Jenseits der Linie

Hinternhoch

Hintern hoch für AllaHundseingesandter

Auf „FAZ.NET“ stellt heute Mehmet Ata seine bemerkenswerten „Fünf Thesen für einen deutschen Islam“ vor (1). Der Counterjihad sollte m.E. herausarbeiten, dass jenseits der durch Ata gezogenen Linie der „Islamismus“ beginnt, der nach den Worten unserer Bundeskanzlerin „entschlossen bekämpft“ werden muss (2).

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Fünf Thesen für einen deutschen Islam

Gehört der Islam zu Deutschland? Für die Kanzlerin schon, für den Großteil ihrer Partei aber nicht. Wie kann ein deutscher Islam aussehen?

Vielen Nichtmuslimen ist der Islam nach wie vor fremd. Vielleicht muss erst Deutschland ein Teil des Islam werden, damit der Islam als Teil Deutschlands empfunden wird. Wie kann ein deutscher Islam aussehen? Fünf Thesen.

1.) Ein deutscher Islam muss deutschsprachig sein.

Das ist noch nicht der Fall, das Deutsche hat sich in den Moscheen bisher nicht durchgesetzt. Meist haben die Älteren in den Gemeinden Angst, dass die Jungen die Sprache ihres Herkunftslandes verlernen. Deshalb findet der Religionsunterricht auf Türkisch oder Arabisch statt, genau wie die Freitagspredigten. Die Folge ist, dass Kinder und Jugendliche den Islam und ihren Alltag als zwei Welten empfinden. Die jungen Leute sind nicht in der Lage, mit ihren nichtmuslimischen Freunden über ihre Religion zu reden: Es fehlt ihnen schlicht das deutsche Vokabular.

Erst langsam gibt es in den Gemeinden ein Umdenken, und das bisher auch nur gezwungenermaßen. Denn die Kinder in den Moscheen sprechen oft nur noch gebrochen die Sprache ihrer Eltern oder Großeltern. Ein Unterricht auf Deutsch fällt ihnen leichter. Auch der Islamunterricht an Schulen, den es in einigen Bundesländern gibt, kann dazu beitragen, dass sich Deutsch als Umgangssprache unter Muslimen allmählich etabliert.

2.) Der deutsche Islam muss akzeptieren, dass der Islam in Deutschland und Europa eine Minderheitenreligion bleiben wird.

Was heißt das für einen deutschen Islam? Er muss auf Symbole achten. Ein Minarett sollte, wenn es denn überhaupt sein muss, niedriger sein als der Kirchturm in der Nähe. Und die Idee, eine ungenutzte Kirche in eine Moschee zu verwandeln, mag praktisch erscheinen. Sie trägt aber auch zur Angst vor einer Islamisierung bei.

3.) Ein deutscher Islam muss die Gedanken der Freiheit und Toleranz in sich tragen.

Europa hat in harten Auseinandersetzungen die Aufklärung durchgemacht, Werte wie Freiheit und Individualismus erkämpft, die Religion ins Private gedrängt. Warum sollten Muslime nicht dieses Erbe antreten? Eine Art Aufklärung im Schnelldurchlauf und ohne Nebenwirkungen? Dazu gehört dann auch, neu zu definieren, was ein Muslim ist. Viele machen das an Riten fest, weniger am Glauben. Doch wer nicht fünfmal am Tag betet, ist deshalb kein Halbmuslim.

4.) Die Gemeinden eines deutschen Islam müssen cooler sein als die bisherigen.

Jugendliche lassen sich nur mit Coolness gewinnen. Die radikalen Salafisten haben das verstanden. Unter ihnen sind viele, die nicht die hellsten im Kopf sein mögen, aber Gefahr und Rebellion ausstrahlen. Das kommt bei einigen jungen Muslimen gut an. In den großen muslimischen Gemeinden hingegen ist der Mief der Türkei von vor vierzig Jahren allgegenwärtig. Den Kleinen wird immer und immer wieder beigebracht, ein guter Sohn, eine gute Tochter zu sein. Das will schon ein Dreizehnjähriger nicht mehr hören.

5.) Ein deutscher Islam muss die spezifisch deutsche Geschichte mitdenken.

Dazu gehören die Lehren, die aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust gezogen wurden. Es gibt viele Muslime in Deutschland, die das nicht als ihre eigene Geschichte begreifen. Ihre Väter und Großväter haben nicht Hitler zugejubelt und keine Juden vergast. Das stimmt, man kann nicht ohne weiteres dieselbe persönliche Betroffenheit erwarten wie bei Deutsch-Deutschen. Dennoch kommen auch Muslime als Deutsche nicht daran vorbei, sich der Geschichte dieses Landes zu stellen. Sie haben sogar doppelt Grund, sich mit Antisemitismus auseinanderzusetzen. Als Deutsche und als Einwanderer aus muslimischen Ländern. Das nationalsozialistische Deutschland bemühte sich, den Antisemitismus in muslimischen Ländern zu stärken. Mit Erfolg. Der Antisemitismus junger Migranten, wie er im Sommer auf Demonstrationen in Berlin und anderen Städten beobachtet werden konnte, ist zum Teil ein Reimport.

Unter Muslimen herrscht eine Scheu, über einen deutschen Islam zu diskutieren. Da ist die Angst, Islamfeinden in die Hände zu spielen – die Angst einer religiösen Minderheit vor weiterer Ausgrenzung. Viele Muslime fühlen sich einem Generalverdacht ausgesetzt. Und finden, dass ihre Bemühungen um Integration und Dialog nicht genug wertgeschätzt werden. Tatsächlich sind wir weit von französischen Verhältnissen entfernt. Das auszusprechen kann ein Anfang sein.

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Time am 2. Februar 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/fuenf-thesen-fuer-einen-deutschen-islam-13402218.html
2) http://www.welt.de/debatte/kommentare/article136965127/Zu-Recht-korrigiert-Merkel-sich-in-der-Islamfrage.html

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