Unerschöpfliche Quelle der Wurzelstrukturen

Affe

Jeder Nicht-Araber empfindet den Klang des Arabischen als äußerst widerwärtig. Diese böse Karikatur einer Sprache kommt mit seinen Kehl- und Knurrlauten daher wie das Gekläffe wütender Straßenköter. Wie angenehm und elegant ist demgegenüber z.B. das Torkische.

Wenn nun ein Herr Hamuza Yusuf von der „islamischen Zeitung“ in blumigstem pseudowissenschaftlichen Geschwafel im Stil eines reisenden Quacksalbers über das „über das linguistische Wunder“ des Kloran fabuliert (1), und das Arabische als Konstruktion des Wesens, welches das gesamte Universum und mehr noch geschaffen habe, bezeichnet, handelt es sich dabei nicht nur um die gedankenlose und peinliche Protzerei eines Menschen, der sich als Übermensch wähnt:

„Im Qur’an gibt es kein Wort, dessen Inhalt unbekannt ist. (…) Die Natur von Wissenschaft ist Genauigkeit der Definition. Das Arabisch des Qur’an gilt selbst seinen westlichen Studenten als eine exakte Sprache. Gelegentlich wird es als ,algebraisch‘ in seinem Wesen bezeichnet. In seiner Präzision findet sich nichtsdestotrotz sehr viel Spielraum. Die Morphologie ist faszinierend. In der Linguistik wird Arabisch als ,fusionale Sprache‘ bezeichnet. Das ist die höchstentwickelte aller Möglichkeiten. Hier fließt eine unerschöpfliche Quelle der Wurzelstrukturen. Aus ihnen werden semantische Bedeutungsfelder geschaffen.“

Das ebenso schrankenlose wie peinliche Lob für eine offensichtlich sehr hässliche und beschränkte Sprache ist vor allem als ein Herrschaftsinstrument im Sinn der „evidenten Lüge“ (2) zu sehen. Wer der offensichtlich falschen These nicht zustimmt, kann umgehend als Feind identifiziert werden.

Für jeden Counterjihadi indes ist die Tatsache erstaunlich, dass sich widerwärtige Inhalte (wie die mohammedanistischen Lehren) eine widerwärtige Form (wie das Arabische) suchen.

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Allah bewahrt Seine Offenbarung. Hamza Yusuf über das linguistische Wunder des Qur’an

Die Sprache der Araber

Allah, der Erhabene, sagt im Qur’an, dass er die „Erinnerung“ herabgesandt hat und sie beschützen wird. Das ist eine Abkehr von früheren Offenbarungen, bei denen die Aufgabe des Erhalts bei den jeweiligen Völkern lag. Sie mussten dafür sorgen, dass das Buch authentisch blieb. Diese Situation führte in der menschlichen Geschichte zu einer Verfälschung älterer Texte. Die Menschen änderten wegen ihrer Natur Passagen, nahmen Einiges heraus und fügten Weiteres hinzu. Dadurch veränderten sie das göttliche Wort.

Der Qur’an ist die letztgültige Offenbarung. Danach kommen keine weiteren Propheten, um sie zu reinigen oder eventuell richtigzustellen. Allahs Versprechen, die „Erinnerung“ [das heißt, den Qur’an] zu bewahren, gehört zu den Segnungen der Gemeinschaft des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Allah ist der Bewahrer, Al-Hafiz. mit diesem göttlichen Namen übernahm Er die Verantwortung, Sein Buch zu erhalten.

Das bedeutet, dass nicht nur die Offenbarung beschützt ist. Das Gleiche gilt für alle Wissenschaften, die nötig sind, um den Qur’an zu verstehen. Das betrifft auch die Sunna des Gesandten, denn ohne sie ist Allahs Buch nicht vollkommen verständlich. Sein Leben ist ein Beispiel für die alltägliche Anwendung des Qur’an. Allah verkörperte die Majestät Seiner Offenbarung in der Größe Seines Propheten, Friede und Heil auf ihm.

Allah bringt zwei Arten von Menschen hervor. Diejenigen des Qur’an, die At-Tammimi, in der Kategorie „der Leute der Sunna und der Gemeinschaft“ verortet. Neben jenen, die den Qur’an bewahren, gibt es solche, die sich um die Sunna des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, bemühen. Darunter fällt das Verständnis darüber, wie die Offenbarung im menschlichen Leben angewandt wird. Dieses Wissen wird Fiqh genannt. Es wird durch seine Praktiker, die Fuqaha, bewahrt.

Qur’an und Sunna können nicht ohne Arabisch verstanden werden. Mit anderen Worten, das Fiqh für beide Vehikel der Erleuchtung und des Bewusstseins wird mithilfe des Verstehens angetrieben. Jenes Verständnis besteht nur durch die arabische Sprache. Allah sagt, dass Er „dieses Buch“ als einen arabischen Qur’an offenbarte. Der Qur’an ist seinem Wesen nach arabisch. Die Sprache kann nicht von Offenbarung getrennt werden, denn Allah verbindet das Attribut ­“arabisch“ mit der Offenbarung. Beide sind nicht zu trennen. Genauso wenig ließe sich die Eigenschaft der Barmherzigkeit von Allah trennen. Aischa sagte, dass ­dasjenige, was sich zwischen den beiden (Buch-)Deckeln befindet, das „Wort Allahs“ ist.

Wenn Allah sagt, dass Er das „Buch“ bewahren wird, spricht Er nicht nur von der Offenbarung, sondern des Weiteren von Sprache. Wir wissen von allen anderen Schriften, die einen göttlichen Ursprung beanspruchen, dass keine von ihnen einen Schutz hat, über welchen der Qur’an verfügt. Hier blieben Struktur und Aussprache bewahrt. Es gibt immer noch Gelehrte, die bei einer minimalen Abweichung den falschen Klang erkennen. Beim Alten Testament, auf Griechisch, weiß niemand mehr, wie es ausgesprochen wurde. Auch im Fall des Neuen Testaments ist unklar, wie sich Konsonanten und Vokale anhörten. Das Gleiche gilt für viele Bedeutungen). Beim Qur’an wissen wir ganz genau, was ein Wort bedeutete und wie es klang, als es offenbart wurde. Die einzige Tradition, die dem nahekommt, ist die chinesische. Im Qur’an gibt es kein Wort, dessen Inhalt unbekannt ist. Das „Buch“ wurde in seinen Bedeutungen und Buchstaben bewahrt.

Es gibt einige Dinge, die man über das Arabische erkennen muss. Die Natur von Wissenschaft ist Genauigkeit der Definition. Das Arabisch des Qur’an gilt selbst seinen westlichen Studenten als eine exakte Sprache. Gelegentlich wird es als „algebraisch“ in seinem Wesen bezeichnet. In seiner Präzision findet sich nichtsdestotrotz sehr viel Spielraum. Die Morphologie ist faszinierend.

In der Linguistik wird Arabisch als „fusionale Sprache“ bezeichnet. Das ist die höchstentwickelte aller Möglichkeiten. Hier fließt eine unerschöpfliche Quelle der Wurzelstrukturen. Aus ihnen werden semantische Bedeutungsfelder geschaffen. Dort lernen wir die Ursprungsinhalte der Ausdrücke. Schauen wir auf den Begriff „nafs“, der wichtig ist, weil er den Typus der humanen Seele behandelt. Seine Wurzeln sind „nafusa“ und „nafisa“ – es gibt zwei Formen. Eine Bedeutung davon ist „wertvoll sein“, die andere „knauserig sein“ oder „etwas zurückhalten“. Genau am Ausgangspunkt des Wortes erfahren wir Wesentliches über die menschliche Natur. Sie ist kostbar, aber auch geizig. Eine zweite Ableitung ist „nafasa“, was „Befreiung“ oder „etwas Schwieriges leicht machen“ bedeutet. Die Idee ist, dass der Mensch dem Mitgeschöpf Erleichterung verschafft. Die dritte Variation „naafaasa“ lässt als „miteifern“ oder „konkurrieren“ übertragen werden.

Blicken wir auf diese semantischen Felder, erfassen wir schließlich, dass es eine konstruierte Sprache ist. Sie macht den Anschein, als hätte sie jemand entworfen. Beim Arabischen wird deutlich, dass ein schöpferischer Geist hinter der Sprache steht. Einige meinen, die verbale Kommunikation begann mit der Nachahmung von Geräuschen. Es gibt Beispiele, bei denen Klang und Bedeutung eine lautmalerische Einheit bilden. Die Theorie ist aber in ihrer Gänze unsinnig, weil die meisten Worte nicht diese Eigenschaft haben. Die Gelehrten stimmen überein, dass das Arabische nicht willkürlich entstand.

Es braucht Jahre der Beschäftigung, um Wissen aus dem Qur’an ziehen zu können. Und auch dann ist es nur eine kleine Menge. Wie beim sternenübersäten Nachthimmel gibt es eine scheinbar unbegrenzte Möglichkeit an Bedeutungen. Im Grunde findet sich darin sogar mehr, denn der Nachthimmel ist tatsächlich endlich. Der Qur’an kommt von der Rede Allahs, die grenzenlos ist. Seine Inhalte übersteigen die Lebenszeit eines Menschen beziehungsweise der gesamten muslimischen Gemeinschaft.

Er ist ein bedeutungsvolles Buch, und das Arabische ist es ebenso. Es ist das Mittel, mit dem Allah Sein Buch offenbarte. Die Sprache hat eine Profundität, die jedem, der sich ernsthaft mit ihr beschäftigt, mehr Tiefe und Verständnis verleiht. Die Araber sind aber genauso von ihrer Sprache abgeschnitten, wie die Muslime insgesamt von ihrem Din. Die meisten reden, und kennen die Bedeutung der benutzten Worte nicht. Sie verstehen die Ordnung der Wurzeln nicht und sehen keine Verbindungen zwischen den Begriffen. Das liegt unter anderem daran, dass sie westliche Lehrmethoden zur Sprachvermittlung übernahmen.

Eine der linguistischen Wissenschaften ist das Fiqh der Sprache, bei der die profunden Bedeutungen von Worten studiert werden. Das war eines der hochspezifischen Studiengebiete, das an muslimischen Universitäten unterrichtet wurde.

Die Sprache ist unerschöpflich und endet nicht. Ein Teil ihres Studiums besteht in der Erkenntnis, dass sie ein Mittel und kein Ziel ist. Meine Lehrer in Mauretanien lehrten mich, mein Studium mit ‘Aqida zu beginnen, um dann Fiqh zu studieren, was für die richtige Anbetung Allahs benötigt wird. Als Drittes kam Tasawwuf für die nötige Aufrichtigkeit. Die Voraussetzung für alle drei ist die Beherrschung des Werkzeugs: das Arabische. Es ist Vehikel, durch das wir Zugang zu den Bedeutungen des Dins bekommen.

Das heißt in keinem Fall, dass man nicht Muslim sei, wenn man nicht Arabisch spricht. Es gibt viele Muslime ohne Kenntnis dieser Sprache, die besser als die Araber waren und sind. Die Kenntnis ist aber nötig, um die Bedeutungen des Qur’an zu verstehen. Der beste Weg des Lernens für den Adschami [den Nichtaraber] ist das Studium von Grammatik (Nahw) und Struktur. Den Anfang machte Saijiduna ‘Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Weitergeführt und ausgebreitet wurde diese Aufgabe durch die persischen Gelehrten, die sich ebenfalls des Arabischen bemächtigen mussten.

Wichtig ist auch die Kenntnis der Bedeutung von Worten im Augenblick der Offenbarung. Im zeitgenössischen Arabisch wurden Begriffe aus dem Qur’an entwertet beziehungsweise umgedeutet. Das ist auf eine sehr dumme Weise geschehen. Ich hörte Leute Dinge sagen, die nichts mit der Natur der klassischen Sprache zu tun haben. So wie jüngst eine Lehrerin für arabische Geschichte, die meinte, „Adam“ sei nicht der Name einer Person, sondern ein Wort für „menschliche Wesen“. Es wird heute kein traditionelles Wissen vermittelt. Längst kann sich jeder, der auf zwei Beinen laufen kann, anmaßen Arabisch zu unterrichten. Dadurch verbreiten sich viele falsche ­Informationen über den Islam

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Time am 10. August 2015

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1) http://www.islamische-zeitung.de/?id=19380
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/08/evidentes-lugen/

Schlagwörter:

2 Antworten to “Unerschöpfliche Quelle der Wurzelstrukturen”

  1. Sophist X Says:

    Ich habe das alles zur Gänze gelesen, und es ist hängengeblieben, dass Arabisch (d.h. das koranische Arabisch, nicht das moderne) eine mathematisch exakte Sprache ist, die aber unendlich viele Deutungen zulässt. Also eigentlich das Gegenteil von exakt. Himmel, ein Schmarren.

  2. Time Says:

    Und WAS für ein Schmarren! Was für eine ungeheuerliche Schande für die Menschheit, dies hervorgebracht zu haben!

    Am Anfang stand der unstillbare Hunger eines intellektuellen, psychischen und emotionalen Losers, und seit dessen Gewaltherrschaft pressen nunmehr 1,5 Milliarden Menschen – Tendenz steigend – die Realität in seinen beschränkten Rahmen.

    „Meine Lehrer in Mauretanien lehrten mich, mein Studium mit ‘Aqida zu beginnen, um dann Fiqh zu studieren, was für die richtige Anbetung Allahs benötigt wird.“

    „Die richtige Anbetung Allahs“, das ist der Sand, den der bösartige Klo H. Metzel seinen Anbetern in die Augen streute, vor 1.400 Jahren. Ein Fünftel der Menschheit ist blind und geistig schwer geschädigt. Dagegen nehmen sich die 10% Schwund der Russen doch recht kommod aus.

    „We’ve got troubles – that’s for sure“ (M. Jagger)

    Ich grüße Sie herzlich,

    Time

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    PS: https://www.youtube.com/watch?v=RIlj0Yu59hA

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