Naipaul: Utopie „islamischer Staat“

Jihad-Clowns

Die Armee der grausamen Jihad-Clowns
zeigt ihre winzigen Pimmelsubstitute

Vidiadhar Surajprasad Naipaul stellt fest, dass es den „islamischen Staat“, den die mohammedanische Avantgarde zurückmorden will, tatsächlich nie gegeben hat.

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Pakistan 6

naipaulIm Islam und besonders dem Islam der Fundamentalisten sind Präzedenzfälle alles. Die Prinzipien des Propheten – wie sie aus dem Koran und den anerkannten Überlieferungen ersehen werden – gelten für alle Zeiten. Sie können so ausgedehnt werden, dass sie alle Disziplinen abdecken. Der Prophet soll angeblich gesagt haben (Anm., s.u., T.), dass seine Zeitgenossen die besten Moslems seien, die Generation danach die zweitbesten und so weiter und der Verfall sich bis zum Ende aller Zeiten fortsetze. Kann das als Verdammung des „Darwinismus“ ausgelegt werden? Das sagen jedenfalls die neuen gebildeten Fundamentalisten. Und das ist gleichzeitig fest verwurzelter Glaube und Teil ihrer Wut auf die Zivilisation, die sie umgibt, und die sie als Gemeinschaft nicht beherrschen können.

In der Weltanschauung der Fundamentalisten sinkt die Welt stetig ab und muss stetig neu geschaffen werden. Die einzige Funktion des Intellekts besteht darin, dieser Neuschaffung zu Hilfe zu kommen. Er interpretiert die Texte neu, er setzt die göttlichen Präzedenzen neu fest. So muss Geschichte der Theologie dienen, wird das Recht von der Idee der Unparteilichkeit getrennt und Lernen vom Lernen getrennt. Die Doktrin hat ihre vielleicht provinziellen oder bäuerlichen Hintergrund fällt der alte Glaube leichter als eine neumodische akademische Disziplin. So schlägt der Fundamentalismus Wurzeln in den Universitäten, und Bildung abzulehnen kann zur anerkannten Bildungsgroßtat werden. In den Tagen muselmanischer Glanzzeit öffnete der Islam sich den Lehren der Welt. Nun hält der Fundamentalismus einen intellektuellen Thermostat bereit, niedrig eingestellt. Er gleicht aus, tröstet, beschützt und erhält.

Auf diese Weise durchdringt der Glaube alles, und es wird möglich, zu verstehen, was die Fundamentalisten meinen, wenn sie sagen, dass der Islam eine vollkommene Lebensweise sei.

Aber was vom Islam gesagt wird, gilt auch und vielleicht aufrichtiger von anderen Religionen – wie dem Hinduismus oder Buddhismus oder unbedeutenderen Stammesreligionen -, die in einem Frühstadium ihrer Geschichte auch in sich geschlossene und mehr oder weniger isolierte vollkommene Kulturen waren, in denen Institutionen, Sitten und Überzeugungen sich zu einem Ganzen zusammenfügen.

Der Wunsch der islamischen Fundamentalisten ist es, wieder auf ein solches Ganzes, für sie ein gottgegebenes Ganzes, hinzuarbeiten, aber nur mit den Mitteln des Glaubens – Überzeugung, religiöse Praktiken und Rituale. Es ist wie ein Wunsch – mit unterdrücktem oder eingeschränktem Intellekt, mit verfälschtem historischem Empfinden – vom Abstrakten wieder auf das Konkrete zurückzukommen und die Stammesmauern wiederaufzurichten. Zu versuchen, etwas wie einen Stammes- oder Stadtstaat neu zu erschaffen, den es – außer in theologischen Phantasiegebilden – nie gegeben hat. Der Koran ist nicht das Gesetzbuch eines gefestigten goldenen Zeitalters, er ist die mystische oder orakelhafte Aufzeichnung eines ausgedehnten Aufstands, der sich vom Propheten über seinen Stamm auf Arabien ausweitete. In Arabien war Bewegung; der Islam mit all seinen jüdischen und christlichen Elementen war immer gemischt, eklektisch, sich entwickelnd. Fast gleich nachdem der Prophet seine Ge-meinschaft gesichert hatte, strebte er danach, seine Feinde zu unterwerfen. (…)

Der Westen, oder die Weltzivilisation, die er anführt, wird emotional zurückgewiesen. Er unterminiert‚ er ist bedrohlich. Gleichzeitig aber wird er gebraucht, wegen seiner Maschinen, Waren, Medikamente, Kampfflugzeuge, wegen der Überweisungen von den Emigranten, der Krankenhäuser, die vielleicht ein Mittel gegen Kalziummangel haben, der Universitäten, die Magisterabschlüsse in Massenkommunikation anbieten. Die ganze Zurückweisung des Westens ist gebunden an die Annahme, dass es dort draußen immer eine lebendige, schöpferische, seltsam neutrale Zivilisation geben wird, offen für alle, die sich an sie wenden. Die Zurückweisung ist deshalb keine absolute Zurückweisung. Für die Gemeinschaft als ganzes ist sie auch eine Art, intellektuelle Anstrengungen aufzugeben. Sie bedeutet, schmarotzerhaft zu sein; Schmarotzertum ist eine der uneingestandenen Früchte des Fundamentalismus. Und die Emigranten verlassen in Strömen das Land des Glaubens: 30.000 Pakistanis wurden von den Fachleuten für den Export menschlicher Arbeitskraft allein nach West-Berlin verfrachtet und beanspruchen dort das politische Asyl, das für die Menschen Ostdeutschlands gedacht war.

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Time am 9. Oktober 2014

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V. S. Naipaul, „Eine islamische Reise“ von 1981, DTV München 2002, S. 247 ff.

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Anmerkung: Naipaul bezieht sich auf das Hadith 26/5 von Buhari (Recl. S. 279), in dem dieser schreibt:

„Zahdam Ibn Mudarrib berichtet: Imran Ibn Husain (R a) erzählte, der Prophet (S) habe gesagt: ,Die besten Menschen sind die, die meiner Generation angehören. Und die zweitbesten sind die aus der Generation unserer Kinder, gefolgt von der Generation unserer Kindeskinder! … Nach euch werden Menschen leben, die treulos handeln und in keinster Weise vertrauenswürdig sind.’“

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