Opfer eines selbstverliebten Kollektivwahns

Desillusioniert

Lesen Sie einen Artikel von Elisa Brandt von der „Achse des Guten (1).

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Zweifelnde junge Flüchtlings-Helfer:
Jetzt bitte keine Häme

Im Internet macht gerade ein Video eines jungen Mannes die Runde, in dem dieser ausführlich seine ernüchternden Erlebnisse in der Flüchtlingshilfe schildert, unter anderem die dreiste Anspruchshaltung eines jungen syrischen Migranten mit vorgetäuschtem Flüchtlingshintergrund und die mulmigen Gefühle, die dessen Reaktion auf sein Bekenntnis Atheist zu sein, in ihm hervorgerufen hat. Der junge Mann wirkt auf mich ausgesprochen sympathisch, um Differenzierung und Vermeidung vorschneller Urteile bemüht, dennoch auf tapfer-rührende Weise nicht Willens, seine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen zu leugnen. Natürlich gibt es neben Anerkennung für dieses Outing als Realist auch genug Spott – angefangen vom Titel „desillusionierter Gutmensch“ – bis zur offenen Häme. Ich selbst war beim Anschauen und Zuhören des Öfteren kurz davor, laut „Guten Morgen!“ zu rufen, wenn das „Endlich aufgewacht“ so deutlich war.

Nun ist es leicht, auf andere, insbesondere junge, Menschen herabzusehen, deren weltfremder und uninformierter Idealismus gerade an der harten Realität zerbröselt. Aber es ist ungerecht und kleingeistig. Der durchschnittliche Jugendliche und junge Erwachsene ist heutzutage von klein auf einer Erziehungsmaschinerie ausgesetzt, die vom Kindergarten (in dem Lieder aus aller Herren Länder gelernt werden, aber bloß kein deutsches), über die Schule (womöglich ohne Rassismus, dafür mit Projekten) bis in die Uni (mit Solidaritätsworkshops und Demoaufrufen) und weit darüber hinaus reicht. Zudem darf die Bedeutung gleichgeschalteter Peergroups und der Gruppendruck durch die ständige social-media-Bedröhnung nicht unterschätzt werden. Der junge Mensch will in seinem jugendlichen Idealismus Teil von etwas Größerem und Besseren sein. Früher war es die Volksgemeinschaft, jetzt ist es die Refugee-welcome-Gemeinschaft.

Wahrscheinlich hat er nicht erkannt, wie mutig er ist

Ich kenne einige dieser jungen Menschen, wie den aufrichtigen jungen Mann aus dem Video, der wahrscheinlich noch gar nicht erkannt hat, wie mutig er gleichzeitig ist. Die allerallermeisten dieser jungen Leute sind tatsächlich weltoffen, tolerant (im eigentlichen und guten Sinne), intelligent, sozial eingestellt. Sie haben eine – formal gesehen – gute Ausbildung genossen und zumeist auch eine gute Erziehung. Den jungen Mann aus dem Video stelle ich mir in einem ähnlichen Umfeld wie meinen Sohn vor: In einer Studenten-WG in einem günstigen und deshalb angesagten Viertel wohnend, in dem vor kurzem zugewanderten Studenten bis auf den Besuch des Falafelladens beziehungslos an den alteingesessenen Migranten vorbeileben.

Noch bunter wird die Gegend durch die noch neuer zugezogenen „Flüchtlinge“. Für diese hängt man in die veganen Cafés mit Freifunk-Internetzugang gerne „Refugee-welcome“-Schilder aus, allerdings halten sich die Besuche der Refugees in solchen Etablissements im seeehr niedrigen einstelligen Bereich (was sollen die auch da?). Die Vermüllung der Gegend stört nicht (Studenten-WG!), die rasant zunehmende Verhüllung der weiblichen Hälfte alter und neuer Migranten wird gar nicht wahrgenommen und geschickt weicht man der raumgreifenden Anwesenheit der männlichen Hälfte alter und neuer Migranten aus.

Er: „Ach, komm. Die tut dir doch nichts!“
Ich: „Mir nicht. Aber ihrem Kind“.

Bei einem meiner Besuche in diesem zum Ärger meines Kindes „occupied territory“ genannten bunten Viertel bemerkte ich eine im schwarzen Staubmantel und eng geschlungenem Kopftuch gehüllte muslimische Jungmama mit Sohn und Tochter im Schlepptau. Die sicher höchstens fünfjährige Tochter trug bereits stolz das Kopftuch und war somit als Sexualobjekt (jedoch nur zum rein muslemischen Gebrauch) eindeutig ausgewiesen. Als ich meinen Ärger darüber meinem Kinde mitteilte, entspann sich folgender Dialog: Er: „Ach, komm. Die tut dir doch nichts!“ Ich: „Mir nicht. Aber ihrem Kind“. Er: „Das Kind sieht doch ganz glücklich aus“. Ich: „Kleine Hitlerjungen sahen auch ganz glücklich aus!“ Er: „Das kannst Du doch gar nicht vergleichen!“ Ich: „Wieso nicht?“ Er: „Weißt Du nicht, was die Nazis getan haben?“ Ich: „Das zu wissen, ist mein Beruf. Deshalb habe ich Angst vor Ideologien, die schon kleine Kinder missbrauchen“ Er: „Ahh – ich hab keinen Bock auf solche Diskussionen. Kannst Du mich da vor dem Falafelladen rauslassen?“

Bei der Diskussion über die Hilfsaktion seiner Studententruppe für Flüchtlingskinder, ließ ich mich nach der begeisterten Schilderung, wie niedlich und toll diese Kinder seien, zu der Bemerkung hinreißen, dass ich gar nichts gegen diese Hilfe für Kinder habe, gewiss auch sehr niedliche und tolle Kinder dabei seien, es sich allerdings nicht um Flüchtlinge handele, übrigens auch nicht nach den Kriterien der Genfer Flüchtlingskonvention. Es entspann sich folgender Dialog: Er: „Warum sollen die nicht hierher kommen dürfen? Die können doch nichts dafür, dass sie nicht hier geboren sind. Das ist doch reiner Zufall, dass ich hier geboren bin und die nicht.“ Ich: „Es ist auch reiner Zufall, dass ich deine Mutter bin. Eigentlich könnte ich auch irgendein anderes Kind durchs Studium bringen, das wäre auch irgendwie „gerechter“. Er: „Ich LIEBE deine differenzierten und einfühlsamen Erziehungsmethoden.“ Ich: „Im Ernst – wenn alle, die zufällig woanders geboren sind, nach Deutschland kommen dürfen, wie stellst Du Dir dann Deine Zukunft vor?“ Er: „Ahh – ich habe keinen Bock auf solche Diskussionen. Kannst Du mich mal am Falafelladen rauslassen?“

„Kannst Du mich mal am Falafelladen rauslassen?“

Neulich besuchte uns eine Freundin von ihm, die ebenfalls in der Refugee-Hilfe tätig ist, Islamwissenschaft studiert und von tollen Stellen im Koran schwärmt. Trotzdem ein sehr nettes, höfliches und gut erzogenes Mädchen. Mein Sohn warnte vorher: „Kein Wort über Flüchtlinge und Islam. Ich hab keinen Bock auf solche Diskussionen“ und bat zugleich „Kannst Du Falafel und Humus machen?“. Ich machte selbstverständlich gern Falafel und Humus und überlegte, dass dieses Mädchen ja vor einiger Zeit mit ihren Freunden an einer aggressiven Gegendemo gegen die AfD teilgenommen hatte.

Würde sie mich, falls es entgegen der Warnung meines Sohnes doch zu einer Diskussion über Flüchtlinge und den Islam kommen würde, als „Rassistin“, „Mörderin“ und „Nazi“ bezeichnen? Dazu kam es jedoch nicht. Die Freundin verzehrte glücklich Falafel und Humus und behauptete, es stünden ganz tolle Stellen im Koran. Unter den eindringlichen Blicken meines Sohnes traute ich (Ex-)Katholikin mich nur zu fragen, ob sie auch schon mal die Bibel gelesen habe, was sie lächelnd verneinte. Ihr fiel überhaupt nicht auf, wie absurd dies ist. Und da ich mittlerweile selbst „keinen Bock auf solche Diskussionen“ mehr hatte, dachte ich mir nur: Sie WIRD es auch noch lernen – reality is a good teacher.

Der Zweifel ist ein nagendes Wesen

Seit diesen Diskussionen ist schon geraume Zeit vergangen. Ich bin nicht bei Facebook, aber meine Tochter versicherte mir, dass sich dort die euphorischen Hilfeaufrufe des letzten Jahres schon seit einiger Zeit ziemlich verflüchtigt hätten. Das kann natürlich auch nur mit der fallenden Zahl der Flüchtlinge zu tun haben, die wir Staaten verdanken, die noch wissen, dass es so etwas wie eine Grenze gibt und sogar, dass und wie man diese halbwegs effektiv schützen kann. Und sicher spielen auch die Ereignisse in Köln (und inzwischen in kleinerem Maßstab auch anderswo) eine Rolle, die nun selbst vollkommen desorientierte grüne Politikerinnen oder Journalistinnen nicht mehr als ein nur geringfügig anderes Oktoberfest verkaufen können.

Es kann aber auch mit der einen oder anderen ernüchternden Erfahrung zu tun haben, die liebenswerte, aber naive Helferinnen und Helfer in zunehmenden Maße ganz persönlich gemacht haben. Selbst wenn diese so wie der junge Mann im Video noch weiterhin strikt bemüht sind, jeden Baum einzeln zu betrachten, damit der Wald nicht zu sehen ist, stärken diese Erlebnisse alles in allem tatsächlich die vielbeschworene interkulturelle Kompetenz. Allerdings in einem gänzlich anderen Sinne als die Multikulti-Fantasten es sich vorgestellt haben.

Diese gehen ja von der Annahme aus, dass alle Kulturen gleich seien und analphabetische Menschen aus fundamental-religiösen patriarchischen Clanverhältnissen mit Geld und der Integrationsleistung der Gesellschaft hastenichgesehen zu so etwas wie einem durchschnittlichen Mitteleuropäer gemacht werden können, der jeden Tag zur Arbeit geht, brav die Steuern zahlt, und sich höchstens dadurch unterscheidet, dass er in die Moschee statt in die Kirche (oder realistischer: auf den Fußballplatz oder zum Baden) geht und statt Schweinebraten Halal-Lamm isst. Viele junge Menschen ahnen aber inzwischen, dass dies nicht möglich ist und ganz langsam dämmert es ihnen, dass es etliche Jahrhunderte und Ströme von Blut gekostet hat, bis WIR durchschnittliche Mitteleuropäer geworden sind. Und einigen dämmert es sogar, dass SIE es sind, die diesen Wahn ihrer Elterngeneration werden bezahlen müssen, womöglich nicht nur mit Geld, mit richtig, richtig viel Geld, sondern mit ihrer eigenen Zukunft.

Für Häme und Spott über junge verstrahlte „gutmenschliche“ Helfer/Innen ist daher kein Platz: Unsere Generation ist es schließlich, die diese jungen Leute ihrer eigenen Herkunft entwurzelt und entfremdet hat und die sie lieber in einem selbstverliebten Kollektivwahn zur Befriedigung des eigenen Egos opfert, statt endlich zuzugeben, dass der Traum aus ist. Aber so was von .…

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Time am 22. Juni 2016

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1) http://www.achgut.com/artikel/zweifelnde_junge_refugee_helfer_jetzt_bitte_keine_haeme

Schlagwörter:

Eine Antwort to “Opfer eines selbstverliebten Kollektivwahns”

  1. Sophist X Says:

    Keine Häme? Von mir gibt’s einen Extrakübel Häme, und dann noch einen als Bonus obendrauf.
    Die Schuld an andere zu delegieren (in diesem Fall an „unsere Generation“) ist ja genauso Bestandteil des gutmenschlichen Wertekanons und degradiert Menschen zu Handpuppen mächtiger sozialer Traditionen. Nicht mit mir.
    Diese Leute hatten jede Chance, ihre Irrtümer mittels frei zugänglicher Informationen und Fakten zu erkennen und zu korrigieren. Wer sein Hirn nicht benutzen will, darf sich über die Konsequenzen nicht beklagen.

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