Aus der Hauptstadt (#22)

Hostel

Kevin P. Hoffmann berichtet für den „Tagesspiegel“ über ein gescheitertes Wohnprojekt für mohammedanistische Invasoren (1).

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Hostel-Betreiber aus dem Grunewald in Berlin

Entnervt von „Sozialindustrie“ und 40 jugendlichen Flüchtlingen

Flüchtlingen helfen und damit Geld verdienen? Ein Hostel-Unternehmerpaar aus Berlin hat es versucht – kollidierte aber mit „der Sozialindustrie“.

Berlins tiefer Westen. Dahlem, Clayallee, abgebogen in die Pücklerstraße mit den Botschaftervillen Richtung Jagdschloss am Grunewaldsee, einen Sandweg entlang: Dort steht ihr grün gestrichener Bungalow mit weißen Fensterrahmen, Solarkollektoren auf dem Dach neben einem Försterhäuschen mit Holzpelletheizung. Es war ihre erste Herberge, eingerichtet im Jahr 1999 nach ökologischen Kriterien. Heute betreibt das Paar drei Hostels. „JETpak Ecolodge“ steht an der Pforte.

Hindurch und die zwei Stufen hoch in den Eingangsbereich, hängt an der Wand seit den Gründungsjahren eine Weltkarte. Gäste haben dort früher immer mit Stecknadeln ihre Heimatorte markiert. Die Nadeln sind herausgerupft. Man sieht aber noch die Löcher im Papier, besonders viele bei England, Irland, Spanien, den USA, Kanada, Australien und Neuseeland. Jetzt auch bei Syrien. Afghanistan ist fast zerfetzt.

So etwas wie ihren Grunewald gibt es in Homs oder Aleppo nicht, hatten sich Neil und Gülnur Nadarajah im Spätsommer 2015 gedacht – und ein Experiment gewagt: Sie boten an, 40 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge den Winter über in ihrer Waldherberge unterzubringen. Das verschaffte ihnen einen Einblick in „die Abgründe der Sozial- und Flüchtlingsindustrie“, wie sie es nennen.

Oder etwas neutraler formuliert: Zwei stolze steuerzahlende Unternehmer haben erstmals Bekanntschaft mit einer Welt gemacht, in der sich ohne Spenden Steuergeld gar nichts bewegt. Wenn eine Behörde, zwei eingetragene Vereine, ein privater Sicherheitsdienst und ein kommerzieller Hostelbetreiber gemeinsam eine Aufgabe lösen sollen – und Geld dabei im Spiel ist, kann es kompliziert werden. Und wohl auch gefährlich.

Die Nadarajahs berichten von einem psychisch kranken Schläger, Flammen im Schlafraum, jungen Männern, die sich an Kopf-ab-Videos des IS, Ballerspielen auf der Konsole, Alkohol und anderen Drogen berauscht haben sollen. Sie erzählen von zwei Security-Wachleuten, die pädagogisch wertvolle Arbeit geleistet hätten. Es stehen viele Aussagen gegen Aussagen mit Blick auf die Ereignisse im Grunewald zwischen Mitte September 2015 und Mitte Januar diesen Jahres.

Neil und Gülnur Nadarajah, beide 45, sind verheiratet und ein Geschäftspaar, leben privat aber mit neuen Partnern zusammen. Neil wurde in Moskau als Sohn einer Russin und eines Mannes aus Ceylon, heute Sri Lanka, geboren und wuchs in Westend auf. Gülnur, Tochter türkischer Eltern, wurde rund um die Adalbertstraße in Kreuzberg groß. Die beiden studierten Berliner dürfte mancher für Migranten halten und ihnen daher eine spezielle Kompetenz im Umgang mit Flüchtlingen unterstellen. In erster Linie sind die Nadarajahs aber engagierte Bürger und Geschäftsleute, professionelle Gastgeber. Neil Nadarajah ist auch gewähltes Mitglied der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer, arbeitet dort in Ausschüssen mit und entscheidet neuerdings mit über die Vergabe von IHK-Geldern an Bildungsprojekte für Flüchtlinge.

Als Langzeitpächter einer einst preisgekrönten Waldherberge, deren 40 Betten im Winter aber kaum im Paket zu vermieten sind, fing das Paar vor Monaten an zu rechnen: Um die sieben bis acht Euro können Betreiber einfachster Unterkünfte in der Wintersaison pro Nacht verlangen für ein Doppelstockbett im Schlafraum mit WC und Dusche auf dem Flur. Einige der heute rund 250 bis 300 Hostels in Berlin gehen in der Wintersaison runter auf drei bis vier Euro. Das Kleingeld kratzen sogar Obdachlose zusammen. Zugleich drückte das Land Berlin Flüchtlingen zeitweise Hotelgutscheine im Wert von 50 Euro pro Nacht in die Hand. Das brachte nicht nur positiven Schwung in Berlins Billig-Betten-Markt.

Für unbegleitete Jugendliche gibt das Jugendamt je nach Standort 50 bis 70 Euro für Unterbringung und Verpflegung pro Person und Tag aus, teilt die Behörde mit. Das Geld teilen sich Betreuer, Sicherheitsdienste, und die Eigentümer oder Betreiber einer Unterkunft. Ihren exakten Anteil wollen die Nadarajahs nicht verraten. Man darf von 25 bis 30 Euro pro Bett und Nacht ausgehen.

„Rein finanziell betrachtet, hat sich das Experiment vielleicht knapp gelohnt“, sagt Neil, wobei er die Schäden, die in dieser Zeit entstanden sind nicht einkalkuliert – oder gar geltend machen will. „Das ist mühsam, dauert viel zu lange“, sagt er. Demolierte Duschen und Türen, eine übergelaufene Zisterne, weil jemand den falschen Knopf am Stromkasten gedreht habe. „Wir wollen das Haus jetzt dämmen und renovieren“. Derzeit steht es leer.

Geld sei nicht der Punkt, beteuern die Unternehmer. Auch würden sie keinen Groll hegen gegen die 40 jungen Männer, die ihre gemütliche aber altersschwache Herberge offenbar heftig beansprucht haben. Die Hostel-Betreiber empören sich vielmehr über den „Filz aus Behörden und Sozialträgern“, die bei solchen Vorhaben dazwischengeschaltet werden, massiv an der Krise verdienen, und allein schon aus deshalb kein Interesse daran hätten, dass betreuungspflichtige Kinder und Jugendliche allzu bald in die Gesellschaft integriert werden dürften.

Zu Gast war unter anderem ein offenbar psychisch kranker Algerier, dessen Alter das Paar „um die 25“ schätzt, obwohl das Höchstalter ja 18 sei. Er habe einem Jungen aus Tschetschenien das Gesicht aufgeschlitzt. Mal brannte ein Papierkorb. Die 40 männlichen Minderjährigen, alle formal bekennende Muslime, stammten aus Syrien, Afghanistan, Palästina und Afrika. Einige hätten sich über das W-Lan gern islamistische Propaganda-Videos inklusive Enthauptungen angeschaut.

„Viele sind ja nicht vor dem IS geflohen, sondern vor Assad“, macht sich Neil Nadrarajah einen Reim darauf. Einige Kinder hätten sich Kriegsspiele wie „Call of Duty“ für die Spielkonsole heruntergeladen, andere – trotz eindringlicher Warnungen – im Haus und im Wald Zigaretten geraucht und gekifft. Die Hostel-Betreiber berichten von zerschlagenem Scheiben, hartem Alkohol, Partynächten in der Stadt und Boykott des angebotenen freiwilligen Deutsch-Kurses. Jungs ohne Eltern eben.

Neil und Gülnur Nadarajah glauben, dass sie die Situation mit Empathie und klaren Verhaltensregeln in den Griff bekommen hätten – auch mit Hilfe von zwei Herren des Sicherheitsdienstes Securitas, die Nachts vor Ort waren und Arabisch sprachen. Diese seien während der vier Monate zu „väterlichen Figuren“ für viele der Jungs geworden. „Wenn die da waren, gab es nie Stress“, sagt Gülnur Nadrarajah. Securitas bestätigt das. Die meisten Mitarbeiter des Jugendhilfevereins, der für die Betreuung zuständig war, hätten sich hingegen in einem Raum verschanzt, bei Problemen abgewiegelt, bei Konflikten versucht, die Polizei außen vor zu halten und, die Arbeit des Sicherheitsdienstes zu behindern.

Die Betreuung Jugendlicher läuft fast immer so: Das Land Berlin übergibt sie nicht einfach Hotel- oder Hostelbetreibern, sondern beauftragt einen Verein damit, der dann mit Mitarbeitern in die Unterkunft einrückt. In diesem Fall erhielt der Jugendhilfeverein Trialog e.V., einer von derzeit 28 Trägern, mit denen das Amt kooperiert, den Auftrag. Geschäftsführerin Anke Köhler sagt, sie dürfe keinerlei Auskünfte erteilen. Nach einer Woche Wartezeit beantwortete die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft für sie einen Fragenkatalog des Tagesspiegels zu den Vorwürfen.

Man weise die Punkte entscheiden zurück. lässt der Verein ausrichten. Konkrete Ereignisse wie zum Beispiel den Angriff des Algeriers stellt Trialog e.V. etwas anders dar, andere Angaben werden komplett dementiert. So habe man das Rauchverbot zum Beispiel „durchgesetzt“. Auf das Alkoholverbot sei „geachtet“ worden. Der vor 20 Jahren gegründete Verein engagiert sich nach eigenen Angaben besonders für „queere Familien, Jugendliche und Kinder“ und betreut derzeit insgesamt rund 100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in drei Einrichtungen.

Nach Maßstäben der Nadarajahs gingen alle bis auf zwei Mitarbeiter von Trialog zu naiv, antiautoritär und passiv mit den Jungs um – und das in dem Haus, das das Paar einst mit Liebe zum Detail eingerichtet hatte, mit dem ihre Karriere als selbstständige Firmengründer begonnen hatte. „Deren Betreuungskonzept, wenn sie denn überhaupt eines hatten, kann nicht funktionieren“, sagt Gülnur Nadarajah, die selbst jahrelang Jugendarbeit gemacht hat, und das Waldhostel führt. Besonders empört hatte sie, dass Trialog die Gäste in erster Linie nach Nationalitäten getrennt auf Zimmer verteilt hatte.

„So schaffen wir das nicht“, fasst ihr Partner Neil ihre ersten und wohl auch letzten Erfahrungen im Flüchtlingsgeschäft zusammen. Hätten sie als Unternehmer einfach nur auf Geld schauen, und alles andere ignorieren sollen?

Ilja Koschembar, Sprecher zuständigen Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, erklärt: „Trialog e.V. ist uns als erfahrener, bewährter Träger im Bereich der ambulanten Jugendhilfe bekannt“. Man habe sich aufgrund dieser Vorwürfe zusammengesetzt. „Wir haben keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten des Vereins finden können.“

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Time am 6. März 2016

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1) http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/hostel-betreiber-aus-dem-grunewald-in-berlin-entnervt-von-sozialindustrie-und-40-jugendlichen-fluechtlingen/13057176-all.html

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