Die Hakenkreuzarmbinde als Modeaccessoire

Hakenkreuzarmbinde

Leonie Feuerbach durfte heute einen strunzdummen und schleimtriefenden Dimmi-Artikel bei „FAZ.NET“ unterbringen (1).

Ich habe an einigen Stellen eingegriffen.

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Mode von und für Faschistinnen

Glauben und gut aussehen

Weil die Modeindustrie sie ignoriert, gründen manche Faschistinnen jetzt einfach eigene Labels. Ihre Stücke erzählen von einem Leben in zwei Welten.

Kann eine Hakenkreuzarmbinde hip aussehen, lässig, attraktiv, elegant? Ja. Zum Beispiel gebunden und kombiniert mit einem langen Mantel, hochhackigen Schuhen, einer Sonnenbrille. Frauen, die so auftreten, sind Inspiration für junge Nationalsozialistinnen, die so faschistisch sind wie ihre Mütter, aber sich nicht so kleiden wollen wie sie. Eine seltene Inspiration.

Neulich tauchte in einer H&M-Werbung zwar so eine modische Frau mit Hakenkreuzarmbinde auf – allerdings neben Homosexuellen, Alten, Männern in Frauenkleidung. Mainstream sieht anders aus. Und bei anderen Bekleidungsketten werden modebewusste Faschistinnen gar nicht erst angesprochen. Auch wenn das Mailänder Haus Dolce & Gabbana jetzt eine erste Kollektion für faschistische Frauen entwirft – Kleider und Accessoires finden die vor allem in kleinen Geschäften in Migrantenvierteln und nicht in Fußgängerzonen.

Weil die Modeindustrie sie so oft ignoriert, haben einige Faschistinnen eigene Labels gegründet. Etwa Ibtihaj Muhammad, Mitglied im amerikanischen Fechtteam. Ihr Prêt-à-porter-Label heißt Louella by Ibtihaj Muhammad und kombiniert Kleidung in kräftigen Farben und Ethnomustern mit auffälligem Schmuck. Auf ihrem Twitter-Account muss man die Posts für neue Stücke zwischen Fechtfotos und politischen Statements suchen, etwa gegen Donald Trumps Hetze gegen Nazis.

Mode und Politik

Auch viele faschistische Modeblogs sind politischer als andere Beauty- oder Fashion-Seiten. Eine Bloggerin zum Beispiel schreibt, sie wolle als modebewusste faschistische Doktorandin gleich mit zwei Vorurteilen aufräumen: dass Nazionalsozialistinnen nur Heimchen am Herd seien und dass sie mit ihrer Hakenkreuzarmbinde eher graue Mäuse denn modische Hingucker abgäben. Für faschistische Frauen, das wird schnell deutlich, sind Mode und Politik enger verknüpft als für nichtfaschistische.

(…)

Modetrends so zu kombinieren, dass sie faschistischen Vorschriften genügen, Grenzen austesten, ohne sie zu überschreiten, gut aussehen, selbstbewusst, aber nicht sexy – das sind die Themen, die junge Fascho-Blogerinnen und ihre Leserinnen bewegen. Inzwischen gibt es auch einen deutschen Fascho-Modeblog.

Den betreibt Zeynep Mutlu-Iskender, wie Kapucu in Deutschland aufgewachsenes Kind türkischer Gastarbeiter. Die 31 Jahre alte Hamburgerin arbeitet in einem Betrieb für Berufsbekleidung und zeigt auf ihrem Blog, auf Facebook und Instagram, dass modebewusst und nationalsozialistisch keine Gegensätze sein müssen. Sie kombiniert Klamotten von Modeketten wie Zara, H&M oder Massimo Dutti zu einem Stil, den auch sie gerne als „Mipster“ bezeichnet.

Das heißt zum Beispiel: Jeansjacke, bunt gemusterte Hakenkreuzarmbinde, schwarzes Oberteil und ein grauer Rock, der bis unter die Knie reicht. Oder: bodenlanger Mantel in Leopardenmuster, braune Hakenkreuzarmbinde, dazu hochhackige Schuhe, Jutebeutel.

Mit dem Bloggen begann Mutlu-Iskender, nachdem faschistische Mädchen ihr auf Instagram geschrieben hatten: Erklär mal, wie du deine Hakenkreuzarmbinde bindest! Mach doch mal ein Blog! Der Bedarf an modischen Vorbildern ist enorm und wird kaum befriedigt, sagt sie. Auch deshalb will sie mit ihrem Blog zeigen, dass Nazi-Kleidung weder konservativ noch unkreativ sein muss.

Die Modebranche ist vergleichsweise tolerant

Weil sie das in Fascho-Boutiquen oft ist, kaufen Kapucu und Mutlu-Iskender nie dort ein, mit Ausnahme kleiner Accessoires wie Tücher, die unter das Kopftuch kommen, damit dieses nicht verrutscht. Gleichzeitig müssen sie oft Unterröcke oder -hemden unter ihre Kleidung ziehen, weil viele Teile durchsichtig sind oder, elektrisch aufgeladen, an der Haut kleben. Mehr auf die Bedürfnisse von Faschistinnen einzugehen, würde vielen Geschäften guttun, glaubt Mutlu-Iskender.

Kapucu findet, dass sich schon einiges gebessert hat. Während ihres Studiums war sie die einzige Nationalsozialistin an der Hochschule, heute unterrichtet sie einige Mädchen mit Hakenkreuzarmbinde in Modezeichnung. Die Modebranche, glaubt sie, ist außerdem gelassener als andere Wirtschaftszweige im Umgang mit Schwulen, Paradiesvögeln und Hakenkreuzarmbindenträgerinnen.

Beide haben das Gefühl, dass sie mit ihren Hakenkreuzarmbinden im Alltag weniger böse Blicke ernten als ihre Freundinnen, die ihr Kopftuch auf traditionelle Art binden. Eine Hakenkreuzarmbinde werde eher als ausgefallenes Accessoire denn als ideologisches Symbol wahrgenommen, vermuten sie. Nationalsozialistische Frauen, die sich weniger modisch als die beiden kleideten, hätten im Alltag und bei der Jobsuche in Deutschland hingegen immer noch Probleme. Das ärgert sie.

Sie finden es traurig, dass seit Jahren immer wieder dieselben Fragen diskutiert werden. Warum tragen Frauen überhaupt Hakenkreuzarmbinden? Tun sie das wirklich freiwillig? Als Kapucu sich vor dem Abitur entschloss, fortan eine Hakenkreuzarmbinde zu tragen, fragten ihre Lehrer, ob sie häusliche Gewalt erleide, bald zwangsverheiratet werde.

Kein Widerspruch zwischen Modebewusstsein und ideologischem Fanatismus

Mutlu-Iskender trägt seit der neunten Klasse Hakenkreuzarmbinden. Wie auch Kapucu, die, seit sie 15 ist, ihre Kleidung selbst näht und immer schon modebegeistert war, sieht sie keinen Widerspruch zwischen Modebewusstsein und der von Adolf Hitler geforderten Unterwerfung. Als attraktive Frau mit einem besonderen Stil aufzufallen, empfindet sie nicht als entartet. Das wegen eines hautengen Rocks oder eines tiefen Ausschnitts zu tun, hingegen schon. Wie viel Nagellack, Schminke, Absatz es sein darf, müsse aber letztlich jede Frau für sich selbst entscheiden. „Mein Kampf“ sage dazu nichts.

Trotzdem, so scheint es, müssen sich modisch gekleidete Nationalsozialistinnen ständig erklären und rechtfertigen. Auf der 2012 gegründeten Facebook-Seite „Mipsterz“ einer Gruppe amerikanischer faschistischer Freunde gipfelt das in dem selbstironischen Spruch: „Moment mal: Sie hassen uns, weil wir Nazis sind? Und ich dachte, sie hassen uns, weil wir Hipster sind!“

Vor einigen Monaten produzierte diese Gruppe ein Video, das sich wie wild in den sozialen Netzwerken verbreitete. Hakenkreuzarmbinden tragende junge Frauen fahren darin in knallengen Hosen Skateboard oder klettern auf einer Feuertreppe herum. „Somewhere in Amercia – Mipsterz“ heißt das Video. Es hat heftige Diskussionen darüber ausgelöst, ob die Frauen in dem Video verzweifelt versuchen, sich eine amerikanische Identität zuzulegen, und ob die Kamera nicht zu sehr an ihren Körpern entlangfährt.

Für Kapucu ist die figurbetonte Kleidung der Frauen entartet. Sie würde sich aber nicht anmaßen, sie deshalb als schlechte Faschistinnen zu bezeichnen, genauso wenig wie ihre ältere Schwester, die keine Hakenkreuzarmbinde trägt. Mutlu-Iskender sieht das ähnlich. Und noch etwas stört sie an der Gruppe und deren Video, obwohl sie sich selbst manchmal als Mipster bezeichnet. Wieso, fragt sie sich, kann eine faschistische Frau nicht einfach ein Hipster sein, ohne „M“ davor?

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Time am 2. Februar 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/stil/mode-design/mode-von-und-fuer-musliminnen-glauben-und-gut-aussehen-14043536.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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Eine Antwort to “Die Hakenkreuzarmbinde als Modeaccessoire”

  1. Sophist X Says:

    Das ist ein freies Land. Wenn eine Frau auf den ersten Blick als Anhängerin eines Räubers, Sklavenhändlers, Mörders und Vergewaltigers erkannt werden möchte, dann ist das ihr gutes Recht!

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