IS-IS bietet: Unterdrückung und Ausbeutung

ISIS

=Nazislahm

Christoph Ehrhardt hat auf „FAZ.NET“ eine Buchkritik (Christoph Reuter: „Die Schwarze Macht“. Der „Islamische Staat“ und die Strategen des Terrors. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2015) zum Thema „IS-IS“ veröffentlicht (1).

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Die kühl kalkulierenden Gotteskrieger

Herausragende Recherche voller Tiefenschärfe: Christoph Reuter setzt sich in seinem Buch über das Terrorregime des IS intensiv mit der Entstehung und den Hintergründen der Organisation auseinander.

Wer die Hoffnung gehegt hatte, der „Islamische Staat“ IS würde unter den Luftangriffen der amerikanisch geführten Koalition zerfallen oder zumindest seine Schlagkraft verlieren, ist eines Besseren belehrt worden. Auf militärische Rückschläge folgte zuletzt wieder eine Offensive der Terrororganisation, der mit der Eroberung der antiken Ruinenstadt Palmyra ein spektakulärer Schlag gelungen ist.

Die Schreckensbilder aus der Levante, meist verbreitet von der IS-Propagandaabteilung, halten die Welt in Atem. Da ist es nicht überraschend, dass im vergangenen Jahr eine Vielzahl von Büchern erschienen ist, die den Aufstieg der Terrororganisation, ihre Ideologie und die Umwälzungen im Vorderen Orient erklären, die ein Erstarken der Extremisten um den selbsternannten Kalifen Abu Bakr al Bagdadi begünstigt, wenn nicht erst ermöglicht haben. Dabei ist dem Journalisten Christoph Reuter mit „Die Schwarze Macht“ ein Buch gelungen, das, was Tiefenschärfe und Recherche betrifft, herausragt.

Reuter hat sich in den vergangenen Jahren fast ausschließlich dem Bürgerkrieg in Syrien gewidmet, er war seit dem Beginn des Aufstands gegen den syrischen Diktator Baschar al Assad immer wieder auf lebensgefährlichen Reisen in der syrischen und irakischen Krisenregion unterwegs. So stützt sich das Buch auf einen immensen Fundus an Material – auch aus dem Inneren des IS –, das Reuter und ein Team von Rechercheuren zusammengetragen haben. Und Reuter ist es gelungen, diesen Fundus anschaulich und scharfsinnig zu einem packenden Sachbuch zu verdichten.

Der interessanteste Teil des Buches widmet sich dem Aufstieg des IS im verwüsteten Nordsyrien. Dieser stützt sich auf Dokumente, die auf einen wichtigen Führer der Organisation, einen Mann mit dem Tarnnamen Haji Bakr, zurückgehen. Der hatte die Infiltration der Dörfer geplant; seine Agenten sollten islamische Missionierungsbüros einrichten, Anführer identifizieren, die Bewohner bespitzeln, in wichtige Familien einheiraten. Haji Bakr entwarf in sorgsam angelegten Organigrammen Geheimdienststrukturen, ein „Stasi-Kalifat“, in denen jeder jeden überwacht – genau wie es im Gewaltherrschaftssystem Saddam Husseins der Fall war, in dem Haji Bakr ein wichtiger Funktionär war. Lange arbeitete der IS im Verborgenen, bis er stark genug war zuzuschlagen.

So dekonstruiert Reuter auch den Mythos, es handle sich beim IS um eine unaufhaltsame, barbarische Horde fanatischer Glaubenskrieger, die zu allem bereit sind. Im IS verbinden sich der Furor der Fußvolks und das kühle Kalkül und planvolle Vorgehen der Sicherheitstechnokraten zu einem gefährlichen Amalgam. Der Autor zeigt, wie die alten Kader der Sicherheitskräfte des Saddam-Hussein-Regimes den IS zu einer hochmobilen, straff organisierten Truppe formen, die zu bemerkenswerten logistischen Leistungen imstande ist. Er macht deutlich, wie die IS-Propaganda mit den in Actionkino-Ästhetik verpackten Schreckensbildern Angst schürt, die sie geschickt als strategische Waffe einsetzt, und wie groß die Anziehungskraft auf jene Extremisten und Allmachtsphantasten ist, die jetzt im Namen Gottes herrschen können.

Reuter bezeichnet den IS als „mutationsfähigen Organismus“, beschreibt eine skrupellose, pragmatische Organisation, die trotz der zur Schau getragenen (vermeintlichen) Orthodoxie eine Art Ablasshandel einführt, wenn ihr das Geld ausgeht. Die Allianzen eingeht, solange sie ihr nützen. Das bekommt gerade auch das Assad-Regime zu spüren, das lange geglaubt hatte, die Dschihadisten für seine Zwecke nutzen zu können – sei es dadurch, die Rebellen untereinander zu spalten, oder um sich als Bollwerk gegen den radikalen Islamismus darstellen zu können. Schließlich gibt es, auch das stellt Reuter anschaulich dar, schon lange funktionierende Arbeitsbeziehungen zwischen den syrischen Diensten und radikalen Islamisten.

Wie überlebensfähig der IS ist, haben seine jüngsten Feldzüge im Irak und in Syrien gezeigt. Reuter kommt zu dem Befund, dass der gefährlichste Gegner des IS am Ende er selbst werden könnte. Schon jetzt hat er Schwierigkeiten damit, Volk, Finanzen und Verwaltung zusammenzuhalten. Irgendwann, schreibt Reuter, könnten die Beherrschten gegen die Tyrannei aufbegehren. Denn der Ruf zum Dschihad „ist grundsätzlich ein grandioses Mittel zum Machterwerb, aber ein schlechtes Mittel zum Machterhalt“. Der IS habe trotz seines Heilsversprechens nichts anderes zu bieten als das, was die Diktaturen in seinem Herrschaftsbereich ohnehin verkörperten: Unterdrückung und Ausbeutung.

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Time am 29. Mai 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/christoph-reuter-ueber-den-is-die-schwarze-macht-13617031.html

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3 Antworten to “IS-IS bietet: Unterdrückung und Ausbeutung”

  1. Cajus Pupus Says:

    Warum hat der IS denn nichts anderes zu bieten als Unterdrückung und Ausbeutung?

    Da muss man sich zuerst einmal fragen:

    Was ist der Islam?
    Drehen wir den Zeiger der Uhr ganz weit zurück. Gott erschuf Himmel und Erde. Er erschuf den Mann, Adam und dann später seine Frau Eva. Diese beiden lebten im Garten Eden.

    Nun hatte Gott auch Erzengel. Einer davon, Luzifer, haderte gegen Gott und wurde verstoßen.

    Luzifer nannte sich nach dem er von Gott verstoßen wurde, Allah!
    Und Allah wollte Macht. Deshalb nahm er sich den Haufen Kot, den Adam hinterlassen hatte und formte eine Mann daraus. Allah ließ daraufhin einen fürchterlichen Furz über den geformten Kothaufen streichen und der Mann erwachte zum Leben. Und dieser Mann wurde von Allah, Mohammed genannt.

    Und Mohammed betete Allah als seinen Herrn und Meister an. Diese Liebe zum Bösen nannte er dann den Islam!

    Da Adam und Eva nicht mehr im Paradies waren, hatten sie im Laufe der Zeit Kinder gezeugt. Mohammed raubte sich ein Mädchen. Und damit fing die ganze Misere an.

    Was daraus geworden ist, kann man heute ja live und in Farbe erleben.

    Fest steht, dass Mohammed und sein Islam nur aus Scheiße gemacht wurde!

    HALLO! KANN HIER JEMAND MAL DAS FENSTER AUFMACHEN?

  2. Thomas Holm Says:

    Der ganze Schmuh wurde den Arabern von neuen Machthabern in Damaskus aufgetischt, weil er auf die Pointe hinauslief, dass dortige sog. Kalifen ploetzlich das Sagen haben sollten.

    Anhaenger von gemeuchelten Delegationen, die sich das genauer erklaeren lassen wollten, wunden spaeter als Schiiten bekannt, waehrend sich Damaskus durch machiavellistisch-utilitaristische Anverwandlung an ausgewaehlte Untertanengebrauche als sunnitisch zu empfehlen suchte.

    Nach brutalst moeglichem Scheitern auf allen Gebieten (Ausn: Demographie) nunmehr irreparables Zerbrechen von oben skizziertem Luegenkonstrukt.

    Assad laesst das manchmal etwas augenzwinkernd durchblicken, wenn er zu signalisieren scheint, dass seine Gegner allesamt ins historisch und kulturell bodenlose zurueckstuerzen.

    Die urspruenglich arabische Frustriertensekte der Shia wurde ironischerweise von zu antiarabischer Revanche geneigtem Kitsch-Persertum gekidnappt. Der wuerdigste aller Ausgaenge fuer die laengste aller Luegen-Kontinuitaeten.

  3. Thomas Holm Says:

    Schiitischerseits wird beklagt, dass Extremisten es auf eine halbe Mrd. Opfer absaehen, wobei diese Zahl auf ein Jihadisten-Interview zurueckgeht, dass Hr. Todenhoefer Ende 2014 aus dem Irak mitbrachte und in welchem allerdings Schiiten und Hindus miteinander vermengt wurden.

    Hierauf wurde aus Kreisen der Designierten mit der Bemerkung reagiert, dass womoeglich 90% aller Araber solchem Extremismus irreparabel anheim gefallen seien.

    Von gutmenschlicher Seite wurde neulich vorgerechnet, dass etwa die Haelfte der arab. Jugendblase, ca. 90 Mio. Menschen zu nichts sozial sinnvollem zu gebrauchen seien. Ironisch, dass das schiitische Racheprojekt sich gegen die sunnitisch eingespannten Araber wendet … in einem Augenblick, als diese zu ihren Cowboy- und Indianer-Urspruengen zurueckwollen – bei denen sie auch nichts anderes als die Indianer waren, nur dass sie sich damals von Damaskus einen Baeren haben aufbinden lassen.

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