religiösen Fanatikern, behauptet Lerman. Sie würden die “Realität des modernen Israel” beschmutzen, indem sie Redefreiheit und Menschenrechtsorganisationen angreifen. Sie wären landhungrige Siedler. Das Land sei von anti-arabischen und anti-Immigranten Rassismus durchsetzt, und es herrsche Intoleranz bei religiösen Unterschieden. Diese “Mischung hat den liberalen Zionismus an den Rand gedrängt”, sagt Lerman im Taumel der nostalgischen Sehnsucht.

Ich denke dagegen, dass das heutige Israel eine tolerantere, dynamischere und freiere Gesellschaft ist, als Lermans Erinnerungen ihm vormachen. Heute werden farbige Immigranten in die Gesellschaft integriert. Die liberalen Zionisten verhinderten systematisch die Regierungsteilnahme sephardischer und religiöser Juden. Lermans Helden zwangen den Einwanderern die Indoktrination durch die gottferne, zionistische osteuropäische Kultur auf. Die liberalen Zionisten leiteten niemals eine Zwei-Staaten-Lösung ein, sondern waren auf Selbsterhaltung bedacht und autorisierten zu diesem Zweck die Verfolgung und Eliminierung palästinensischer Terroristen, auch wenn Zivilisten dabei ihr Leben verloren. Die liberalen Zionisten rächten weltweit die Morde an Juden.

Heute lebt in Israel eine multinationale Bevölkerung, dazu gehört eine beträchtliche Anzahl von Ehen zwischen Sephardim und Aschkenasim, schwarzen Äthiopiern und Weißen, säkular Gesinnten und Traditionalisten.

Die Wunder des Sechs-Tage-Krieges brachten den winzigen Staat Israel auf die Weltbühne, weil die mächtigen vereinten arabischen Armeen besiegt wurden. Nach 1967 wurde Israel in den Augen der Woodstock Generation zu einem nuklear bewaffneten, erfolgreich kämpfenden kolonialisierenden Unterdrücker. In wirtschaftlicher Hinsicht wandelte sich Israel zu einer Start-up Nation.

Die Sozialisten im Westen ärgerten sich mehr und mehr an Israel, sie schlossen die sozialistischen Leiter Israels, Golda Meir und Yitzhak Rabin, aus ihrem Club der Linken aus. Israels ansteigender Lebensstandard, Errungenschaften im Erziehungswesen, in der Gesundheitsversorgung, Medizin, Wissenschaft und eine Vielzahl von Nobel und anderen Preisen brachten Neid hervor, keine Bewunderung. Israels militärische und geheimdienstliche Erfolge wurden herangezogen, um damit das Elend arabischer Völker zu erklären, ohne zu erwähnen, dass gewisse arabische Führer von den europäischen und amerikanischen finanziellen Zuwendungen in üppigem Luxus lebten.

Lerman kehrte von seinem Israelausflug nach Britannien zurück, wo er aus der Ferne seine liberale zionistische Philosophie pflegte. Daneben beschrieb er das Leben mit seiner christlichen Frau, ihre Weihnachtsfeiern und andere Feiertage, als ein Beispiel dessen, was liberaler Zionismus den Toleranten und Gutherzigen zu bieten hat.

Im Verlauf der Jahrzehnte des arabischen Hasses, der Boykotte, und der Kriege wurden die Israelis etwas weniger tolerant. Im Verlauf dieser Zeit wandten sich die Wähler den konservativen Politikern und der religiösen Errettung zu, denn dem Land wurde weder Frieden noch Wohlergehen durch die Linken gebracht. Der Verlauf der Jahre brachte Verluste an Leben und an Möglichkeiten für die jungen Erwachsenen, die in der Armee dienten; Familien wurden durch im Krieg gefallene Väter zerstört, oder dadurch, dass Väter monatelang den militärischen Reservedienst leisteten; Politiker hatten keine Zeit, sich mit den sozialen Problemen einer sich entwickelnden Gesellschaft zu befassen, wegen der unleugbaren Notwendigkeit, den eingeschworenen Feinden immer fünf Schritte voraus zu sein, die, wie heute die Hamas geschworen haben, Israel von der Landkarte verschwinden zu lassen. Das schwächte Israels soziales Gefüge, denn hohe Steuern für die Selbstverteidigung hinderten des wirtschaftliche Wachstum.

Die Einwanderer und die Überlebenden, die Gedächtnishüter der jüdischen Geschichte, ließen den Hass der arabischen und europäischen Länder gegen sachliches, vernünftiges Denken hinter sich. Sie überlieferten und offenbarten, mit welcher Bosheit sie von den muslimischen Verfolgern und den christlichen Antisemiten behandelt worden waren. Die Kinder der vom Hass Verfolgten wuchsen mit Misstrauen auf. Israels Geduld ist nicht endlos.

Dennoch gibt es wenige Länder, die ihre Feinde mit der Freundlichkeit behandeln, die Araber in Israel erfahren, oder die im Fall von Tragödien so großzügig helfen, wie Israel dies in Haiti und in Afrika getan hat. Es genügt zu sagen, dass Israel eines der großzügigsten Länder der Erde ist, auch wenn die Nation nicht von liberalen Zionisten geleitet wird.

Aber jemand wie Lerman verbreitet die Botschaft: “Sie sollten wissen, dass Israel nicht identisch mit dem Judentum ist. Die jüdische Geschichte hat sich nicht mit der Schaffung des Staates Israel vollendet. Bedauerlicherweise gibt es zu wenig jüdische Leiter, die diese Wahrheiten den Diaspora Juden mitteilen.”

Diese vage, ausweichende Aussage soll erklären, warum einige Juden den Staat Israel so satthaben, dass es sie nicht zu kümmern scheint, ob der Staat Israel überlebt. Für die Unterstützer Israels – Juden, Christen, Muslime – ist dies ein betrübliches Rätsel. Es ist verwirrend, und wir sind fast untröstlich, wenn unsere eigenen Leute Israel angreifen; wenn sie ihr eigenes Volk untergraben und bei Beschimpfungen, Boykott und Sanktionen mitmachen.

Israel verhält sich besser als seine Nachbarn. Israel hat einen besseren Menschenrechtsbericht vorzuweisen als die meisten Supermächte, hält regelmäßig freie Wahlen ab und lässt Minderheiten an der Macht teilhaben. Mehr als die meisten Länder strebt Israel danach, die Werte, die in der Magna Carta, in der Französischen Erklärung der Menschenrechte und in der US-amerikanischen Verfassung und der Bill of Rights formuliert sind, mittels eines aktiven Rechtssystems und eines heftig debattierenden Parlaments umzusetzen.

Ein Amerikaner mit deutscher Abstammung, Dr. Seuss, rief seinen Landsleuten im Zweiten Weltkrieg zu: „Was haben Sie heute getan, um zu helfen, dass euer Land vor ihnen gerettet wird?“ Es ist bedauerlich, dass Lerman und die anti-israelischen Ränkeschmiede, einschließlich solcher Leute wie Jonathan Chait, Thomas Friedman und Peter Beinart, gegenüber Israel nicht wenigstens ebenso loyal sein können, wie Dr. Seuss gegenüber Amerika war.

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Time am 3. Oktober 2014

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1) http://www.aro1.com/israels-geduld-ist-nicht-endlos/

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Eine Antwort to “Ein betrübliches Rätsel”

  1. charlie Says:

    Israel, ein Leuchtturm in finsterer Nachbarschaft!

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