Islam verschwunden

Indonesien

Auf „FAZ.NET“ brachte es Felix-Emeric Tota fertig, einen lobenden Artikel über den indonesischen Auftritt bei der Frankfurter Buchmesse zu verfassen (1), in dem nicht ein einziges Mal das Wort „Islam“ vorkam. Bravo, bravo, bravo!

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Das indonesische Buchmessen-Archipel

Die Türen stehen offen, und immer wieder duftet es überwältigend nach Gewürzen: Mit seinem Auftritt als Ehrengast der Buchmesse lädt das viertbevölkerungsreichste Land der Welt alle Europäer ein, sich die Literatur und Kultur des indonesischen Archipels zu erschließen. Jedoch „nicht als Touristen, sondern als Entdecker“, wie Goenawan Mohamad, Leiter des Ehrengast-Komitees im Vorfeld ankündigte. In Europa scheint Indonesien ein unbekanntes Land zu sein, unbekannt, weil es sich auf über 17.000 Inseln verteilt und eine vielschichtige Kultur mit sich bringt. Das Ehrengast-Komitee sieht die Rolle Indonesiens auf der Buchmesse als eine Gelegenheit an, ihre Literatur und Kultur der internationalen Literaturbühne und Leserschaft näher zu bringen. Doch wie kann man die breite Fächerung der indonesischen Inselwelt nach Deutschland auf die Buchmesse übersetzen? Betrachtet man den Pavillon, scheint es, als hätten sich die Organisatoren konzeptionell auf das indonesische Staatsmotto „Einheit durch Vielfalt“ besonnen.

Im indonesischen Pavillon findet man unter dem Titel „17.000 Islands of Imagination“ en miniature eine begehbare Inselwelt vor, durch die man von einem kulturellen Gesichtspunkt zum anderen vordringen kann. Zusammengehalten wird sie durch die vorgestellten Bücher, doch öffnet sich an den Stationen immer eine zweite, kulturelle Ebene, die das indonesische Leben und ihre Themen auffächert. Dabei werden moderne und traditionelle Aspekte und Exponate einander gegenüber- und ausgestellt.

Die Reichhaltigkeit des indonesischen Pavillons zeichnet sich dadurch aus, dass das Buch als solches nicht künstlich in den Mittelpunkt gerückt, sondern vielmehr Gewicht auf die Themen und Faktoren gelegt wird, durch die indonesische Bücher entstehen. Bücher werden heutzutage noch von Menschen geschrieben, deswegen bleibt nun mal auch federführend, wie Menschen leben. Und das vermittelt sich bei einem ersten Rundgang am Erstaunlichsten der Nase.

Auf der „Island of spices“ sind unerschöpflich viele Gewürze wie auf einem modernen Markt ausgestellt und zur Untersuchung angeboten. Garniert ist das Ensemble mit einer Vielzahl von kulinarischer Bücher. Die naheliegende „Island of tales“ versammelt indonesische Kinderbücher und Bedtimestories. Sie zeigt anschaulich, mit welchen Bildern und Geschichten man in Indonesien aufwächst. Auf der „Island of illumination“ werden ganz museal alte Manuskripte und Bücher ausgestellt. Unter den Glaskästen zeigt sich durch diese Exponate – von der Schriftrolle über Bambusplatten zur normalen Buchseite – eine Kulturgeschichte indonesischer Schriftträger.

So viele Meter wie Jahrzehnte weiter präsentiert Indonesiens auf der „Island of inquiry“ aber auch seine modernen Facetten. In einem Rondell aus Touchscreens arrangiert können die Besucher Bildungssoftware und Animationen für Schüler von der siebten Klasse an bis zur Universität bedienen, wobei die Schrecken der jüngsten Zeit nicht ausgenommen werden. In Anlehnung an den Tsunami 2004 beispielsweise können die Mechanismen von Küsten und Wellenbewegungen interaktiv simuliert und so die dahinter wirkenden Prozesse von den Schülern verstanden werden, die die Lernsoftware benutzen.

Die Touchscreens gewähren Zugang zu einer riesigen Datendank der indonesischen Kunst und Kultur. Teil davon ist auch die große und lange Tradition von indonesischen Comics, die sich seit den Dreißigern großer Beliebtheit in dem Archipel erfreuen. Ihre Geschichte wird sehr ansprechend auf der „Island of images“ erzählt.

So vielfältig Indonesien auftritt, so elegant gegensätzlich sind die Anknüpfungspunkte der Inseln. Von der „Island of images“ ist es nicht weit zur „Island of words“, die dem Anlass entsprechend das Kernstück darstellt. In vielen Sprachen und Übersetzungen versammeln sich auf dieser Insel Bücher von eigenen sowie internationalen Verlegern zu Politik, Geschichte, Religion, zu indonesischer Kultur und Literatur.

Von den Decken hängen zwischen den Inseln illuminierte Mobiles mit indonesischen Motiven und Zitate indonesischer Autoren, die die Besucher immer wieder zum Buchbezug des Pavillons zurückrufen, da sich neben der Literatur viele andere kulturelle Nuancen auftun. Bei der ersten Präsentation des Pavillons folgt auf den Rundgang ein Konzert, das indonesische Musik auf traditionellen Instrumenten zum Besten gibt: eine Vorschau auf die vielen Vorführungen, die während der Buchmesse dort gehalten werden. Neben den Lesungen werden auch Konzerte und Theaterstücke zu besuchen sein und nicht nur die Bandbreite Indonesiens repräsentieren, sondern auch ein breit interessiertes Publikum ansprechen.

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Time am 17. Oktober 2015

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1) http://blogs.faz.net/buchmesse/2015/10/13/das-indonesische-buchmessen-archipel-437/

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3 Antworten to “Islam verschwunden”

  1. Sophist X Says:

    Laut amtlicher Legende in Medien und Politik ist Indonesien ein moderater islamischer Staat. Der Autor hat vermutlich der Wirkung dieser Legende vertraut, als er diese schöngefärbte Verlautbarung verfasste.
    Freilich kann jeder in ein paar Sekunden herausfinden, wie moderater Islam in Indonesien aussieht.
    So wurden von 2004 bis 2013 430 Kirchen zerstört, geschlossen oder abgebrannt, wogegen die Regierung eher symbolische Maßnahmen ergreift.
    h t tps://www.hrw.org/news/2013/03/25/indonesia-order-end-church-demolitions

    De facto gibt es tatsächlich liberale Medien und freie Wahlen. Letztere haben aber in der traditionell islamischen Provinz Aceh zur Einführung der Scharia geführt.
    Laut einer Meldung war Indonesien 2014 unter den Top Fünf der Staaten, in denen Nichtmoslems am meisten unterdrückt und verfolgt werden, sowohl von staatlicher als aucht nichtstaatlicher Seite. Die anderen vier waren Afghanistan, Ägypten, Saudi Arabien und Jemen.
    h t tp://thediplomat.com/2014/12/is-indonesia-really-the-worlds-most-tolerant-muslim-country/

  2. backbone Says:

    Gerade läuft bei 3SAT eine Sendung über Indonesien.Die Konflikte, die dort aufgrund der Ideologie Islam herrschen werden natürlich wieder
    auf alles mögliche geschoben nur nicht auf die Ursache Islam.Die üblichen schön geredeten Märchen aus 1001 Nacht.
    „Großartige“ junge Männer treten dort auf, vor meist jungen Leuten,
    um zu verkünden, dass es zwischen Islam und Christentum mehr verbindende als trennende Elemente gibt und die Masse ist begeistert und nimm das an.

    Ausnahmsweise habe ich mir das angetan. Unerträglich.
    Zum Glück ist die Sendung am Ende.

    Aber es gibt ja „zum Glück“ auf allen anderen Sendern noch weitere Kostproben dieses Wahnsinns.

  3. Time Says:

    Im Zusammenhang mit Osttimor habe ich vor fünf Jahren unter

    https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/05/24/osttimor-sieg-des-counterjihad/

    und

    https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/09/18/schaut-auf-osttimor/

    Beiträge über Indonesien in die MoT gestellt.

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