Recep allein zu Haus

Erdogan und Davutoglu

Lesen Sie einen Bericht von „Spiegel online“ von Hasnain Kazim (1).

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Türkei: Kniefall vor dem Allmächtigen

Der türkische Premierminister Davutoglu tritt den Rückzug an – und findet doch nur lobende Worte für Staatspräsident Erdogan, obwohl er sich mit ihm überworfen hat. Er hat eine große Chance vertan.

Ahmet Davutoglu, türkischer Premierminister, wird nicht wieder als Chef der Regierungspartei AKP antreten und ebenso sein Amt als Regierungschef aufgeben. Gründe nennt er nicht, aber es ist bekannt, dass er im Streit mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan geht. Zu viel Macht wolle der, das ist die Hauptkritik. Umgekehrt ist Davutoglu aus Sicht Erdogans zu selbstbewusst geworden, er schwieg zu Korruptionsermittlungen gegen Familienangehörige Erdogans, bemängelte den harten Kurs gegen kritische Akademiker und brachte sogar, welch Bodenlosigkeit, eigene politische Ideen ein.

Und dann stellt Davutoglu sich hin und sagt bei seiner Rückzugserklärung: „Ich werde die Loyalitätsbeziehung zu unserem Präsidenten bis zu meinem letzten Atemzug fortsetzen.“ Und weiter: „Seine Familienehre ist meine Familienehre. Seine Familie ist meine Familie.“ Außerdem: Er habe sich niemals negativ über den Staatschef geäußert und ihm werde „auch in Zukunft kein schlechtes Wort über die Lippen kommen“.

Wie bitte? Kein Wort über die Gründe, die zum Bruch mit Erdogan geführt haben? Sondern nur die lapidare Bemerkung, er könne „unter diesen Umständen“ nicht noch einmal antreten?

Davutoglu will seiner Partei nicht schaden, aber er erweist der Demokratie in der Türkei keinen guten Dienst. Der Vorgang zeigt, dass niemand es wagt, Erdogan offen zu kritisieren – selbst der Premierminister nicht, der laut türkischer Verfassung immerhin die mächtigste Person des Landes ist. Dabei hätte Davutoglu spätestens jetzt nichts mehr zu verlieren.

Kritik gilt hier nicht als etwas Notwendiges für eine Gesellschaft, die beständig um die besten Lösungen ringt, sondern als Beleidigung, als Respektlosigkeit, als Schande. Davutoglu hat eine große Chance vertan. Dies wäre seine Gelegenheit gewesen, all die undemokratischen Umtriebe Erdogans, die Korruption, die Gewalt gegen Minderheiten, die Unterdrückung von Kritik und die Stigmatisierung von politischen Gegnern zur Sprache zu bringen.

Die Menschen in der Türkei, von denen sehr viele dem – überwiegend regierungstreuen – Fernsehen glauben, hätten aus seinem Munde erfahren, wie es um das Land bestellt ist. Stattdessen sehen sie einen geradezu unterwürfigen Premierminister, der seinem Präsidenten ewige Treue schwört. Sie durchschauen nicht die Umstände, unter denen Davutoglu geht (oder: gehen muss), sondern denken, alles wäre in bester Ordnung.

Davutoglu hätte als der Mann in die Geschichte der Türkei eingehen können, der es wagt, Erdogan öffentlich zu kritisieren und die persönlichen Konsequenzen zu ziehen. Aber nach diesem Kniefall geht er bestenfalls als kleiner Premier in die Geschichte ein, der jahrelang loyal war und selbst am Ende nicht die Größe hatte zu sagen, was zu sagen ist.

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Time am 6. Mai 2016

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1) http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-ahmet-davutoglu-zieht-sich-zurueck-kniefall-vorm-allmaechtigen-kommentar-a-1090980.html

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2 Antworten to “Recep allein zu Haus”

  1. Sophist X Says:

    „Ich werde die Loyalitätsbeziehung zu unserem Präsidenten bis zu meinem letzten Atemzug fortsetzen.“ Und weiter: „Seine Familienehre ist meine Familienehre. Seine Familie ist meine Familie.“ Außerdem: Er habe sich niemals negativ über den Staatschef geäußert und ihm werde „auch in Zukunft kein schlechtes Wort über die Lippen kommen“.

    Erdogan wird ihm ein Angebot gemacht haben, das er nicht ablehnen konnte.
    https://www.google.de/#q=ein+angebot+machen+dass+er+nicht+ablehnen+kann

    Davon abgesehen ist Davutoglus Text eine schöne Vorlage für Merkels Rede bei ihrem nächsen Türkeibesuch.

  2. Time Says:

    … sozusagen das 1 x 1 der Orks …

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