Terrortataren verdunkeln die Krim

Krimtataren

Seit Sonntag haben 2,3 Millionen auf der Krim keinen Strom, weil die Leitungen sabotiert wurden.

Reparaturtrupps wollen die Krimtataren, die der Ansicht sind, dass ihnen die Krim gehört, nur durchlassen, wenn ihre Forderungen an Russland erfüllt werden, was auf ihre Täterschaft schließen lässt (1).

Hunderte werden wegen der Versorgungslücke sterben, aber die Welt schaut lieber auf Paris, obwohl der Jihad der Krimtorks weit effektiver ist.

Lesen Sie einen Bericht von Denis Trubetskoy aus der „Zeit“. (2)

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Im Dunkeln

Die Krim im Ausnahmezustand: 2,3 Millionen Menschen haben keinen Strom. Die Stromkrise markiert einen neuen Tiefpunkt der Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland.

Auch auf der Krim hatte so etwas niemand für möglich gehalten, doch in der Nacht zum Sonntag um Mitternacht fielen die zwei verbliebenen Stromleitungen aus, die vom ukrainischen Festland zur russisch besetzten Halbinsel Krim führen. Sie wurden vermutlich gesprengt. Zwei weitere können seit Tagen aus demselben Grund nicht mehr benutzt werden.

Die 2,3 Millionen Krim-Bewohner waren weitgehend ohne Strom: Fernseher gingen aus, Mobilfunknetze kollabierten. Nur in der Hauptstadt Simferopol und im Umland wurden ab dem Morgen danach die Haushalte wieder mit Strom versorgt, allerdings nur für sechs Stunden pro Tag. Doch viele kleinere Orte müssen ganz ohne Strom auskommen. Auf der Krim wurde der Notstand ausgerufen.

Es gleicht einem Albtraum, was sich auf der Schwarzmeerhalbinsel gerade abspielt. Dunkle Straßen, Schulen und Kindergärten geschlossen, große Probleme mit dem Mobilfunknetz, Schwierigkeiten mit Lebensmittelversorgung – und all das wohl für längere Zeit. Laut dem Ministerpräsidenten der Krim, Sergej Aksjonow, könnte die Stromkrise bis Jahresende dauern. Dann soll der erste Teil der sogenannten Energiebrücke fertig werden: ein Unterseekabel in der Straße von Kertsch, das die Krim mit dem russischen Festland verbinden soll.

Die jetzt ausgebrochene Stromkrise hat eine Vorgeschichte, die im September begann. Damals riefen die führenden Figuren des Medschlis, der Hauptsammlung der Krimtataren, zur „zivilen Blockade der Krim“ auf. „Wir dürfen nicht weiter zuschauen, wie Russland die Menschenrechte verletzt, wie die Krimtataren und andere proukrainische Gruppen politisch verfolgt werden. Wie kann die Ukraine mit dem Okkupationsregime auf der Krim noch Handel treiben?“, begründete der Anführer des Medschlis, Refat Tschubarow, die Aktion. Er und seine Verbündeten wollten mit einer Blockade der Krim Druck auf Moskau aufbauen.

Seit zwei Monaten blockieren proukrainische Krimtataren und Anhänger des Rechten Sektors Lkws, die Lebensmittel aus der Ukraine auf die Krim bringen sollen. Eine eigenmächtige Aktion der Aktivisten ohne rechtliche Grundlage oder Erlaubnis der Regierung in Kiew. Doch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat auch nichts gegen die teils bewaffneten Aktivisten der Blockade unternommen, vermutlich wäre es für die Polizei zu gefährlich. Die ukrainische Regierung duldete die Krim-Blockade.

„Ich weiß nicht, wer die Strommasten gesprengt hat. Aber ich kann erklären, warum es getan wurde“, sagte Ajder Muschdabajew, der stellvertretende Generaldirektor des krimtatarischen Senders ATR und einer der wichtigsten Figuren der Blockade-Aktion. Er selbst will keine Verantwortung übernehmen, die Sprengung aber auch nicht verurteilen. Noch ist unklar, was genau geschehen ist, doch nicht nur die Worte Muschdabajews deuten daraufhin, dass die Aktivisten der „zivilen Blockade der Krim“ daran beteiligt waren. Denn es sind diese Aktivisten, die nun die Reparatur der Stromleitungen verhindern.

Entfremdung zwischen der Krim und der Ukraine

Jetzt muss das offizielle Kiew reagieren, voraussichtlich wird die Regierung die Blockade unterstützen. Präsident Petro Poroschenko hat schon in Aussicht gestellt, dass der Handel mit der von Russland besetzten Halbinsel eingestellt werden wird. „Die Leute, die den Energievertrag mit der Krim unterschrieben haben, müssen bestraft werden“, sagt der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk – und meint damit vor allem den eigenen Energieminister Wolodymyr Demtschyschyn.

Für die Krim bedeutet dies vor allem, dass die Regierung von Aksjonow mit Strom vom ukrainischen Festland zunächst nicht rechnen kann, vielleicht sogar gar nicht mehr. Das ist ein großes Problem, weil die Strominfrastruktur bislang vom ukrainischen Festland abhängt. Das stellt nun vor allem Moskau vor große Probleme. Die Krim wird derzeit mit Dieselgeneratoren notfallmäßig mit Strom versorgt. Das macht den Strom aber im Vergleich zu Lieferungen aus der Ukraine sechsmal teurer und damit das Abenteuer Krim für Moskau zu einem Millionengrab. Und selbst wenn der erste Teil der sogenannten Energiebrücke bis Ende Dezember fertig werden sollte, ist das nur ein Anfang. Bis ein autonomes und stabiles Energiesystem auf der Krim aufgebaut ist, könnte es noch Jahre dauern. Insgesamt ist die Stromkrise für Russland heikel, weil die ohnehin schwache Wirtschaft der Krim nun weiter einbrechen könnte.

Ein politischer Vorteil für Russland

Politisch aber könnte die aktuelle Lage auch Vorteile für Moskau bringen. Denn die Akzeptanz der Ukraine wird unter den Krimbewohnern weiter sinken. „Für mich ist es eine absolute Katastrophe“, sagt etwa der Besitzer eines Lebensmittelgeschäftes am Rande von Simferopol. „Wenn es so weitergeht, bin ich in einigen Tagen pleite. Vielen Dank dafür an Kiew – und auch an die Krimtataren.“ So sieht es die Mehrheit der Krim-Bevölkerung, die Kiew für die Stromprobleme verantwortlich macht. Gegen die Annexion der Krim durch Russland haben die meisten Menschen hier nichts einzuwenden, auch wenn die große Begeisterung längst vergangen ist.

Kritik gibt es allerdings an der Krim-Regierung unter Aksjonow. In einer langen Schlange vor einem Geschäft im Zentrum von Simferopol, in dem es noch Kerzen zu kaufen gibt, sagt eine ältere Dame: „Putin kann nicht alles richten. Doch die Leute um Aksjonow hätten damit rechnen können, dass sowas passiert.“ Und ein Rentner fügt hinzu: „Wie kann es sein, dass man sich in anderthalb Jahren nicht darauf vorbereitet hat, das ist unglaublich. Und dabei betonen alle immer: Wir sind auf alles vorbereitet, wir fürchten uns vor nichts. Eine Lüge!“ Doch die Annexion vom März 2014 wird auch hier nicht in Frage gestellt.

Die Stromblockade wird die Entfremdung zwischen der Krim und der Ukraine vertiefen und den Konflikt zwischen Kiew und Moskau verstärken.

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Time am 25. November 2015

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2015/09/18/krimtorks-eroeffnen-jihad/
2) http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-11/ukraine-strom-krim-krise-warenverkehr-stromleitungen/komplettansicht

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Eine Antwort to “Terrortataren verdunkeln die Krim”

  1. Sophist X Says:

    Dadurch wird nur klar, dass es minderbemitteltes Gesindel ist. Politisch ist diese Sabotage reine Selbstverstümmelung der Aktivisten (natürlich „Aktivisten“, die Propagandaorgane bleiben auf Linie).
    Es war aber vielleicht naiv zu glauben, die Krimterroristen würden so etwas komplett Sinnloses nicht versuchen.

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