Im Interview: Tarik Ramadan

Rammeltag

Sieht nicht nur hinterlistig und verschlagen aus
sondern ist es auch: Tarik Rammeltag

Tariq Chaudhry und Adnan Tahir haben das mohammedanistische Mastermind Tarik Rammeltag interviewt (1). Ganz offensichtlich ist sein Thema nicht der Erhalt der offenen Gesellschaft sondern die Verbreitung des Mohammedanismus, und er macht unmissverständlich klar, dass über AllaHundseingesandter nicht gespottet werden darf.

_____

Prof. Tariq Ramadan:
„Wir dürfen Hohn und Spott nicht verharmlosen“

Das interkonfessionelle Zusammenleben gehört zu den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Vor allem in der westlichen Welt kommt es scheinbar von Zeit zu Zeit zu einer Kollision unter den verschiedenen Weltanschauungen. Im Zentrum der Debatte steht der Islam. DAS MILIEU sprach mit dem renommierten schweizer Islamwissenschaftler und Publizisten ägyptischer Herkunft über den Ist-Zustand.

DAS MILIEU: Sie sind in der Schweiz geboren. Das Land gilt als äußerst konservativ und islamfeindlich. Wie war ihre Jugend dort?

Prof. Tariq Ramadan: Als erstes möchte ich anmerken, dass man vorsichtig mit Verallgemeinerungen sein sollte. Aussagen wie: „die Schweiz ist konservativ“, „Frankreich ist rassistisch“ oder „Deutschland ist problematisch“ sind nicht zielführend. Unser Bild von anderen Gesellschaften sollte differenzierter sein. Ich bin in Genf geboren und aufgewachsen, einer kosmopolitischen Stadt, in der Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen leben. Ab und an habe ich rassistische Erfahrungen gemacht, aber nicht als Anhänger des Islam, sondern als Araber. Diese Erfahrungen waren nicht gravierender als die, die spanische oder italienische Migranten durchstehen mussten. Ich habe in der Schweiz großartige Menschen kennengelernt, doch es gibt dort auch rechtsextremistische Parteien, die islamophobe Thesen verbreiten und deren Nährboden ständig wächst. In der Schweiz ist die muslimische Community relativ klein. Viele der Muslime, die zu meiner Zeit in die Schweiz einwanderten, stammten aus dem Nahen Osten oder der Türkei. Sie ließen sich vornehmlich im deutschsprachigen Teil des Landes nieder. In meinem Umfeld spielte der Islam damals keine besonders große Rolle. Heute ist er jedoch ein ständiges Gesprächsthema. Das Wissen um ihn ist allerdings so gering wie früher. Da muss viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

DAS MILIEU: Sie sind Professor an der Oxford University. Sicherlich haben Sie in dieser Funktion häufig mit Islamkritikern zu tun. Wie überzeugen Sie diese von der Friedfertigkeit des Islam? Und wie gehen sie dabei mit der Tatsache um, dass in der islamischen Welt Gewaltakte mit Verweis auf den Islam gerechtfertigt werden?

Prof. Ramadan: Wir müssen als Muslime anerkennen, dass es mehrere Interpretationen der wichtigsten Quellen des Islam gibt. Die Leistung des Mainstream-Islam lag stets darin, dass er zwischen den verschiedenen Deutungen vermittelt hat. In der heutigen Zeit gibt es extreme und gewalttätige Ansichten, die zwar zum Kreis des Islam gehören, die aber Grundprinzipien des Islam widersprechen. Daher müssen wir eine Diskussion in zwei Richtungen führen. Auf der religiösen Ebene muss klargestellt werden, dass es Teil des Konsens des Islam ist, dass man keine unschuldigen Zivilisten töten darf. Dafür gibt es in den Schriften klare Belege. Muslime haben aber nichtdestotrotz das Recht sich gegen gewaltsame Besatzer zu Wehr zu setzen. Das ist ein Recht, das auch von der internationalen Gemeinschaft anerkannt wird. Auf der politischen Ebene muss erklärt werden, dass die Menschen in islamischen Ländern nicht grundsätzlich gewalttätig sind. Es gibt Umstände, die sie zur Gewalt bringen und die dazu beitragen, dass sie ihre Religion instrumentalisieren. Es gäbe wahrscheinlich weniger Gewalt, wenn man mehr Freiheit und Demokratie hätte. Sich einfach die Missstände in der islamischen Welt anzuschauen und zu behaupten, dass der Islam daran schuld sei, geht nicht. Die Missstände können verschiedene Gründe haben: ein begrenztes Verständnis der Urtexte, ein oberflächliches Wissen um den politischen Kontext oder ein ausgeprägtes Frustrationslevel der Bevölkerung ausgehend von staatlich auferlegten Repressionen.

DAS MILIEU: Sind Muslime in Europa angesichts der Auseinandersetzung mit ISIS zu passiv? Sollten sie auf die Straße gehen und gegen den Terror protestieren?

Prof. Ramadan: Das ist etwas, das ich wiederholt zur Sprache gebracht habe. Wir müssen die kritischen Themen diskutieren ohne dabei ständig eine defensive oder apologetische Rolle einzunehmen. Muslime sollten klarstellen was der Islam ist und gleichzeitig Gegenfragen stellen. Es gilt Fehlverhalten zu verurteilen und die Debatte um politische Kontexte zu erweitern. Klar ist, dass wir uns jederzeit zu Wort melden müssen, wenn jemand im Namen des Islam etwas Falsches tut. Eine schweigende Masse ist äußerst problematisch und das reine Abstempeln einer Tat als nicht-islamisch reicht nicht aus. Wir müssen den Problemen begegnen und sie in einen übergeordneten Zusammenhang setzen.

DAS MILIEU: Zahlreiche Studien belegen, dass in Europa und speziell in Deutschland, eine zunehmende Islamophobie festzustellen ist. In der Politik formiert sich Widerstand gegen muslimische Gruppen. Wir erleben islamkritische Strömungen auf der intellektuellen Ebene und aus der Mitte der Gesellschaft. Was bereitet Ihnen mehr Sorgen?

Prof. Ramadan: Ich habe mich bereits vor etwa 20 Jahren warnend in Richtung der gut ausgebildeten Muslime gewandt und auf die Schwierigkeiten bei der Integration in die hiesige Gesellschaft hingewiesen. Zurzeit erleben wir in den westlichen Staaten eine paradoxe Entwicklung, die etwas mit den zunehmenden gesellschaftlichen Erfolgen der Muslime zu tun hat. Um das zu verstehen, muss man sehr früh ansetzen. Als türkische Einwanderer nach Deutschland kamen oder asiatische Einwanderer nach Großbritannien, wurden diese zunächst geografisch von der übrigen Gesellschaft isoliert. Die erste Generation war in ihrem sozialen und intellektuellen Ghetto sich selbst überlassen. Nun haben die nachfolgenden Generationen der Einwanderer in den urbanen Gebieten Nordeuropas Anschluss an die Gesellschaft gefunden. Sie sind in allen erdenklichen Berufen zu finden. Diese integrative Leistung macht die Migranten sichtbar für die restliche Gesellschaft und diese erhöhte Sichtbarkeit wirft Fragen auf, wie: „Wer sind diese Menschen und warum verändern sie ,unsere‘ Gesellschaft?“ Als Antwort darauf folgt meist der Vorwurf, dass „die“ sich nicht integrieren wollen. Tatsache ist jedoch, dass Migranten durch ihre erhöhte Sichtbarkeit im öffentlichen Leben genau das Gegenteil beweisen. Wir sind integriert. Es gibt einen Bevölkerungsteil der deutsch und muslimisch ist. Islamophobie muss als Folge der Integration der Muslime verstanden werden. Viele Menschen in Europa fühlen sich in ihrer eigenen Gesellschaft nicht mehr heimisch. Auch die Muslime fühlen sich in Folge zunehmender Anfeindungen in Europa nicht mehr hundertprozentig heimisch. Dies führt auf beiden Seiten zu einer Identitätskrise. Islamophobie ist mittlerweile eine Realität. Wir Muslime sollten nicht denken, dass diese Form des Rassismus temporär oder irrelevant ist. Wenn ich sehe und höre, was im Westen über den Islam verbreitet wird, macht mir das Angst.

DAS MILIEU: Lassen Sie uns über Satire sprechen: Es gibt viele Situationen, in denen islamische Werte mit europäischen Werten kollidieren. Muslime fühlen sich einer Welle von Provokationen ausgesetzt. Sollten sie etwas gelassener reagieren?

Prof. Ramadan: An diesem Punkt muss ich Ihnen entschieden widersprechen. Anstatt zu sagen, dass es unterschiedliche Werte gibt, würde ich eher sagen, dass wir uns auf einen Standard für die Auseinandersetzung miteinander einigen sollten. Der Islam hat kein Problem mit Meinungsfreiheit und Religionskritik. Es geht im Karikaturenstreit aber nicht um Religionskritik, sondern um den respektlosen Umgang mit Dingen, die heilig sind. Es gibt Akteure, die mit Humor provozieren und anschließend behaupten, dass dies eine Form des kritischen Umgangs mit Religion sei. Diese Praxis war bis vor wenigen Jahren auch in Europa und Amerika nicht geläufig. Wenn Sie etwas genauer in die Gesellschaft horchen, werden sie bemerken, dass nur wenige Menschen die Herabsetzung von Religion durch Hohn und Spott befürwortet. Wir sollten als Muslime in dieser Hinsicht sehr deutlich zum Ausdruck bringen, dass jeder alles sagen darf. Als Teil der Gesellschaft sollten wir uns aber auch Gedanken darüber machen in welcher Form dieses Recht in Anspruch genommen wird. Eine weise Art des Umgangs mit anderen Menschen orientiert sich stets am Anstand. Es braucht keine „Blasphemie-Gesetze“, sondern einen besseren Umgang. Wir Muslime sollten uns an dieser Debatte beteiligen.

DAS MILIEU: Glauben Sie, dass die Gesellschaft in der Kritik gegenüber verschiedenen Religionen Unterschiede macht?

Prof. Ramadan: Lassen Sie mich das so beantworten: Es ist wichtig, dass Muslime, wann immer etwas Heiliges, wie z.B. die Propheten der jeweiligen Religionen, verunglimpft wird darauf hinweisen, dass dies trotz Meinungsfreiheit nicht respektvoll ist. Wir müssen unser Missfallen zum Ausdruck bringen und uns im Namen des Anstands klar gegen jede Form der Verharmlosung von Hohn und Spott einsetzen.

DAS MILIEU: Einige meiner muslimischen Freunde haben behauptet, dass es sich bei dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ um eine große Verschwörung der CIA und der französischen Behörden gehandelt hat. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Prof. Ramadan: Wir müssen uns eingestehen, dass es Muslime gibt, die bereit sind Terrorakte zu unterstützen. Allerdings haben wir auch die moralische Verpflichtung uns unsere Meinung an Hand von Fakten zu bilden. Wenn die offizielle Version des Tathergangs nicht schlüssig erscheint, muss man Fragen stellen und nicht Behauptungen aufstellen. Als es im Jahr 2001 den Anschlag in New York gab, bin ich eine Woche später in die USA geflogen, um als Teil eines unabhängigen Gremiums die Lage zu analysieren. Ich habe bestimmte Aussagen von US-amerikanischen Offiziellen in Frage gestellt. Ebenso habe ich auch bei den Attacken in Paris nachgehakt. Die französischen Behörden versuchten mich als Verschwörungstheoretiker zu brandmarken. Ich habe erwidert, dass man ziemlich „beschränkt“ sein muss, wenn man die Arbeit der französischen Behörden nicht in Frage stellt. Wie kann es sein, dass man die Attentäter überwacht hat, aber nicht ihre Frauen? Wie kann es sein, dass diese Frauen 500 Anrufe tätigten, ohne dass der Geheimdienst davon erfuhr? Und das sind längst nicht die einzigen Ungereimtheiten. Es ist berechtigt Fragen zu stellen. Man muss sich seine Meinung auf Basis von Fakten bilden und nachhaken, wenn keine Fakten verfügbar sind. Paranoiden Verschwörungstheorien nachzugehen und sie als Fakten hinzustellen bringt uns nicht weiter.

DAS MILIEU: Würden Sie dem Vorwurf zustimmen, dass die westliche Welt den Toten ihrer Gemeinschaft eine stärkere Bedeutung beimisst, als den Toten der nicht-westlichen Welt?

Prof. Ramadan: Ich weiß, was Sie damit meinen. Diese Frage ist Teil unserer Debatte um das Prinzip der Gleichheit. Wenn wir davon hören, dass die Toten in Frankreich stärker betrauert werden als 2000 Tote in Nigeria, erhärtet dies den Vorwurf, dass Tote der westlichen Gemeinschaft scheinbar wichtiger sind. Das sind doppelte Standards. Es ist die Verantwortung von Muslimen dieses Problem zu thematisieren.

DAS MILIEU: Sie sprechen wiederholt von der Verantwortung der islamischen Gemeinschaft. Was können Muslime in Anbetracht der Übermacht der Massenmedien tun?

Prof. Ramadan: Uns stehen nicht nur die Massenmedien zur Verfügung. Es gibt eine Fülle von alternativen Möglichkeiten, wie das Schreiben, Sprechen und Diskutieren auf der persönlichen Ebene. Neben der Konsistenz der eigenen Arbeit spielt die Aussöhnung zwischen den Kulturen eine wichtige Rolle. Dieses Ziel habe ich schon vor langer Zeit formuliert. Wissen Sie was das Problem in Europa ist? Es ist mangelnde Beständigkeit der eigenen Werte. Die Worte, die gesprochen werden, sind sehr schön, aber die politische Handlungsweise, die daran anknüpft, ist äußerst schmutzig. Von mir wird erwartet, dass ich mich gegenüber Muslimen kritisch äußere. Ich tue das im Licht der islamischen Lehren. Wenn ein Politiker wie George W. Bush behauptet, dass die Muslime die westliche Zivilisation missachten, entgegnete ich ihm jedoch, dass die Muslime kein Problem mit den Werten des Westens haben, sondern mit dessen politischen Handlungsweisen.

DAS MILIEU: Vielen Dank für das Gespräch, Prof. Ramadan!

_____

Time am 24. Mai 2015

_____

1) http://www.dasmili.eu/art/prof-tariq-ramadan-wir-duerfen-hohn-und-spott-nicht-verharmlosen/#.VV7y7EY3TGu

Schlagwörter: , ,

2 Antworten to “Im Interview: Tarik Ramadan”

  1. Thomas Holm Says:

    Menschl. Tiefpunkt. Interviewer ist Ahmadi, dessen als britisch inspiriert verschrieene Sekte angesichts blutigster Ungelittenheit in Pakistan, pp. gen Westen zu entrinnen sucht. Verwendung zu Schoenredung von Abschlachtern der eigenen Leute (derzeit auch in Zeit) soll kurzfristig Atempause in Ungelittenheit verschaffen. Auch Einstieg in Ehrenmordbusiness als Geste ggue. Real-isl. Mainstream beobachtbar. Sollte als Smptom des Standes real-isl. Unethik massiv denunziert werden. Gute Veranlassung zu Wiederaneignung von Abscheu als erforderlicher Haltung zwecks Wiederentdeckung von Selbstachtung im Westen.

  2. Thomas Holm Says:

    Hinweis auf Rolle von Gemahlinnen solle mit Achtsamkeit als generoese Gabe angenommen werden. Larmoyantes Ansuchen um Sakralrespekt derzeit funktional von Terrorismus nicht unterscheidbar:
    Eigener Gemeinde soll signalisiert werden, dass akut rasende Konfessions-Katastrophe im histor.-geograph. Herzen des Phaenomens kein Grund zu Beunruhigung, da Respektthematik vonseiten etablierter Grosskopfeten weiterhin im Vordergrund.
    Menschl. Tiefpunkt bei R. funktional zur Praeemption etwaigen Rumorens in eigenen Gemeinden angesichts sog. „fitna“, deren Ausblendung vor allgemeiner Stimmungslage tunlich erscheit.

    Unfreiwillig geraet R. ironisch mit Verweis auf vermeintlich westliche Asymmetrie bei menschl. Trauerbereitschaft. Wo der Westen angeblich Tausende uebersehe, da redet er selbst sehenden Auges an Millionen* vorbei.
    *kuerziche Einlassung von allerdings extremistischer Seite

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: