Im Interview: Prof. Robert D. Crane

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Prof. Robert D. Crane, geboren 1929, war zeitweilig Berater von US Präsident Nixon, diente als Deputierter Direktor beim Nationalen Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten und bekleidete unter Reagan kurzzeitig auch den amerikanischen Botschafterposten in den VAE. Crane ist zum Mohammedanismus konvertiert, und er hat pflichtschuldig zuvor sein Gehirn abgeliefert. Das Interview mit ihm führte der in diesem Blog allseits bekannte Prof. Muhammed Khallouk, der ein scharfer Widersacher Khorchides ist (1).

Wir erfahren, dass s.E. das westliche Bankensystem Ursache des globalen (Ork-) Terrorismus ist. Wir erfahren, dass nur Tunesien und Marokko „islamische Staaten“ sind, während in allen anderen „das arabische Bewusstsein für individuelle und kollektive Identität, welches den wichtigsten Motivationsgeber für Kreativität, Ernsthaftigkeit und Arbeitsethik darstellt“, durch die fiesen Europäer zerstört worden ist. Dies konnte den Europäern nur deshalb gelingen, weil sie „verschiedene Grade von individueller und nationaler Selbstbestimmung, einhergehend mit freier Marktwirtschaft“ erreichen konnten, so Crane. Außerdem hätten die Europäer Tyrannen unterstützt, um den Anschluss an die westliche Moderne zu erzwingen, was die Araber ihrer „Spiritualität“ beraubt und die Durchsetzung des Nihilismus verursacht habe. Crane fantasiert sich sein persönliches Kalifat herbei:

„Das Kalifat basiert nicht auf politischer oder militärischer Herrschaft, sondern ausschließlich auf dem Konsens weiser Personen und Gelehrter in einem pluralistischen, kosmopolitischen Gemeinwesen, humaner Verantwortung und Menschenrechten sowie integraler Gerichtsbarkeit und ausgleichender Gerechtigkeit.“

Seine letzte Aussage ist die wichtigste:

„Die entscheidende Lösung besteht darin, eine ganzheitliche Erziehung zu fördern, wie sie von Hassan al Banna, dem Gründer der Muslimbruderschaft und allen großen islamischen Gelehrten über die Jahrhunderte hinweg, vertreten wurde.“

Ein Muslimbruder wird kritiklos von einem anerkannten deutschen Professor für das staatlich geförderte „Lügazin“ interviewt.

Das geht, denn seitdem es den IS-IS gibt, ist alles andere Mohammedanistische „moderat“.

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Prof. Mohammed Quallouk: Als ehemaliger amerikanischer Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten hatten Sie die Gelegenheit, die politische und soziale Entwicklung der Arabischen Welt lange Zeit zu verfolgen. Wie schätzen Sie die gegenwärtige arabische Gesellschaft ein?

Robert Crane: Der sogenannte politische Islam wird sowohl in der Arabischen als auch in der Persischen Welt eine in die Zukunft andauernde Macht darstellen. Entscheidend wird deshalb die Frage sein, welche Strömung innerhalb dieses politischen Islams sich als dominant erweisen wird: die machtstrebende oder die gemäßigtere Mehrheitsströmung.

An ökonomischen Parametern gemessen sind die Arabischen Golfstaaten momentan ausgesprochen reich. Sehen Sie die Staaten in der Lage, dieses Niveau die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte zu halten vor dem Hintergrund eines mutmaßlichen Aufgebrauchs der Öl- und Gasreserven?

Robert Crane: Auf die kurze Sicht von zwei bis drei Jahrzehnten prognostiziere ich, dass neu erschlossene Öl- und Gasfelder die Ausschöpfung der aktuell genutzten Felder mehr als kompensieren werden. Der globale Marktanteil geht jedoch möglicherweise zurück, weil überall auf der Welt neue Ressourcen erschlossen werden. Die Schlüsselvariable wird auf lange Sicht sein, ob die Golfstaaten in der Lage sind, ein Wirtschaftszentrum zu werden, in dem auch die Menschenrechte der Fremdarbeiterschicht mehr Beachtung finden. Katar könnte als Makler für die 30 Billionen Dollar aus Rohmetallen und Mineralien dienen. Die dortigen Ressourcen, die in China, Russland, Indien und Iran, aber auch bei Träumern in Amerika begehrt sind, können in dreißig Jahren den Stellenwert erhalten, den Öl und Gas heutzutage einnehmen, weil zwei Drittel der Produkte, die in vierzig Jahren hergestellt werden, mutmaßlich aus diesen Materialien stammen werden. Die andere bedeutsame Frage wird sein, ob die unvermeidbar zunehmende Wohlstandsdifferenz zwischen und innerhalb der Staaten, die durch das Bretton Woods Bankensystem verursacht wurde, ausgeglichen wird. Sonst könnte Terrorismus globale Regel werden.

Besteht eine ernsthafte Chance für Demokratie und liberale Zivilgesellschaften in Arabischen und Islamischen Staaten, um Bürgerkriege und den Einfluss des religiösen Tribalismus zu verringern, womit der weltweite Demokratisierungsprozess, den wir vor Zwanzig Jahren in Mittel- und Osteuropa erfahren konnten, in dieser Region fortgesetzt werden kann?

Robert Crane: Das entspräche dem Vergleich von Äpfeln mit Orangen. Zunächst einmal gilt es festzustellen, dass kein arabisches Land mit Ausnahme vielleicht von Tunesien und eventuell noch Marokko islamisch ist. In einer Jahrhunderte währenden, bis heute andauernden Periode hat Europa verschiedene Grade von individueller und nationaler Selbstbestimmung, einhergehend mit freier Marktwirtschaft erreicht, während die gesamte Arabische Welt seither, ausgenommen von der Kohlenwasserstoffproduktion, nicht einmal das Bruttosozialprodukt von Italien oder Spanien erreicht hat. Eine wichtige Folge daraus war, dass die europäischen Kolonialmächte sich in der Lage zeigten, das arabische Bewusstsein für individuelle und kollektive Identität zu zerstören, welches den wichtigsten Motivationsgeber für Kreativität, Ernsthaftigkeit und Arbeitsethik darstellt. Hinzu kam die Unterstützung der europäischen Kolonialisten für tyrannische und sogar totalitäre Regierungen, um sicherzustellen, dass die Araber sich ihrer westlichen Ideologie des Modernismus unterwerfen würden, welche die traditionelle spirituelle Grundlage der arabischen Zivilisation ersetzt und stattdessen Nihilismus und ganze verlorene Generationen hervorgebracht hat.

Was waren die Hauptversäumnisse der amerikanischen Außenpolitik im letzten Jahrzehnt? Warum zeigte sich der Westen nicht in der Lage, Frieden und Stabilität in diese Region hineinzutragen?

Robert Crane: Neben den bereits genannten Gründen lag die wesentliche Ursache für das Scheitern der amerikanischen Politik, den Nahen Osten zu stabilisieren, in dem Beharren auf dem Weiterbestehen der Grenzen, die von den Kolonialmächten nach dem Ersten Weltkrieg gezogen wurden. Es wurden Staaten errichtet oder geteilt durch „nation-building“ – ein Euphemismus für die Zerstörung von Nationen. Diese Art von „nation-building“ erfordert militärische Intervention, die das Problem verkompliziert. Sie verleitet umgekehrt zur Suche nach totalitären Lösungen, wie beim sogenannten „Islamischen Staat“. Dieses Konzept ist das absolute Gegenteil des klassisch islamischen Konzepts des Kalifats. Das Kalifat basiert nicht auf politischer oder militärischer Herrschaft, sondern ausschließlich auf dem Konsens weiser Personen und Gelehrter in einem pluralistischen, kosmopolitischen Gemeinwesen, humaner Verantwortung und Menschenrechten sowie integraler Gerichtsbarkeit und ausgleichender Gerechtigkeit.

Wie kann die amerikanische Außenpolitik eine Form von Modernität in der Arabischen Welt unterstützen, von der nicht nur eine kleine Elite, sondern die gesamte Zivilgesellschaft zu profitieren vermag?

Robert Crane: Das primäre Erfordernis besteht darin, das Grundparadigma der Außenpolitik zu ändern, weg von ,Stabilität durch Macht’ hin zu ,Stabilität durch ausgleichende Gerechtigkeit’. Im Speziellen sollte die Wirtschaftspolitik Unternehmen unterstützen, die den Mitarbeitern gehören und ökonomisch erfolgversprechend sind, anstatt „auswärtige Hilfe“ in Form politischer Bestechung zu geben. Die deutsche „auswärtige Hilfe“ ist immer in Form von Investitionen in profitable Industrien gegeben worden, während die Firmen, die von Amerika, entweder unmittelbar oder mittelbar über die empfangene Regierung, unterstützt wurden, fast nie einen Profit erbrachten, weil das nie Ziel war. Das Ergebnis war eine Behinderung anstatt einer Förderung der Modernisierung durch ökonomische Prosperität. Außerdem sollte die auswärtige Hilfe nicht über den Internationalen Währungsfonds oder andere internationale Finanzagenturen geleistet werden, weil sich dies immer in zunehmender Konzentration des Wohlstandsbesitzes im Empfängerland auswirkt, worin möglicherweise ein Hauptgrund für die Bildung von Instabilität und Terror liegt.

Wenn man den Arab Human Development Report anschaut, was sollten die Staatsoberhäupter der arabischen Welt unternehmen, um die Islamische Welt in die Vorreiterrolle zurückzubringen, die sie im frühislamischen Zeitalter innehatte?

Robert Crane: Die entscheidende Lösung besteht darin, eine ganzheitliche Erziehung zu fördern, wie sie von Hassan al Banna, dem Gründer der Muslimbruderschaft und allen großen islamischen Gelehrten über die Jahrhunderte hinweg, vertreten wurde. Diese Politik, wie sie von der optimistischen und aufgeklärten Führung in Katar verfolgt wird, kann im Gegenzug graduelle Reformen von unten hervorbringen.

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Time am 18. Februar 2015

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1) http://www.migazin.de/2015/02/16/robert-crane-keiner-der-arabischen-staaten-ist-islamisch/

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5 Antworten to “Im Interview: Prof. Robert D. Crane”

  1. Sophist X Says:

    Entweder hat sich der „islamische Aktivist“ (en.wikpedia) Crane schon vor langer Zeit in ein geistiges Paralleluniversum verabschiedet, oder er lügt bewusst.
    Da all dieser gequirlte Quark so solitär faktenfern und völlig irre ist, dass dagegen sogar die gängigen Takija-Lügen subtil erscheinen, muss ich ersteres vermuten.
    Auf jedem Fall hat jemand großen Erfolg damit, ihm weiszumachen, dass beispielsweise schon die grundlegendsten Wahrheiten über Katar, die man im Netz findet, vom Teufel stammen müssen.

  2. Sincity Says:

    „Dieses Konzept ist das absolute Gegenteil des klassisch islamischen Konzepts des Kalifats. Das Kalifat basiert nicht auf politischer oder militärischer Herrschaft, sondern ausschließlich auf dem Konsens weiser Personen und Gelehrter in einem pluralistischen, kosmopolitischen Gemeinwesen, humaner Verantwortung und Menschenrechten sowie integraler Gerichtsbarkeit und ausgleichender Gerechtigkeit.“

    Dieser Robert Crane ist schon genauso bescheuert wie Juan Cole, der ernsthaft abstreitet, dass IS etwas mit den Methoden und Zielen Mohammeds zu tun hat.Von Interesse sollte sein Artikel „7 Mythen über die IS“ sein:

    http://www.juancole.com/2015/02/todays-about-daesh.html

    Interesant, dass folgende Kommentare dabei zensiert wurden. Diese hier noch einmal, um zu zeigen, mit welchen Mitteln Islamkritik unterdrückt wird:

    „Strange answers to my comment that Prophet Muhammed used the same means of beheading, enslavement, torture,etc. as ISD is doing today. First answer:” Our Founding fathers did the same”!!! That makes Mohammed and IS look better. Second: Mohammed wanted to end tribal warfare and to unite /build an empire. That´s also what IS tries to do.After Panarabism Panislamism/Pansunnitism is their answer to the warring states of the Middle East. And: Don´t forget to mention Chinese Emperor Qin Shihuang who united China by burning books, burying the Confucianist alive and killing every dissident.Mao referred to Qin Shihuang and also united China. And his practice was like IS a revival of the imperial past.
    In one word: IS is a movement „back to the roots“ to Mohammed. However I think that most Muslims in the Arab world don´t like this means. The so called moderate Muslimbrotherhood wants more to use legal menas as Hitler did after his failed coup d´etat in 1923: Become a socalled legal party which wants to etsablish the Shariastate by parliament and mass support and not by terrorist means.
    And: IS means that Western people veiw the Muslimbrotehrhood as „moderate“ Islamist. Let´s wait till the next even more Islamisti terrororganization comes up: maybe then, some Westerners will say, that Al Kaida and IS are „moderate“islamists.And so on?!“

  3. Sophist X Says:

    Die beiden ergänzen sich wirklich treffend. Man muss nicht weit in den verlinkten Artikel hineinlesen, um die gleiche Form religiösen Autismus‘ diagnostizieren zu können wie bei Crane.
    Cole schrieb:
    …Christians are closest in love to the Muslims, and that if they have faith and do good works, Christians need have no fear in the afterlife.
    (Christen sind Moslems in inniger Liebe verbunden, und wenn sie glauben und Gutes tun, dann haben Christen im Jenseits nichts zu befürchten.)

    Hören wir mal, was Allah im O-Ton zum Thema sagt:

    Sure 5:72
    Wahrlich ungläubig sind diejenigen, die sagen: „Gott ist der Messias, der Sohn der Maria“, während der Messias doch selbst gesagt hat: „Oh, ihr Kinder Israels, betet zu Gott, meinem Herrn und eurem Herrn.“ Wer Gott Partner zur Seite stellt, dem hat Gott das Paradies verwehrt und das Feuer wird seine Herberge sein…

    Sure 5:73-75
    Wahrlich, ungläubig sind diejenigen, die sagen: „Gott ist der dritte von dreien“, … Und wenn sie nicht von dem, was sie sagen, Abstand nehmen, wahrlich, so wird diejenigen unter ihnen, die ungläubig bleiben, eine schmerzliche Strafe ereilen…

    Ein kleines Stück weiter:
    … but Christians were a big part of most Muslim states in the Middle East … They obviously weren’t being taken out and beheaded on a regular basis.
    (…aber es gab einen großen Anteil Christen in den meisten moslemischen Staaten des Nahen Ostens… Offensichtlich wurden sie normalerweise nicht ermordet und geköpft.)

    Damit wollte er den Unterschied zwischen der Behandlung der Christen in der Vergangenheit und der Behandlung der Christen durch IS verdeutlichen. Funktioniert nicht. An dieser Stelle bin ich ausgestiegen.

  4. besucher Says:

    Crane hat in vielem Recht: nation building über traditionelle Verbindungen hinweg, Unterstützung von Potentaten (Stabilität durch Macht), das dürfen sich die alten Kolonialmächte und auch teilw. die USA gern auf die Fahnen schreiben. Seine Lösungsansätze sind allerdings ziemlich weltfremd.

  5. Sincity Says:

    Bei Crane sehe ich die Logik unter anderem derfolgt so: Da IS das Schlimmste ist, muss man sie mithilfe der Muslimbruderschaft als kleinerem Übel bekämpfen.Katar, der Chefunterstützer der Muslimbrüder nebst der Türkei, gilt ihm zugleich als gesellschaftliches Modell einer islamischen Renaissance. In seiner Sicht der Dinge war Hassan Al-Banna ein weltoffener, moderner Denker–würde mich mal interessieren, was Hamed Abdel Samad zu solch einer Sichtweise der Muslimbrüder und Bannas meint.Als ehemaliger Muslimbruder, der heute einer ihrer schärftsen Kritiker ist, dürfte er ja reichlich Einblick in das Innenleben und die Denke der MB erhalten haben.Hat das Migazin schon einmal Hamed Abedel Samad interviewt?Offensichtlich wird da ja nur abgedruckt, was gefällt.

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