Nicht die Schuld bei anderen suchen

Pallieprop

„Audiatur“ brachte einen Aufsatz von Jacques Tarnero über die jihadische und antijüdische Entwicklung in Frankreich (1).

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Intellektueller Notstand –
Die besetzten Gebiete des progressiven Denkens

Das am 13. November in Paris verübte Massaker war vorhersagbar und angekündigt; nur die, die es ablehnen Dinge zu sehen, die mit ihren ideologischen Überzeugungen kollidieren, begreifen das nicht. Die ideologische Leugnung der Realität bleibt der Hauptgrund für unsere Unfähigkeit Terroristen zu bekämpfen, bei denen viele nicht zuzugeben wagen, dass es sich um Terroristen handelt.

Seit Monaten wird jetzt unser Hass nur auf die ausgerichtet, die uns gedrängt haben unsere Augen aufzumachen und die Dinge bei ihrem richtigen Namen zu nennen. Seit Monaten haben uns jetzt die Forderungen, eine gesamte Bevölkerung nicht mit ein paar Extremisten in Verbindung zu bringen ebenso wie „Stoppt Islamophobie“-Aufrufe gezwungen unseren Verstand zu verschliessen.

Doch wer hat diese Verbindungen überhaupt erst hergestellt? Wer sind die eigentlichen Rassisten von heute?

Jede Woche hat der Place de la République in Paris die brüllenden Umzüge des Scheik Yassin-Kollektivs erlebt, die zu Hass auf Juden aufstacheln. Hat das irgendjemanden gekümmert? Vor kurzem versammelten sich empörte Antirassisten zu einem „Marsch für Würde“; diese beschimpften brüllend im Namen der universellen Liebe, des Antirassismus und der „Brüderlichkeit“ mehrere prominente jüdische Philosophen und Journalisten, darunter Bernard-Henri Lévy, Éric Zemmour und Alain Finkielkraut.

Was ist das für ein Geschmack des in öffentlicher Diskussion sowie auf den Strassen von Paris voll zur Schau gestellten Hasses? Ein paar Jugendliche mit einer ausgesuchten Nazi-Identität veranstalteten ein nostalgisches Sit-in auf dem Boulevard Saint Germain. Sie forderten mitten im Quartier Latin, dass der „Talmudist BHL“ (Bernard-Henri Lévy) aus dem Land gewiesen wird – und niemand zuckt auch nur mit den Augenbrauen.

Wenn die Menge aus vielen Rassen „für Würde marschiert“, die angeblichen Schützer unseres universalen Gewissens sich auf die Strassen begeben, um gegen den Schmerz und das Leiden der Beleidigten zu protestieren, verurteilen sie „Rassismus“ gegen „Opfer“ – in der Regel nicht-französische Bürger nicht-französischer Herkunft: Muslime, Araber, Schwarzafrikaner und andere aus den ehemaligen französischen Kolonien – alle Opfer einer angeblich vorherrschenden „Islamophobie“.

Inmitten all dieser mitfühlenden Antirassisten wird die Hamas-Flagge entrollt – die Flagge einer Gruppe, von der wir alle wissen, dass sie wohltätig und gütig ist. Niemand streitet ab, dass es in Frankreich Rassismus gibt, aber wie sieht diese französische Version der Nation of Islam aus, in der vorstädtische Black Panther ihren Hass auf Frankreich und die Franzosen verkünden?

Sie, die sich „Les Indigènes de la République“ [nicht-ethnische französische Bürger] nennen, nutzen alle Vorteile der herrschenden antirassistischen Entrüstung aus. Heute wagt es niemand sich einen „Rassisten“ zu nennen. Rassismus ist das Urböse. Dieser Kampf gegen Rassismus ist der erste Schritt hin zu einem neuen Bewusstsein. Heute sind alle Antirassisten ausser denen, die eine Art „Staatsrassismus“ betreiben. Diese Vorstellung, die die Geschichte korrumpiert und auf Lügen gründet, nimmt jetzt den Platz der Holocaust-Leugnung ein. Der Unterschied besteht heute darin, dass diese „Indigènes de la République“ Menschen aus den Projekten unter dem wohltätigen Mantel des Antirassismus mobilisieren.

Es scheint hier etwas Verwirrung zu geben. Dass Neonazis Juden beschuldigen ist nichts Neues, aber was stiess die Antirassisten vor den Kopf, die „nicht Charlie“ sind? Was bedeuten diese Losungen, die über die Protestschilder dieses „Marsches für Würde“ geplatscht wurden? Wer sind diese Rassisten, die „White Power“ verurteilen, während sie sich im Namen der ethnischen Verschiedenheit versammeln? Welcher Dämon nimmt diese Leute in Besitz, sobald der Name Israels ausgesprochen wird oder der Davidstern auftaucht?

Im Sommer 2015 lud die Stadt Paris die Stadt Tel Aviv als Partner für die Veranstaltung „Paris Plage“ (Strand von Paris) ein. Mehr brauchte es nicht, damit ein Monsieur Simmonet, gewählter Vertreter der Linken, in „progressiven“ Wutmodus und antifaschistischen Stumpfsinn schaltete. „Schande über Paris! Obszöne Einladung usw. Ein kolonialistisches, rassistisches Land einladen usw.!“ Wir haben Monsieur Simmonet nie Handelsbeziehungen Frankreichs z.B. zu China, Ägypten, den Iran, Qatar oder Saudi-Arabien verurteilen hören.

„Ist die Erwähnung Israels pornografisch?“, fragte ein Mann. Manche Leute nähern sich Hysterie, als würde schon die einfache Erwähnung des Wortes einen Bruch globaler Etikette darstellen. Diese „Progressiven“ waren seltsam still, als eine Viertelmillion Menschen in Syrien getötet wurde, als jesidische Frauen in die Sklaverei verkauft wurden. Sie schwiegen, als in Nigeria zweihundert Schulmädchen entführt wurden und als ein neuer Kalif im Namen Allahs im Irak die Massakrierung Tausender oder die Verstümmelung von Christen anordnete, die den Übertritt zum Islam verweigerten. Ist dieses Verhalten nichts mehr als bloss schlechter Geschmack?

Wenn jedoch Israel der UNO seine Sorge bezüglich eindeutiger Pläne zur Auslöschung seiner selbst durch ein anderes Land und Mitglied derselben UNO äussert, eilt der erhabene Menschenrechtsrat (an der unser lieber Freund Saudi-Arabien beteiligt ist) hinzu, um die Brutalität des jüdischen Staates zu verurteilen.

Seit den 1970-er Jahren hat es der Antizionismus geschafft den uralten, rassistischen Judenhass in den Mainstream zu bringen. Dieser neue Virus hat heute sogar den alten Virus des Hasses gegen Juden als Individuen verdrängt – einen Fanatismus, der dazu führte, dass sie massakriert, verbrannt, vertrieben und ihre Bücher vernichtet wurden. Er führte auch zu haltlosen Anschuldigungen, kollektiver Beschuldigung für alle möglichen Missstände, Pauschalverurteilungen und schliesslich dazu, dass sie vergast wurden. Auf seinem Höhepunkt, unter dem Nationalsozialismus angekommen, entwickelte sich dieser Hass im Verlauf von 20 Jahren zurück, aber am Ende der 1960-er Jahre begann er zu mutieren und das Wort „Israel“ nahm einen abstossenden Charakter an, den niemand vorhersehen konnte.

Diese rassistische Mutation wurde 2001 auf einer UNO-Konferenz in Durban (Südafrika) vervollständigt, als der alte, unaussprechliche Antisemitismus mit einem neuen, befreienden Antizionismus verschmolzen wurde. Im Namen des Antirassismus skandierten die Progressiven auf der UNO-Konferenz gegen Rassismus „Tod den Juden“.

Diese Krankheit des Verstandes scheint aussergewöhnlich variabel zu sein, mit der Fähigkeit sich unter verschiedenen Verkleidungen zu reproduzieren. Heute hat der neue Virus zwei Gesichter: mit einem Messer zu fuchteln und zu versuchen als Unschuldslamm zu erscheinen.

Warum das immer wiederkehrende Thema des Hasses auf Juden jetzt aufbringen? Eines Hasses, der sich in Hass auf Israel verwandelt hat? Weil dies im Kern des aktuellen tollwütigen Wahns steckt. Weil es die Saat des Hasses ist, die die Islamisten gegen die westliche Zivilisation gepflanzt haben. Was kann noch gesagt werden, das nicht schon gesagt worden ist? Warum trinken Hunderttausende aus der Tasse dieser Religion, deren Namen zu nennen nicht gewagt wird?

Dieser Hass auf Israel nimmt im 21. Jahrhundert dieselben Charakteristika an wie der kollektive Glaube des Mittelalters, der die Juden für die Beulenpest verantwortlich machte. Erinnern Sie sich, dass Haie anfingen in Scharm el-Scheik Touristen anzugreifen und der ägyptische Tourismusdirektor dem Mossad die Schuld dafür gab? Er behauptete, dieser habe die Killer-Haie trainiert, damit Touristen aus Ägypten fliehen und seine Wirtschaft geschädigt wird; niemand hat bisher erklärt, wie die Haie so trainiert wurden, dass sie keine Ägypter fressen.

„Pro-Palästinenser“ kümmern sich oft nicht wirklich um Palästinenser. Für sie ist diese wahrhaft fesselnde Sache nichts anderes als Fiktion: Es ist Hass auf Israel, der sie mobilisiert.

Dieser Grundvorwurf wurde vom iranischen Präsidenten Hassan Ruhani simpel formuliert. Israel, sagte er, sei „illegitim“ – was heisst, dass es kein Recht hat zu existieren. Das ist tatsächlich das, was gesagt oder gedacht wird: Israel, niemand will dich. Bitte verschwinde. Die Welt wäre so friedlich, wenn es nicht dich als Sand im Getriebe gäbe.

Als der Journalist Edwy Plenel, selbst erklärter Hüter gegen die Lügen der Regierung, Nelson Mandela zitierte, um Israel zu verurteilen, wurde entdeckt, dass dieses Zitat komplett erfunden war: „Wenn ich eine Fehler gemacht habe“, sagte er, „dann war ich wenigstens politisch korrekt!“

Im Herbst 2015 führte die französische Zeitung Le Monde die Anklage gegen die versteckte Quelle all unserer politischen Missstände. Was unseren antifaschistischen Ordnungshütern Sorge macht, ist die Drohung der von Marine Le Pen angeführten Front National sowie dass das populäre Denken sich nach rechts neigt. Diejenigen, die diese Verschiebung nach rechts anführen, müssen daher nach Angaben von Daniel Lindenberg benannt und zur Rede gestellt werden. Es handelt sich um Michel Houellebecq, Éric Zemmour und Alain Finkielkraut. Auf welche Weise vergiftet diese Sichtweise den Verstand? Lesen Sie ihre Werke. In Frankreich gibt keine schlimmere Beleidigung als ein Rassist genannt zu werden, aber in intellektuellen Kreisen ist es noch schlimmer als „reac“ (Reaktionär) bezeichnet zu werden. Hat jemand seine Mutter und seinen Vater ermordet, wird es für sein Handeln immer eine Art Grund geben, so spitzfindig er auch sein mag. Aber „reac“ genannt zu werden ist zu brutal. Das ist unerträglich. Der „reac„-Denker ist heute der neue Feind.

Die Denker haben ein neues Zuhause gefunden und die Linken ein neues Dogma. Hier ist, in der Reihenfolge der höchsten Prioritäten, Frankreichs grösster Feind: diese von der Front National benutzten Intellektuellen, die aufgestöbert werden und deren Namen auf die Schwarze Liste gesetzt werden müssen. Was würde ohne die illusorische Sicherheit der Front National aus dem aufgeklärten Denken werden? Das Gespenst der „dunkelsten Jahre unserer Geschichte“ der 1940-er Jahre wird oft von denen genutzt, die behaupten die Aufgeklärten zu sein und die allumfassende Liebe zu repräsentieren.

Hier haben wir also die vorhersagbare Rückkehr der bereits gesehenen, gelesenen und gehörten faschistischen Gefahr – diese vorgefertigte, künstliche Vorstellung, die radikale Feinde erfindet, um zu vermeiden sich mit Komplexitäten zu beschäftigen, von denen sie so tut, als ob sie sie verstünde.

Nicht so lange her ist ein weiterer Vorfall, der sich dieser Umkehr von Ursache und Verantwortung hinzufügt. Der Historiker George Bensoussan läuft Gefahr vor die MRAP (Movement Against Racism and for Friendship between Peoples – Bewegung gegen Rassismus und für Freundschaft zwischen Völkern) zitiert zu werden, „vor ein Strafgericht für rassistische Verleumdungen und Aufhetzung zu Hass und radikaler Gewalt“. Der Grund ist offenbar, dass er es wagte den Antisemitismus aufs Tapet zu bringen, der in der arabischen und muslimischen Kultur im Maghreb alltäglich ist.

Wenn die Republik heute in so vielen mit solch brüderlichem Hass gespickten Bereichen leidet, dann weil sie es ablehnt, sich dem Bösen zu stellen, von dem sie verschlungen wird. Das Leiden der Araber, der Palästinenser und der Vorstadt-Jugend ist real, aber es wird nur gelindert, wenn es zuerst einmal eine kritische Untersuchung der wahnhaften Ansichten zu dem gibt, was es verursacht. Weder die Juden noch Israel sind die Wurzeln dieses Leidens. Verursacht wird es durch das, was dieser Kultur passiert – geboren vom Islam oder von arabischem Erbe: immer die Schuld bei anderen zu suchen, wenn man selbst die Quelle der aktuellen Katastrophe ist. Es ist nicht Israel, das das Palästinenserlager Yarmuk in Syrien bombardiert und verhungern lässt. Der Historiker Bernards Lewis stellte die zeitgemässe Frage „Was lief falsch?“, dass dieses Erbe so weit in die Irre geht? Die Antwort lautete: die Schuld bei anderen zu suchen.

Dieses gedankliche Versagen beeinflusst nicht nur die arabische und muslimische Welt. Es berührt auch die Vorstellungen der Progressiven.

Wird das 21. Jahrhundert den posthumen Sieg des Genossen Stalin erleben? Haben wir die Lektionen der durch verführerische totalitäre Ideologien verblendete Intellektuelle nicht gelernt? Man muss fürchten, dass das ideologische Leugnen der Fakten – im Tausch für das geforderte intellektuelle Opium der „Einheit“ – die Norm bleiben wird. Diese Dogmen eliminieren – selbst im Namen des Progressivismus und Antirassismus – das Böse nicht, sie führen nur zu tieferen Gräbern. Lauf, Genosse. Hinter dir könnten Gräber liegen, aber die Mordgesellen befinden sich vor dir.

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Time am 12. Januar 2016

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1) http://www.audiatur-online.ch/2016/01/11/intellektueller-notstand-die-besetzten-gebiete-des-progressiven-denkens/

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Eine Antwort to “Nicht die Schuld bei anderen suchen”

  1. charlie Says:

    Einfache Rechnung: was wurde, und wird, vom jüdischen Kulturvolk und islamischer Umma zum Wohl und Fortschritt der Menschheit geleistet? Kommt mir nicht mit „Arabischen Zahlen“. Mindestens die Null wurde von den Indern geklaut.

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