Ideologische Vorprägung

Helfer

Einen ungewöhnlich kritischen Kommentar zum Migrationsproblem lieferte Wirtschaftskorrespondent Winand von Petersdorff-Campen in der heutigen FAZ (1).

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Lügen in Zeiten der Migration

Nützt Deutschland die Migration? Manche Studien behaupten das. Aber manche Forscher wollen lieber gut als wahrhaftig sein.

Die Behauptung, dass Migration den aufnehmenden Ländern nütze, macht die Runde. Länder wie Deutschland würden reicher und bunter. Internationaler Währungsfonds, Weltbank und Nichtregierungsorganisationen verbreiten die These. Die frohe Botschaft bekommt Flügel, weil ihr all die guten Menschen Auftrieb verleihen.

Aber wie glaubwürdig sind solche Aussagen? Die Auswahl der Studien, die die Günstigkeit der Einwanderung beweisen sollen, ist vorgeprägt von einer Moral, die Migration gutheißt. Nie würde eine Organisation wie die Weltbank Marketing für die Idee machen, dass Migration den aufnehmenden Ländern schadet. Am Ende ist es all den Entwicklungsinstitutionen im Geschäft der Politikberatung wichtiger, gut zu sein als wahrhaftig.

Ein Migrationsforscher warnt vor seinen Kollegen

Parteiisch ist auch ein Teil der Wissenschaft, die mit ihren Simulationen bewiesen haben will, dass die Weltgemeinschaft von der Grenzenlosigkeit nur profitiert. Der führende Migrationsforscher der Welt, der aus Kuba stammende und in Harvard lehrende Ökonom Jorge Borjas, warnt ausdrücklich vor seinen Kollegen: „Hütet euch vor jenen Sozialingenieuren, die der Welt Billionen versprechen, wenn sie nur ihre Grenzen niederreißt. Ihre Versprechen beruhen auf windigen Modellen und ungenügenden Beweisen.“

Fadenscheinig ist das Pro-Migrations Argument, die Einwanderer und Flüchtlinge befreiten die deutsche Gesellschaft vom Los der Vergreisung. Wer so etwas verbreitet, will vermutlich lieber nicht, dass man mal nachrechnet. In dem sehr theoretischen Fall, dass Deutschland eine Million 25-Jährige ins Land ließe, würde das Durchschnittsalter der Deutschen von 43 auf 41 Jahre sinken. Das ist nicht der große Durchbruch. Entscheidend ist die Integration der Migranten in den Arbeitsmarkt, um die finanziellen Lasten einer vergreisenden Gesellschaft auf mehrere Schultern zu verteilen. Es ist aber gerade nicht klar, ob das gelingt.

Als Westdeutschland vor 50 Jahren über Gastarbeiter debattierte, sagte der Schriftsteller Max Frisch den Satz: „Wir haben Arbeitskräfte gerufen, und es sind Menschen gekommen.“ Wir wissen schlicht nicht, ob alle gut mitarbeiten können, ob sie die Kraft aufbringen, das Alte hinter sich zu lassen, um sich gut einzugliedern, und wie hoch die wahren Kosten ihrer Integration sind. Wir wissen noch nicht einmal, ob die Flüchtlinge unter den Migranten denn bleiben werden, wenn sich ihre Heimatländer beruhigt haben.

Was wir allerdings doch gelernt haben, ist, dass sich Migranten schwer aufhalten lassen. Dies widerspricht dem Eindruck, den Politiker zu vermitteln trachteten. Sie reagierten auf die Flüchtlingsströme mit der Forderung, man müsse den Schleusern das Handwerk legen. Die jüngere Geschichte der Migration ist die einer Militarisierung der europäischen Südgrenze, die in Spanien begann, in Italien fortgesetzt wurde und nun Osteuropa erreicht. Europa gibt jetzt schon Milliarden für die Überwachung und Abwehr der Flüchtlinge aus und züchtet damit Spezialisten heran, die von europäischen Politikern als menschenverachtende Schleuser verunglimpft und von vielen Flüchtlingen eher als Dienstleister der Freiheit empfunden werden. Die Politik wird die Schleuser nicht bremsen, indem sie die Kontrollen verschärft. Im Gegenteil bringt man die Schleuser damit erst ins Geschäft. An grünen Grenzen gibt es keine Menschenschmuggler.

Wenn die deutsche Politik die Kontrolle über Zuwanderung behalten will, ohne einen eisernen Vorhang rund um Europa zu errichten, dann muss sie selbst ins Geschäft des Schleusens einsteigen und die Beförderung der Leute organisieren, die sie haben will. Das muss nicht unentgeltlich sein. Die Flüchtlinge zahlen ihren Schleusern vierstellige Beträge für ihre Passagen.

Noch eine kleine elegante Lüge macht die Runde: Der Strom der Einwanderer sei auszutrocknen, wenn man die Herkunftsländer befriede oder in sie investiere. Na dann, viel Spaß beim Versuch, Syrien, den Irak oder Libyen zu bändigen. Viel Erfolg auch in Bulgarien und Albanien, die jetzt schon von der internationalen Gebergemeinschaft stark unterstützt werden. Für die Zuwanderung gibt es keine einfache Lösung. Man kann aber mit guten Gründen die Zuwanderung möglich machen, selbst wenn ihre Nützlichkeit nicht ausgemacht ist.

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Time am 11. Oktober 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/kommentar-luegen-in-zeiten-der-migration-13849864.html

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Eine Antwort to “Ideologische Vorprägung”

  1. dentix07 Says:

    >Noch eine kleine elegante Lüge macht die Runde: Der Strom der Einwanderer sei auszutrocknen, wenn man die Herkunftsländer befriede oder in sie investiere. Na dann, viel Spaß beim Versuch, Syrien, den Irak oder Libyen zu bändigen. Viel Erfolg auch in Bulgarien und Albanien,….<

    Oder Ereitrea!

    Glauben die tatsächlich die Machthaber z.B. in Ereitrea würden vor europäischem Winken mit Euroscheinen oder dem erhobenen Zeigefinger und den Worten: "Dududu! Das macht man aber nicht! Diktatur ist böse!" in die Knie gehen und sich reumütig demokratischen Wahlen stellen und sich fürderhin an Menschenrechte halten, einen Rechtsstaat aufbauen?

    Den Flüchtlingsstrom an der Wurzel packen und durch Veränderung der Lage in den Heimatländern austrocknen ist eine schöne Idee! Allein, sie wird ohne Einsatz massiver militärischer Gewalt nicht erreichbar sein!

    Sind wir bereit den Preis dafür zu zahlen?

    Viele unserer jungen Männer (die Frauen brauchen ja doch nicht) im Zinnsarg heimkehren zu sehen, eine lange Zeit der Besetzung zu bezahlen, die auch nicht billiger wird als die Begleichung der derzeitigen Rechnung (bis tatsächlich ein Umdenken in den Köpfen stattgefunden hat), als Invasoren, und nicht als Befreier, gesehen zu werden, …?
    Obendrein: Nur dort wo eine Allianz mit voller Kraft gekämpft hat, also sich die Länder als im Krieg befindlich gesehen haben, hat die Demokratisierung geklappt, s. Deutschland und Japan. Überall dort, wo einzelne Länder, oder kleinere Allianzen, nur mit halber Kraft, bzw, mit einer Hand auf den Rücken gefesselt, kämpften, wars ein Mißerfolg: Vietnam, Afghanistan, Irak …

    Und selbst wenn wir bereit wären diesen Preis zu zahlen und so zu kämpfen, können wir das? Wir (!?) Europäer allein; nein! Zusammen mit den USA, jein, eher auch nein! Es müssten schon mindestens noch China und Rußland mit im Boot sitzen, neben Kanada, Australien, Skandinavien und einigen anderen!

    Zur Zeit schlicht illusorisch!

    Und leider weiß ich auch keine Lösung!

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