Naipaul: eine gesäuberte Gesellschaft

Ork_KiTa

Hiermit möchte ich Ihnen den letzten Textabsschnitt aus „Eine islamische Reise“ von Vidiadhar Surajprasad Naipaul vorlegen, der auch am Ende seines Berichts steht. V. S. Naipaul hatte der offenen, westlichen Gesellschaft 20 Jahre Zeit gegeben, sich auf den globalen Jihad vorzubereiten.

Es scheint, als ob der Westen diese Frist nicht genutzt hat und auch 33 Jahre nach dem Erscheinen des Buches noch nichts daraus lernen will.

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naipaulSchlussbetrachtung

Das Leben, das in den Iran gekommen war, war nicht von innen gekommen. Es war durch Ereignisse und Umstände außerhalb, durch die Ausbreitung der Weltzivilisation, gekommen. Das späte zwanzigste Jahrhundert hatte den Islam revolutionär gemacht, den alten islamischen Vorstellungen von Gleichheit und Einheit neue Bedeutung verliehen, statische oder zurückgebliebene Gesellschaften erschüttert. Das späte zwanzigste Jahrhundert – und nicht der Glaube – konnte die Lösungen bieten in Institutionalisierung, Gesetzgebung und wirtschaftlichen Systemen.

Und es war paradox, dass in der islamischen Wiederbelebung, dem islamischen Fundamentalismus, der rückwärts zu schauen schien, in vielen moslemischen Ländern die Idee der modernen Revolution bestehenblieb, mit der ganzen emotionalen Aufladung, die aus dem Glauben des Propheten gezogen wurde.

Behzad, der Kommunist (für den eher die russische als die iranische Revolution der „größte Wendepunkt in der Geschichte“ war), war mehr vom Islam geprägt, als er wusste.

Und in islamischen Ländern würde es nun immer mehr Behzads geben, die, in Umkehrung der islamischen Leidenschaft, die Vision einer gesäuberten und geläuterten Gesellschaft, einer Gesellschaft der Gläubigen, haben würden.

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Time am 26. Dezember 2014

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S. Naipaul, „Eine islamische Reise“ von 1981,
DTV München 2002, S. 609f.

Schlagwörter:

Eine Antwort to “Naipaul: eine gesäuberte Gesellschaft”

  1. charlie Says:

    So, so lieber TIME. Der Westen hat also mal wieder nichts gelernt und die Frist nicht genutzt. Genutzt für was nochmal? Unendliche Toleranz gegenüber abgrundtiefer Intoleranz? Menschenrechtsausübung gegenüber Inhumanismus? Gesichertes Überleben gegenüber einer mordlüsternen Gemeinschaft? Meines Wissens nach hat der Westen all dies in seinen Gesellschaften mehr oder weniger hinbekommen. Was hätte der Westen anderes machen sollen, außer den Beladenen Zuflucht zu bieten? Lg

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