Keine Satire

Galgen

Etlichen MSM ist der Auftritt von Salman Rushdie auf der Frankfurter Buchmesse einen Artikel wert. Rushdie stellte die Meinungsfreiheit in den Mittelpunkt.

Ich stimme Rushdie zu und bin der Ansicht, dass die Meinungsfreiheit einzig Aufrufe zu Gewalt und Mord ausschließen sollte. Ich lehne daher z.B. die zur Schau gestellten Mordinstrumente auf der letzten PEGIDA-Demo voll und ganz ab (1), weiß aber natürlich auch, dass sie eine etwas derbere Satire darstellen, während Mordaufrufe von Mohammedanisten stets die tatsächliche Liquidation des Delinquenten bedeuten.

Lesen Sie in der Folge einen Artikel vom ARD (2) sowie einen Kommentar von Jürgen Kaube aus der FAZ (3).

_____

Autor Rushdie ruft zum Kampf für Meinungsfreiheit auf

Der britisch-indische Autor Salman Rushdie hat zum weltweiten Kampf für die Meinungsfreiheit aufgerufen. Schriftsteller und Verleger würden vor allem durch religiöse Intoleranz bedroht. „Publizieren fühlt sich immer mehr wie Krieg an“, sagte er am Dienstag auf der Auftakt-Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse.

„Ohne Meinungsfreiheit gibt es keine anderen Rechte“, betonte der 68-jährige Autor. „Eigentlich sollten wir nicht wegen der Freiheit des Wortes diskutieren müssen.“ Heute gehe die Bedrohung der Meinungsfreiheit erneut von religiöser Intoleranz aus. Besonders schlimm sei, dass manche westlichen Denker sie nicht für ein universelles Prinzip hielten, sondern für kulturell spezifisch und gültig nur in bestimmten Ländern. „Die Meinungsfreiheit ist universell“, erklärte Rushdie vehement. Verleger und Autoren müssten den Bedrohungen standhalten.

Die „Gefährlichkeit“ der Literatur sei darin begründet, dass sie die Familie, die Politik und die Religion hinterfrage. Damit bedrohe sie diejenigen, die die Geschichte kontrollieren wollten. Deshalb verfolgten Diktatoren Schriftsteller. „Die Kunst, die Literatur an sich ist stark, man kann sie nicht zerstören“, sagte Rushdie. „Aber Schriftsteller können zerstört werden.“ Dennoch müssten Autoren und Verleger ihre Rolle füllen, auch wenn sie nicht über Gewehre oder Panzer verfügten: „Sie sind Bürger mit einem Megaphon in der Hand, und sie müssen es benutzen.“

Rushdie war nach seinem Buch „Die satanischen Verse“ 1989 mit einer „Fatwa“ belegt worden. Radikale Muslime hatten seinen Roman als gotteslästerlich empfunden und ein Todesurteil über ihn verhängt. Der Autor lebte jahrelang im Untergrund. Im neuen Buch, das vor wenigen Wochen auf den Markt kam, beschäftigt sich Rushdie erneut mit religiösem Fanatismus. Wegen der Anwesenheit Rushdies auf der Buchmesse hat der Iran seine Teilnahme an der Messe abgesagt. Buchmessen-Direktor Juergen Boos hatte am Montag diese Entscheidung bedauert, die Einladung Rushdies aber verteidigt.

Während der Pressekonferenz erinnerte Boos an das Jahr 1989, als sich 19 deutschsprachige Verlage zusammenschlossen, um trotz aller Bedrohung Rushdies „Satanische Verse“ zu veröffentlichen. Er bedauert, dass der Iran wegen Rushdie seinen Auftritt auf der Messe abgesagt hat. „Wir verpassen damit eine Gelegenheit, Ideen auszutauschen.“

Der Vorsteher des Börsenvereins, Heinrich Riethmüller, bedauerte, dass Rushdie immer noch mit einer Todesdrohung belegt sei. Die Meinungsfreiheit sei nicht nur die Basis einer demokratischen Gesellschaft, sondern auch der Buchbranche. Von der diesjährigen Frankfurter Buchmesse gehe gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingsströme der Ruf nach Freiheit und Toleranz in die Welt.

Die 67. Frankfurter Buchmesse wird am Dienstagabend offiziell eröffnet. Auf dem weltgrößten Branchentreff werden bis zum 18. Oktober mehr als 7000 Aussteller aus rund 100 Ländern erwartet. Gastland ist dieses Jahr Indonesien. Die Organisatoren in Frankfurt haben die „politischste“ Messe seit langem versprochen.

_____

Seid nicht sklavisch

Salman Rushdies Plädoyer für die Meinungsfreiheit als Zentrum der Menschenrechte zielt auf den Irrtum, dass Freiheit ein Merkmal privater Handlungen sei. Selbst Sklaven können feiern.

Die Worte, mit denen Salman Rushdie die Frankfurter Buchmesse eröffnet, berühren eine politische Kernfrage. Wie stark machen wir uns in dem, was wir tun und sagen, abhängig von dem, was andere womöglich darüber denken?

Der Kampf um die Meinungsfreiheit, der mit religiösen Eiferern ausgetragen wird, die ihre eigene Empfindlichkeit zum Maßstab aller Kommunikation erheben wollen, bietet nur das drastischste Beispiel. Fanatismus der Gefühle ist auch dem Westen nicht fremd. Ihm galt Rushdies Hinweis auf amerikanische Diskussionen darüber, ob Bücher mit beunruhigendem Inhalt nicht entsprechend gekennzeichnet werden sollten. In New York bewiesen jüngst Jurastudenten, wohin die Unfähigkeit zu sachlichen Einstellungen führt. Sie protestierten gegen Kurse über den Straftatbestand der Vergewaltigung, weil schon das Wort „rape“ Empfindungen verletzen könne. 2008 war ein Student aus Indiana des Rassismus bezichtigt worden, weil auf einem Buch, das er las, Mitglieder des Ku-Klux-Klans abgebildet waren – es handelte sich um ein Buch gegen den Ku-Klux-Klan. An der Rutgers Universität haben Studenten im vergangen Jahr verlangt, vor Virginia Woolfs Roman „Mrs. Dalloway“ zu warnen, weil darin ein Selbstmord vorkommt. An der Columbia Universität ereilten Ovids „Metamorphosen“ dasselbe Schicksal: zu viele sexuelle Übergriffe (von Göttern auf Menschen).

Alles nur akademische Exzesse, die außer „political correctness“ auch noch emotionale fordern? Salman Rushdies Plädoyer für die Meinungsfreiheit als Zentrum der Menschenrechte zielt nicht auf Randerscheinungen – sondern auf den Irrtum, dass im Zentrum der Menschenrechte das Wohlergehen und das gute Leben stehen, in dem jeder möglichst viel von dem tun kann, was er will. Rushdies Landsmann, der Ideengeschichtler Quentin Skinner, hat darauf hingewiesen, dass das auch die Sklaven in den römischen Komödien können. Sie führen den Haushalt, gehen einkaufen, feiern Partys. Und bleiben dabei doch immer Sklaven, weil alles unter dem Vorbehalt steht, dass der Herr ihrem Treiben zustimmt.

Freiheit, heißt das, ist kein Merkmal privater Handlungen, sondern das eines politischen Zustands. Genau darum ist die Meinungsfreiheit der Testfall: weil mit dem Eindruck, es gebe politisch Wichtigeres, die Selbstversklavung beginnt.

_____

Time am 13. Oktober 2015

_____

1) http://www.tagesspiegel.de/politik/pegida-der-galgen-ist-nicht-das-groesste-problem/12444138.html
2) http://hessenschau.de/kultur/autor-rushdie-ruft-zur-buchmesse-zum-kampf-fuer-meinungsfreiheit-auf,buchmesse-rushdie-100.html
3) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buchmesse/themen/juergen-kaube-ueber-rushdies-rede-auf-der-buchmesse-13854992.html

Schlagwörter: , , ,

Eine Antwort to “Keine Satire”

  1. winnie Says:

    Lustig, dass es 1,4 Mrd. Bückbetern seit Jahrzehnten nicht gelingt
    einen Rushdie zu eliminieren. Von Israel ganz zu schweigen. Allah muss ein kompletter Idiot sein. Darauf einen Dujardin & Schweinebraten!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: