Die Flagge der jihadistischen Internationale

BVG

Lesen Sie einen Aufsatz von Alice Schwarzer zum skandalösen Urteil des Verfassungsgerichts (1).

Sechs Richter zu kaufen, ist für gewisse Kreise kein Problem.

Sechs Verfassungsrichter sind vermutlich etwas teurer. Aber wen schert das, der 600 Ölquellen kontrolliert?

_____

Kopftuch: Ein lebensfernes, fatales Urteil

Das Kopftuch ist heute weltweit ein Symbol für die Geschlechter-Apartheid. Wie kommen sechs VerfassungsrichterInnen zu so einem Urteil? Fragt Alice Schwarzer. Der ideologische Krieg um das Kopftuch wird jetzt in jede einzelne Schule getragen werden. Lehrerverbände sind entsetzt über das Urteil aus Karlsruhe.

Eigentlich ist alles schon längst gesagt worden. Und die Entwicklung der Weltlage bestätigt aufs Dramatischste, dass das islamistische Kopftuch bzw. der Ganzkörperschleier ihre Unschuld schon lange verloren haben – sollten sie sie überhaupt jemals gehabt haben. Denn das Kopftuch ist die internationale Flagge der Islamisten, die den Islam für ihren politischen Kreuzzug missbrauchen.

Mädchen und Frauen unter fundamentalistisch-muslimischer Herrschaft – ob in Familien, Communities oder Ländern -, die sich nicht verschleiern, sind Freiwild und riskieren ihr Leben. Schon alleine wegen des Leids dieser Millionen unter den Schleier gezwungenen Frauen müsste jede Frau in einem freien Land, die „freiwillig“ den Schleier trägt, dieses blutbesudelte Stück Stoff ablegen. Aus Solidarität.

Sechs deutsche Verfassungsrichter – darunter zwei Richterinnen, eine von ihnen „verpartnert“ – haben sich nun erlaubt, all das schlicht zu ignorieren: den Terror in den islamischen Ländern, den Druck in den patriarchalen Familien mitten unter uns, die von Islamisten seit Jahrzehnten geschürten Konflikte Pro&Contra-Kopftuch an deutschen Schulen. Sie haben so getan, als gäbe es das alles nicht und haben der Klage von zwei Kopftuch tragenden Lehrerinnen aus NRW – wo das Kopftuch bisher für Lehrerinnen in der Schule verboten war – Recht gegeben. Nachdem die zuvor in allen Instanzen verloren hatten. Die klagenden Frauen folgten einem „imperativen religiösen Bedeckungsgebot in der Öffentlichkeit“, das über der weltanschaulichen Neutralität der staatlichen Schule stehe, argumentierten die Richter in der Urteilsbegründung.

So lebensfern muss man erst mal sein, die seit dreißig Jahren weltweit offen demonstrierte ideologische Bedeutung des Kopftuches zu ignorieren. Das sahen auch zwei der insgesamt acht VerfassungsrichterInnen so: Die Richterin Monika Hermanns (auf Vorschlag der SPD im Verfassungsgericht) sowie der Richter Wilhelm Schluckebier (Vorschlag der CDU) widersprachen ihren KollegInnen. In ihrem Minderheitenvotum für das Kopftuchverbot für Lehrerinnen in der staatlichen Schule legten sie dar, warum gerade eine Lehrerin neutral auftreten sollte: Weil sie Amtsträgerin ist, Vorbildfunktion hat und die SchülerInnen in einem „Abhängigkeitsverhältnis“ zu ihr stehen.

Die Islamverbände, die wahrscheinlich wie meist auch in diesem Fall hinter den zwei durch alle Instanzen klagenden Lehrerinnen stehen, jubeln über das Urteil. Es geht für sie in die richtige Richtung: nämlich in die der Infiltration islamistischen Gedankengutes in alle demokratischen Institutionen. Auch für Die Linke ist die Aufhebung des Kopftuchverbotes „ein Schritt in die richtige Richtung“, alles andere wäre „ein Berufsverbot für kopftuchtragende Frauen“. Volker Beck von den Grünen erklärte die Urteilsverkündung zu einem „guten Tag für die Religionsfreiheit“ und betonte: „Kopftuch, Kippa und Schleier gefährden den Schulfrieden nicht“. Zwischen diesen drei Symbolen gibt es allerdings einen kleinen Unterschied: Das Kopftuch ist politisch, Kippa und Schleier aber sind heutzutage religiös motiviert. Und: Die Juden missionieren nicht, auch die Christen sind im 21. Jahrhundert nicht so in der Offensive wie die Islamisten.

Die Mehrheit der Lehrerverbände und LehrerInnen ist schockiert. Sie befürchten, dass der Krieg um das seit 2003 in der Schule für Lehrerinnen verbotene Kopftuch nun wieder stärker in die Schulen getragen wird und – dank der erneut unsicheren Rechtslage – eine Flut von Prozessen auf die Schulen zurollt. Die kritischen Lehrerinnen, die gerne beschimpft werden als Schlampen? Die werden wohl noch häufiger in die Frühpensionierung flüchten. Und die unverschleierten Mädchen? Die werden sich noch selbstgerechter als „Huren“ beschimpfen lassen müssen. Und die zwangsverschleierten Mädchen? Die haben nun gar keine Chance mehr, sich wenigstens in der Schule als frei und gleich zu erleben.

Zur Erinnerung: Sieben von zehn in Deutschland lebenden Frauen aus dem muslimischen Kulturkreis haben laut einer Studie des Innenministeriums noch nie ein Kopftuch getragen. Ja, selbst unter den sich selbst als „tief religiös“ bezeichnenden Musliminnen trägt jede zweite kein Kopftuch und der Rest oft auch nur manchmal eines. Ein „religiöses Imperativ“, wie die sechs nicht-muslimischen VerfassungsrichterInnen so orthodox argumentieren, ist das Kopftuch also keineswegs.

Das Kopftuch ist spätestens seit 1979, seit dem Sieg von Ayatollah Khomeini in Iran, ein politisches Symbol. Wir reden hier nicht von dem traditionellen Kopftuch der anatolischen Bäuerin oder marokkanischen Berberin. Wir reden von dem islamistischen Kopftuch, das streng jedes Haar und auch den Körper verhüllt, weil Haar und Körper der Frauen Sünde sind – und Männer nichts anders können, als sich auf die Frauen zu stürzen, sobald sie auch nur ein Haar erblicken.

Dieses Kopftuch erklärt jede unverhüllte Frau zum Freiwild – und die Männer zu Tieren. Und es macht aus Frauen und Männern unterschiedliche Wesen von zwei Sternen. Genauer gesagt: die Männer zu den einen, die volle Rechte haben, und die Frauen zu den anderen, die weitgehend rechtlos und der Besitz dieser Väter, Brüder, Ehemänner sind. Diese Frauen sind die „Ehre“ der Männer, die notfalls nur mit Blut zu reinigen ist, mit dem Blut der „unehrenhaften Frau“.

Das Kopftuch ist also ein Symbol für die Geschlechter-Apartheid. Die Mädchen und Frauen, die in einer Demokratie dennoch das Kopftuch tragen, haben sehr unterschiedliche subjektive Motive. Mal werden sie von ihrer Familie bzw. der Community dazu genötigt, mal tragen sie es freiwillig. Diesen Frauen will selbstverständlich niemand das Kopftuch verbieten. Mit ihnen darf allerdings diskutiert werden. Über die objektive Bedeutung des Kopftuches.

Bei dem Karlsruher Urteil, das das Kopftuchverbot von 2003 kippte, geht es ausschließlich um das Kopftuch in der Schule. Das darüber immer noch debattiert wird, ist eine deutsche Spezialität. Nicht nur Frankreich hat das Kopftuch in der Schule schon vor Jahren verboten, für Lehrerinnen wie Schülerinnen. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat dieses Kopftuchverbot 2005 als rechtens bestätigt. Dank dieser kopftuchfreien Zone kann in den Schulen wieder unterrichtet werden, statt gestritten über das Kopftuch. Allerdings war Frankreich, im Gegensatz zu Deutschland, konsequent. Es hat jegliche Art von politischem bzw. religiösem Symbol verboten: mit dem Kopftuch auch die Kippa und das Kreuz im Klassenzimmer. Was richtig ist. Gleiches Recht für alle.

In Deutschland haben die Kirchen das bisher verhindert, fatalerweise. Sie wollen von ihren eigenen Privilegien nicht lassen – und haben stattdessen lieber in Kauf genommen, notfalls auch anderen, wie den Muslimen, diese Privilegien zuzugestehen – statt einer wirklich konsequenten Trennung von Staat und Kirche zuzustimmen (die so strikt in Deutschland ja gar nicht ist, siehe Kirchensteuer).

Der unnachahmliche Volker Beck hatte nach dem Urteil erklärt, der Staat dürfe „nicht kapitulieren“ vor den KopftuchkritikerInnen, denn die seien „die Gefahr, die bekämpft werden muss“. Doch es ist genau umgekehrt: Leute wie Beck, die leider nicht auf die Grünen beschränkt sind, leugnen bis heute die islamistische Gefahr und machen einen Amalgam zwischen dem (politisch motivierten) Islamismus und dem (religiös motivierten) Islam. Sie sind es, die hauptverantwortlich sind für die steigenden Spannungen und die Gefahr einer wirklichen Islamfeindlichkeit. Denn sie nehmen die Menschen mit ihrem berechtigten Unbehagen an den Fundamentalisten und den Folgen von deren repressiver Schriftgläubigkeit nicht ernst und unterscheiden nicht zwischen Islamismus und Islam, sodass die Stimmung in der Bevölkerung allmählich gegen den ganzen Islam eskaliert.

Dabei sind die aufgeklärten, freiheitlichen Musliminnen und Muslime die ersten Opfer der Islamisten und KopftuchbefürworterInnen. Wir stehen erst in der zweiten Reihe, kommen aber auch noch dran, wenn das so weitergeht.

______

Time am 22. März 2015

_____

1) http://www.aliceschwarzer.de/artikel/kopftuch-ein-lebensfernes-fatales-urteil-318599

Schlagwörter: , , , ,

2 Antworten to “Die Flagge der jihadistischen Internationale”

  1. Frankstein Says:

    Liebe Alice Schwartzer. Nie im Leben hätte ich mir träumen lassen, Sie einmal so anzuschreiben. Für mich waren Sie immer der Inbegriff der “ Kampflesbe“, wobei es den Begriff noch nicht solange gibt. Sie waren sozusagen mein “ Fressfeind“. Ich erwähne das, weil Sie es nach diesem Artikel nicht mehr sind, Friede ? Einige Unschärfen gilt es aber herauszuarbeiten . Die Richter sind zugleich strohdumm und listig. Strohdumm, weil sie ein imperatives religiöses Gebot vorschieben. Der Deutsche Staat erkennt keine derartigen Gebote an. In einem Fall ( Konkordat mit dem Vatikan) hat er sie vertraglich gezähmt und mit Gegengeboten neutralisiert. Im zweiten Fall ( Gleichstellung der ev. Kirche) gibt es Verträge auf Länderebene. Fraglich, ob dies dem GG genügt. Keine einzige andere religiöse Sekte verfügt über eine staatliche Anerkennung, geduldet ist ledglich die Religionsausübung nicht organisierter Gruppen. Ich weiß, ich weiß, die Juden werden Sie sagen. Das ist die Ausnahme von der Regel. Eine Gemeinschaft, die ihre Vorstellung von Religion imperativ vertritt, verstößt gegen Recht und Gesetz. Das alles müßten die Richter wissen.
    Listig sind sie, weil sie den faulen Apfel an den Gesetzgeber zurückgegeben haben. Nicht direkt, aber auf dem Umweg über die Schulbehörden . Das ist nicht nur listig, sondern auch feige. Tatsächlich ist es Aufgabe des Staates- nicht eines Gerichtes- die Einhaltung der Staatsräson zu regeln und zu überwachen. Nun ist die Schulbehörde ein Teil des Staates und ihre Beamten sind Staatsdiener, die den Zustand wissentlich herbeigeredet, unterstützt oder wohlwollend geduldet haben. In diesem Fall kommt das Fallobst zum Vertreiber zurück, und das ist gut so. Da müssen die jetzt durch. Nach dem Klassenfahrten-Boykott muß jetzt großflächlich der Boykott aller Demonstrationsvorbereitungen, Inclusions- und Gendermaßnahmen erfolgen, freiwillige Aufgabenhilfe oder sonstige Betreuung entfallen. Dienst nach Vorschrift, bis hin zum vorzeitigen Ausscheiden aus der Bildungsarbeit. Macht doch euren Dreck alleine, muß das Motto lauten. Etwas Besseres, als ein Klasse Musel finden wir allemal. Dann schick ich den Richter auch einen Brief mit der Anrede Liebe…

  2. Frankstein Says:

    Offensichtlich scheinen andere Leser diese meine Ansicht zu teilen, oder sind etwas alle in Osterurlaub ? Das Urteil ließ mir keine Ruhe und ich grub ein wenig tiefer. So fiel mir bei der losen Durchsicht verschiedender Verordnungen und Amtsanweisungen auf, dass sich Behörden bei Geltendmachung hoheitlicher Rechte vielmals auf richterliche Urteile beziehen. Allgemein stellt sich sich da so dar = Der Staat/Amtsverwaltung/Behörde beruft sich bei Durchsetzung oder Androhung von Maßnahmen NICHT auf Gesetze, sondern auf Gerichtsurteile ! Mitunter sogar auf Kommentare zu diesen. Das ist so, als wenn sich die christlichen Kirchen nicht auf die zehn Gebote Gottes berufen, sondern auf die Kommentare eines 2.000 Jahre späteren Kirchendieners. Oder die Musel nicht auf die Überlieferungen des Dschebriel, sondern auf die Auslegungen des Iman von Köln. Eigentlich unvorstellbar,oder ? Das Urteil bestätigt die vorherrschende Meinung, die demokratische Gewaltenteilung hat lediglich die Abschaffung der staatlichen Gewalt bewirkt, die Gewalt existiert jedoch nach wie vor, unter den tausendjährigen Talaren. Bei allen Anzeichen staatlicher Gewalt ist das zu berücksichtigen und mit aller Entschiedenheit zu bekämpfen. Insofern ist auch mein Zirkelschluss, der faule Apfel liegt jetzt beim Gesetzgeber, falsch. Es gibt keinen Gesetzgeber, es gibt nur Verwalter.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: