Kein Lösegeld

Geldbote

Neulich in Nigeria: Sind deutsche Außenminister heutzutage kaum mehr als Geldboten für erpresserische Orkterroristen?

Es gibt Leute, die müssen partout die Länder der Orksphäre bereisen, sei es, weil sie den Thrill brauchen, sei es, weil sie unseren Todfeinden Hilfe aufdrängen wollen, die diese nicht benötigen und auch nicht nachfragen.

Oft werden diese Volltrottel dann von mohammedanistischen Aktivisten entführt und mit dem Tod bedroht. Nun ist das Geschrei der Möchtegernhelden groß. Die Bundeskanzlerin soll intervenieren, und es geht um Lösegelder in Höhe von mehreren Millionen Euro pro Kopf.

Ich bin mit der Politik der Bundesregierung, die in der Regel die Lösegelder zu zahlen scheint, nicht einverstanden. Ich hasse Bungee-Jumping und zwinge niemand dazu. Wenn ein gestörter Angeber sich einen derartigen Kick geben muss und dabei zu Tode kommt, ist mein Mitleid 0,0%ig.

Ich bin also der Ansicht, die Bundesregierung sollte lieber auf jeden toten Körper eines Mitglieds der Kidnappertruppe einen hohen Preis ausloben. Wenn wir von 1.000 Euro pro Body ausgehen, könnte man Shahada, Al Kaida, IS-IS, Abu Sayyaf, Abu Simpel oder wie sie alle heißen für ein Lösegeld von gezahlten vier Millionen um 4.000 (viertausend!) Mann vermindern. Ich bin mir sicher, dass es eine Menge Männer in der Orksphäre gibt, die sich gern ein hübsches Sümmchen verdienen würden. Und ich bin mir sicher, dass dieser Deal die Erde zu einem besseren Platz machen würde.

Lesen Sie einen Artikel von Thomas Gutschker von „FAZ.NET“ zum Thema (1).

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Umgang mit deutschen Geiseln

Lösegeld

Die Bundesregierung kauft deutsche Geiseln von Terroristen frei – für viele selbstverständlich. Ist es aber nicht: Sie fördert damit Terroristen und gefährdet das Leben anderer Staatsbürger. Der Rechtsstaat darf nicht erpressbar sein.

Die Deutschen sind mit dem Leben davon gekommen, mal wieder. Vor zwei Wochen kam ein Mitarbeiter der Welthungerhilfe frei, der Anfang 2012 in Pakistan entführt worden war. In einem Video hatte er sich Anfang des Jahres an die Bundeskanzlerin gewandt. „Meine Zeit läuft ab“, flehte der Mann; dies könne seine letzte Botschaft gewesen sein. Im Hintergrund fiel zur selben Zeit ein Schuss. – Vor einer Woche die nächste erlösende Nachricht: Ein deutsches Paar, das während eines Segeltörns vor den Philippinen überfallen worden war, ist wieder frei. Auch hier hatten die Täter ein Bild in die Welt gesetzt, das den Atem stocken ließ. Es zeigte die beiden Geiseln, flankiert von schwerbewaffneten und vermummten Männern im Kampfanzug. Sie verlangten vier Millionen Euro.

Das Foto, das Video: beide Male eine unmissverständliche Drohung. Geld oder Leben. Die Täter, in beiden Fällen Islamisten, kennen keine Gnade, kein Mitgefühl. Aber sie haben Geschäftssinn. Wer zahlt, kommt mit dem Leben davon. Natürlich können gewöhnliche Geiseln nicht einfach ein paar Millionen Euro aufbringen, das ist den Entführern klar. Doch wissen sie auch, dass solche Summen für die Heimatstaaten ihrer Opfer ein Klacks sind. Und dass ein Menschenleben dort sehr viel mehr zählt als in ihrer Welt.

Von dem Lösegeld erst mal Waffen kaufen

Also zahlt Deutschland. Was sind schon ein paar Millionen, wenn man dafür Menschenleben retten kann? Ist es nicht sogar oberste Staatspflicht, alles zu tun, um das Leben der Bürger zu schützen? Das ist offenbar Konsens, es gibt keine politische Auseinandersetzung darüber. Jede Regierung kann nach freiem Ermessen Geiseln freikaufen. Die Opposition hält sich raus. Niemand möchte sich vorwerfen lassen, er habe nicht alles getan, um Deutsche vor dem Tod zu bewahren.

Leider ist die Sache aber etwas komplizierter. Nicht der einzelne Fall ist das Problem, es sind die vielen Fälle zusammen, und zwar nicht nur von Deutschen. Die britische Regierung schätzte zu Jahresbeginn, dass seit 2010 insgesamt 105 Millionen Dollar Lösegeld an Terrorgruppen aus dem Al-Qaida-Netz geflossen sind. Das amerikanische Finanzministerium kommt auf 165 Millionen Dollar für den Zeitraum seit 2008. Eine Recherche der „New York Times“ ergab, dass die Terroristen allein im vergangenen Jahr 66 Millionen Dollar aus Entführungen einnahmen.

Das ist eine Menge Geld. Davon können sich die Terroristen kaufen, was ihr Herz begehrt: Satellitentelefone, Flugtickets, Sturmgewehre, Raketenwerfer, Sprengstoff und natürlich Unterstützer. Ein High-End-Anschlag wie 9/11 hat gerade einmal eine halbe Million Dollar gekostet, das nur zur Einordnung. Ob es uns gefällt oder nicht: Mit dem Lösegeld, auch dem für deutsche Geiseln, werden andernorts Menschen ermordet.

Was dem einen Sicherheit bringt, gefährdet andere

Al Qaida hat Kidnapping zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell gemacht. Die Drecksarbeit erledigen kriminelle Gruppen, sie verkaufen ihre Opfer den Islamisten. Die folgen einem immergleichen Handbuch: Nach Monaten der Ungewissheit über das Schicksal von Entführten taucht plötzlich ein Lebenszeichen auf, meistens ein Video, in dem das Opfer einen vorgefertigten Text verliest – natürlich auf Englisch, denn so lassen sich die Videos global vermarkten. Über Mittelsmänner treten die Terroristen dann in Kontakt mit den betroffenen Staaten, danach wird um den Preis gefeilscht. Gezahlt wird immer in bar. Die Führung von Al Qaida in Pakistan brüstet sich damit, die Hälfte ihrer Einnahmen stamme aus Lösegeld.

Es liegt in der Natur dieses planvollen und überaus rationalen Vorgehens, dass die Terroristen aus ihren Erfolgen lernen. Länder, die einmal zahlen, werden es wieder tun. Je schneller und geräuschloser sie auf Forderungen eingehen, desto mehr kann man beim nächsten Mal von ihnen verlangen. So sind die Preise in wenigen Jahren von ein paar hunderttausend Dollar auf bis zu zehn Millionen Dollar pro Geisel in die Höhe geschnellt. Am meisten zahlt Frankreich. Zu den Premiumkunden gehören die Schweiz, Spanien, Österreich und Deutschland. Man kann diese Beziehung natürlich auch anders beschreiben, nämlich aus Sicht der Betroffenen. Mit jedem Freikauf steigt die Wahrscheinlichkeit, dass beim nächsten Mal ein Bürger desselben Landes entführt wird. Was dem einen Sicherheit bringt, gefährdet das Leben vieler anderer.

Keine Anreize für Entführungen schaffen

Einen hohen Preis zahlen auch die Staaten, die mit den Terroristen dealen. Dabei geht es nicht einmal ums Geld. Oft genug zahlen sie nämlich gar nicht selbst, sondern überlassen das Dritten, die enge Beziehungen zu den Terrorgruppen pflegen. Hier spielt Qatar eine besondere Rolle. Das Emirat betrachtet Islamisten als verlängerten Arm seiner Außenpolitik. In den vergangenen Jahren hat der Emir zwei Finnen, einen Schweizer und einen Österreicher freigekauft, für zusammen 20 Millionen Dollar. Möglich ist, dass er auch bei der Freilassung des Welthungerhilfe-Manns seine Finger im Spiel hatte. In Deutschland wurde er jedenfalls hofiert wie ein enger Verbündeter. Die Kanzlerin empfing ihn im September und wischte alle kritischen Fragen nach Qatars Rolle beim Aufbau des „Islamischen Staats“ vom Tisch. Kurz darauf gab Wirtschaftsminister Gabriel bekannt, die Regierung habe eine umstrittene Lieferung von Späh- und Transportpanzern an Qatar genehmigt. Vielleicht war das ohnehin im deutschen Interesse – vielleicht aber auch nur, wenn man ganz sachfremde Erwägungen mit einrechnet.

Eigentlich soll es Geschäfte dieser Art gar nicht mehr geben. Nach dem 11. September 2001 rief der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen alle Mitgliedstaaten auf, die Finanzquellen des Terrorismus auszutrocknen. In diesem Jahr ächtete er ausdrücklich Lösegeldzahlungen an Terroristen. Damit würden ihre Rekrutierungsanstrengungen unterstützt, ihre Fähigkeit zu neuen Anschlägen gestärkt und ein Anreiz für künftige Entführungen geschaffen, heißt es in der einstimmig beschlossenen Resolution. Vorher hatten schon die G-8-Staaten bekundet: „Wir weisen die Zahlung von Lösegeld an Terroristen unzweideutig zurück und rufen Staaten und Unternehmen auf der ganzen Welt auf, unserer Führung zu folgen.“

Härte führte zum Ende der RAF

Verlogener geht es nicht. Tatsächlich üben nur vier der acht Staaten in dieser Frage Führung aus: Russland, Kanada, Großbritannien und die Vereinigten Staaten. Die vier Männer, die der „Islamische Staat“ vor laufender Kamera abgeschlachtet hat, waren Briten und Amerikaner. Zyniker können jetzt sagen: Das haben sie eben davon. Doch in Wahrheit ist die Haltung der beiden Regierungen zum Umgang mit Terroristen politisch klüger und moralisch klarer. Sie lassen sich nicht erpressen, und sie machen es so unattraktiv wie möglich, ihre Staatsbürger zu entführen.

Diese Lektion hatte auch Deutschland schon einmal gelernt: im Herbst 1977, als die Rote-Armee-Fraktion Hanns Martin Schleyer entführte und Palästinenser eine Lufthansa-Maschine kaperten, um die inhaftierte RAF-Führung freizupressen. Die Regierung blieb hart, sie opferte Schleyer und befreite die Geiseln. Der Rechtsstaat behielt die Oberhand. Als Erstes begriffen das die Terroristen in Stammheim: Sie töteten sich noch in derselben Nacht, weil sie wussten, dass sie niemals mehr freigepresst werden würden. Es war der Anfang vom Ende der RAF.

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Time am 30. Oktober 2014

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/umgang-mit-deutschen-geiseln-loesegeld-13229862.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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5 Antworten to “Kein Lösegeld”

  1. dentix07 Says:

    Sorry, aber dabei krieg ich enormes Bauchgrummeln!
    Im Grunde läuft das nämlich auf: Opfere wenige, rette andere! hinaus, und damit läßt sich z.B. auch der Abschuß von entführten Passagierflugzeugen rechtfertigen! (Wobei es da sogar wäre: Opfere viele, und bestrafe (töte) wenige!) Und dem hat das BVerfG eine deutliche Absage erteilt, sehr zum Unwillen von (damals) Schäuble u. Co!

    Die Lösung muß anders aussehen!

    Ich möchte an Mogadischu und Entebbe erinnern. Nachdem Deutschland und Israel den Flugzeugentführern nicht nachgaben, sondern im Gegenteil mit speziellen Einsatzkräften die meisten Geiseln herausholten und viele der Geiselnehmer das nicht überlebten, war der Spuk Flugzeugentführung schlagartig vorbei!

    Ich kann nicht abschätzen wie realistisch das ist, aber ich meine es wäre an der Zeit eine internationale Einsatztruppe aufzustellen, die – nachdem die Geheimdienste den Aufenthaltsort gefunden haben – ohne Rücksicht auf Hoheitsgebiete und mit allem was westliche Militärtechnik zu bieten hat zum Einsatz kommt um Geiseln rauszuhauen. (Und dabei hoffentlich mehr Glück hat als die Amerikaner beim Versuch die Botschaftsgeiseln in Teheran zu befreien!)

    Gelänge das 2, 3 Mal, wäre der derzeitige Erpressungsspuk wahrscheinlich auch schnell vorbei, denn a) würde der Wert der Geiseln drastisch sinken und damit wirtschaftlich uninteressant, und b) die Geiselnahme auch dadurch uninteressant, daß bei erfolgreicher Befreiung, die Geiselnehmer und ihre „Organisation“ gleichsam als „unfähig“ vorgeführt würde und auch unter ihresgleichen und Sympathisanten an Ansehen verlöre.

  2. Time Says:

    Lieber Dentix,

    ich meine, dass sich jeder, der sich hinter die feindlichen Linien begibt, als Verräter oder unser Gesinnungsagent (Märtyrer) definieren muss. In keinem Fall darf er unseren Staat für seine individuellen Interessen instrumentalisieren. Diesen Service legt er dann ab, wenn er die Grenze zur Orksphäre überschreitet. Jetzt liegt es an ihm, unseren Diensten Ziele zu definieren. Aber wir holen ihn nicht für 4 Millionen und einen Monat Eierschaukeln raus. Was ist das für ein Business? Wo bleibt unser Gewinn? Meinetwegen 4 Millionen Euro, aber dafür will ich mindestens 4.000 tote potentielle Vergewaltiger und Mörder tot in einer Reihe sehen. Das ist doch Mathemathik Klasse eins bis vier.

    Time

  3. Sophist X Says:

    Oder eine Kompromisslösung: Geiseln freikaufen und die Kriminellen identifizieren und auslöschen, vor allem die in der Büroetage (also gleich beim Emir anfangen).
    Damit hatte Israel durchaus auch Erfolge zu verbuchen, weil dort Schwätzer und Differenzierer weniger zu melden haben.

  4. loewe Says:

    „Die Eroberung Europas durch den Islam“ ist eine vierteilige Dokumentarserie von Zvi Yehezkeli und David Deryi über die Islamisierung Europas.
    (die jeweils nochmals in 3 Teile geschnitten wurden, also Teil 1a,1b,1c, etc. bis 4a, 4b und 4c , wobei offenbar die Reihenfolge keine entscheidende Rolle spielt)

    Der Filmemacher ist ein arabisch sprechender Israeli, dessen äußere Erscheinung und makelloser arabischer Akzent genügten, um ihm freien Zugang zu verschiedenen muslimischen „no-go“ Gebieten in Schweden, Belgien, England und Frankreich zu verschaffen. So konnte er einen Insider-Einblick in die islamische Geistesverfassung des Großraumes Europa gewinnen und in diesen Videos festhalten.

    Der Originaltext ist in Hebräisch und wurde ins Englische übersetzt.
    http://derprophet.info präsentiert die Serie nun mit deutschen Untertiteln. Der Film wurde 2011/12 gedreht und zum ersten Mal im September 2012 auf Channel 10 in Israel gezeigt.

    HIer geht es los mit Teil 1a:

  5. charlie Says:

    Jeder, der sich in die Orkspähre begibt, hat die Konsequenzen alleine zu tragen. Punctum! Dies gilt insbesondere für Touristen.

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