Eine faschistische Ideologie

Nazislahm

Dass der Nazislahm eine Spielart oder vielmehr Urart des Nationalsozialismus ist, ist seit Jahren eine Kernthese des Counterjihad.

Neu ist, dass diese These immer weitere Kreise zieht und z.B. auch in der bolschewistischen Wochenzeitung „Freitag“ von Michael Jäger aufgegriffen wird (1).

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Ode an den Tod

IS: Seine Jünger im Westen sind „aktive Nihilisten“, schreibt Jürgen Manemann. Parallelen zum klassischen Faschismus sind unübersehbar.

Jürgen Manemanns Büchlein „Der Dschihad und der Nihilismus des Westens“ erscheint zum rechten Zeitpunkt. Warum ziehen junge Europäer in den Krieg? lautet der Untertitel. Die Attentäter von Paris waren kein Nahostimport. Was Manemann zeigen will und mit Zahlen und Fakten untermauert: Solche Männer sind nicht etwa einer extremistischen Religion erlegen. Im Gegenteil, Religion spielt in ihren Erwägungen kaum eine Rolle, und sie kennen sich wenig in ihr aus.

Innerhalb Europas werden die meisten IS-Kämpfer in Belgien rekrutiert: 400 Muslime von 400.000. In Ägypten aber zum Beispiel, wo es 70 Millionen Muslime gibt, sind maximal 3.000 Menschen beigetreten. Die Ägypter werden über den Islam Bescheid wissen, die Teilnehmer der terroristischen „Sauerland-Gruppe“ berichten aber, dass es religiöse Unterweisung im Ausbildungslager kaum gegeben habe.

Auch der deutsche Verfassungsschutz spricht der religiösen Motivation keine bedeutende Rolle zu. Sogar der Salafismus scheint mehr eine Jugendprotest- als eine Erweckungsbewegung zu sein. Und auch aus Österreich hören wir, dass paradoxerweise gerade bei denjenigen Dschihadisten, die zum Islam konvertiert sind, ein religiöser Hintergrund gefehlt habe.

Aber wenn nicht die Religion, was ist es dann sonst? Der frühere Dschihadist Irfan Peci, ein Bosnier, der später V-Mann wurde, sagt: „Ich bin immer noch gläubiger Muslim. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann war mein Glaube nicht der Hauptgrund dafür, einen amerikanischen GI halb zu Tode zu treten. Es war etwas anderes. Ich wollte stark sein. Ich wollte Chef sein. Ich wollte der Langeweile entkommen.“ Die Situation, aus der heraus es zu solchen Sätzen kommt, scheint exemplarisch. „Immer mehr Menschen, vor allem junge Menschen, verlieren die Kontrolle über das eigene Leben“, stellt Manemann fest. Dieser Kontrollverlust tritt aber nicht nur ein, wenn einer den Arbeitsplatz verliert. Viele spätere Dschihadisten waren sozial gut integriert, doch ein kleines Scheitern überforderte sie schon. Zum Beispiel, dass einer sich mit seinem Vater überwarf. Youssef el-Hajdib, der Kofferbomber von Köln, wollte Ingenieur werden, um die Ehre seiner verarmten Familie wiederherzustellen – da jedoch der Studienerfolg auf sich warten ließ, dachte er, die Teilnahme am Krieg sei auch ein Weg. Das Internet unterstützt solche Kurzschlüsse. „Der Sprung von der Virtualität in die Realität ist ein Klacks“, sagt Irfan Peci. Und wie Olivier Roy, ein Politikwissenschaftler, ergänzt, „haben Gewaltfilme sehr großen Erfolg in den französischen Banlieues“.

Da unterscheiden sich IS-Jünger nicht sehr von prügelnden Neonazis. Auch ihnen scheint der Unterschied von Virtualität und Realität zu verschwimmen. „Der jugendliche Mörder, der Jagd auf Wehrlose macht, gibt, nach seinen Motiven gefragt, folgende Auskünfte: ‚Ich habe mir nichts dabei gedacht.‘ – ‚Mir war langweilig.‘ – ‚Die Ausländer waren mir irgendwie unangenehm.‘ Das genügt.“ So wird Hans Magnus Enzensberger zitiert. Im Vordergrund stehe „das Verlangen nach der leeren Aggression“. Am interessanten und wichtigsten ist aber die „Langeweile“. Von ihr scheinen Neonazis wie Dschihadisten befallen zu sein, und man kennt sie als Stichwort, das eine nihilistische Situation andeutet.

„Aktiver Nihilismus“ ist Manemanns Diagnose, die übrigens von Navid Kermani geteilt wird (Dynamit des Geistes, Göttingen 2002). Der aktive Nihilist leidet darunter, dass es neben ihm noch andere gibt. Angst vor dem Fremden, in der sich Todesangst kristallisiert, ist zwar ein anthropologisches Phänomen. Der aktive Nihilist leidet aber so sehr darunter, dass er die anderen totschlagen will. Um nicht nachdenken zu müssen, wie André Glucksmann schreibt: „Die Ideen spielen keine große Rolle, auch der Anlass ist unwichtig.“ Wie muss der Sinn zusammengebrochen sein, bis es so weit kommt. Wichtiger als das eigene leere Leben wird ein selbstgewählter Tod, durch dessen verheerende Folgen man kurz zwar nur, aber gleichsam endgültig zum „Chef“ wird. Wir haben es schon bei Theodor W. Adorno gelesen: Je mehr mir mein Tod zeige, dass ich gar nicht gelebt habe, desto schrecklicher werde er und desto größer werde die Todesangst. Das sei die gesellschaftliche Situation. Die im Westen lebenden Jugendlichen jedenfalls, die zum Dschihad konvertieren, scheinen es so zu empfinden. Das Selbstmordattentat schafft volles Leben wenigstens im Sterbensaugenblick.

Das Führerprinzip

Hier zeigen sich auch Verbindungen zum klassischen Faschismus. „Bekanntlich lautete der Schlachtruf der spanischen Faschisten: ‚Viva la muerte – Es lebe der Tod!‘“, ruft Manemann in Erinnerung. „Es zeichnete gerade den hitlerischen Radikalfaschismus aus, dass er den Naturgrund des Zusammenlebens als einen ‚Todeskampf der souveränen, kriegerischen, in sich antagonistischen Gruppe‘ verstand.“

Auch andere Übereinstimmungen fallen auf: das Führerprinzip, die Erbarmungslosigkeit, die Dauermobilisierung. Der Dschihadismus ist mit dem europäischen Faschismus auch direkt verbunden. Sayyid Qutb, 1906 in Ägypten geboren, führender Theoretiker der Muslimbruderschaft, hat die IS-Ideologie wesentlich mitgeprägt. „Gegen die Dekadenz, von der sich der Dschihadist umgeben sieht, setzt er auf eine neue Vitalität, die erst durch den Kampf entfacht werde.“ „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“, schreiben dann die Täter der Anschläge in Madrid am 11. März 2004. Wegen der Huris im islamischen Paradies? Schwerlich.

Eher wegen ihrer „Erfahrung des Nichts“, wie es im Jugendbuch Nichts der dänischen Schriftstellerin Janne Teller erzählt wird: Schon die Kinder erkennen, „dass in ihrer Welt nichts wirklich etwas bedeute, dass die Erwachsenen nur so täten, als ob irgendetwas etwas bedeuten würde“. Der Dschihad braucht nicht importiert zu werden, wir selbst bringen ihn hervor.

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Time am 17. Dezember 2015

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1) https://www.freitag.de/autoren/michael-jaeger/ode-an-den-tod

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3 Antworten to “Eine faschistische Ideologie”

  1. wolaufensie Says:

    Man sollte den Nihilismus nicht dermassen verunglimpfen,
    indem man ihn mit den üblen Taten der Nihilisten in Verbindung bringt.
    …Ist wie im Islam, wo der Islam nichts mit den Islamisten zu tun hat.
    …Im Gegenteil, die Nihilisten missbrauchen den Nihilismus
    um ihn weltweit zu diskreditieren. Wenn die normalen Leute plötzlich schlecht vom Nihilismus reden, dann haben die
    Nihilisten ihr Ziel erreicht.
    Wenn man nicht als Nazi gelten will, dann muss man gemäss des
    bielefelder Supersoziologe Wilhelm Heitmeyer in den letzten 6 Monaten mindestens eine Bewundernswürdigkeit des Islam aufzählen können. …Und das kann man allemal.
    Denn der Musel-Kniff ist genial:

    Da jeder Kafir – egal ob Babys, Frauen oder zivile Männer,
    Feinde sind, befindet sich jeder Moslem automatisch im Krieg mit ihnen. … der Super-Joker hierbei ist :
    Ohne Rücksicht auf das moralische Moslem-Vorleben kommt derjenige, der im Kampf gegen die Ungläubigen stirbt sofort in´s Paradies.
    …das bedeutet z.B. : Versagermusel nimmt sich irgendwas mit dem man Fleisch zerkleinert zur Hand oder zur Taille. Dann geht er in eine Kita voller kleiner Kuffar (schafft man mehr von als von Erwachsenen) und zerkleinert diese.
    Wenn er das mit einem Sprengstoffgürtel bewerstelligt – voila – dann ist´s schon optimal für ALLAH angerichtet und der
    Topplatz im Paradies steht bereit.
    Keine blöden lebenslange Übungen, oder Regeln einhalten .. einfach nur „plöff“ mit „Allahu akbar“ schon ist man in den
    mohammedanischen Muschis. Voll optimal diese Muschi-Religion.
    Und überhaupt…, wurden die Moslems von den Nazis verfolgt,
    da erstere im Widerstand waren. wie man sich immer wider überzeugen kann.

  2. Sophist X Says:

    Eigentlich kein Unterschied, ob die Massker von nihilistischen Moslems, nihilistischen Marxisten oder nihilistischen Nazis angerichtet werden. Diese Sorte Weltanschauungen lädt einfach zu ein.

  3. Thomas Holm Says:

    Ein Lemminge-Faschismus, der dort anfaengt, wo der industrielle Faschismus aufhoerte: mit „Kamikaze“ – im Rahmen nicht-industrieller Moeglichkeiten. Dafuer aber demographisch massiv aufgeblasen in der „Alten Welt“ und auf dem Hoehepunkt einer maerchenhaften Petro-$-Liquiditaet.

    Bemerkenswert, wie allerlei orientalische Erbfeindschaften – hinter den Masken, bzw. vermittelt durch – konfessionelle Sonder-Lesarten wieder hochkommen und die „Gemeinde“ in Binnen-Gemetzel stuerzen. Je dichter an den Staetten ihrer historischen Usurpationen, desto krasser.

    Die jeweiligen Kampfziele haben – verglichen mit den industriellen Faschismen – praktisch kein „nachhaltiges Projekt“. Der IS ist ein kanibalisierender Wanderkessel und der Teheran-Kluengel pfeift eigentlich aus dem letzten Loch; kann/muss sich aber maechtig wichtig vorkommen – angesichts der sunnitischen Umtriebe – und kriegt dabei sogar noch seine leicht angestaubte schiitische Rache-Agenda aus dem Hut gezaubert.

    Der Westen hat in diesem Blut-Karneval keinen Partner. Dafuer findet Russland endlich wieder eine Konstellation vor, in der es sich als unverzichtbar zur Bereinigung westlicher Schlendrian-Folgen „einbringen“ kann.

    Von Marx ueber Bismarck bis Churchill war die Diagnose, dass man sich unter der Kaeseglocke des Islam im Orient dermassen selbst im Weg steht, dass man besser nicht auf einen gruenen Zweig dort hoffen sollte. Jetzt ist man soweit. In dem blutigen Geschaeft der Verschleppung, Verschleierung und Verschlimmerung des Bankrotts mischt Russland – aus Not; aber auch mit eigenen Anbitionen mit.

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