Im Interview: Eren Güvercin

Güverdschenn

Der sauertöpfische Journalist Eren Güverdschinn (tork.: Güvercin) führt ein Blog, dessen Kopf von einem Saxophon geziert wird. Güverdschenn will sich solcherart als westlich und modern darstellen. Ein aktuelles Interview (1), das er dem Internetauftritt der radikalen Torktruppe von Mille Görüsch namens „IslamiQ“ gab, zeigt ihn als entschiedenen Gegner eines liberalen Mohammedanismus und von Leuten wie Mouhanad Khorchide.

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ISLAMISCHE ORGANISATIONSLANDSCHAFT

„Die schweigende Mehrheit schweigt immer noch“

ErenDas neu gegründete „Muslimische Forum“ wirbt damit, „humanistisch“ und „liberal“ zu sein, gleichzeitig wird die Plattform von der Konrad-Adenauer-Stiftung (der CDU, T.) unterstützt. Wir haben mit dem Journalisten Eren Güvercin über das Forum und über die sogenannte „schweigende Mehrheit“ gesprochen.

IslamiQ: Wie bewerten Sie den Umstand, dass das „Muslimische Forum“, welches die Mehrheit der Muslime vertreten möchte, von der der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt wird?

Eren Güvercin: Dass sich eine Gruppe von Muslimen zusammen tut und ein Muslimisches Forum Deutschland gründet, ist grundsätzlich eine gute Sache. Wenn man sich allerdings die Gründungserklärung genau durchliest, wird man schon stutzig. Sich selber schmückt man sich mit Labels wie „humanistisch“, „liberal“ etc., und erweckt bewusst den Eindruck, als ob die etablierten muslimischen Gemeinschaften genau das Gegenteil seien. Das ist schon eine Dreistigkeit.

(Die Typen, denen Herr Güverdschinn das Interview gibt, nennen sich ins Deutsche übersetzt: „Nationale Sicht“. Gemeint ist die Torkei, deren Interessen man in Deutschland vertreten will. Wikipedia (2): „In vielen Staaten und Ländern ist Millî Görüş wegen islamistischer Tendenzen umstritten. Die Innenministerien von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sehen in der Bewegung antisemitische Charakterzüge und unter anderem auch damit eine deutliche Gegnerschaft zur demokratischen Grundordnung. Prozesse, die Millî Görüş gegen diese Feststellungen geführt hat, wurden von ihren Anhängern verloren. Das Bundesamt für Verfassungsschutz kommt zu der Überzeugung, dass Millî Görüş ein antidemokratisches Staatsverständnis zeige sowie westliche Demokratien ablehne.“ T.)

Dass eine renommierte Stiftung wie die Konrad-Adenauer-Stiftung solch eine Initiative mit dieser Gründungserklärung unterstützt, ist der eigentliche Skandal. Schon der Liberal-Islamische-Bund hatte diese aggressive Rhetorik gegen die „konservativen“ Muslime gefahren. Das ist nichts Neues. Die neue Qualität bei diesem Forum ist, dass hier ein politischer Akteur sich einen Ansprechpartner für die so genannte „schweigende Mehrheit“ selbst backt. Diese Sprecher der „schweigenden Mehrheit“ kann mit einer „Partei der Nichtwähler“ vergleichen, die zwar keine Wähler hat, aber für sich beansprucht für die 40% der Bevölerkung zu sprechen, die nicht zur Wahl geht.

Einerseits kritisiert man leidenschaftlich die Auslandsfinanzierung, betreibt aber selber eine Inlandsfinanzierung, die eine ideologisch-politische Einflussnahme in die Belange der muslimischen Community zum Ziel hat.

(Worin soll der Skandal bestehen, wenn die Stiftung einer politischen Partei Leute unterstützt, die ihre Zielsetzung teilen? Die Frage ist doch, welche Zielsetzung vorliegt. Mille Görüschs Zielsetzung wurde oben genannt. Die Gleichsetzung der Finanzierung und Steuerung mohammedanistischer Vereine in Deutschland durch die Torkei mit dem Versuch, mohammedanistische Gesprächspartner zu finden, die die Werte der offenen Gesellschaft teilen, zeigt, dass Herr Güverdschinn diese Werte nicht begriffen hat und auch nicht wertschätzt. Die arrivierten Verbände, die er verteidigt und präferiert, vertreten auch nur eine verschwindende Minderheit der Orks, und um dies zu kaschieren, weigern sie sich nach wie vor, Mitgliederlisten zu erstellen und offenzulegen. T.)

Verbände

IslamiQ: Der CDU-Politiker Franz Josef Jung begrüßt das neue Forum für Muslime, außerdem werde mit dem „Zusammenschluss einflussreicher Muslime“ eine Lücke geschlossen. Das Forum orientiere sich an humanistischen Werten und bekenne sich „ohne Ausnahme zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung“. Dies sei ein guter und wichtiger Ansatz, so der religionspolitische Sprecher der Unionsfraktion. Welche Folgen haben Aussagen wie diese auf die Reputation der anderen islamischen Religionsgemeinschaften?

Güvercin: Es ist erstaunlich, dass man mit den etablierten Religionsgemeinschaften auf Landesebene und Bundesebene zusammen arbeitet, etwa wenn es um den Islamischen Religionsunterricht geht, aber durch diese Aussage von Jung wird wieder klar, dass man eigentlich gerne mit Vertretern einer muslimischen Randgruppe diese Themen behandeln würde. Mich würde einmal interessieren, wie die Kirchen darauf reagieren würden, wenn eine politische Partei künstlich neben den Kirchen christliche Randgruppen als Ansprechpartner nehmen würde. Ich glaube, da würden Kirchenvertreter auf die Barrikaden gehen. Oder anders gesagt: die Politik würde sich so etwas erst gar nicht trauen. Bei den Muslimen kann man es ja versuchen.

(Hier gibt Güverdschinn zu, dass „humanistische Werte“ und das Bekenntnis „zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ eine Sache von mohammedanistischen Randgruppen ist. Es geht aber nicht um Zentrum oder Rand, sondern um konkrete Werte, die konkrete Politik generieren. T.)

IslamiQ: Was ist verkehrt daran, dass Muslime, die sich von anderen Verbänden nicht vertreten fühlen, zu einer Vereinigung zusammenschließen?

Güvercin: Daran ist gar nichts verkehrt. Jeder hat das Recht dazu. Nur hier geschieht das durch eine Hilfe einer Parteistiftung. Wir reden ja oft von der Trennung zwischen Religion und Politik. Scheint bei Muslimen nicht zu gelten, wenn der deutsche Staat oder deutsche Parteien den aktiven Teil ausmachen. Man muss sich natürlich auch die Gründungserklärung anschauen. Sie bedient die bereits vorhandenen Ressentiments gegenüber Muslimen: nicht humanistisch, nicht liberal, nicht grundgesetztreu. Wenn so eine Erklärung auch noch ein Prof. Khorchide, der die Lehrerlaubnis vom Koordinationsrat der Muslime (KRM) hat, also den etablierten islamischen Religionsgemeinschaften, mitverfasst, ist es umso absurder.

Auch sehr interessant sind die Teilnehmer dieses Forums: beispielsweise der libanesische Christ Ghadban, er hat jahrelang massiv gegen aktive Muslime geschossen und diese als Islamisten markiert. Da können so einige Muslime ein Lied davon singen.

(Natürlich geht es um die Trennung von Religion und Staat – nicht aber von Religion und Politik. Wenn eine Religion durch zahlreiche Anhänger Bedeutung erlangt, wird sie natürlich auch zu einem wirtschaftlichen und politischen Akteur. Sie darf aber nicht per se mit den Institutionen des Staates verbunden sein oder diese allein kontrollieren. Grade mit Blick auf die Orksphäre und die Vorstellungen mohammedanistischer Kommissare ist Güverdschinns Einlassung absurd und peinlich. Letztlich lässt er die Katze aus dem Sack: Es geht einmal mehr um Mouhanad Khorchide und dessen Versuch, aus dem Blutsäufergott AllaHundseingesandter einen liebenden und barmherzigen Gott zu machen. T.)

IslamiQ: Wie kommt es, dass religiöse Gemeinschaften, die eigentlich keine breite Basis haben mehr Medienpräsenz zeigen können/ vermeintlich „mehr zu sagen“ haben, als jene, die viele Mitglieder vertreten?

(Sie alle, die großen wie die kleinen Verbände, vertreten nur Minderheiten und verweigern konkrete Daten. T.)

Güvercin: Das ist in der Tat erstaunlich. Wie ich eben schon sagte: die Medien sind leidenschaftlich bei der Sache, wenn es um die Auslandsfinanzierung der Moscheegemeinden geht, aber der Eingriff von politischer Seite aus Deutschland wird kaum bis gar nicht thematisiert.

Andererseits bedienen die Akteure in diesem Muslimischen Forum Deutschland die Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft. Man weiß genau, was die Politik oder die Medien hören wollen, um ihre Aufmerksamkeit und Unterstützung zu bekommen. Das ist also ein politischer Islam, nur in seiner politisch korrekten Form. Nur für wen sprechen diese Akteure? Seltsam ist, dass die schweigende Mehrheit immer noch schweigt.

Diese Konstruktion, wie auch ihre Vorgänger, werden bald wieder eingestampft werden. Es ist eine künstliche Konstruktion. Ein „Forum“ wird diese Runde nie sein, weil sie die Mehrheit der Muslime und Moscheegemeinden ins schlechte Licht rückt und kein Interesse an einem Austausch hat.

(Herr Güverdschinn gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass das „liberale“ und „verfassungstreue“ Forum recht bald scheitert. Wenn er aber keine „liberalen“ und „verfassungstreuen“ Gesprächspartner will, was will er dann? Den Jihad natürlich! Den Jihad, der dann am „spirituellsten“ ist, wenn Köpfe abgeschnitten werden. T.)

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Time am 28. April 2015

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1) http://www.islamiq.de/2015/04/25/die-schweigende-mehrheit-schweigt-immer-noch/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Millî_Görüş

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