Das hat doch keinen Sinn

IS-IS

Rainer Hermanns Auffassung vom Mohammedanismus hat einen großen Sprung nach vorne getan. In einem aktuellen Artikel auf „FAZ.NET“ weist er die Propagandalügen zurück, der „IS-IS“ sei per se „unislamisch“, habe „nichts mit dem Islam zu tun“ und sei auch gar kein Staat (1). Solche Behauptungen seien „Augenwischerei“.

Doch dann begeht er einmal mehr einen entscheidenden Fehler, indem er schreibt:

„Den Aufrufen zu kämpfen stehen im Koran aber mehr Aufrufe gegenüber, Frieden zu schließen; auch gibt es im Koran mehr Stellen, die von Vergebung handeln als von Vergeltung. Für heutige Leser ist der Koran, der im Verlauf von 22 Jahren entstand, ein Buch der Widersprüche, so wie andere vormoderne Texte auch. Seine Auslegung wird dadurch erschwert, dass er sich meist kurzfasst. Mohammeds Zeitgenossen wussten ja noch, auf welche Ereignisse sich eine Sure bezieht. Spätere Generationen wussten das nicht mehr.“

Es hat keinen Sinn, den Orks die Hand reichen zu wollen, indem man sagt, der Kloran müsse im Kontext seiner Zeit gelesen werden. Die Orks wollen diese Hand nicht. Für sie ist der Kloran das klar verständliche, originale und für alle Zeiten gültige Wort des Wesens, welches das gesamte Universum geschaffen hat. Dieses Wort ist für sie zu allen Zeiten gleich und unveränderbar. Es bedeutet für sie dasselbe wie für ihre Glaubensgenossen vor 1.400 Jahren. Es steht außerhalb jeden Kontextes. Diese Auffassung teilen ALLE Mohammedanisten mit Ausnahme von möglicherweise Dr. Mouhanad Khorchide. Die Behauptung der Zeitgebundenheit widerspricht der Auffassung von der Absolutheit des Wortes, und die hat für die Orks absolute Priorität. Sie wissen, dass die Anwendung der historisch-kritischen Methode zweifellos zur totalen Dekonstruktion des Nazislahm führen wird, und sie lehnen sie daher ab.

Es hat auch keinen Sinn, die Perversionen und Verbrechen Klo H. Metzels mit dem Verweis darauf, dass sie vor 1.400 Jahren ausgeübt wurden, schönzureden. Zu allen Zeiten gab es Menschen, die zu Gewalt neigten und Menschen, die lieber eine konsensuale Lösung anstrebten. Auch zu Klo H. Metzels Zeiten gab es mit Sicherheit absolut freundliche und friedliche Menschen, Dattelbauern, Handwerker, Intellektuelle usw. Klo H. Metzel gehörte, wie wir aus den mohammedanistischen Grundlagentexten wissen, zu den bösartigen und grausamen, den extrem kleinkarierten und rachsüchtigen. Die Behauptung, dass es im Kloran mehr Texte gäbe, die zum Frieden aufrufen, als Texte, die zum Kampf aufrufen, ist dahingesagt und unbelegt. Hierbei geht es zudem auch nicht nur um ein quantitatives sondern vor allem um ein qualitatives Verhältnis. Wenn es zehn laue und ambivalente Stellen geben mag, in denen das Wort „Frieden“ vorkommt, dann haben diese kein Gewicht gegen eine Passage von extremer Klarheit und Wucht wie z.B. 2/187, Recl. S. 49:

„Und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt… denn Verführung ist schlimmer als Totschlag.“

Dennoch, Rainer Hermann ist auf dem richtigen Weg, und ich wünsche ihm – und uns – alles Gute!

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Islamischer Staat

Nach der Methode des Propheten

Am „Islamischen Staat“ ist vieles islamisch, denn er basiert auf einer engen Auslegung der Quellen. So sieht er sich als Teil des Countdown der Apokalypse, was junge Extremisten gerade aus Europa besonders anzieht.

Es ist Augenwischerei, zu behaupten, der „Islamische Staat“ habe nichts mit dem Islam zu tun und er sei auch kein Staat. Denn der „Islamische Staat“ basiert auf nichts anderem als einer – zugegebenermaßen engen und von der großen Mehrheit der Muslime abgelehnten – Auslegung der Quellen des Islams. Zudem ist der „Islamische Staat“ auch mehr als eine Terrormiliz, als die ihn viele bezeichnen und damit unterschätzen: Er ist ein Staat. Auch das gehört zum Selbstverständnis des Islams. Denn den Muslimen ist seit dem frühen Islam aufgetragen, in einem Staat zu leben. So hat der „Islamische Staat“ viele Institutionen, die einen Staat ausmachen. Nur in einem unterscheidet er sich von allen anderen, klassischen Staaten: Er lehnt Grenzen ab und kennt als einzigen Bezug zur Außenwelt nur den offensiven Dschihad.

Damit knüpfen die Ideologen des „Islamischen Staats“ nahtlos an den Koran an. Wenn im Koran vom Dschihad als dem „Kämpfen auf dem Weg Gottes“ die Rede ist, dann ausnahmslos im Kontext von Kriegen, die mal defensiv, mal offensiv waren. Auf diese Stellen beruft sich der „Islamische Staat“. Den Aufrufen zu kämpfen stehen im Koran aber mehr Aufrufe gegenüber, Frieden zu schließen; auch gibt es im Koran mehr Stellen, die von Vergebung handeln als von Vergeltung. Für heutige Leser ist der Koran, der im Verlauf von 22 Jahren entstand, ein Buch der Widersprüche, so wie andere vormoderne Texte auch.

Wo steht der Islam im 21. Jahrhundert?

Seine Auslegung wird dadurch erschwert, dass er sich meist kurzfasst. Mohammeds Zeitgenossen wussten ja noch, auf welche Ereignisse sich eine Sure bezieht. Spätere Generationen wussten das nicht mehr. Deshalb entwickelte sich eine Tradition der Auslegung, welche diese Geschichtskenntnis weitertrug. Die Theologen des „Islamischen Staats“ lehnen diese Tradition der Exegese ab, sie legen den Koran buchstabengetreu aus, Wort für Wort. Sie rechtfertigen damit die Sklaverei (auch wenn die islamische Theologie diese längst verworfen hat), und so begründen sie auch die Kreuzigung ihrer Gegner.

Über Jahrhunderte war im Alltag der Muslime eine Praxis entstanden, die eine buchstabengetreue Lesart vieler Suren nicht mehr für relevant hielt. Nun zwingt sie die Auseinandersetzung mit dem „Islamischen Staat“ zu einer Standortbestimmung, wo der Islam zu Beginn des 21. Jahrhunderts steht. Das schließt neben der Exegese des Korans die Überlieferungen des Propheten Mohammed ein. Denn zu den Standardformulierungen zur Rechtfertigung vieler Einzelheiten im „Islamischen Staat“ gehört, dass man der „Methode des Propheten“ folge. So berufen sich jene, die archäologische Kulturschätze erst in Mossul und nun in Nimrud zerstört haben, auf das Vorbild des Propheten, der in der Kaaba von Mekka die Darstellungen vorislamischer Götter zerstört hatte.

Es ist die Endzeiterwartung im „Islamischen Staat“, die auf potentielle Rekruten eine magnetische Anziehungskraft ausübt. Auch sie ist im Koran angelegt, geriet aber in Vergessenheit. Die frühen Suren sind noch voller Warnungen vor dem unmittelbar bevorstehenden Jüngsten Gericht. Spätere Suren regeln indes detailreich das Erbrecht; das tut nicht, wer von der Idee des Zeitenendes besessen ist. Der „Islamische Staat“ behauptet hingegen, er beschleunige das Kommen des nahenden Jüngsten Gerichts.

Countdown der Apokalypse

Auch dabei beruft er sich auf einen Ausspruch Mohammeds. Der soll gesagt haben, im Norden Syriens werde die „Armee des Westens“ nahe der Stadt Dabiq die „Muslime“ angreifen: Die Muslime schlügen sie vernichtend und eroberten (Ost-)Rom; ein falscher Messias verführe danach kurz die Menschheit, bevor der Messias von Damaskus aus die Menschheit zum Jüngsten Gericht führe.

Der „Islamische Staat“ sieht sich als Teil des Countdown der Apokalypse. Dazu, so lautet sein Selbstverständnis, bedürfe es eines Kalifats. Dessen Aufgabe sei es, den letzten Kampf gegen das „Böse“ einzuleiten und die Welt von allem zu reinigen, was vom „wahren Islam“ abweiche. Groß ist der Abscheu vor dem sadistischen Horror im „Islamischen Staat“ auch unter den Muslimen. Die Barbarei hat auch den Zweck, eine Intervention des Westens zu provozieren, damit die Endschlacht endlich beginnen könne.

Dieser apokalyptische Islam zieht offenkundig junge Extremisten gerade aus Europa besonders an, solche, die dort am Rande der Gesellschaft leben und in ihrem Dasein keinen Sinn sehen. Im „Endkampf gegen das Böse“ unter einem charismatischen Führer glauben diese Jugendlichen, einem „göttlichen Auftrag“ zu folgen. Diese Verheißung dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass der „Islamische Staat“ in kurzer Zeit mehr fremde Kämpfer mobilisiert hat als jede andere Terrorbewegung vor ihm.

Leicht wird es der vom Westen geführten Allianz gegen den „Islamischen Staat“ nicht fallen, diesen militärisch in die Knie zu zwingen; denn er ist gut bewaffnet, wird von erfahrenen Offizieren geführt und greift auf eine steigende Zahl von Rekruten aus aller Welt zurück. Um den islamischen Terror dauerhaft zu besiegen, müssen in erster Linie dessen theologische Grundlagen neutralisiert werden. Das aber können nur die Muslime tun.

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Time am 8. März 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/islamischer-staat-nach-der-methode-des-propheten-13468412.html

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3 Antworten to “Das hat doch keinen Sinn”

  1. Sophist X Says:

    „Für heutige Leser ist der Koran, der im Verlauf von 22 Jahren entstand,…“

    Auch ein Nichtphilologe und Spaßkommentator wie ich weiß hier auf Anhieb, dass da jemand Grütze verkauft. Sicher nichtmal aus böser Absicht, sondern weil ihm jemand anderes diese Grütze zuvor untergejubelt hat und sagte, es wären Trüffeln.
    Ein paar Sekunden googeln:


    Dies widerspricht dem islamischen Dogma und macht klar, dass das starre Beharren auf einem einzig tradierten gültigen Koran ohne Substanz ist. Der Koran von Sanaa zeigt den lebendigen Editierungsprozess. Offensichtlich wurde die gesamte Version der scriptio inferior nicht mehr als korrigierbar angesehen und deshalb eine komplette Neubeschriftung durchgeführt. Die Korrekturen sind sehr zahlreich. Sie sind bis auf wenige Ausnahmen nicht sinnändernd, aber modifizierend – und selbst das wird von der islamischen Tradition als Ding der Unmöglichkeit zurückgewiesen.

    http://www.islamfacts.info/Islamfacts/Handschriften.html

  2. Sophist X Says:

    Trümmer:
    Ein Link zum ältesten erhaltenen Koranfragment, 20-40 Jahre nach Mohammeds Tod (falls es ihn je gab):
    http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/MaVI165
    Ich kann das nicht lesen, schade, ich wette aber einen Schuh, dass der Text von der heutigen Form abweicht. Allein schon, weil eine andere Schrift benutzt wurde, die weniger eindeutig ist als späteres Arabisch.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kufi
    Im verlinkten Artikel übrigens sieht man, wie man aus dem Namen des Propheten eine Swastika basteln kann.

  3. Frankstein Says:

    Der Koran ist undatiert und weder Mohammeds Zeitgenossen noch seine Erben -40 Jahre später- wußten überhaupt von seiner Existenz. Vermutlich mehr als 100 Jahre nach seinem Tod und über 100 Jahre lang, bastelten Grund- und Bodenbesitzer ( die in den Wirren zu Wohlstand gekommen waren) eine Magna Charta Libertatum, die ihre ( schrankenlose ) Freiheit vor dem gemeinen Pöbel schützen sollte. Dabei bedienten sei sich schamlos der Thora, des Talmud und des Zoroasters. Motto = Freiheit für die Besitzenden, nieder mit dem Pöbel ! Der Koran ist das Handbuch für Raub, Mord und Versklavung der Besitzlosen, für jeden Dummy verständlich, der weder aramäisch, hebräisch noch griechisch oder Latein verstand. Mohammed hat damit nichts zu tun und schon gar nicht erschien ihm Dschebriel im Traum. Vermutlich träumte er von Ziegen und Schafen und kleinen Mädchen, die seinen Hosenlatz befingerten. Auch besitzt der Koran keinen ewigen Gültigkeitsanspruch ( wer sollte ihn auch verfügen ?) , sonst gäbe es die zahlreichen Auslegungen nicht. Er ist ein Machwerk von Einäugigen für Blinde, die zusammen in der Vorgeschichte steckengeblieben sind.

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