Im Interview: Chaim Miller

Miller

Nazislahmisten aufgepasst: In jeder Zeit gibt es Männer mit Mumm! Philipp Peyman Engel hat für die „Jüdische Allgemeine“ einen vergangener Tage interviewt (1). Auch der „Tagesspiegel“ brachte bereits einen Bericht über ihn (2).

Das Wort hat Chaim Miller.

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„Ich bereue nicht einen Schuss“

Herr Miller, können Sie sich noch an den ersten NS-Verbrecher erinnern, den Sie aufgespürt und getötet haben?

Hören Sie, ich bin zwar 93 Jahre alt, aber so etwas vergisst man nicht. Meinen ersten SS-Mann habe ich direkt nach Kriegsende 1945 in Italien ermordet. Es war ein Nazi aus meiner Heimatstadt Wien, der während der Schoa besonders schlimm gewütet hatte. Damals war ich Soldat bei der Jüdischen Brigade in der britischen Armee. Als ich ihn entführt und im Wald mit seinen Taten konfrontiert hatte, gab er sofort alles zu. Es schien für ihn eine Erleichterung gewesen zu sein, endlich mit jemandem darüber zu sprechen, was er getan hatte.

Wie ging es dann weiter?

Ich verkündete ihm sein Urteil. Er schaufelte eine Grube aus und kniete sich brav hin – pflichtbewusst bis in den Tod. Noch bevor er den Knall hören konnte, war er tot.

Hatte die britische Armee Kenntnis von den Standgerichten, die Sie abhielten?

Nein, das war die Idee von meinen Kameraden und mir. Das waren alles Juden, die Nazis hatten viele unserer Familienmitglieder ermordet. Meine Mutter zum Beispiel wurde nach Riga deportiert und in einem Wald erschossen. Es heißt immer, Rache sei genauso schlimm wie das erlittene Unrecht. Das ist Quatsch. Mir hat sie geholfen.

Hatten Sie trotzdem manchmal Schuldgefühle?

Nie! Ich bereue nicht einen Schuss. Ich bin nicht stolz darauf, was ich getan habe, aber ich hätte noch mehr hochrangige Nazis umbringen sollen. Diese Männer haben unfassbare Schuld auf sich geladen. Und unsere Informationen über die Nazis waren durch Berichte von jugoslawischen Partisanen und KZ-Überlebenden zweifelsfrei richtig. Bis auf einen SS-Mann haben alle ihre Taten gestanden. Den haben wir dann auch gleich laufen lassen. Ich habe getan, was ich hatte tun müssen. Das bin ich meinen jüdischen Brüdern und Schwestern schuldig gewesen, die von den Nazis ausgelöscht wurden.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hat am Dienstag die Bundesrepublik in seinem Jahresbericht zur Verfolgung von NS-Kriegsverbrechern positiv hervorgehoben. Teilen Sie dieses Lob?

Besser spät als nie. Es ist immer richtig, jemanden zu verurteilen, der sich schuldig gemacht hat. Ein Schandfleck für die Bundesrepublik ist es natürlich trotzdem, dass die Täter erst Jahrzehnte nach der Schoa gewissenhaft verfolgt werden. Beziehungsweise mehr oder weniger gewissenhaft.

Wie meinen Sie das?

Ich lebe in Israel. In den Nachrichten dort wird regelmäßig darüber berichtet, dass auch heute noch einige Nazis unbehelligt frei herumlaufen. Anscheinend spielt die deutsche Justiz manchmal immer noch auf Zeit. Das macht mich wütend. Wenn ich nicht so alt und gebrechlich wäre, würde ich mit meinen früheren Kameraden von der Jüdischen Brigade vielleicht noch einmal losziehen.

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Time am 30. April

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1) http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/22030
2) http://www.tagesspiegel.de/medien/inglourious-basterds-nach-dem-krieg-hat-eine-juedische-brigade-nazis-getoetet/8205844.html

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6 Antworten to “Im Interview: Chaim Miller”

  1. vitzli Says:

    erstaunlich, wieviel urteilsvermögen der mann mit 23 jahren gehabt hat, der sich selber bezichtigt, morde begangen zu haben. und welche kenntnisse, und alles ohne internet. natürlich kannte der die täter ganz genau. und alle ihre verbrechen.

    standgerichte?

    erstaunlich, wo der mörder überall plattformen findet.

  2. Sophist X Says:

    Für ihn war es gerecht, was er tat, aber er wurde damit zum Verbrecher.
    Recht statt Rache wird allerdings zu oft von den Falschen deklamiert, als dass ich darauf noch viel geben würde.

  3. vitzli Says:

    sophist,

    es geht doch nicht um den mörder, sondern darum, daß er in zeitungen und blogs gefeiert wird.

  4. Time Says:

    Er wurde niemals zum Verbrecher!

    Er erfüllte vielmehr seine heilige Pflicht!

    Sein Gesicht ist freundlich, humorvoll, ironisch und ohne Makel.

    Er hat auf Jahwe gehört und sein Leben nach dessen Botschaft ausgerichtet.

    Er hat seinen Auftrag angenommen.

    Er hat ihn selbst, gleich und gründlich ausgeführt!

    Nur so kommen wir voran!

    Er hat der Menschheit herausragend und kühn gedient!

    Er ist daher ein Held der Menschheit!

    Er wird daher geehrt in diesem Blog, das sich der Menschheit verpflichtet fühlt!

    T+I+M+E

  5. Sophist X Says:

    Private Rachfeldzüge haben ihren Charme. In den gängigen Dramatisierungen wird dem Beobachter (TV-Zuschauer) aus guten Gründen eine Lawine an Beweisen dafür serviert, dass der Übeltäter ein unerfreuliches Ende verdient hat und sein Tod die Gerechtigkeit herstellt.
    Hier fehlt die Außenperspektive, ein Urteil über die Gerechtigkeit der Taten ist nicht möglich.
    Man kann an die Integrität der Täter glauben oder man tut es nicht. Der Zeitzeuge hat die Wahl.
    Für Grundsatzdiskussionen ist das aber der falsche Ort und ich würde mir dafür auch nicht die Zeit nehmen.

  6. vitzli Says:

    sophistx,

    es ist ausgeschlossen, daß im wirren und wilden kriegsendchaos ein 23 jähriger (!) über die schuld von ihm zufällig in die fänge geratenen menschen, die ja selber auf der flucht von irgendwo waren und da zufällig vorbeikamen, urteilen kann, vielleicht von der einen ausnahme abgesehen, die er angeblich persönlich kannte.

    dazu braucht man keine grundsatzdiskussion.

    der mann hat eine reihe morden an wehrlosen begangen. und ist stolz darauf. und wird gefeiert.

    was können die von ihm ermordeten für das schicksal seiner familie? oder veranstalten wir neuerings einfach sippen(volks-)haft und bejubeln das? was unterscheidet den von dem, was er seinen gegnern vorwirft?

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