Ork-Demokratie

Indonesien

Schariapolizei

Bei „FAZ.NET“ durfte Rainer Hermann einmal mehr ein ausführliches Hohelied auf den Nazislahm ausbringen, das nach der Behauptung, die meisten „islamistischen Parteien“ seien für die Demokratie, mit den folgenden sybillinischen Zeilen endete (1):

„In der arabischen Welt gibt es, von Tunesien und dem Sonderfall des Libanons abgesehen, keine liberale Demokratie. Die Mehrheit der Muslime lebt aber in Demokratien, ob in der Türkei oder Malaysia, in Indien oder Indonesien, in Bosnien-Hercegovina oder Senegal, in Amerika oder Europa. Und die meisten Muslime sind so demokratisch wie die Länder, in denen sie leben.“

Also in Wirklichkeit doch keine Demokratie, jedenfalls keine „liberale“, was immer damit gemeint sein soll.

Schauen wir mal mit Till Fähnders nach Indonesien, diesem „demokratischen“ Musterland der Orks (2).

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Scharia-Polizei in Indonesien

Erst Berührung, dann Bestrafung

Mit der Moralpolizei auf Streife: Seit dem vergangenen Jahr wird die Scharia in der indonesischen Region Aceh schärfer ausgelegt. Wie kommt die Bevölkerung damit zurecht?

Im Scheinwerferlicht taucht das Gesicht einer jungen Frau auf. Wie ein scheues Reh schaut sie in Richtung des Pick-up-Trucks. Ihr Haar ist mit einem senffarbenen Kopftuch verhüllt. Neben ihr sitzt ein junger Mann auf einem kleinen Motorrad. Er guckt ebenso erschrocken in Richtung des Autos, auf dem sechs Männer mit Springerstiefeln, dunkelgrünen Uniformen und Schirmmützen sitzen.

Die Mützen der Männer tragen den Aufdruck „POL WH“, die Abkürzung für „Polisi Wilayatul Hisbah“. Es ist der Name der Religionspolizei in Aceh, der einzigen Region in Indonesien, in der die Scharia, die islamische Rechtsprechung, ebenso gilt wie das nationale Gesetzbuch.

Eingeführt wurde die Scharia in dem Gebiet am nördlichen Zipfel Sumatras schon im Jahr 2001. Nachdem der Tsunami das Ende des langjährigen Bürgerkriegs beschleunigt hatte, gewährte die Zentralregierung der Region im Jahr 2005 autonome Sonderrechte, darunter die Erlaubnis, an der Scharia festzuhalten. Im liberal-muslimischen Indonesien, dem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt, ist Aceh seither die Ausnahme.

Nach der Entdeckung des jungen Paars liegt nun Ärger in der Luft. Sofort sind einige der Polizisten aus dem Auto gesprungen. Sie nähern sich dem Paar mit drohender Haltung. Die beiden Studenten sind unverheiratet, jung und stehen allein in einer dunklen Ecke auf dem Campus ihrer Universität. Nach dem „Qanun Jinayat“, dem islamischen Regelwerk für die Region, ist das ein Problem.

„Khalwat“ nennt sich das Vergehen, wenn unverheiratete Paare allein miteinander sind und ihre Körper zu nah aneinander sind. Die beiden Studenten reagieren nervös. „Seht, ich bin gar nicht nah an ihr dran“, sagt der Junge auf dem Motorrad.

Tatsächlich stehen die beiden mindestens einen Meter voneinander entfernt. Die Polizisten scheint das zu besänftigen. Einer von ihnen macht eine ruckartige Bewegung. „Verschwindet hier“, ruft er. Eilig fahren die beiden mit dem Motorrad in der Dunkelheit davon. Doch nicht immer geht es so glimpflich ab, wenn unverheiratete Paare allein erwischt werden. Seit dem Oktober des vergangenen Jahres gilt eine verschärfte Version des „Qanun Jinayat“. So drohen für Ehebruch, homosexuelle Handlungen und die öffentliche Zurschaustellung von Zuneigung bei unverheirateten Paaren bis zu hundert Schläge mit dem Stock.

Am vergangenen Dienstag wurden in dem Ort Takengon in Zentralaceh ein junger Mann und eine junge Frau geprügelt, weil sie zu nah aneinander gestanden hatten. Sie bekamen jeweils drei Schläge. Zum ersten Mal seit Änderung des Gesetzes wurde dort unter den Blicken von mehr als Tausend Zuschauern auch die Höchststrafe verabreicht. Ein Mann und eine Frau, die des Ehebruchs beschuldigt waren, bekamen die hundert Schläge von jeweils zehn Beamten abwechselnd verabreicht.

Keine kurzen Hosen

Ebenfalls ein Novum war die erste Auspeitschung einer Nichtmuslimin. Eine sechzig Jahre alte Christin wurde 28 Mal geprügelt, weil sie Alkohol verkauft haben soll. Beinahe hätte auch eine deutsche Touristin den Arm der Islam-Gesetzgebung zu spüren bekommen. Die Frau soll im Bikini am Strand gelegen haben, hatte sich aber schon wieder angezogen, als die Scharia-Polizei eintraf.

Die Polizisten sollen dafür sorgen, dass die islamischen Gesetze eingehalten werden. Alkohol und Glücksspiel sind laut „Qanun Jinayat“, streng untersagt. Musliminnen müssen ein Kopftuch tragen. Nach 23 Uhr dürfen Frauen nur noch in Begleitung eines männlichen Verwandten auf die Straße. Auch auf die Kleidung der Frauen achten die Polizisten: Sie sollte nicht zu enganliegend sein. Männer dürfen keine kurzen Hosen tragen, die über dem Knie enden.

Zwei Schichten gibt es am Abend. Die erste beginnt um 17 Uhr am Hauptquartier der Polizei in der Innenstadt von Banda Aceh. Sechs Polizisten besteigen das Gefährt, auf dessen Ladefläche zwei Metallbänke montiert sind, vier hinten, zwei in der Fahrerkabine. Es sind überwiegend junge Männer im Alter zwischen 25 und dreißig. Grünschnäbel, die sich nur mit Vornamen anreden.

„Bitte gehen Sie nach Hause“

Der 25 Jahre alte Muhaddis sagt, sie würden vor allem Studenten bei Regelverstößen erwischen. Banda Aceh ist eine Universitätsstadt, die auch junge Leute aus anderen Regionen anzieht. Doch zunächst fährt die Patrouille an diesem Abend in das Gebiet von Ulee Leu, einem Ort, der von dem Tsunami am zweiten Weihnachtstag 2004 besonders schwer getroffen worden war. Dort verbringen viele Bewohner von Banda Aceh heute gerne ihre freien Stunden.

Familien, kleinere und größere Jugendgruppen sitzen auf einem kleinen Steindamm, der den Strand von der Straße trennt. Sie schauen der Sonne beim Untergehen zu, angeln, picknicken, plaudern. Am Rand stehen die Autos, Mopeds und Motorräder der Ausflügler. Im Schritttempo fährt der Pick-up die Straße entlang.

Der Kommandeur der Patrouille spricht in ein Handmikrofon. Durch einen knarzenden Lautsprecher dröhnt seine Stimme. „Wir fordern alle Besucher auf, den Strand zu verlassen. Er wird um 18 Uhr 30 geschlossen. Bald wird zum Gebet gerufen. Bitte gehen Sie nach Hause und bereiten sich auf das Gebet vor!“, ruft der Kommandeur.

„Das sind keine guten Mädchen“

Die Menschen auf dem Damm drehen sich um und schauen herüber. Manche springen sofort auf. Andere nähern sich nur zögerlich ihren Zweirädern. Nach kurzer Zeit herrscht Stau auf der Küstenstraße. Dann entdeckt die Patrouille ein paar Frauen und Männer, die sich demonstrativ Zeit lassen. Sie stehen auf dem Steindamm und fotografieren sich weiter mit ihren Handys. Noch dazu tragen die Frauen Hosen, die am Bein eng geschnitten sind. „Dies sind keine guten Mädchen“, sagt Muhaddis. Der Kommandeur lässt den Pick-up stoppen. Die Polizisten steigen vom Auto und nähern sich den jungen Leuten. Fünf grün uniformierte Männer stehen auf der anderen Straßenseite und schauen herüber, während der Kommandeur weiter seine Durchsage macht.

Doch auch diesen jungen Leuten gegenüber zeigt sich die Scharia-Polizei an diesem Abend nachgiebig. Sie dürfen auf ihren Rollern und Motorrädern in die Abendsonne düsen. Auch die anderen Leute knattern mit ihren Mopeds zurück in die Stadt. Von dort schallt schon der Ruf der Muezzine herüber. Die Scharia-Polizisten fahren ebenfalls zu einer der Moscheen. Am Eingang streifen sie ihre schweren Stiefel und ihre Socken ab. Dann gesellen sie sich zu den anderen Gläubigen, die schon im Gebetsraum versammelt sind. Die Frauen sind durch einen Vorhang im hinteren Viertel der Moschee abgetrennt.

Die vielen Pausen während der Streife geben Zeit, die Anwohner ein wenig nach ihrer Meinung zu fragen. „Ich finde sie gut, weil sie mich davon abhalten, schlechte Dinge zu tun“, sagt der 18 Jahre alte Dedi Rolia. Er sitzt in einem der Cafés von Banda Aceh und unterhält sich mit seiner ebenfalls 18 Jahre alten Freundin. Das Paar ist seit zwei Jahren zusammen. Es achte peinlich darauf, nichts Verbotenes zu tun, sagt Dedi Rolia. „Wir gehen nur an öffentlichen Plätzen zusammen aus“, sagt er. Die Gelegenheiten dazu seien selten, da die Freundin ohnehin ihr Wohnheim an der Universität nach 18 Uhr nicht mehr verlassen dürfe.

Bei Zugezogenen verhasst

Die Gesetzgebung passe zu den örtlichen Gepflogenheiten, sagt auch der 27 Jahre alte Riansyah, der mit seiner Verlobten ebenfalls in dem Café sitzt. Für eine flächendeckende Einführung ist der Mann aber nicht. „Es gibt so viele Ethnien und Religionen, das würde nur zu Konflikten führen“, sagt er. Eine Sache störe ihn außerdem. Die Scharia-Polizei fange meist nur die kleinen Fische. „Sie wagen nicht, die Mächtigen zu schnappen“, sagt er.

Gerade bei Zugezogenen sei die Scharia-Polizei sehr verhasst, sagt auch der 63 Jahre alte Tamtawi Alba. Der Mann arbeitet als Chauffeur und kennt sich damit aus, wie man die Dinge, die eigentlich verboten sein sollen, dennoch bekommen kann: Alkohol, Prostituierte, Glücksspiel. Man braucht nur ein bisschen Geld und Verbindungen, sagt Tamtawi Alba. Etwa im Luxushotel „Hermes Palace“ wo manchmal Zimmer angemietet würden, um illegale Kartenspiele zu organisieren.

Wie einer der Scharia-Polizisten später berichtet, gab es im vergangenen Jahr allerdings auch im „Hermes Palace“ eine Razzia. Dabei wurden mehrere Muslime beim Spielen und Alkoholtrinken erwischt. Die Strafe: vierzig Schläge mit dem Rohrstock. Auch für Nichtmuslime sind solche Aktivitäten nicht mehr ganz ungefährlich, nachdem seit dem vergangenen Jahr das neue Gesetz gilt. Bei normalen Vergehen können sie sich aussuchen, ob sie vor ein Scharia-Gericht wollen oder vor ein weltliches. Bei Verstößen, die nur im „Qanun Jinayat“ stehen, werden aber auch sie in jedem Fall den islamischen Regeln nach verurteilt.

„Frauen haben hier keine Rechte“

Menschenrechtler kritisieren, dass das Vorgehen gegen die Verfassung verstoße und die Menschenrechte verletze. Die Leidtragenden seien vor allem Frauen, sagt Ratna Saris. „Frauen haben hier keine Rechte“, sagt die Muslimin, die für eine örtliche Nichtregierungsorganisation für Frauenrechte arbeitet. Im Falle einer Vergewaltigung müssten sie vier Zeugen benennen können, damit es überhaupt zu einem Verfahren komme. Zudem würden sie häufig doppelt bestraft. Denn nachdem sie verurteilt wurden, würden die Frauen von der Familie verbannt und von Nachbarn und Freunden geächtet.

Zudem lasse das Gesetz viele Graubereiche offen. So biete es Gelegenheit zum Missbrauch, sagt die Frauenrechtlerin. Zum Beispiel habe es im vergangenen Jahr einen Fall gegeben, in dem eine Frau nach einer Vergewaltigung abermals und mehrfach vergewaltigt worden sei – von Scharia-Polizisten. Nur ein Teil der Übeltäter sei dafür belangt worden. „Sie können ungestraft machen was sie wollen“, sagt Ratna Saris. Auch der Anteil der Frauen unter denen, die mit Peitschenhieben bestraft werden, sei deutlich höher als die der Männer, sagt Ratna Saris.

Die Scharia-Polizisten in Banda Aceh finden allerdings nicht, dass Mitleid angebracht ist. Die Strafen seien zwar hart, aber die Menschen wüssten ja, worauf sie sich einließen, sagt ein junger Polizist mit dem Namen Iqbal. Zudem seien die Schläge weniger dazu da, um Schmerzen zu bereiten. Wichtiger sei der Schameffekt, da die Prügelstrafe in der Regel öffentlich vollstreckt werde, sagt der junge Mann.

Öffentliche Auspeitschungen

Da die öffentlichen Auspeitschungen in der Regel nicht angekündigt werden, ist es schwer, sich selbst ein Bild davon zu machen. Aber es gibt Videoaufnahmen. Sie zeigen etwa den Fall einer Frau, die gegen die Bekleidungsvorschriften verstoßen haben soll. Die für die Bestrafung in ein weites, weißes Gewand gekleidete Frau wird unter dem Jubel der Schaulustigen auf ein Podest geführt. Ihr Kopf ist von einem Tuch umhüllt. Mit gesenktem Haupt muss sie auf dem Boden niederknien.

Der Vollstrecker trägt ein dunkles Gewand am Körper und eine Maske über dem Kopf. Er lässt dreimal einen dünnen Rohrstock auf den Rücken der Frau niedersausen. Das peitschende Geräusch des Stocks, der auf dem Fleisch landet, geht einem durch Mark und Bein.

Nach dem Gebet in der Moschee gehen die Religionspolizisten in ein Restaurant zum Essen. Dann geht es noch einmal in eine andere Moschee; es ist das letzte Gebet für diesen Tag. Erst zum Schluss beginnen die Polizisten ihre Streife durch das Universitätsviertel. Jede Person, die im Dunkeln am Straßenrand sitzt, wird genau inspiziert.

„Wenn es nur Männer sind, ist es o.k.“, sagt Muhaddis. Doch außer dem jungen Paar, das sich auf dem Motorrad davon macht, finden sie an diesem Abend sonst keine Verdächtigen. Erschöpft fahren die Polizisten danach in ihr Hauptquartier zurück. Eine zweite Streife ist noch etwa eine Stunde länger unterwegs. Sie prüft, dass auch nach der Ausgangssperre keine unbegleiteten Frauen mehr auf der Straße sind.
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Time am 2. Mai 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ist-der-islam-mit-demokratie-dem-grundgesetz-vereinbar-14202942.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
2) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/auf-streife-mit-der-scharia-polizei-in-aceh-indonesien-14183815.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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2 Antworten to “Ork-Demokratie”

  1. Sophist X Says:

    >Die Mehrheit der Muslime lebt aber in Demokratien,

    Eine interessante Argumentation. Auch die Mehrheit der Nazis lebt in Demokratien, die Mehrheit der Chinesen aber nicht. Was auch immer der Autor damit den Leuten weismachen wollte, er hätte es sich sparen können.

    >Und die meisten Muslime sind so demokratisch wie die Länder, in denen sie leben.“

    Das ist sicher ein großer Trost für die Opfer des weltweiten moslemischen Terrorismus und Schariawahns.

  2. spiderPig Says:

    Das Geschwurbel der Islamverharmloser wird umso schlimmer, je mehr der Islam, Gott sei Dank, in die Zange genommen wird.
    Vielen Dank für den Bericht, MoT, weil vor kurzem eben ein mir bekannter Gutmensch genau dieses Indonesien angeführt hat für einen ganz tollen, anderen Islam.

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