Sucht einen neuen Weg!

Wohin?

Der Kommentator Schäl (1) wies auf einen Artikel des Torks Halis Albayrak in der FAZ hin (2), in dem dieser sich mit „Intoleranz und Krieg“ im Kloran befasst. Albayrak beginnt mit einer überraschenden Feststellung:

„Wer dem Koran Argumente für Intoleranz und Krieg entnehmen will, wird fündig – wenn er sich plump an den Buchstaben hält und den historischen Kontext vergisst.“

Zwar sei der Kloran das originale Wort des Wesens, welches das gesamte Universum geschaffen habe:

„Lesen wir den Koran aber mit der Unmethode der Buchstabentreue, dann beginnen wir, dem Text unsere eigenen Absichten aufzuzwingen. Das hat zur Folge, dass wir Gott, dem Urheber des Wortes, nicht gerecht werden.“

Es müsse jedoch nicht einfach sondern auf eine spezielle Art gelesen werden:

„Wenn wir also über Religionsfreiheit sprechen, dann stehen wir vor der logischen Notwendigkeit, ihren historischen Zusammenhang in unsere Lektüre und Interpretation miteinzubeziehen. Wenn wir jeden Vers so, das heißt: in seinem eigenen Kontext und in seinem existentiellen Bezugsrahmen lesen, können wir auch das Ziel des Wortes nachvollziehen. (…) Daher bin ich der Meinung, dass die Methode, den Koran nicht wie ein Buch, sondern wie einen Diskurs zu lesen, die richtige ist.“

Albayrak vertritt die Auffassung, dass im Kloran verschiedene Themenkomplexe behandelt würden, die nicht vermischt werden dürften. So gebe es nicht nur religiöse, sondern auch politische, rechtliche, wirtschaftliche, militärische usw. Seiner Ansicht nach möchte Alla es nicht, wenn militärische oder politische Aspekte zu religiösen erklärt werden. Und Alla möchte angeblich, dass seine Worte zunächst ergebnisoffen im Diskurs bedacht oder geklärt werden.

Es ist aber höchst seltsam, dass das Wesen, welches unsterblich ist und das gesamte Universum geschaffen hat, angeblich einen Text vorlegte, der so dermaßen interpretationsbedürftig und zeitgebunden ist wie der Kloran.

Die Seligsprechungen im neuen Testament (Mt 5,3-12) beispielsweise werden nicht als das originale Wort Jahwes angesehen, sondern sie sind vermittelt durch den Evangelisten. Sie haben aber zeitlose Gültigkeit, ebenso wie die zehn Gebote, die Moses brachte (2. Mose 20).

Obwohl die Mordaufrufe im Kloran an Deutlichkeit nichts zu wünschen lassen (3), macht es sich Orkkommissar Albayrak zur Aufgabe, sie wegzurelativieren. Was ist daran nur „im Kontext“ zu verstehen:

„Und so soll kämpfen in Allahs Weg, wer das irdische Leben verkauft für das Jenseits. Und wer da kämpft in Allahs Weg, falle er oder siege er, wahrlich, dem geben wir gewaltigen Lohn.“ (4. Sure, Vers 76; Recl. S. 98)?

Was ist an dieser Aussage mehrdeutig:

„So ihr nicht ausziehet, wird er euch strafen mit schmerzlicher Strafe und ein anderes Volk an eure Stelle setzen.“ (9. Sure, Vers 39; Recl. S. 186)?

Welchen Raum für einen Diskurs lässt diese Zeile:

„Und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt… denn Verführung ist schlimmer als Totschlag.“ (2. Sure, Vers 187; Recl. S. 49)?

Albayrak bringt ein paar Kloranzitate – harmlose – und z.B. auch dieses:

„Dem Gesandten ist nichts anderes aufgetragen als die klare Botschaft. (Sure 24,54)“

In der Tat, der Kloran ist mit einem wirren Wortgemülle, das Spiritualität vortäuschen soll, an den Stellen ganz klar, wo es um Krieg und die Vernichtung der Nichtorks geht.

Albayrak stellt richtig fest:

„Auf der anderen Seite enthält der Koran auch Verse, die von Konflikten mit anderen Glaubensgemeinschaften handeln. Das sind Verse politischen Inhalts, die uns von den politischen Konflikten jener Zeit erzählen. Der Grund, weshalb diese Verse Teil des Korans geworden sind, liegt bei Mohammed selbst. Er ist in Medina nicht nur Prophet Gottes, sondern auch Staatsvorsitzender. Diese Verse sollten zu einer krisengeschüttelten Zeit als eine für ihn herabgesandte Unterstützung Gottes an Wissen und Strategie gelesen werden. Hier findet eine Verschiebung von Theologie hin zur Politik statt.“

Er arbeitet heraus, dass sich die tödlich konkurrierenden Gruppen zwar durch ihre Religion definierten, dass aber durchaus auf allen Seiten auch nichtreligiöse Motivationen zugrunde lagen:

„Es ist eine Zeit, in der religiöse Gruppen mit anderen als politische und soziale Entitäten zusammengerieten. Dass diese Gruppen auf ihre Religion bezogene Namen trugen, zeigt keinesfalls, dass es sich dabei um rein religiöse Gemeinschaften handelt. Dass Koranverse, die mitten im Kriegsgeschehen herabgesandt wurden, einen kämpferischen Charakter besitzen, ist da nur logisch. Die Existenz politischer Autoritäten machte von Zeit zu Zeit kriegerische Auseinandersetzungen offenbar unvermeidlich. Das ist eine menschliche Tatsache.“

Eben, es ist eine „MENSCHLICHE Tatsache“. Aber kann man sich ein Wesen vorstellen, welches unsterblich ist und ein oder mehrere Universen schaffen kann, und dem nebenbei auch die Politik und das Sexleben eines zutiefst unmoralischen Wüstenräubers am Herzen liegen?

Ich stimme dem geschätzten Kommentator Schäl darin nicht zu, dass er Albayrak & Co. Takija vorwirft. Diese Reformorks wollen uns nicht belügen. Sie sind gutartig. Ihre Religion ist am Ende angekommen. Sie verstehen das. Aber sie versuchen, noch etwas aus dem brennenden Haus zu retten. Sie drehen sich wie eine aufgespießte Wespe um die Nadel (4).

Das Haus ist verflucht. Lasst es brennen, lasst alles niederbrennen! Nichts davon taugt etwas!

Sucht einen neuen Weg!

Wir werden euch dabei helfen!

_____

Time am 22. Februar 2015

_____

1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2015/02/21/dimmiradio-kotz/#comment-9236
2) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/keine-argumente-fuer-krieg-und-intoleranz-im-koran-13434373.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2015/01/12/hallo-haaalllooo/
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/12/13/die-nadel-rausziehen/

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3 Antworten to “Sucht einen neuen Weg!”

  1. Sophist X Says:

    „Wer dem Koran Argumente für Intoleranz und Krieg entnehmen will, wird fündig – wenn er sich plump an den Buchstaben hält und den historischen Kontext vergisst.“

    Sein erster Satz hat praktisch schon das Prinzip der gesamten islamischen Theologie der Vergangenheit und Gegenwart zusammengefasst: Plump nach dem Buchstaben.
    Warum die maßgeblichen Lehrer der islamischen Welt plötzlich von dieser Praxis abdrücken sollten, wo doch der Dschihad zur Zeit ganz hervorragend läuft, ist völlig rätselhaft. Ebenso abwegig ist sein Glaube, dass sein Wort für orthodoxe Moslems mehr Wert haben könnte als Hundedreck. Es ist ein kindlicher islamischer Glaube, ohne viele Berührungspunkte mit der Wirklichkeit.

  2. Time Says:

    Ich weiß nicht, ob der Jihad wirklich hervorragend läuft. Teilweise sehe ich das auch so, aber andererseits brechen die Gesellschaftsstrukturen dort massenhaft zusammen.

    Das sind ja großenteils nicht mal mehr vorindustrielle Gesellschaften, sondern eher nur noch Söldner- und Räuberbandengesellschaften.

    Wenn die ein paar Christen köpfen und das wirkungsvoll ins Netz stellen, ist das zwar ekelhaft und schockierend, aber es hat nur eine Aussage über ihren perversen Willen, nicht über ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit und Kampfkraft.

    Ich nehme die Drohungen des IS-IS ernst, Rom erobern zu wollen, aber tatsächlich ist das Größenwahn. Sie kämpfen um ihr nacktes Überleben, uns geht um eine möglichst elegante Lösung. Sie sind im Maximum ihrer Kraftanstrengung, wir reiben uns grade erstaunt die Augen.

    In Demokratien ist die Mobilisierung das Hauptproblem, wenn die geschafft ist, ist der Gegner Geschichte.

  3. Sophist X Says:

    Ja, es war auch nur teilweise mein Ernst. Das hervorragend bezog sich einmal auf die offensichtliche Verbreitung islamischer Unkultur in offenen Gesellschaften, aber zum anderen auch auf die wie selten brummende Konjunktur bei der Produktion dschihadischer (sogenanter) Märtyrer.

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